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	<title>_jung _grün _stachelig</title>
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	<description>Das Blog der GRÜNEN JUGEND</description>
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		<title>„Liebling, ich habe die Würde des Amtes geschrumpft“</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 20:59:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Paola Viehoff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie & Antirassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; In den vergangenen Tagen übertrafen sich die Medien förmlich gegenseitig in ihrer empörten Berichterstattung über Bundespräsident Christian Wulff und seinen Umgang mit den Medien im Zuge der Affäre um seinen Privatkredit. In der Bevölkerung verlor Wulff infolgedessen derart an Unterstützung, dass Frau Merkel sich nun schon zum zweiten Mal Vergleiche mit dem römischen Kaiser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p align="LEFT">In den vergangenen Tagen übertrafen sich die Medien förmlich gegenseitig in ihrer empörten Berichterstattung über Bundespräsident Christian Wulff und seinen Umgang mit den Medien im Zuge der Affäre um seinen Privatkredit.</p>
<p align="LEFT">In der Bevölkerung verlor Wulff infolgedessen derart an Unterstützung, dass Frau Merkel sich nun schon zum zweiten Mal Vergleiche mit dem römischen Kaiser Caligula gefallen lassen muss, der seinerzeit sein Pferd zum Konsul ernannt haben soll.</p>
<p align="LEFT">Das Fernsehinterview, in welchem Wulff sich erklären wollte, sollte für ihn ein Befreiungsschlag sein – die Bürger indes überzeugte es wenig. In einer Umfrage der ARD vom nächsten Tag sprachen nur 37% der Befragten dem Bundespräsidenten „Glaubwürdigkeit“ aus, nur 31% hielten ihn für „ehrlich“. „Das war nichts“ spottete der SPIEGEL in einer Schlagzeile.</p>
<p align="LEFT">„Einer flog übers Eigenheim“, resümierte ein Blogger kopfschüttelnd, „Pump Fiction“ ein anderer, „Liebling, ich habe die Würde des Amtes geschrumpft“ legte ein dritter Herrn Wulff in den Mund.</p>
<p align="LEFT">Wie soll es nun weitergehen mit dem angeblich „angezählten“ Präsidenten? Rücktritt?</p>
<p align="LEFT">Nach Äußerungen des Präsidenten und der Bundesregierung sieht es im Moment nicht so aus.</p>
<p align="LEFT">Die schwarz-gelbe Regierung pocht darauf, dass Wulff die Debatte einfach aussitzt.</p>
<p align="LEFT">Wulff, der einräumt, Fehler begangen zu haben, sieht offensichtlich in seinem Verhalten eher kleinere moralische Schnitzer als schwerwiegendes Fehlverhalten.</p>
<p align="LEFT"><span id="more-3932"></span></p>
<p align="LEFT">Seine Falschaussage gegenüber der Grünen-Anfrage im niedersächsischen Landtag zur Herkunft seines Privatkredites begründete er mit Unsicherheit im Zuge der „aufgebrachten Stimmung“ in der „parlamentarischen Auseinandersetzung“. Seinen Drohanruf bei Bild-Chefredakteur Diekmann, in welchem er den Journalisten dazu aufforderte, die der Zeitung vorliegenden Informationen über den Privatkredit nicht in der geplanten Form zu veröffentlichen, erklärt er durch die Hilflosigkeit, die er nach eigenen Angaben bei der Vorstellung empfand „das private Dinge in die Öffentlichkeit gezogen werden“.</p>
<p align="LEFT">Es tue im Leid, er habe einen Fehler begangen. Nun ja. Das mag sein.</p>
<p align="LEFT">Aber in Ordnung bringt seine Reue die Affäre nicht. Anders als CDU-PolitikerInnen uns dieser Tage glauben zu machen versuchen, ist ein Bundespräsident, der die Pressefreiheit in unserem Land mit Füßen tritt keine Lappalie. Seine Fehler einzugestehen und Besserung zu loben ist ehrenwert,</p>
<p align="LEFT">reicht aber nicht aus um verlorene Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, die für das Amt notwendig ist, um sich in anderen Ländern glaubhaft für Menschenrecht wie beispielsweise die Pressefreiheit einzusetzen. Die Demonstrationen der vergangenen Tage vor dem Schloss Bellevue, nachdem neben neuen Vorwürfen bezüglich der Privatkreditaffäre dem Präsidenten nun auch noch Pflichtverletzung in seinem Amt als Aufsichtsratsmitglied bei VW vorgeworfen wird, zeigen einmal mehr:</p>
<p align="LEFT">Herr Wulff kann es nicht.</p>
<p align="LEFT">Schlimmer noch als die Skandale und Skandälchen ist sein Umgang mit Ihnen – der Gipfel wurde im Fernsehinterview am 04.01. erreicht: Wir brauchen keinen Präsidenten, der bei „fünf Terminen in vier Tagen“ gegenüber der Presse ausfällig wird, und erst Recht keinen, der sich als Opfer stilisiert.</p>
<p align="LEFT">Den BürgerInnen haben kein Verständnis für Wulffs Eskapaden..</p>
<p align="LEFT">Sie fordern Konsequenzen. Nicht alle, aber zu viele. Immerhin 41% forderten in einer Umfrage der ARD am 05.01. seinen Rücktritt. Das ist eine alarmierend hohe Zahl in einem Land, in dem Würdenträger auch schon wegen unbedeutenderer Vergehen zurückgetreten sind. Nun stellt sich wie auch schon beim Rücktritt von Wullfs Vorgänger Horst Köhler die Frage nach den Ansprüchen an das Amt des/der BundespräsidentIn. Als RepräsentantIn unserer Nation sind diese hoch. KritikerInnen argumentieren nun, einenN qualifizierteN KandidatIn mit völlig reiner Weste und einem Lebenslauf aus schillernder Tugendhaftigkeit und moralischer Integrität finden zu wollen wäre illusorisch.</p>
<p align="LEFT">Die Frage ist: Können wir von unseren PolitikerInnen ein gesetzlich und moralisch einwandfreies Verhalten fordern?</p>
<p align="LEFT">Nein, wir müssenWenn unser derzeitiger Präsident den Anforderungen des Amt nicht genügt ist das kein Anlass die Messlatte niedriger zu hängen sondern eineN KandidatIn zu suchen, der/die das Amt hinreichend ausführen kann. Wenn wir aufhören moralische Ansprüche an unsere RepräsentantInnen zu stellen wird unsere Gesellschaft politisch bald Italien-ähnliche Züge annehmen, wo Politiker der Berlusconi-Riege sich eine Unverfrorenheit nach der anderen erlauben, dubiose Schulterschlüsse mit der Wirtschaft schließen, ihre Bürger belügen, und die Opposition bis vor kurzem einfach hilflos zugeschaut hat. Selbst in Frankreich wäre Artikel wie die über Herrn Wulff niemals in gleicher Form über den Präsidenten veröffentlicht worden – schon häufiger sind Redakteure geflogen, die unliebsame Berichte über Sarkozy und Konsorten verfasst hatten.</p>
<p align="LEFT">So etwas darf es in Deutschland nicht geben!</p>
<p align="LEFT">Wenn sich unser Präsident durch sein Amt finanzielle Vorzüge verschafft, das Parlament anlügt und Medienvertreter bedroht, ist das kein Allerweltsfehler, der jedem hätte passieren können – vor allem nicht für den Bundespräsidenten als Wächter der Verfassung und der Grundrechte.</p>
<p align="LEFT">Nicht diejenigen, die das Amt in Frage stellen sind die die es beschämen, sondern die es in ihrem Verhalten nicht würdevoll ausführen.</p>
<p align="LEFT">Wir als Junge Grüne weigern uns, ein derartiges Verhalten einfach hinzunehmen. Wir lassen uns nicht von CDU PolitikerInnen wie Generalsekretär Gröhe den Mund verbieten, die ein Ende der Debatte fordern, nur weil ein Rücktritt Wulffs unangenehme personelle Konsequenzen für eigene Machtkonstellationen hätte.</p>
<p align="LEFT">Die Liste der deutschen Bundespräsidenten, die Ihre Amtszeit ohne beschämende Skandale und laute Rücktrittsforderungen beendeten, ist zum Glück länger, als die Liste derer die es nicht konnten. Im Klartext: Es gibt durchaus PolitikerInnen die besser geeignet sind als Wulff, und obwohl Angela Merkel bei der Auswahl ihrer Präsidenten bislang kein geschicktes Händchen bewiesen hat, muss sie Konsequenzen aus den einmaligen Verfehlungen unseres Staatsoberhaupt gegenüber Anstand und Grundrechten ziehen und Wulffs Rücktritt herbeiführen. Denn sonst würde sie die Geste Caligulas sogar noch übertreffen, in dem sie nicht nur ein Pferd zum Konsul gemacht hätte, sondern einen Präsidenten im Amt belassen würde der sich als Schaf entpuppt hat. Als Schaf im Wulffs-Pelz.</p>
<p align="LEFT">Autoren: Felix Bohn und Paola Viehoff, Grüne Jugend Mannheim</p>
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		<title>Weihnachten überwinden!</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 16:46:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Bendiek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Grüne Wiese]]></category>
		<category><![CDATA[Spaß]]></category>
		<category><![CDATA[Verband]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon seit Oktober stehen die Supermarktregale voll mit Lebkuchen, Spekulatius und Schoko-Weihnachtsmännern. Jedes Mal, wenn ich einkaufen gehe, tut mir diese Weihnachtsramsch-Invasion körperlich weh. Lebkuchen finde ich sowieso schon immer ekelhaft, Schokolade, diese wundervolle Materie, sollte niemand in die entwürdigende Form dicker alter (btw, von Coca Cola erfundener) Männer zwingen – und Spekulatius will ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Schon seit Oktober stehen die Supermarktregale voll mit Lebkuchen, Spekulatius und Schoko-Weihnachtsmännern. Jedes Mal, wenn ich einkaufen gehe, tut mir diese Weihnachtsramsch-Invasion körperlich weh. Lebkuchen finde ich sowieso schon immer ekelhaft, Schokolade, diese wundervolle Materie, sollte niemand in die entwürdigende Form dicker alter (btw, von Coca Cola erfundener) Männer zwingen – und Spekulatius will ich gefälligst das ganze Jahr über in gleichbleibender Qualität!</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Doch alle Jahre wieder geht die Marktwirtschaft an meinen Bedürfnissen vorbei. An Weihnachten vereinigen sich Kapitalismus und christliche Ideologie, und was dabei herauskommt, ist noch schlimmer als die Grundzutaten. Die Geschäfte ziehen den Menschen das Geld mit Süßigkeiten, Kitsch und überflüssigen Geschenken aus der Tasche, die Kirchen mit Kollekten für hungernde Kinder in Afrika. Dass Tausende von afrikanischen Kindern (und Erwachsenen&#8230;) unter unwürdigen Bedingungen auf chemikalienverseuchten Kakaoplantagen schuften, damit ich meinen Schoko-Weihnachtsmann im Discounter für 30 Cent kaufen kann, thematisiert dabei natürlich niemand. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><a title="Link zur GJ Weilheim-Schongau" href="http://www.gjwmsog.bplaced.net/" target="_blank">Eine GJ-Basisgruppe</a> hat Weihnachten letztens treffend als „Orgasmus des Kapitalismus“ beschrieben. Das schlechte Gewissen, das bei vielen Menschen durch ihren unverantwortlichen Lebensstil entsteht, entlädt sich in materiellen Zuwendungen an die, für die man das ganze Jahr über zu wenig Zeit, zu wenig Liebe hat. Ablasszahlungen statt Sinneswandel heißt die Devise. