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Zwei Wochen diskutierte die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen – Zwei Wochen Demos und Aktionen. Am 12.12.2009 riefen 100.000 Menschen „Climate justice now! Die Leaders handelten: „Bla…bla…bla… Die Vielfältigkeit der Proteste und der Menschen rund um und in der Konferenz wurde in diesem, auf youtube in drei Teile geteilten Film versucht aufzufangen. Mit vielen Interviews, tanzenden Schweinchen und prügelnden Polizisten. Schaut selbst und gewinnt einen Eindruck aus Kopenhagen. Der Widerstand wird weitergehen!
Hier das Video von Kathrin Henneberger:
Teil 1:
Teil 2:
Teil 3:
Von Gesine Agena und Max Löffler
Bis spät in die Nacht verhandelten die Regierungschefs von 192 Ländern bei der Klimakonferenz in Kopenhagen über die Zukunft der Welt. Statt mutig voran zu gehen, zeigte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Finger auf andere und lobte selbstgefällig die Klimabilanz und die Politik der Bundesregierung. Denn der Wirtschaftskrise sei dank ist der Emissionsausstoß in Deutschland dieses Jahr zurück gegangen. Aber allen blumigen Klimaversprechen zum Trotz hat die schwarz-gelbe Bundesregierung ihren Koalitionsvertrag einzig und allein auf das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes gebaut.
Spätestens seit der Club of Rome vor dreißig Jahren seine wegweisende Studie über die „Grenzen des Wachstums“ veröffentlichte, wurde jede Regierung aufs Neue für diesen unbändigen Wachstumsglauben kritisiert. Verändert hat das bisher aber nichts. Dabei wäre es endlich einmal Zeit für eine konstruktive Neuauflage der Wachstumsdebatte. Komplett überarbeitet, mit neuen Zahlen, neuen Fakten und neuen Antworten, versteht sich. Die Frage bleibt: Wie sieht eine Welt ohne den permanenten Zwang zu wachsen aus? Müssten wir aufhören, Auto zu fahren? Ostseeurlaub statt Mallorcareise? Veganer Brotaufstrich statt ungarischer Salami? Diesen Beitrag weiterlesen »
Eindrücke eines Frustrierten.
Donerstagabend wurde es nochmal emotional. Die vor allem Jugendlichen Aktivist_innen verschiedener rausgeworfener NGOs trafen sich in der “Oxenhalle” hinter dem alternativen Klimaforum bei der Volxküche gleich links. Hier wurden spontan große Leinwände aufgespannt und die Pressekonferenzen sowie das High-Level-Segment werden live übertragen. Dazu gibt es Fair Trade Kaffee für 10 dänische Kronen (ca. 1,30 EUR – ein Schnäppchen!) sowie Kuchen und Sandwiches. Eigentlich wie im Bella Center, aber
- billiger
- bessere Aussicht
- nettere (= jüngere, aktivistischere, emotionalere und ambitioniertere) Menschen.
Wäre das Internet hier nicht so wackelig wäre ich mehr als geneigt zu sagen, dass ich hier meine letzten 2 Wochen besser informiert und gemütlicher verbrachten haben könnte.

Aktivist_innen spielen Robin Klimhood für Passant_innen.
Vor der traditionellen “Fossil of the Day” – Verleihung gab es einen “Vigil for Survival”. Es wurden alle Lichter ausgemacht um die fast tausend Kerzen ihr beruhigendes Licht scheinen zu lassen. Emma aus Schweden – einigen Berliner Junggrünen sicher bekannt – packte ihre Gitarre raus und stimmte das Lied “Survival is not negotiable” an. Ein letzter Hilferuf der Zivilgesellschaft bevor später die Staats- und Regierungschefs das 1,5 Grad Ziel fallen ließen und damit Hunderttausende Menschen den kommenden Meeresfluten überließen. Anschliessend kam ein Vertreter der indigenen Menschen und sang sein Lied. Zuvor bat er die Anwesenden die Augen zu schließen und an das zu denken, was uns Mut, Kraft und Hoffnung gibt. “This can be God or Buddah. Think of Mohammed or Mother Earth. Maybe it’s the smile in your childs face. Think of it and take a deep breath.” Dann sang er voller Inbrust, Wut Hoffnung, Verzweiflung und Kraft eines Klimaaktivisten der schon viele Schlachten verloren hatten. Wenn mensch sich auf so einen intimen Moment einlässt entfaltet das ganz neue Energien. Wir standen dort mit hunderten von Jugendlichen, einige umarmten sich, andere wärmten ihre Hände an den Kerzen. Wir alle wussten, dass die parallel tagenden Politiker_innen es wohl nicht schaffen werden – doch der letzte Hilferuf einer ausgeschlossenen Zivilgesellschaft erklang durch die Fußballfeldgroße Halle. Dann Stille. Wie geht es weiter mit der Welt?

