Artikel-Schlagworte: „Thüringen“

Von Simon Kuchinke

Trotz eines Lockschadens und damit verbundenen Verspätungen haben viele GRÜNE JUGEND Mitglieder aus Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen den Weg ins „Haus der Offiziere“ nach Brandenburg an der Havel gefunden.

Sofort starteten die ersten drei Workshops. Paul Dörfler vom BUND referierte über Gewässerschutz und Infrastruktur am Beispiel der Elbe. Clara Herrmann, Mitglied des Abgeordnetenhauses zu Berlin diskutierte in ihrem Workshop über Rechtsextremismus und die Frage, was kann die Jugend im Kampf gegen Nazis unternehmen. Nach einer stillen Diskussion über verschiedene Antithesen zum Geschlechterverhältnis, tauschten sich die TeilnehmerInnen im Workshop des Frauen- und Genderrates über konkrete Maßnahmen, Geschlechterhierarchien abzubauen, aus.

Nach veganem Abendessen und kurzer Begrüßung durch Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg, startete die Podiumsdiskussion „Nazis, Nein Danke“ mit Monika Lazar (MdB), Clara Herrmann (MdA Berlin) und Annalena Baerbock (Vorsitzende der Grünen in Brandenburg) diskutierten über den Begriff des Extremismus und die Frage der Gleichsetzung von Links- und Rechtsextremismus. Außerdem berichteten die drei Politikerinnen über ihre Erfahrung im Umgang mit Nazis. Die Mittelkürzung von AussteigerInnenprogrammen für Nazis durch die Bundesfamilienministerin waren auch ein Thema und wurde aufs Schärfste kritisiert.

Der Abendausklang verlagerte sich bei den mediterranen Temperaturen eher nach draußen, wo sich bei Bier und Apfelschorle vernetzt und ausgetauscht wurde, aber die Musik von DJ Schatzi war dennoch zu hören.

Spät oder früh lagen auch die letzten in ihren Hostelbetten in einer heimeligen Platte, um doch noch ein bisschen Schlaf abzukriegen, bevor der zweite Tag des Okos startet.

Bereits beim Verlassen des Erfurter Hauptbahnhofes sehe ich schon ein
Plakat der CDU.
“Zukunft macht man nicht mit links” strahlt dort in den thüringischen
Landesfarben. Die große Gefahr von links- das ist das einzige was die
CDU zu sehen scheint. Und vergisst dabei, dass sich von rechts eine
weitaus größere Gefahr anbahnt. Laut den letzten Wählerumfragen erreicht
die NPD in Thüringen 4 Prozent der Stimmen, ein Einzug in den Landtag
ist daher also nicht unmöglich. Genau das will die GRÜNE JUGEND
verhindern. Mit einem Bus fahren wir eine Woche durch ganz Thüringen, um
die Menschen davon zu überzeugen, dass die NPD nicht in den Landtag
reingehört, die Grünen dafür aber endlich einziehen können. “Alt raus-
Grün rein” lautet die Devise.

Wir starten mit unserem Auftakt in der Landesgeschäftsstelle der Grünen
in Erfurt. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich,
erklärt uns wie die politische Lage in Thüringen aussieht, welche Themen
an den Wahlkampfständen gut ankommen und wie man den politischen Gegner
am besten angreifen kann. Und eine große Angriffsfläche bietet die CDU
unter Dieter Althaus allemal, denn ein Skandal reiht sich an den
nächsten ran (u.a. dokumentiert in unserem Blog
http://blog.gruene-jugend.de/archives/1748). Die Grünen wollen in
Thüringen die Energiewende schaffen, eine Schule für alle einführen,
Rassismus effektiv bekämpfen und eine ökologische Verkehrspolitik
umsetzen. Die Alleinherrschaft der CDU muss in Thüringen gebrochen
werden, denn die langen Jahre ohne Koalitionspartner haben die
Landesregierung arrogant und träge gemacht- in Thüringen bewegt sich
nichts, aber Grün dreht das!

Als nächstes haben wir einen Referenten von Mobit (Mobile
Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus) eingeladen. Genau wie in
Sachsen, wo die NPD bereits im Landtag sitzt, haben die Nazis in
Thüringen eine feste Verankerung im Land. Bei den Kommunalwahlen ist die
NPD überall dort in die Parlamente eingezogen, wo sie auch angetreten
ist. Die Angst vor “Überfremdung” sei in Thüringen besonders stark,
erklärt uns der Mobit Referent und verweist dabei auf die umfangreiche
Langzeitstudie Monitor, die rechte Einstellungen in Thüringen seit acht
Jahren untersucht. Genau in dem Moment, wo wir unseren Auftakt haben,
hat die NPD im Übrigen ein neues rassistisches Plakat herausgebracht:
dieses Mal mit dem Schwarzen CDUler Zeca Schall,

http://blog.gruene-jugend.de/archives/1754

Zum Abschluss gehen wir noch mit Astrid und anderen Thüringer Grünen auf
den CSD in Erfurt. Dieser mag vielleicht kleiner sein, als andere CSDs
in Deutschland, dafür ist die Stimmung hier großartig. Menschen tanzen
ausgelassen über die Erfurter Straßen und das Motto “Wir bleiben alle”
wird immer wieder von der Menge skandiert. Das Motto spielt auch auf die
gewaltsame Räumung des besetztes Hauses in Erfurt an, das u.a. auch eine
Rückzugsstätte der Lesben-, Schwulen- und Queerbewegung war: ein Ort der
Freiräume.

Eine Woche voller kreativer Wahlkampfaktionen steht uns jetzt bevor,
eine Rundreise durch ganz Thüringen und am Ende erwartet uns hoffentlich
ein gutes grünes Wahlergebnis und ein richtiger Politikwechsel!