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Meine Mutter wünscht sich dieses Jahr von mir eine Kochbuchstütze. Sie sagt, sie hat letztens gemerkt, dass sie sowas wirklich braucht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand sowas wirklich braucht.Trotzdem investiere ich zu viele Euro in eine Kochbuchstütze und rechtfertige damit vor mir selbst, dass ich meine Eltern zu selten besuche.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Dieses Beispiel zeigt: Weihnachten absorbiert das revolutionäre Potential unserer Generation. Statt auf der Jagd nach Kochbuchstützen, Frühstückseiköpfern und USB-Aschenbechern durch Innenstädte zu hetzen, statt uns mit Glühwein und Weihnachtsgans zu betäuben (Opium fürs Volk und so), sollten wir demonstrieren gehen! Und nebenbei: Es ist politisch falsch, die familiäre Harmonie zu bewahren, wenn die Oma oder der Onkel unterm Christbaum mal wieder rassistischen Mist labert.<span id="more-3924"></span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Zum Glück hat die GRÜNE JUGEND die Alternative schon beschrieben. Seit dem <a title="Säkularismus-Beschluss der GRÜNEN JUGEND" href="http://www.gruene-jugend.de/beschluesse/881384.html" target="_blank">Säkularismus-Beschluss</a> (gefasst auf dem 36. BuKo im Mai 2011 in Würzburg) fordern wir die Abschaffung aller religiösen Feiertage. Natürlich verbietet das niemandem, am 24. Dezember eine Feier mit Gänsebraten und Tannenbaum zu inszenieren. Aber es beendet die kollektive Zwangsverweihnachtlichung. Wenn unsere Beschlusslage Gesetz wäre, könnte ich, statt im Dezember um einen nadelnden, kitschüberzogenen Baum zu sitzen, einfach im Juli zwei Wochen lang an der Ostsee liegen. Allein, ohne Gänsebraten und Lebkuchengeruch. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Die Utopie duldet keine Kompromisse. Uns bleibt nur ein Weg zum Ziel: Die endgültige Überwindung des Weihnachtsfests. Damit steht uns eine große Herausforderung bevor, die wir nur durch entschlossenes, solidarisches Handeln meistern können. Aber das Gute daran ist: Wenn wir erst Weihnachten überwunden haben, wird das mit dem Kapitalismus ein Klacks. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Lisa Bendiek</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">PS: Ich wünsche euch allen wunderschöne Feiertage, ganz egal ob ihr Weihnachten feiert, anti-feiert, anti-anti-feiert, was ganz anderes feiert oder gar nicht feiert. Lasst euch von diesem Blogbeitrag bloß nicht die Laune verderben! ;-)</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;">PPS: Ich muss jetzt echt los, ein Geschenk für Oma besorgen. Die besuche ich nämlich auch viel zu selten&#8230;</span></p>
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		<title>SPUNK 67 &#8211; Gesundheit</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 14:26:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Spunk]]></category>
		<category><![CDATA[Verband]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe LeserInnen, fragte mensch auf dem letzten Bundeskongress zum Thema Gesundheit herum, kam doch recht häufig eine Antwort wie diese heraus: &#8220;Gesundheit ist schon irgendwie wichtig.&#8221; Dabei möchten wir es mit der Gesundheit aber nicht belassen. Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe zu Stadt und Land bereits in vermeintlich fremde Sphären begaben, steuern wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe LeserInnen,</p>
<p>fragte mensch auf dem letzten Bundeskongress zum Thema Gesundheit herum, kam doch recht häufig eine Antwort wie diese heraus: &#8220;Gesundheit ist schon irgendwie wichtig.&#8221;</p>
<p>Dabei möchten wir es mit der Gesundheit aber nicht belassen. Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe zu Stadt und Land bereits in vermeintlich fremde Sphären begaben, steuern wir mit diesem SPUNK ein Thema an, welches auf unseren Bundeskongressen durchweg präsent war &#8211; sei es durch Beschlüsse zur Organspende oder Homöopathie. Zusammen mit einigen GastautorInnen, zum Beispiel aus der AG Gesundheit, wollen wir daher beleuchten wieso Gesundheit für die GRÜNE JUGEND überhaupt als Politikum gesehen werden sollte. Haben Menschen das Recht auf Selbstzerstörung? Welche Machtstrukturen liegen in der Definition des Gesundheitsbegriffes? Und brauchen wir künftig alle Kuschelrobbenroboter, um dem Mangel an Pflegepersonal zu begegnen? Diesen und weiteren Fragen gehen wir auf den kommenden Seiten nach.</p>
<p>Doch es gibt an dieser Stelle auch noch etwas Redaktionsinternes: Dies ist die letzte Ausgabe, an der Lisa in ihrer Funktion als Beisitzerin im Bundesvorstand beim SPUNK mitgearbeitet hat. Wir möchten uns bei ihr für ihren großen Einsatz herzlich bedanken, und wünschen uns auch in Zukunft den einen oder anderen Artikel von Dir zu bekommen! Im Gegenzug begrüßen wir dafür Felix aus dem neu gewählten Bundesvorstand in unseren Reihen!</p>
<p>Vielleicht können wir mithilfe der illustren Artikelwahl die Gesundheit aus der &#8220;irgendwie&#8221;- Kiste heraus hiefen. Auf jeden Fall wünschen wir euch eine schöne Lektüre und freuen uns auf Kommentare, Kritik und Lob hier im Blog oder per mail: spunk@gruene-jugend.de!</p>
<p>Eure SPUNK-Redaktion: Berenike, Denise, Florian, Jan, Lisa, Norma und Tobias</p>
<p><a href="http://blog.gruene-jugend.de/wp-upload/Titelbild-Gesundheitsfee.jpg"><img src="http://blog.gruene-jugend.de/wp-upload/Titelbild-Gesundheitsfee.jpg" alt="Playmobil-Fee mit Mandarinen, Bouillon und Heiße Zitrone" width="640" height="426" /></a></p>
<h3>Alle Artikel des SPUNK 67 zum Thema Gesundheit</h3>
<p><a title="Freiheit gegen “Volksgesundheit”" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3766"><span id="more-3916"></span>Freiheit gegen Volksgesundheit</a> &#8211; Leitartikel</p>
<p><a title="Krank oda was?" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3780">Krank oda was? Ein Definitionsversuch von Gesundheit</a></p>
<p><a title="Vorstellung AG Gesundheit" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3783">Vorstellung AG Gesundheit</a></p>
<p><a title="Arbeiten, bis der Arzt kommt" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3787">Arbeiten, bis der Arzt kommt</a></p>
<p><a title="Der Trend zur Rundum-glücklich-Pille" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3791">Der Trend zur Rundum-glücklich-Pille</a></p>
<p><a title="Bitte draußen warten" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3801">Bitte draußen warten</a> &#8211; Das Recht auf Gesundheit scheint in Deutschland kein universelles zu sein</p>
<p><a title="Kurioses Krankheitsinventar" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3806">Kurioses Krankheitsinventar</a></p>
<p><a title="Infobox: Zweikassenmedizin" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3811">Infobox: Zweikassenmedizin</a></p>
<p><a title="Die grüne Bürger*innenversicherung" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3815">Die grüne Bürger*innenversicherung</a></p>
<p><a title="Das Pharmamonster" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3819">Das Pharmamonster &#8211; Warum Medikamente in Deutschland so teuer sind</a></p>
<p><a title="Für was bezahlen wir eigentlich?" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3827">Für was bezahlen wir eigentlich?</a> &#8211; Wie das Geld im Gesundheitssystem verteilt wird &#8211; und was vielleicht sinnvoller wäre</p>
<p><a title="Das Gesundheitssystem der USA" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3823">Das Gesundheitssystem der USA</a></p>
<p><a title="Impfen" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3830">Impfen &#8211; Wie mit Propaganda Politik gemacht wird</a></p>
<p><a title="Analyse der Strukturkommission" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3834">Strukturkommission</a></p>
<p><a title="Kuschelrobben und Haushaltsroboter – Altenpflege in Japan" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3841">Kuschelrobben und Haushaltsroboter &#8211; Altenpflege in Japan</a></p>
<p><a title="Eine Frage der Selbstbestimmung" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3844">Eine Frage der Selbstbestimmung &#8211; Warum wir kostenlose Verhütungsmittel brauchen</a></p>
<p><a title="Bist du krank, Frau?" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3848">Bist du krank, Frau? &#8211; Geschlechtersensible Gesundheitsversorgung</a></p>
<p><a title="Wege abseits der Norm" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3851">Wege abseits der Norm &#8211; Wie der Umgang mit Krankheiten aussehen kann</a></p>
<p><a title="Meine kleinen gelben Tabletten und ich" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3854">Meine kleinen gelben Tabletten und ich</a> &#8211; Gedanken über die Macht der Einbildung und ihre Profiteur_innen</p>
<p><a title="Menschenleben gehen vor" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3857">Menschenleben gehen vor &#8211; warum Tierversuche notwendig sind</a></p>
<p><a title="Auch nichtmenschliche Tiere leiden" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3860">Auch nichtmenschliche Tiere leiden &#8211; warum Tierversuche überflüssig sind</a></p>
<p><a title="Geistig (beschränktes) Eigentum" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3864">Geistig (beschränktes) Eigentum</a></p>
<p><a href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3867">Frau sein ist keine Krankheit! </a></p>
<p><a title="Die bvmd e.V. – Der Medizinstudentenverband" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3869">Der Medizinstudentenverband</a></p>
<p><a href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3872">Zu Fuß ins Krankenhaus</a></p>
<p><a title="Ist ja irre!" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3874">Ist ja irre! &#8211; Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie</a></p>
<p><a title="Warten aufs Jugendelixier…" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3877">Warten aufs Jugendelixier&#8230;  oder doch mal über die Altenpflege in Deutschland reden?</a></p>
<p><a title="“Hauptsache, es wird gesund!”" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3880"> „Hauptsache, es wird gesund! &#8211; Schwangere im Konflikt“</a></p>
<p><a title="Mörder in weißen Kitteln" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3883">Mörder in weißen Kitteln &#8211; Mediziner_innen im Nationalsozialismus</a></p>
<p><a title="„Wir wollen den Selbstwert des Einzelnen stärken“" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3886">„Wir wollen den Selbstwert des Einzelnen stärken“</a></p>
<p><a title="Eine kleine Kulturgeschichte der Gesundheit" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3889">Eine kleine Kulturgeschichte der Gesunheit</a></p>
<p><a title="Wie sollte man Jugendliche im Krankenhaus behandeln?" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3892">Wie sollte man Jugendliche im Krankenhaus behandeln?</a></p>