Vigil for Survival
Nach weiteren Beiträgen klebten wir uns alle als Zeichen des Protestes Klebeband über den Mund um gegen unsere Ausgeschlossenheit zu demonstrieren. Ausgeschlossen von den Vorgängen im Bella Center. Ausgeschlossen vom Klimaprozess. Ausgeschlossen von der Politik und weit weg von den Hebeln die umgelegt werden müssen. Wir waren alle so nah. Einige sind tausende von Kilometern nach Kopenhagen mit dem Fahrrad oder Zug gekommen, nur um dann ausgeschlossen zu werden. Wer in der zweiten Woche kam konnte teilweise kein einziges Mal einen Fuß in das zu diesem Zeitpunkt als Zentrum der Welt fungierende Konferenzgebäude zu setzen. Jahre der Vorbereitung. Wochen der Anspannung. Und jetzt bei so nah und doch so fern. Über die Medien unserer Heimatländer mussten wir erfahren was nebenan (nicht) geschah. Ein unerträgliches Gefühl er Lähmung. Wer ist schuld? Wer wurde benutzt? Wer hat keine Ahnung und warum gibt es kein Schwarz-Weiß? Hinterher sollte die Debatte über Obamas Schuld die Zivilgesellschaft erschüttern (hier). Davon war an diesem Abend noch nix zu spüren. So weit waren wir noch nicht. Noch nicht. Die Welt hatt noch nicht ein kurzes, oberflächliches und unambitioniertes Stück Papier “zur Kenntnis” genommen.
Alle bekamen ein Stück Papier und sollten – die Münder noch verschlossen – ihre Gedanken aufschreiben. Auf einem Zettel stand:
“Why are Politicians human?
If they would be brainless,
evil machines I could smash them;
destroy their wrongdoings.
Politicians are humans,
and finding a solution is never easy.”
Das drückte die Hilflosigkeit nicht nur in Worten der Aktion und des Handelns aus, sondern auch das Verlangen einfach “den Schuldigen” zu finden. Die Welt ist komplex heute und doch liegen die richtigen Entscheidungen auf dem Tisch. Doch keiner traute sich, sie aufzuheben. Mut der Staatschef_innen fehlte sicher, aber war das alles was falsch lief? Mangelte es nur an Mut? Ich sitze heute noch rum und überlege was anders hätte laufen müssen. Vielleicht ist es ja auch gut, dass COP15 dermaßen den Bach runterging. Vielleicht erhöht das unsere Chance, die falschen Lösungen der Klimapolitik zu bekämpfen. Vielleicht wacht die Welt jetzt auf. Vielleicht auch nicht.
“A man who won’t die for something is not fit to live.” - Martin Luther King
Anna und Sara fasteten. Insgesamt 42 Tage nahmen sie nichts als Wasser und Salz zu sich. Ein Klimagerechtigkeits-Fasten (Climate Justice Fast) war das. Damit soll Aufmerksamkeit erregt werden. Junge Menschen aus reichen Gegenden verzichten auf das (für sie) Grundsätzlichste um zu zeigen, wie ungerecht die Welt ist. Anna hat sich sogar “Climate Justice” auf den Rücken tätowieren lassen. Während sich über Mode streiten lässt ist dies doch ein Zeichen. Sie möchte ihr Leben – trotz zwei Abschlüssen und vielen Chancen – ganz dem Kampf für Klimagerechtigkeit widmen. Solche Menschen inspirieren! Es gibt so wenig Vorbilder heute doch manchmal müssen wir nur in einer kalten Halle irgendwo hinterm Bahhof von Kopenhagen stehen und merken erst dort, dass die vielen kleinen Menschen um uns herum teilweise so unglaublich mutig, stark und energiegeladen sind, dass nur eine kleine Scheibe von ihnen uns selber so viel geben würde. Ich wünschte ich hätte diese Kraft und Ausdauer. Kopenhagen ist a vielleicht wirklich nur ein Anfang?
“The golden rule is to act fearlessly upon what one believes to be right.” – Mahatma Gandhi
Während die Grünen in der 1. Klasse nach Berlin oder im Flugzeug nach Amsterdam sitzen und sich auf die nächste Rede vorbereiten fahren wir dich gedrängt mit anderen Aktivist_innen nach Hause. War es das wert? COP-15? Wir wollten die Welt verändern. Wir wollten dabei sein, wenn Geschichte geschrieben wird. Wir wollten Teil der Bewegung sein. Die Welt erwärmt sich weiter. Floppenhagen wir sicher schnell vergessen werden. Die Klimabewegung wurde zwischen Pfefferspray der Polizei, enttäuscht heimfahrenden Autonomen, dem Zaun um das Bella Center, den vielen Erfolgen aber der großen Niederlage nicht zerrieben sondern stärker. Doch es ist noch ein weiter weg, bis diese Bewegung stark genug ist das nötige Beben zu haben. Manchmal müssen wir aufstehen und kämpfen statt reden. Manchmal müssen wir uns setzen und in uns gehen. Wir müssen dazwischen unterscheiden. Wir müssen nicht aufgeben.
G.