<p><a title="Impressum" href="http://blog.gruene-jugend.de/archives/3895">Impressum</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren! :-)</p>
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		<title>Zu Fuß ins Krankenhaus</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 14:18:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Probleme der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern 6:00: Gestern Abend war es noch ein leichtes Unwohlsein, in der Nacht kamen die Kopfschmerzen und das Fieber dazu. Und so ist an diesem Morgen, als Maria schweißgebadet aufwacht, die Vorahnung zur Gewissheit geworden: Sie ist krank. Was sich bis zu dieser Stelle unspektakulär, wenn auch unangenehm anhört, gewinnt durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Probleme der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern</h3>
<p>6:00: Gestern Abend war es noch ein leichtes Unwohlsein, in der Nacht kamen die Kopfschmerzen und das Fieber dazu. Und so ist an diesem Morgen, als Maria schweißgebadet aufwacht, die Vorahnung zur Gewissheit geworden: Sie ist krank. Was sich bis zu dieser Stelle unspektakulär, wenn auch unangenehm anhört, gewinnt durch die Tatsache an Brisanz, dass Maria sich nicht in einem anderen Industrie-, sondern in einem Entwicklungsland befindet.</p>
<p>Falls Maria dazu noch in einer ländlichen Gegend wohnt, dürfte es nun, da sie krank ist, schwer werden, überhaupt eine ÄrztIn zu finden. So kommt in Afghanistan einE ÄrztIn auf 10.000 EinwohnerInnen und die Spitze dürfte Simbabwe mit 1:60.000 bilden (zum Vergleich Deutschland: 1:330). So kommt es leicht zu Distanzen von einigen dutzend Kilometern bis zur nächsten Gesundheitsstation. Diese Strecken müssen dann meistens zu Fuß oder mit etwas Glück auf einem Fahrradgepäckträger zurückgelegt werden. So trägt die bloße Entfernung neben anderen Gründen entscheidend dazu bei, dass viele Menschen sich lieber direkt an eineN örtlicheN HeilerIn wenden (deren Fähigkeiten sehr unterschiedlich sind).</p>
<p>10:00: Nehmen wir einmal an, dass Maria die erste Hürde überwunden und die nächste Gesundheitsstation erreicht hat. So baut sich nun unmittelbar eine zweite auf: Die Behandlung kostet Geld. In vielen Entwicklungsländern sind nur sehr wenige Menschen krankenversichert. Und auch das staatliche Gesundheitssystem ist selten kostenfrei. Gerade in den 80er und 90er Jahren wurden Gesundheitssysteme entweder vollständig privatisiert (z. B. auf den Philippinen) oder im Zuge von Strukturanpassungsprogrammen zumindest Nutzungsgebühren erhoben. Hinzu kommen oft noch Schmiergelder.</p>
<p>14:00: Nachdem die Familie von Maria es unter großen Mühen (jährlich verarmen ca. 100 Millionen Menschen aufgrund von Krankheitskosten) geschafft hat, das nötige Geld aufzutreiben, wird nun endlich eine Diagnose erstellt: Maria hat Malaria. Sie könnte aber auch an vielen anderen Krankheiten leiden, die alle eins gemeinsam haben: Sie wären leicht zu verhindern. So kostet ein Moskitonetz, das die Zahl der Infektionen alleine um 70% senkt, nur 2-3 Euro, aber nur eineR von zwanzig AfrikanerInnen besitzt eines.</p>
<p>17:00: Nachdem nun die Krankheit feststeht, dürfte der Behandlung ja eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Allerdings machen Arme keinen Umsatz und sind daher für die Pharmaindustrie nicht interessant. Deswegen werden 90% der Forschungsausgaben für die Bedürfnisse von weniger als 10% der Weltbevölkerung verwendet. Existierende Medikamente werden oft nur zu für die Armen unerschwinglichen Preisen verkauft. Gegen Generika, das heißt günstiger produzierte Nachahmprodukte mit derselben Wirkung, geht die Pharmaindustrie mithilfe des Patentrechts rabiat vor.</p>
<p>18:00: Mit Einbruch der Dunkelheit ist unsere Geschichte an dieser Stelle zuende. Marias Leiden geht aber weiter. Falls sie nur eine der erwähnten Schwierigkeiten nicht meistert, kann es gut sein, dass sie eine von 13 Millionen Menschen ist, die Jahr für Jahr an leicht behandelbaren Krankheiten sterben (während ihr diesen Artikel gelesen habt, waren es allein 50). Vielleicht schafft sie es aber auch. Es gibt genug Projekte, die beweisen, dass eine Gesundheitsversorgung für alle machbar ist, wenn wir nur wollen.</p>
<p>Jacob Spanke</p>
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		<item>
		<title>Frau sein ist keine Krankheit!</title>
		<link>http://blog.gruene-jugend.de/archives/3867</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Dec 2011 14:18:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
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		<guid isPermaLink="false">http://blog.gruene-jugend.de/?p=3867</guid>
		<description><![CDATA[Wie weibliche Körpervorgänge pathologisiert werden Im frühen Teenageralter flattern uns allen die üblichen Aufklärungsbroschüren ins Haus, mit Informationen über den männlichen und weiblichen Körper, Sexualität und Verhütung. Die auf junge Mädchen zugeschnittenen Hefte enthalten noch einen besonderen Teil: den ersten Besuch beim Frauenarzt. Diese klären dann auf, dass dort noch nicht zwingend untersucht werden muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wie weibliche Körpervorgänge pathologisiert werden</h3>
<p>Im frühen Teenageralter flattern uns allen die üblichen Aufklärungsbroschüren ins Haus, mit Informationen über den männlichen und weiblichen Körper, Sexualität und Verhütung. Die auf junge Mädchen zugeschnittenen Hefte enthalten noch einen besonderen Teil: den ersten Besuch beim Frauenarzt. Diese klären dann auf, dass dort noch nicht zwingend untersucht werden muss und mädchen einfach nur Fragen stellen kann. Warum sie da denn hinsollen, steht nicht dabei.</p>
<p>Faszinierenderweise steht in den auf Jungen zugeschnittenen Heften nichts über den ersten Besuch beim Männerarzt. Der wird schlicht und ergreifend nicht für nötig gehalten. Männlichkeit ist eben keine Krankheit. Dass Frauen zum Arzt müssen, weil sie nun mal Frauen sind, ist dagegen tief in unserem gesellschaftlichen Denksystem verankert. Tatsächlich antworten die meisten auf die Frage, wer denn nun dieser mysteriöse Männerarzt ist, entweder mit „weiß nicht“ oder (seltener) „Urologe“. Fast niemand kennt die richtige Antwort: Der Männerarzt ist der Androloge.</p>
<p>Sobald die jungen Mädchen ihre Menarche erleben, werden sie beruhigt: Am Anfang ist der Zyklus immer so unregelmäßig, das pendelt sich dann ein. Auf 28 Tage nämlich, so sämtliche Biologiebücher der jungen Mädchen und auch die Medizinlehrbücher der angehenden Gynäkolog*innen. Doch das ist ein Mythos. Weder ist der Zyklus von erwachsenen Frauen normalerweise 28 Tage lang, noch ist er regelmäßig im Sinne von Schulbüchern. Bei 58% der Frauen schwankt der Zyklus um mehr als sieben Tage in einem Frauenjahr. Tatsächlich haben nur 3% so regelmäßige Zyklen, wie sie uns die Aufklärungshefte beschwören, mit einer Schwankungsbreite von bis zu drei Tagen.</p>
<p>Damit werden Frauen aller Altersklassen nicht nur verunsichert, solche Behauptungen sind, gerade bei jungen Mädchen, regelrecht gefährlich. Denn unser Biobuch postuliert nicht nur den 28-Tage-Zyklus, sondern auch den Eisprung am 14. Tag. Jeder, der zwei Absätze weiter über die Überlebensfähigkeit von Spermien liest, kann sich also ausrechnen, wann Frauen denn „normalerweise“ schwanger werden können. So sind Schwangerschaften vorprogrammiert, wenn sich außerhalb dieser Tage in Sicherheit gewähnt wird.</p>
<p>Sollte eine solche eintreten, geht es weiter mit der Pathologisierung. Da Schwangerschaft anscheinend von Natur aus ein medizinisches Problem darstellt, „müssen“ Frauen in dieser zum Gynäkologen. Dass sie ihre Schwangerschaft genauso gut, sicher und viel persönlicher von einer Hebamme betreuen lassen können, wissen die wenigsten. Diese ermöglicht es der Schwangeren häufig deutlich wohlbesonnener die Entscheidung zu ermöglichen, welche Untersuchungen sie wünscht und welche überhaupt nötig sind. So werden Frauen in Hebammenvorsorge in der Schwangerschaft fast nie mit vaginalen Untersuchungen traktiert, die beim Gynäkologen regelrecht zur Begrüßung dazu gehören. Notwendig für die Sicherheit sind sie nicht. Der Gipfel der Problematisierung findet sich jedoch unter der Geburt. Diese ist laut unserer Gesellschaft nicht nur ein medizinisches Problem, sondern gar ein medizinischer Notfall. Wenn Frauen sich entscheiden, außerklinisch zu gebären, sind die freundlichen Reaktionen noch „wie mutig“. Jedoch sind außerklinische Geburten genauso sicher wie klinische, was jedes Jahr aufs Neue unter Beweis gestellt wird. Zu Hause oder im Geburtshaus gibt es deutlich weniger Interventionen und das Geburtserlebnis wird in den allermeisten Fällen als positiver bewertet als in der Klinik. Der Großteil der Interventionen ist schlicht und ergreifend überflüssig, entwürdigend und zumeist selbstgemacht. Die Kaiserschnittrate beträgt im Schnitt in Deutschland 32%, Tendenz Jahr zu Jahr steigend. Bei den außerklinischen Geburten inklusive Verlegungen sind es nur 6%. Wie es anders aussehen kann, bewies in den 80er Jahren der Wiener Arzt Rockenschaub, der in seinem Klinikum (das auch Notfälle annahm) nur eine Kaiserschnittrate von 1% hatte, ohne dass dies den Säuglingen oder den Müttern geschadet hätte. Das Verständnis, dass die meisten Geburten ohne jegliches Zutun normalerweise komplikationslos verlaufen, geht in heutigen Kliniken völlig verloren. Die interventionsfreie Geburt ist eine Seltenheit mit unter 10% geworden.</p>
<p>Nachdem die Frauen also jahrelang Zyklen mit Blutungen und Eisprüngen sowie gelegentlichen Schwangerschaften überstanden haben, geht es in die Menopause. Hierzulande werden gerne Hormone verschrieben, um typische Beschwerden wie Hitzeanfälle zu verringern. Interessanterweise ist das Konzept der Wechseljahre mit den eben genannten Hitzeattacken in anderen Kulturen völlig unbekannt.</p>
<p>Ob Frauen als genauso reparaturbedürftig angesehen werden würden, wenn nicht Männer, sondern sie die gesellschaftliche Norm darstellten, darf bezweifelt werden.</p>
<p>Denise Melchin</p>
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		<title>Impressum</title>
		<link>http://blog.gruene-jugend.de/archives/3895</link>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 22:07:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Herausgebende: GRÜNE JUGEND Bundesverband Hessische Straße 10 10115 Berlin Tel.: 030 275 940 94 Fax.: 030 275 940 96 Redaktion: Lisa Bendiek, Berenike Bögeholz, Tobias Edling, Denise Melchin, Jan Schnorrenberg, Norma Tiedemann (V.i.S.d.P.), Florian Wilhelm Quote: Von Frauen geschriebene Artikel. Diesmal: 53 % Anteil von Frauen unter den AutorInnen. Diesmal: 40 % Layout: Das Modul [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Herausgebende:</p>
<p>GRÜNE JUGEND Bundesverband</p>
<p>Hessische Straße 10</p>
<p>10115 Berlin</p>
<p>Tel.: 030 275 940 94</p>
<p>Fax.: 030 275 940 96</p>
<p>Redaktion:</p>
<p>Lisa Bendiek, Berenike Bögeholz, Tobias Edling, Denise Melchin, Jan Schnorrenberg, Norma Tiedemann (V.i.S.d.P.), Florian Wilhelm</p>
<p>Quote:</p>
<p>Von Frauen geschriebene Artikel. Diesmal: 53 %</p>
<p>Anteil von Frauen unter den AutorInnen. Diesmal: 40 %</p>
<p>Layout:</p>
<p>Das Modul</p>
<p>Fotos:</p>
<p>Soweit nicht anders angegeben, stehen alle Fotos unter einer Creative-Commons-Lizenz. Herkunft siehe Bildunterschrift.</p>
<p>Auflage:</p>
<p>10.000 Stück</p>
<p>Druck:</p>
<p>Union Druckerei Weimar GmbH</p>
<p>Hinweise:</p>
<p>Die Artikel spiegeln die Meinung der jeweiligen Autorin/des jeweiligen Autors wider und stimmen nicht unbedingt mit den Positionen der Redaktion und/oder der GRÜNEN JUGEND überein.</p>
<p>Die Redaktion behält sich die sinngemäße Kürzung von LeserInnenbriefen vor.</p>
<p>Der SPUNK steht unter einer Creative-Commons-Lizenz. Alle Texte sind unter Namensnennung der AutorInnen frei und unverändert im unkommerziellen Rahmen abdruckbar.</p>
<p>Der SPUNK ist die Mitgliederzeitung der GRÜNEN JUGEND. Er erscheint viermal im Jahr und wird aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.</p>
<p>Dieser Ausgabe ist eine Broschüre der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel: &#8220;Soziale Bürgerrechte garantieren&#8221; beigelegt.</p>
<p>Der Bezugspreis für den SPUNK ist im Mitgliederpreis enthalten.</p>
<p>www.gruene-jugend.de/spunk</p>
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		<title>Wie sollte man Jugendliche im Krankenhaus behandeln?</title>
		<link>http://blog.gruene-jugend.de/archives/3892</link>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 22:05:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum Alter eine schlechte Kategorie ist Wer im Krankenhaus liegt, dem geht es meist nicht gut. Schmerzen, Ungewissheit, Angst – Das alles kann einem zu schaffen machen. Folglich sollte alles versucht werden, um den Krankenhausaufenthalt angenehm zu gestalten. Minderjährige werden auf Kinderstationen untergebracht, doch das ist oft ein Problem, denn auch wer körperlich Kind ist, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Warum Alter eine schlechte Kategorie ist</h3>
<p>Wer im Krankenhaus liegt, dem geht es meist nicht gut. Schmerzen, Ungewissheit, Angst – Das alles kann einem zu schaffen machen. Folglich sollte alles versucht werden, um den Krankenhausaufenthalt angenehm zu gestalten.</p>
<p>Minderjährige werden auf Kinderstationen untergebracht, doch das ist oft ein Problem, denn auch wer körperlich Kind ist, kann mental schon erwachsen sein. Das Krankenhauspersonal ist teilweise überfordert, denn nicht immer ist klar erkennbar, wer wie reif ist. Daraus folgt eventuell falsche Behandlung, nicht physisch, sondern psychisch. Dem Kleinkind muss man streng gegenübertreten und feste Regeln aufstellen. Aber je reifer der Patient, desto wichtiger ist es, ihm zu vertrauen und auch seine Meinung zu berücksichtigen. Ein Kind muss man überwachen, wenn es seine Medikamente nimmt, aber Reifere eigentlich nicht. Wer das aber tut, schadet dem reifen Patienten, indem er zeigt: Ich vertraue dir nicht. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.</p>
<p>Für junge Patienten sollte es die Chance geben zu zeigen, dass man sie wie ältere behandeln kann. Andersherum brauchen junge Erwachsene eventuell mehr Unterstützung, als sie sich selbst eingestehen und die sollten sie bekommen. Fachpersonal könnte testen, wer wie reif ist und was braucht. Entsprechend der Ergebnisse sollte man dann gleichreife Patienten auf einer Station unterbringen und nicht gleichaltrige.</p>
<p>Doch wer bezahlt das? Die Antwort: Der Staat! Der Staat versucht seit langem den demografischen Wandel zu stoppen, indem er z.B. neue Kitaplätze schafft. Damit wird gezeigt: Es wird den kleinen Kindern gut gehen! Doch es fehlt etwas, denn auch wenn die Kinder älter sind, sollte es ihnen noch gut gehen. Viele können als Jugendliche für sich selbst sprechen und sich selbst helfen, aber wer krank ist, kann das vielleicht nicht – also muss der Staat zeigen: Hier greifen wir ein! Man muss darauf aufmerksam machen und schon bald hängen überall Plakate: Partei X hilft kranken Teenagern.</p>
<p><em>Britta Kappe</em></p>
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		<title>Eine kleine Kulturgeschichte der Gesundheit</title>
		<link>http://blog.gruene-jugend.de/archives/3889</link>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 22:03:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was Gesundheit ist, scheint eigentlich klar definiert: Folgen wir der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation, so ist &#8220;Gesundheit&#8221; ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. So weit so gut. Wäre da nicht das leidliche Wort &#8220;Wohlergehen&#8221;, könnten wir das Ganze eigentlich auch stehen lassen. Der Gesundheitsbegriff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was Gesundheit ist, scheint eigentlich klar definiert: Folgen wir der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation, so ist &#8220;Gesundheit&#8221; ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. So weit so gut. Wäre da nicht das leidliche Wort &#8220;Wohlergehen&#8221;, könnten wir das Ganze eigentlich auch stehen lassen.</p>
<p>Der Gesundheitsbegriff befindet sich im schmalen Grad zwischen Natürlichkeit und Unnatürlichkeit, zwischen der Wertung von langem und kurzem Leben. Wie so viele andere Begriffe in unserem Sprachgebrauch macht auch hier der Relativismus nicht davor halt, aus diesem vermeintlich klaren Begriff eine undurchsichtige Suppe zu machen, die zum besseren Verständnis erst einmal aufgeschlüsselt werden muss. Der von einer Schlange umwundene Stab des Asklepios zum Beispiel, eines der symbolträchtigsten Zeichen des gesamten Mediziner*innenstandes, symbolisiert die Verschränkung von Medizin und eines gewissen Aberglaubens, sowie des Dualismus von Heilmitteln und Giften (politisch unkorrektes Beispiel: Das Bild des Medizinmannes). Therapieformen wie der Aderlass und die Viersäftelehre signalisieren ein spezifisches Verständnis des menschlichen Körpers, welches im Gegenzug Therapieformen normierte und bestimmte. Ferner ermöglichte die Verknüpfung von physischen und psychischen Leiden mit religiöser Frömmigkeit und dem Achten bestimmter gesellschaftlicher Normen eine Politisierung der Gesundheit; wer ein gesundes Leben führen wollte, sollte sich meist religiösen Normen und Sitten unterordnen. Zu Bestimmen, was Gesund und Ungesund war, und welche Faktoren dazu führen konnten, erwuchs daher auch zu einem höchst potenten Machtfaktor. Eine Zäsur in der europäischen Kulturgeschichte der Gesundheit stellt &#8211; wie überall auch &#8211; die Aufklärung dar.</p>
<p>Europa, was im 19. Jahrhundert im Zuge der Moderne vom Biologismus fasziniert wurde und sämtliche Eigenarten des menschlichen Zusammenlebens vor dem Hintergrund einer biologischen Determination verstehen zu versuchen wollte, entwickelte daher verständlicherweise eine biologistische Auffassung von Krankheiten, insbesonderer Psychischer. (Als sie dann noch heraus fanden wie Nervenzellen funktionierten, war es um die Ärzt*innen geschehen; auch noch heute ist er Diskurs zwischen Neurowissenschaftler*innen über die biologische Determinierung des Verhaltens sehr lebhaft und aus philosophischer Perspektive unglaublich spannend.). Wirklich &#8220;herausgefordert&#8221; oder &#8211; diplomatischer ausgedrückt &#8211; durch andere kulturelle Kontextinformationen ergänzt wird dieses westliche, sich auf den Schwingen der Globalisierung überall ausbreitende Gesundheitsverständnis auf akademischer Ebene erst langsam. Ein mögliches Beispiel bietet die wachsende Akzeptanz der &#8220;fernöstlichen&#8221; Medizin, insbesondere der Akupunktur. Aber auch in anderen Bereichen gibt es Spannungs-; und Berührungsfelder, vor allem im psychotherapeutischen Bereich. Schritte wie amerikanischen Therapeut*innen bei der Behandlung von Mitgliedern der indigenen Bevölkerung Amerikas zu empfehlen, nebeneinander statt sich gegenüber zu sitzen, mögen kleine Schritte hin zu einem interkulturellen Gesundheits-; und Therapieverständnisses sein, aber sie führen zu nachweisbaren Therapieerfolgen. Gesundheit kann nur als ein Gesamtbild aus Körper, Psyche und kulturellen Einschreibungen verstanden werden.</p>
<p>Jan Schnorrenberg</p>
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		<title>„Wir wollen den Selbstwert des Einzelnen stärken“</title>
		<link>http://blog.gruene-jugend.de/archives/3886</link>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 22:01:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Interview mit Sebastian Macht, Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Frankfurt SPUNK: Sie arbeiten im AIDS-Hilfe-Projekt „AG36 &#8211; Schwules Zentrum Frankfurt“. Was machen Sie da? Wir haben eine Vielzahl von Angeboten, die sich hauptsächlich an schwule Männer richten. Zusammenfassen kann man diese unter den Schlagworten: Beratung, Prävention, Information und Kommunikation. Gemeinsam mit meinem Kollegen und knapp 60 ehrenamtlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Interview mit Sebastian Macht, Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Frankfurt</h3>
<p><em>SPUNK: Sie arbeiten im AIDS-Hilfe-Projekt „AG36 &#8211; Schwules Zentrum Frankfurt“. Was machen Sie da?</em></p>
<p>Wir haben eine Vielzahl von Angeboten, die sich hauptsächlich an schwule Männer richten. Zusammenfassen kann man diese unter den Schlagworten: Beratung, Prävention, Information und Kommunikation. Gemeinsam mit meinem Kollegen und knapp 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern kümmern wir uns um den reibungslosen Ablauf aller Angebote.</p>
<p>Unsere Arbeit zielt darauf ab, durch Aufklärung und Information den Selbstwert des Einzelnen zu stärken, Selbsthilfestrukturen zu unterstützen und gesellschaftliche Prozesse zu beeinflussen. Das körperliche und geistige Wohlergehen schwuler Männer steht im Zentrum. Unser Anspruch ist es nicht, moralisierend und bekehrend auf schwule Männer einzuwirken. Wir wollen lieber durch vielfältige und gezielte Aufklärung das Verantwortungsgefühl des Einzelnen für sich und andere stärken, um ihm damit ein ausgewogenes und selbstbestimmtes Risikomanagement zu ermöglichen.</p>
<p>Mit verschiedenen Aktivitäten setzen wir uns für die Akzeptanz schwuler Lebensweisen ein, stärken das schwule soziale Netz und tragen zur Vernetzung von schwul-lesbischen Gruppen und Initiativen bei. Wir informieren über HIV und Safer Sex, über Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und was wann und wo in der Szene angesagt ist. Wir geben auch Antworten zu anderen Gesundheitsthemen wie sexuell übertragbaren Krankheiten und zu den Besonderheiten des schwulen Miteinanders. Neben der anonymen Beratung, welche telefonisch, im Chat oder per Mail stattfinden kann, bieten wir auch persönliche Beratungsgespräche an.</p>
<p>Darüber hinaus bieten wir seit letztem Jahr den MainTest, einen anonymen Schnelltest inklusive Beratung in unseren Räumen an. Dieses HIV-Beratungs- und Schnelltestangebot bietet Männern, die Sex mit Männern haben, die Möglichkeit, sich über Fragen zu HIV und Safer Sex zu informieren und im Anschluss den aktuellen HIV-Status testen zu lassen.</p>
<p><em>SPUNK: Mit welchen Anliegen kommen die Menschen in Ihre Beratung?</em></p>
<p>Die Sorgen und Nöte, mit denen Menschen unsere Beratung aufsuchen, sind so mannigfaltig und unterschiedlich wie die Menschen selbst. Das Spektrum erstreckt sich über Fragen zum Coming Out, über Themen von Safer Sex, über die Suche nach vertrauenswürdigen Ärzten, Therapeuten oder auch Rechtsanwälten, bis hin zu Partnerschafts-, Familien oder Arbeitsplatzkonflikten.</p>
<p><em>SPUNK: In welchen Bereichen werden HIV-positive Menschen in Deutschland Ihrer Erfahrung nach mit Diskriminierung konfrontiert?</em></p>
<p>Nach wie vor werden HIV-Positive Menschen immer noch stark in rechtlichen Dingen diskriminiert, da hier die Rechtslage noch immer nicht eindeutig geklärt ist. Des Weiteren wird uns häufig von Problemen von HIV-Positiven bei Zahnärzten berichtet. Hier werden nicht selten Patienten abgewiesen, wenn diese offen ihre Infektion thematisieren.</p>
<p><em>Sebastian Macht ist seit vier Jahren hauptamtlicher Mitarbeiter in der AG36, dem Schwulen Zentrum Frankfurt.</em></p>
<p>Lisa Bendiek</p>
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		<title>Mörder in weißen Kitteln</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:59:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mediziner_innen im Nationalsozialismus Am 11.April 1945 befreiten US-amerikanische Truppen die Boelcke-Kaserne in Nordhausen, eines der zahlreichen Außenlager des KZs Mittelbau-Dora. Das KZ-Außenlager war ein Sterbelager – in seinem zwölfwöchigen Bestehen kamen mehr als 3000 Personen um, die schwerkrank ohne medizinische Versorgung ihrem Schicksal überlassen wurden. Die Bilder dieses gezielten Tötens von Menschen aus rassistischen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Mediziner_innen im Nationalsozialismus</h3>
<p>Am 11.April 1945 befreiten US-amerikanische Truppen die Boelcke-Kaserne in Nordhausen, eines der zahlreichen Außenlager des KZs Mittelbau-Dora. Das KZ-Außenlager war ein Sterbelager – in seinem zwölfwöchigen Bestehen kamen mehr als 3000 Personen um, die schwerkrank ohne medizinische Versorgung ihrem Schicksal überlassen wurden. Die Bilder dieses gezielten Tötens von Menschen aus rassistischen und sozialdarwinistischen Motiven ist wohl eine der ersten Assoziationen, die mit dem Thema Medizin und Nationalsozialismus verbunden werden. Eine andere sind Menschen-Experimente, durchgeführt von SS-Ärzten in Auschwitz und anderen Konzentrations- und Vernichtungslagern, denen tausende Menschen zum Opfer fielen. Doch die Verbindungen von Mediziner_innen und dem nationalsozialistischen Staat bestanden nicht nur bei Menschenversuchen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern.</p>
<p>Bedeutsam an dieser Stelle ist ein Blick auf die Ideologie: Die medizinischen Vorstellungen der Nazis nahmen das Kollektiv als Maßstab der Betrachtung. Zentral war die Idee des Volkskörpers, in dem das imaginierte deutsche Volk als rassisch-biologische Einheit verstanden wurde. Mit dieser Vorstellung wurde ein Programm verknüpft: Der Volkskörper sollte von schlechtem Erbgut gereinigt werden – dieser Idee unterwarf sich das Gesundheitswesen.</p>
<p>So führten Mediziner_innen von 1933 &#8211; 1945 auf Basis des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses 400.000 Zwangssterilisierungen durch. Erzwungen wurden die Sterilisierungen durch Urteile eigens eingerichteter Erbgesundheitsgerichte. Zu den Krankheiten, die eine Sterilisierung zur Folge haben konnten, zählten erbliche Blind- oder Taubheit genauso wie Schizophrenie. Das Gesetz wurde erst 1988 vom Bundestag als Unrecht anerkannt – ein Recht auf Entschädigung wird den Opfern bis heute nicht zugestanden. Allerdings wurden Menschen, die durch die Nazis als erbkrank definiert wurden, auch gezielt getötet. In den Jahren 1939 – 1941 wurden 70.000 Insassen von Heil- und Pflegeanstalten, im Rahmen der sogenannten Aktion T4, in Gaskammern ermordet. Nach 1941 wurden noch 30.000 weitere Patient_innen durch Medikamente oder Nahrungsentzug getötet.</p>
<p>Zur Verantwortung gezogen wurden im Nürnberger Ärzteprozess 1947 nur 23 Personen, die als Köpfe des medizinischen Apparates galten. Andere Täter machten im Nachkriegsdeutschland Karriere: So wurde Julius Deussen, der in Versuchen Kinder mit Behinderung tötete, Medizinalrat im Bayerischen Justizministerium und später Psychologe bei der Bundeswehr.</p>
<p>Tobias Edling</p>
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		<title>&#8220;Hauptsache, es wird gesund!&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:57:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Spunk]]></category>

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		<description><![CDATA[Schwangere im Konflikt „Was soll es denn werden?“, wird die Schwangere mit einem Blick auf ihren runden Bauch immer wieder gefragt. Ohne zu zögern antwortet sie: „Ach, das ist nicht so wichtig. Hauptsache, es wird gesund!“ Doch die nachvollziehbare Besorgnis um das Wohl des Ungeborenen, die dieser schlichten Antwort innewohnt, birgt zugleich auch eine unausgesprochene [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Schwangere im Konflikt</h3>
<p>„Was soll es denn werden?“, wird die Schwangere mit einem Blick auf ihren runden Bauch immer wieder gefragt. Ohne zu zögern antwortet sie: „Ach, das ist nicht so wichtig. Hauptsache, es wird gesund!“ Doch die nachvollziehbare Besorgnis um das Wohl des Ungeborenen, die dieser schlichten Antwort innewohnt, birgt zugleich auch eine unausgesprochene Befürchtung, die eine unmissverständliche Definition von Gesundheit offenbart: Die Angst, ein Kind mit Behinderung zur Welt zu bringen.</p>
<p>Laut Statistischem Bundesamt werden in Deutschland jährlich etwa 2.300 Schwangerschaftsabbrüche nach der 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt, was in etwa 2 % aller Abbrüche darstellt. Solche Spätabbrüche nach dem dritten Monat sind nur dann legal, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Dies bedeutet, dass „eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren“ (§ 218 a Abs. 2 StGB) lediglich durch den Schwangerschaftsabbruch abgewendet werden kann. Der häufigste Grund für solch eine potenzielle Gefahr ist dabei eine Behinderung des Ungeborenen, die bereits während der Schwangerschaft festgestellt worden ist. Die häufige Entscheidung für den Schwangerschaftsabbruch in solch einem Fall verdeutlicht einmal mehr, welche Erwartungen und Hoffnungen mit einer Schwangerschaft einhergehen und dass die individuellen Sorgen und Ängste letztlich nur ein Ausdruck dessen sind, was als gesellschaftliche Angst bezeichnet werden kann: Die Angst vor dem Umgang mit Menschen, die zu einer Randgruppe gemacht werden, weil sie nicht dem tradierten Verhaltenskodex gemäß agieren und sich damit nicht dem System in gemeinhin akzeptierter Weise unterwerfen.</p>
<p>Schier unglaublich ist, dass im Fall der medizinischen Indikation keine Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB von Nöten ist und sich die Schwangere demnach ohne professionelle Beratung für den Abbruch der Schwangerschaft entscheiden kann. Dies ist insofern nicht nachvollziehbar, als dass die „Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage“ ihren tieferen Sinn gerade darin findet, der schwangeren Frau „Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen“ und dazu beitragen kann, „die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen“ (§ 219 Abs. 1 StGB). Doch ausgerechnet in Fällen medizinischer Indikation, die für die betroffenen Frauen eine oftmals scheinbar ausweglose Situation bedeuten, besteht keine Pflicht zur professionellen Beratung.</p>
<p>Die Angst, ein Kind mit Behinderung zur Welt zu bringen, ist unglaublich unfassbar und erschreckend nachvollziehbar zugleich. Unfassbar, weil sie Menschen mit Behinderungen degradiert und damit aufzeigt, dass sie noch lange nicht die volle Akzeptanz und Anerkennung in unserer Gesellschaft gefunden haben. Nachvollziehbar, weil der gesellschaftliche Druck auf die werdende Mutter so massiv ist, dass sie sich der Verantwortung, ein behindertes Kind großzuziehen, nicht gewachsen fühlt und die Angst vor dem Umgang mit der Situation dadurch zur enormen Belastung wird.</p>
<p>Doch am Tag, an dem die Angst überwunden wurde, wird eine Schwangere auf die Frage nach ihrem Ungeborenen antworten: „Es ist egal, was es wird. Hauptsache, es wird glücklich!“</p>
<p>Sarah Benke</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Warten aufs Jugendelixier&#8230;</title>
		<link>http://blog.gruene-jugend.de/archives/3877</link>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:55:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Spunk]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder doch mal über Altenpflege in Deutschland reden!? Immerhin – an dem beständig aufpolierten Lack der alten „Wahrheit“ über die natürliche Eignung von Frauen für die Kindererziehung wird inzwischen immer hartnäckiger gekratzt. Doch das Bild der fürsorglichen Weiblichkeit ist nichtsdestotrotz in der deutschen Gesellschaft überpräsent – die Pflege alter, kranker Menschen ist mehrheitlich in Frauenhand. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong></strong>Oder doch mal über Altenpflege in Deutschland reden!?</h3>
<p>Immerhin – an dem beständig aufpolierten Lack der alten „Wahrheit“ über die natürliche Eignung von Frauen für die Kindererziehung wird inzwischen immer hartnäckiger gekratzt. Doch das Bild der fürsorglichen Weiblichkeit ist nichtsdestotrotz in der deutschen Gesellschaft überpräsent – die Pflege alter, kranker Menschen ist mehrheitlich in Frauenhand. Pflege benötigt Emotionalität und Einfühlsamkeit – ein Glück, dass diese Qualitäten schon zur biologischen Grundausstattung von Frauen gehören. So entfällt die Notwendigkeit mal darüber zu sprechen, wie wir als Gesellschaft diese Tätigkeiten organisieren und gestalten wollen. Tatsächlich jedoch liegt einiges im Argen in deutschen Altenpflegeheimen &#8211; seit Jahren steht die Bundesrepublik in der Kritik von z.B. der UN: „Unmenschlich“ und „unangemessen“ sei die Situation für Pflegebedürftige. Die besonderen Herausforderungen einer älter werdenden Bevölkerung werden nur zu gerne als Privatangelegenheit deklariert, weil wir die Schwierigkeiten ausblenden möchten, die mit dem Schwinden körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit im Alter oder bei Krankheit verknüpft sind. Damit scheuen wir jedoch vor Schieflagen zurück, die schon jetzt Menschen akut in ihren Lebensmöglichkeiten einschränken.<br />
Der Großteil derjenigen, die privat Pflegetätigkeiten ausüben, sind Frauen &#8211; oft Töchter und Partnerinnen. Die Pflegeleistung zu Hause ist jedoch zeitintensiv, sie lässt keine Luft für die vielleicht gewünschte Vollzeitstelle oder persönlichen Freiraum. Um Haushalt, Kinder und die Pflege z.B. der Eltern schultern zu können, bleibt wieder nur das tradierte Modell eines Allein-Verdiener-Haushaltes. Die daraus resultierenden Folgen sind im Zuge der Nicht-Vereinbarkeit von Kindererziehung und Beruf schon weitestgehend offen gelegt: finanzielle Abhängigkeit und lückenhafte soziale Absicherung in der Gegenwart und in Zukunft wegen fehlender Beiträge zur Rentenversicherung verweigerte gesellschaftliche Anerkennung und Unzufriedenheit durch das Gefühl ausgebremst zu werden.<br />
Die gleiche Geschlechterunausgewogenheit dominiert in der professionellen Pflegearbeit: Dort wo direkter Kontakt zu Menschen im Mittelpunkt steht, also außerhalb von Verwaltung und Management, sind kaum Männer anzutreffen. Dies wirkt sich massiv auf Arbeitsbedingungen, Gehälter und Reputation aus. Der in den letzten Jahrzehnten stattfindende Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit ist vor allem durch eine Ausweitung von Teilzeitarbeit und geringfügiger Beschäftigung zu erklären. In der Pflegearbeit kommt hinzu, dass wegen der hohen Arbeitsbelastung eine Vollzeitstelle für die Angestellten oft von vornherein unmöglich erscheint. Seit Jahren wird an Pflegepersonal und Ausbildung gespart, Schreibtischarbeit wird vermehrt denen aufgebürdet, deren geringe Zeitkapazität eigentlich für die Sorge um Menschen reichen soll. Landesregierungen kürzen Gelder für Altenpflegeschulen, so dass Auszubildende selbst zahlen müssen. Diese Mängel führen zu einem chronischen Qualitätsabfall in der Altenpflege und werden zynischerweise mit versicherungsmathematischen Kostenaufrechnungen beantwortet. Es kann in der Tat menschenverachtend genannt werden, wenn die noch erwartbaren Lebens- und Arbeitsjahre als Maßstab bei der Frage gelten,welche Versorgung einem Menschen zusteht, also danach zu urteilen, wie viel ökonomisches Potential noch zu Tage gefördert werden könnte.<br />
Wir müssen uns auch fragen, wie wir selber leben wollen, wenn der Körper zu streiken beginnt und sich unsere Fähigkeit zur Selbstbestimmung bedeutend wandelt, denn der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal und guter Pflege wird angesichts steigender Lebenserwartung in Europa nicht schrumpfen. Altenpflege ist somit ein Knotenpunkt der Fragen nach dem Recht in Würde zu altern, dem Recht auf eine geschlechtergerechte Gesellschaft und dem Recht einer Beschäftigung nachzugehen, die nicht die eigene physische und psychische Gesundheit zerstört. Anstatt das Problem „Altersrisiko“ mit privater Vorsorge lösen zu wollen, die sich ohnehin nur ein geringer Teil der Menschen leisten kann, müssen diese Fragen im Kontext gesamtgesellschaftlicher Solidarität diskutiert werden.</p>
<p>Norma Tiedemann</p>
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		<title>Ist ja irre!</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:53:12 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie Zwischen Normalität und Wahnsinn verläuft ein schmaler Grat. Urteile darüber, auf welcher Seite davon ein Mensch steht, sind immer schwierig zu fällen. Und sie haben immer weitreichende Folgen. Gisela Z. wurde in die Psychiatrie zwangseingewiesen, weil sich sich ihre Nachbar_innen über Lärm und mangelnde Wohnungspflege beschwert hatten. In verschiedenen Kliniken wurde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie</h3>
<p>Zwischen Normalität und Wahnsinn verläuft ein schmaler Grat. Urteile darüber, auf welcher Seite davon ein Mensch steht, sind immer schwierig zu fällen. Und sie haben immer weitreichende Folgen.</p>
<p>Gisela Z. wurde in die Psychiatrie zwangseingewiesen, weil sich sich ihre Nachbar_innen über Lärm und mangelnde Wohnungspflege beschwert hatten. In verschiedenen Kliniken wurde die Rentnerin eingesperrt und festgebunden. Gegen ihren Willen verabreichte man ihr Psychopharmaka, die ihr den Schlaf raubten. „Ich habe mich nur in mich zusammen gekrochen und gehofft, dass es Hilfe gibt&#8221;, sagt Gisela Z. über diese Zeit.</p>
<p>Ähnlich wie Gisela Z. ergeht es in Deutschland jährlich bis zu 200.000 Menschen, die Opfer einer psychiatrischen Zwangseinweisung werden. In den letzten 15 Jahren hat sich diese Zahl verdoppelt, bis zu jede zehnte Zwangseinweisung erfolgt dabei ohne Rechtsgrundlage. Eigentlich sind Zwangseinweisungen, die einen krassen Eingriff in die Grundrechte darstellen, nur bei Selbst- oder Fremdgefährdung zulässig. Aber wie das Beispiel von Gisela Z. zeigt, sieht die Praxis anders aus: Anstatt der Rentnerin Hilfe bei der Alltagsbewältigung anzubieten, was sie benötigt hätte, stempelten die Behörden sie zur Verrückten.</p>
<p>Menschen, denen einmal das Etikett „psychisch krank“ aufgeklebt wurde, haben es schwer, sich davon wieder zu befreien. Das zeigten schon die Experimente des US-amerikanischen Psychologen David Rosenhan in den Jahren 1968 bis 1972. Im Rahmen des „Rosenhan-Experiments“ begaben sich der Wissenschaftler und sieben weitere psychisch völlig „gesunde“ Personen freiwillig in psychiatrische Kliniken. Alle gaben an, Stimmen zu hören, die die Worte „empty“, „hollow“ und „thud“ sagten, und wurden mit den Diagnosen „Schizophrenie“ oder „manisch-depressive Psychose“ aufgenommen. Obwohl sie sich innerhalb der Klinik vollkommen normal verhielten, erkannte das Fachpersonal sie nicht als Pseudo-Patient_innen. Die Proband_innen verblieben zwischen 7 und 52 Tagen in der Klinik. Während dieser Zeit nahm jede_r durchschnittlich 12 psychoaktive Pillen pro Tag.</p>
<p>Mit diesem Experiment sorgte Rosenhan für Aufruhr im psychiatrischen Betrieb. Psychiater_innen zweifelten seine Forschungsergebnisse an und beteuerten, solche Fehleinschätzungen seien in anderen Kliniken unmöglich. Daraufhin kündigte Rosenhan an, in einem zweiten Schritt des Versuchs weitere Pseudo-Patient_innen in eine Klinik zu schicken. Die Angestellten sollten unter den Neuaufnahmen gezielt nach den Simulant_innen zu suchen. In den folgenden drei Monaten bewertete das psychiatrische Fachpersonal 41 von 193 Patient_innen als „gesund“ – obwohl Rosenhan diesmal überhaupt keine Versuchspersonen entsandt hatte!</p>
<p>Offensichtlich werden in professionellen psychiatrischen Einrichtungen „Gesunde“ zu „Kranken“ erklärt und umgekehrt. Manche Theoretiker_innen folgern, dass „psychische Krankheit“ objektiv gar nicht existiert. Noch vor Rosenhans Versuchen, im Jahr 1961, veröffentlichte der US-amerikanische Psychiater Thomas Szasz ein Buch namens „The Myth of Mental Illness“ (Mythos Geisteskrankheit). Darin argumentiert er, die Erfindung von „psychischer Krankheit“ diene nur dazu, ungewöhnliche Verhaltensweisen abzuwerten und Andersdenkende zu unterdrücken. Jede Art von psychiatrischem Zwang verurteilt Szasz als Menschenrechtsverletzung. Ähnliches schrieb der französische Philosoph Michel Foucault im selben Jahr in „Folie et déraison“ (Wahnsinn und Gesellschaft).</p>
<p>Zeitgleich zur Psychiatriekritik innerhalb des Wissenschaftsbetriebs regte sich auch gesellschaftlicher Widerstand. 1980 gründete sich in Berlin die „Irren-Offensive“, die noch heute besteht. Darin schlossen sich Menschen zusammen, die sich selbst als „psychiatrisch verleumdet“ bezeichnen. Anstatt sich weiter bevormunden zu lassen, organisierten sie sich gemeinschaftlich und trafen alle Entscheidungen gleichberechtigt in einem wöchentlichen Plenum. Bald besetzte die Irren-Offensive ein leerstehendes Haus und veröffentlichte mit finanzieller Unterstützung des Asta der FU Berlin die erste Ausgabe ihrer Zeitung „Irren-Offensive“.</p>
<p>Mittlerweile bestehen ähnliche Initiaven an vielen Orten. Aus den Kämpfen der „Irren“, „Verrückten“ und „Wahnsinnigen“ um Selbstbestimmung sind neue Institutionen hervorgegangen. In Berlin beispielsweise betreibt der „Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt“ in der Villa Stöckle ein sogenanntes „Weglaufhaus“. Dort finden von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen einen Zufluchtsort, der ihnen eine Alternative zur Psychiatrie bietet. Die Mitarbeiter_innen des Weglaufhauses sind zum Großteil selbst Psychiatrieerfahrene. Sie verzichten auf psychiatrische Diagnosen, arbeiten transparent und ermöglichen allen Bewohner_innen des Weglaufhauses Mitbestimmung.</p>
<p>An Orten wie diesen versuchen Menschen, die Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn nicht mehr zu ziehen. Manche handeln so, weil sie wissen, wie schmal dieser Grat ist. Andere, weil sie überzeugt sind, dass die Grenze gar nicht existiert.</p>
<p>Lisa Bendiek</p>
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		<title>Die bvmd e.V. – Der Medizinstudentenverband</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:49:53 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die bvmd (Bundesvertretung der Medizinstudenten in Deutschland e.V.) ist die demokratisch organisierte Vertretung der mehr als 80.000 Medizinstudierenden in Deutschland. Pro Jahr kommen wir auf drei Medizinstudierendenversammlungen und einem Bundeskongress an einer der 36 Fakultäten zusammen, um Positionspapiere zu beschließen, Aktionen zu planen, Posten zu besetzen und an Seminaren teilzunehmen. Bei all diesen Gelegenheiten findet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die bvmd (Bundesvertretung der Medizinstudenten in Deutschland e.V.) ist die demokratisch organisierte Vertretung der mehr als 80.000 Medizinstudierenden in Deutschland. Pro Jahr kommen wir auf drei Medizinstudierendenversammlungen und einem Bundeskongress an einer der 36 Fakultäten zusammen, um Positionspapiere zu beschließen, Aktionen zu planen, Posten zu besetzen und an Seminaren teilzunehmen. Bei all diesen Gelegenheiten findet viel inhaltliche Arbeit statt: Austausch (Klinikpraktikum und Forschung), Public Health und Entwicklungszusammenarbeit, Gesundheitspolitik, Medizin und Menschenrechte, Ausbildung, Sexualität und Prävention, Europäische Integration, Training und Palliativmedizin. Integriert in den internationalen und den europäischen Medizinstudentenverband betreiben wir eines der größten akademischen Austauschprogramme der Welt, über das wir Student/innen aus jeder Himmelsrichtung empfangen und im Gegenzug jemanden zurückschicken. Diese Arbeit wird zum großen Teil von den Lokalvertretungen an den Unis getragen, die die Leute empfangen, die Stadt zeigen und bei der Klinikarbeit für Rückfragen zur Verfügung stehen. Von den Lokalgruppen wird z. B. auch Aufklärungsunterricht an Schulen gegeben, das Teddybärhospital für Kindergartenkinder betrieben oder Entwicklungshilfeprojekte betreut. Wir haben aber noch viele andere Projekte: Im November 2011 führten wir z.B. eine groß angelegte Kampagne zusammen mit dem IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) und der UAEM (Universities allied for essential medicines e.V.) durch. Außerdem fordern wir öffentliche Gelder zur Erforschung von Krankheiten, die hauptsächlich in Entwicklungsländern auftreten, und Medikamente sowie Patente für arme Länder günstig zugänglich zu machen, um die dortige Gesundheitsversorgung zu verbessern. Außerdem beschäftigen uns derzeit vor allem die Reform unserer Ausbildung und die bedenklichen Arbeitsbedingungen im Arztberuf, die kaum Rücksicht auf die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Arbeit nehmen.</p>
<p>Jacob Hildebrand</p>
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		<title>Geistig (beschränktes) Eigentum</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:46:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Recht auf Gesundheitsversorgung als Patent? Patente sollen geistiges Eigentum schützen. Seit dem TRIPS – Abkommen (über handelsbezogene Aspekte der Rechte am geistigen Eigentum) 1994, in dem die Mitgliedsstaaten der WTO (World Trade Organisation) sich darauf verständigt haben, den Schutz von Patenten rechtlich durchzusetzen, gilt in allen Mitgliedsstaaten 20 Jahre Patentschutz auf Medikamente. Dies führt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Recht auf Gesundheitsversorgung als Patent?</h3>
<p>Patente sollen geistiges Eigentum schützen. Seit dem TRIPS – Abkommen (über handelsbezogene Aspekte der Rechte am geistigen Eigentum) 1994, in dem die Mitgliedsstaaten der WTO (World Trade Organisation) sich darauf verständigt haben, den Schutz von Patenten rechtlich durchzusetzen, gilt in allen Mitgliedsstaaten 20 Jahre Patentschutz auf Medikamente. Dies führt zu eklatanten Problemen der medizinischen Versorgung mit adäquaten Medikamenten vor allem in Entwicklungsländern. Die Preise für moderne, patentgeschützte Medikamente können dort kaum bezahlt werden und gerade Erkrankungen wie die mit dem HI-Virus werden somit gar nicht oder nur unzureichend behandelt. Forschende Pharmaunternehmen orientieren sich zudem fast ausschließlich auf die Krankheiten der westlichen Zivilisation mit denen sich viel Geld verdienen lässt. Für die Forschung an den sogenannten vernachlässigten Krankheiten, die vor allem in armen Teilen der Erde kursieren, geben die Pharmaunternehmen kaum Geld aus, weil es keine zahlungsfähigen AbnehmerInnen, also keinen ökonomischen Anreiz gibt. Da so existenzielle Bereiche wie die der Gesundheitsversorgung nicht allein nach ökonomischen sondern vor allem auch nach ethischen, menschenrechtlichen Aspekten betrachtet werden müssen, brauchen wir eine Alternative zu dem bestehenden Patentsystem. Um die Kosten für die Allgemeinheit zu senken und die Versorgung auch von vernachlässigten Krankheiten sicherzustellen, existiert das Konzept von Forschungspreisen: Mit öffentlichen Geldern werden Preise für die Entwicklung eines Impfstoffs oder eines Medikaments ausgeschrieben. Das Ergebnis kann dann patentfrei von allen Pharmafirmen hergestellt werden – dies zieht eine deutliche Preissenkung nach sich. Studien aus Schweden weisen eine bis zu 70%-ige Reduzierung des Preises nach Auslauf des Patentschutzes nach. Somit könnte die Entwicklung öffentlich gesteuert und die Versorgung wesentlich verbessert werden.</p>
<p>Julian Mütsch</p>
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		<title>Auch nichtmenschliche Tiere leiden</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:44:41 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Warum Tierversuche überflüssig sind Seit der Jahrtausendwende steigt die Zahl der Tiere, die in Medizin, Forschung und Kosmetik zu &#8220;Versuchszwecken&#8221; getötet werden. Besonders in der medizinischen Forschung genießt das Töten von Tieren durch den angeblich dadurch entstehenden Fortschritt für die Menschheit einen hohen Grad an Legitimität. Dabei wird komplett außer Acht gelassen, dass auch nichtmenschliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Warum Tierversuche überflüssig sind</h3>
<p>Seit der Jahrtausendwende steigt die Zahl der Tiere, die in Medizin, Forschung und Kosmetik zu &#8220;Versuchszwecken&#8221; getötet werden. Besonders in der medizinischen Forschung genießt das Töten von Tieren durch den angeblich dadurch entstehenden Fortschritt für die Menschheit einen hohen Grad an Legitimität.</p>
<p>Dabei wird komplett außer Acht gelassen, dass auch nichtmenschliche Tiere leiden können, weshalb auch sie Gegenstand unserer moralischen Rücksichtnahme sein müssten. Neben der ethischen Argumentation gibt es medizinisch-methodische Gründe, weshalb Tierversuche mehr als fragwürdig sind. So überstehen laut der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde 92% der potentiellen Arzneimittel, die vorher an Tieren getestet wurden, den Test am Menschen nicht und dürfen daher nicht verkauft werden.</p>
<p>Überhaupt sind durch die anatomischen Unterschiede und die nur künstlich erzeugten Krankheitssymptome nur 10-30% der &#8220;Erkenntnisse&#8221;, die durch Tierversuche erzielt werden, auf den Menschen übertragbar. Die restlichen 70-90% sind nicht nur unbrauchbar, sondern können sogar &#8211; wie z.B. im Fall Contergan, das den Tierversuch bestanden hatte &#8211; schwerwiegende Folgen haben.</p>
<p>Dem oft bemühten Argument der Alternativlosigkeit sind exemplarisch folgende Optionen entgegenzuhalten: Zum Einen ist es heutzutage durch technische Methoden möglich, z.B. anhand von Computermodellen oder Mikrochips den Schritt des Tierversuches auszulassen und direkt am Menschen zu forschen. Zum Anderen bieten die erheblichen Fortschritte bei der Nachbildung menschlichen Gewebes bei Zellkulturen, Blut, Organen und Stammzellen die Möglichkeit, die menschliche Anatomie zu imitieren und so qualifiziertere Ergebnisse zu gewinnen als beim Tierversuch. Transparente Genehmigungsverfahren, ein erhöhtes Renommee tierversuchsfreier Forschung, eine relativ höhere finanzielle Förderung dieser sowie ein Umdenken hin zu Prävention und sozialmedizinischen Ansätzen sind erste Schritte, um sich einer tierversuchsfreien Gesellschaft zu nähern.</p>
<p>Louisa Firnenburg, Artur Brückmann</p>
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		<title>Menschenleben gehen vor</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:43:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Warum Tierversuche notwendig sind Niemensch macht gerne Tierversuche. Auch ich nicht. Als ich vor vier Jahren zum ersten Mal mit Fröschen und Mäusen arbeiten musste, habe ich so schnell wie möglich alles wegdelegiert, sodass ich am Ende nur noch kleine, anonyme Zellen vor mir hatte. So wie mir ging es allen meinen KollegInnen im Labor, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Warum Tierversuche notwendig sind</h3>
<p>Niemensch macht gerne Tierversuche. Auch ich nicht. Als ich vor vier Jahren zum ersten Mal mit Fröschen und Mäusen arbeiten musste, habe ich so schnell wie möglich alles wegdelegiert, sodass ich am Ende nur noch kleine, anonyme Zellen vor mir hatte. So wie mir ging es allen meinen KollegInnen im Labor, und allen anderen Forschenden, mit denen ich seitdem gesprochen habe. Die ForscherInnen, die ohne jegliche Emotion ein Tier nach dem anderen in ihrem Labor töten, sind mir in der Realität nie begegnet. Warum aber machen wir trotz aller Skrupel Tierversuche?</p>
<p>Es gibt nur eine Argumentation, mit deren Hilfe mensch Tierversuche überhaupt begründen kann: Indem man die Interessen von Menschen höher bewertet als die von Tieren. Oder anders ausgedrückt: Indem man das Recht der Menschen auf bessere Therapien für tödliche und nichttödliche Krankheiten höher bewertet als das Recht von Tieren, selbstbestimmt und ohne künstlich verursachtes Leiden zu leben. Das ist eine extrem schwierige Abwägung, denn oft führen Tierversuche nicht direkt zu wirklichen Verbesserungen in der Behandlung von PatientInnen. Auch sind an Tieren gewonnene Erkenntnisse niemals 1:1 auf den Menschen übertragbar, und natürlich gibt es auch eine ganze Reihe schlechter Forschung, die Tiere experimentell einsetzt, ohne jemals wirklich Erkenntnisse liefern zu können. Alles Argumente gegen Tierversuche.</p>
<p>Aber wer einmal erlebt hat, wie ein vertrauter Mensch an einer schweren Krankheit sehr leidvoll verstorben ist, und möchte, dass so etwas nie wieder passiert, die/der akzeptiert in den meisten Fällen diese nicht perfekte Abwägung zugunsten von Tierversuchen. Denn letztendlich beruhen nahezu alle erfolgreichen Therapien, egal ob für HIV, Nierentransplantationen oder Diabetes auf Tierversuchen, und diese Therapiemöglichkeiten erlauben es Millionen von Menschen, selbstbestimmter zu leben.</p>
<p>Gleichzeitig setzen sich die forschenden Biowissenschaften aber auch dafür ein, dass die Zahl der Tierversuche immer weiter reduziert wird, dass Alternativen zum Tierversuch etabliert werden, und dass die nötigen Versuche immer weniger leidvoll für das Tier durchgeführt werden.</p>
<p>anonym</p>
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		<title>Meine kleinen gelben Tabletten und ich</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:41:01 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gedanken über die Macht der Einbildung und ihre Profiteur_innen Zunächst ein Bekenntnis: Wenn ich Halsschmerzen habe, greife ich zu einem Medikament, dessen Wirkungsweise nicht bestätigt werden konnte. Es ist eine antiseptische Mundspülung in Form kleiner gelber Tabletten. Diese lösen sich nur unter dem Einsatz von physischer Gewalt auf. Das Waschbecken ist nach dem Gurgeln vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Gedanken über die Macht der Einbildung und ihre Profiteur_innen</h3>
<p>Zunächst ein Bekenntnis: Wenn ich Halsschmerzen habe, greife ich zu einem Medikament, dessen Wirkungsweise nicht bestätigt werden konnte. Es ist eine antiseptische Mundspülung in Form kleiner gelber Tabletten. Diese lösen sich nur unter dem Einsatz von physischer Gewalt auf. Das Waschbecken ist nach dem Gurgeln vom ausgespuckten Wasser gelb. Ziemlich ekelhaft, aber ich fühle mich vom Halsschmerz befreit.</p>
<p>Die Macht der Einbildung kann also bei den Wehwehchen des Alltags Wunder bewirken. Deshalb funktioniert Homöopathie, deshalb funktioniert auch Schokolade als Heilmittel. In über 100 medizinischen Studien konnte nicht bewiesen werden, dass Globuli und andere teure homöopathische Süßigkeiten mehr als Placebo-Wirkung besitzen. Andere Effekte von solchen Mitteln haben einfache Ursachen. Die postmodernen Wunderheiler_innen haben durch die Empfehlung der Änderung des Lebensstils oder der Kost schon manches Problem gelöst.</p>
<p>Auch andere homöopathische Arzneien enthalten keinen Wirkstoff. Dass Wasser Biomoleküle speichern kann, wenn diese dem Wasser längst entzogen sind, wurde vielfach widerlegt – jüngst durch den Physiker Jungwirth. Trotzdem also Trinkwasser zum Medikament mutiert, der Placeboeffekt billiger und andere Wirkungen völlig kostenfrei zu erhalten sind, gibt es einen Trend zur Behandlung bei Homöopath_innen. Diese befinden sich meist in einer luxuriösen Stellung. Zurecht muss Homöopathie meist privat getragen werden. Privatzahlenden Menschen wird mehr Zeit gewidmet, was für diese eine tolle Sache ist. Dass sich Ärzt_innen im Normalbetrieb oft ihren Patient_innen unzureichend widmen, ist primär ein Problem falscher Anreize im jetzigen Gesundheitssystem und nicht der geschmähten Schulmedizin inhärent. Das Globuli der Privatzahler_innen ist gelebte Zweiklassenmedizin mit ethischen Mäntelchen, die sich nicht darum kümmert, dass mehr Zeit für alle Patient_innen die eigentliche Lösung ist.</p>
<p>Homöopath_innen machen allerdings auch nicht vor ernsthaften Krankheiten halt: So behandeln die „Homöopathen ohne Grenzen“ (sic!) Malaria mit Globoli. Die HoG brachte es zu einem unkritischen Artikel im Onlineangebot der Tagesschau, während die WHO 2009 eindringlich vor einer solchen Behandlung warnte. Dass die Ursachen für das Fehlen günstiger und weniger schädlicher Malaria-Medikamente in der kapitalistischen Logik liegt, interessiert weder HoG noch Tagesschau. Auch hier wirkt das Globuli als Placebo für eine nötige Kritik an Kapitalismus, Pharmaindustrie und schlechter Forschungspolitik.</p>
<p>Tobias Edling</p>
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		<title>Wege abseits der Norm</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:39:26 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wie der Umgang mit Krankheiten aussehen kann Jährlich laufen Millionen Deutsche wegen geringfügigen Krankheiten zum Arzt. Daraufhin folgt in der Regel die Verschreibung irgendeines passenden Medikaments. Um die Deutschen davon abzuhalten, ständig wegen jedem Schnupfen zum Arzt zu eilen, wurde 2004 von der Bundesregierung die Praxiseingebühr eingeführt, zynisch auch als Arztflatrate bezeichnet. Gebracht hat das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wie der Umgang mit Krankheiten aussehen kann</h3>
<p>Jährlich laufen Millionen Deutsche wegen geringfügigen Krankheiten zum Arzt. Daraufhin folgt in der Regel die Verschreibung irgendeines passenden Medikaments. Um die Deutschen davon abzuhalten, ständig wegen jedem Schnupfen zum Arzt zu eilen, wurde 2004 von der Bundesregierung die Praxiseingebühr eingeführt, zynisch auch als Arztflatrate bezeichnet. Gebracht hat das wenig.</p>
<p>Der Gedanke, dass es für die alljährliche Krankheitswelle kein Wundermittel in Tablettenform braucht, geht in unserer Gesellschaft allmählich verloren. Zur Behandlung der 08/15-Krankheiten, die uns alle immer wieder heimsuchen, sind jedoch nur selten Medikamente wirklich notwendig – ein wenig Ruhe tut es auch. Krankheit als Alarmsignal des Körpers passt jedoch nicht in unsere Gesellschaft. Wer um seine Arbeit fürchten muss, sobald er*sie mehr als zwei Tage im Jahr krank ist, hat keine Möglichkeit, Krankheiten angemessen auszukurieren. Die Unwägbarkeit und Unplanbarkeit tragen ihr Übriges zum schlechten Ruf von Krankheiten bei. Sie sollen eliminiert werden und uns nicht mehr in unserem Alltag stören.</p>
<p>Doch wenn mensch einmal akzeptiert hat, dass Krankheiten zu unserem Leben dazu gehören, und nicht versucht, sie mit Chemiesmarties zu bekämpfen, bieten sich neben Hausmittelchen und Ruhe noch mehr Möglichkeiten, die Zeit zu überstehen. Wie das jedoch abseits der Schulmedizin aussehen kann, darüber scheiden sich die Geister. Klar ist, dass auch der Placeboeffekt sehr vorteilhaft für den Krankheitsverlauf ist, doch wer schluckt schon Bonbons, von denen mensch weiß, dass sie nur wirken, wenn mensch daran glaubt? Eine interessante Möglichkeit bietet da die Homöopathie. Ganz unabhängig davon, ob sie nun so wirkt, wie es die Hersteller*innen behaupten oder nicht: Die, die an Homöopathie glauben, können zumindest vom Placeboeffekt profitieren. Diese Chance hätten sie nicht, wenn ihnen nur richtige Placebos angeboten würden – niemand kann sich davon überzeugen, an etwas zu glauben, das nur wirkt, wenn mensch daran glaubt.</p>
<p>Weitere Alternativen bieten beispielsweise Akupunktur oder TCM (= traditionell chinesische Medizin). Vor allem erstere findet auch immer mehr Befürworter*innen in Deutschland. Deren Lehren mögen zwar von denen der westlichen Schulmedizin abweichen, doch ist es auch ein Zeichen der interkulturellen Toleranz, die eigenen Glaubenswerte, nämlich die von der Überlegenheit der westlichen Schulmedizin, anderen nicht überstülpen zu wollen. Andere Kulturen funktionieren anders als unsere, in der „wissenschaftliche Studien“ eine große Rolle spielen.</p>
<p>Eine wieder andere und theoretisch simple Möglichkeit bietet die persönliche Vorsorge. Die Leier von gesunder Ernährung, geringem Drogenkonsum, Bewegung und Draußensein kennen wir alle. Ein Drittel der Krebserkrankungen ließe sich nach Schätzungen durch Veränderung des Lebensstils vermeiden. Das Brustkrebsrisiko kann durch mehrjähriges Stillen des eigenes Kindes (besser noch: der Kinder) deutlich gesenkt werden. Ein harmloseres Beispiel liefert eine Scheidenpilzinfektion. Die lässt sich am besten durch Verzicht auf Synthetikwäsche sowie Tampons und Synthetikbinden/ –slipeinlagen vermeiden. Weitere Risikofaktoren sind zuckerreiche Ernährung und Stress.</p>
<p>Auch aus ökologischen Gründen ist ein Verzicht auf Tabletten, Pillen und Co. anzuraten. 70-90% der Wirkstoffe gelangen durch den Urin wieder in den Wasserkreislauf und reichern sich dort an. Die Auswirkungen sind wenig erforscht. Bekannt ist, dass Fische davon betroffen sind – vor allem durch Hormone, aber auch durch andere Substanzen werden sie verweiblicht.</p>
<p>Die nächste Grippe kann mensch auch im Bett mit dem Buch verbringen, das er*sie schon immer mal lesen wollte.</p>
<p>Denise Melchin</p>
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		<title>Bist du krank, Frau?</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 21:37:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>SPUNK</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<h3>Gechlechtersensible Gesundheitsversorgung kann Lebensqualität steigern</h3>
<p>Ob mensch wann, an was, wie stark erkrankt, ist von vielen Faktoren abhängig: Lebensstil, Umwelteinflüsse, Erbanlagen, Einkommen, Beruf etc. Ein weiterer Faktor ist das Geschlecht. Und zwar in mehreren Weisen: Einerseits gibt es die biologischen Unterschiede: Frauen gehen zum/zur GynäkologIn, Männer zum/zur UrologIn. Zweitens unterscheidet sich auch das Gesundheitsempfinden je nach Geschlecht. Bei Männern sind starke Schmerzen im Brustkorbbereich Zeichen für einen drohenden Herzinfarkt, bei Frauen treten diese Schmerzen in Hals, Oberbauch und Rücken auf. Drittens haben die unterschiedlichen Lebenschancen und der durch die Geschlechterrollen bedingte, unterschiedliche Lebensstil (Männer trinken mehr Alkohol und essen weniger Obst und Gemüse) natürlich auch Folgen. Die oft zitierte deutlich höhere Lebenserwartung von Frauen gegenüber Männern (ein Unterschied, der sich bei gleichem Lebenswandel fast vollständig nivelliert) ist nur das offensichtlichste Beispiel dafür. Eine stärkere Berücksichtigung von Geschlechterunterschieden würde deswegen sowohl zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität wie auch zu Einsparungen führen. Der erste Schritt hierzu wäre die flächendeckende Einführung einer gendersensiblen Gesundheitsberichterstattung (wie dies einige Länder wie zum Beispiel Brandenburg auch schon versuchen). Denn oft werden in den Analysen keinerlei Geschlechterunterschiede ausgewiesen. Und wo dies passiert, wird eine wissenschaftliche oder politische Aufarbeitung dieses Themenfeldes deutlich erschwert. Unterschiedliche Behandlungsbedürfnisse oder Erkrankungsverläufe werden so gar nicht sichtbar. Als zweiter Schritt wäre es notwendig, die bereits vorliegenden Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. So ist bekannt, dass auch Männer Präventionsangebote stärker wahrnehmen, wenn sie zusammen mit einer ohnehin erfolgenden Behandlung angeboten werden. Gesetzgeberisch wäre hier vor allem wichtig, dafür zu sorgen, dass sich die Erforschung von neuen Medikamenten nicht mehr wie bisher vor allem am Mann (selbst dann, wenn die Medikamente dann später tatsächlich hauptsächlich Frauen verschrieben werden) orientiert, sondern Geschlechtsunterschiede von vornerein mit untersucht werden. Wahrscheinlich mindestens ebenso wichtig ist es, das medizinische Personal für die Bedeutung dieses Themas zu sensibilisieren &#8211; gerade bei psysichen Phänomenen. So leiden Frauen z.B. wesentlich häufiger an Angststörungen als Männer. Auch sollten die TherapeutInnen/andere AkteurInnen dazu angeregt werden, ihre eigenen Geschlechterrollenbilder zu hinterfragen. Dies ist deswegen für die Gesundheitsversorgung relevant, weil auch jede Behandlungssituation in einem sozialen Umfeld stattfindet. Rollenbilder können hier dazu beitragen, Hierarchien aufzubauen und zu ungerechtfertigten Wertungen führen. So wird die Entstehung des notwendigen Vertrauensverhältnisses zwischen PatientIn und TherapeutIn erschwert, PatientInnen fühlen sich uninformiert, trauen sich aber auch nicht Fragen zu stellen oder es kommt zu Fehlbehandlungen.</p>
<p>Wenn wir also in Zukunft auch im medizinischen Bereich Unterschiede zwischen den Geschlechtern beachten, können wir dafür sorgen, dass die Lebensqualität unterschiedslos für alle steigt.</p>
<p>Jacob Spanke</p>
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