Artikel-Schlagworte: „Demonstration“

Dienstag morgens gings los nach Bautzen, dem sorbischen Budysin. Vor Ort begrüßte uns mit Domenico vom lokalen Altgrün-KV auch gleich ein waschechter Sorbe.
Unser Gastgeber hatte den Tagesablauf bereits gut geplant, für den Nachmittag hatte sich die NPD auf dem Marktplatz angekündigt, aber zunächst verteilten wir erst mal Wahlkampfzeitungen in den Briefkästen der Umgebung. Julia aus Dresden, die heute das erste Mal mit auf der Tour war, wurde dabei von einem älteren Herren mit der Briefträgerin verwechselt, was sich aber schnell aufklärte. Außerdem entdeckten wir überrascht, dass sich in Bautzen das Prinzip des Drogenfachgeschäfts offenbar schon durchgesetzt hat (siehe Foto).
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Nachdem alle Zeitungen eingeworfen waren, machten wir erst mal Mittagspause im Jugendzentrum Steinhaus, wo wir beim Anstehen zur VoKü – übrigens sehr lecker! -unverhofft auf Büti trafen. Ein ausführlicher Austausch mit dem Ex-Vorsitzenden unserer Mutterpartei blieb allerdings aus, zu knapp war die Zeit auf allen Seiten bemessen.
Gestärkt begaben wir uns in die Bautzner Innenstadt und bauten unseren Stand, mitsamt der Aktion „Deine Hand gegen Nazis“, auf. Fröhlich tauchten daraufhin die BautznerInnen ihre Hände in Fingerfarbe und klatschten diese danach auf die von uns bereitgestellte Leinwand. Unterstützt dabei wurden wir dabei neben Domenico auch von Julian, der in Bautzen zur Schule geht und gerade dabei ist, eine lokale Grüne Jugend Basisgruppe zu gründen. Zwei weitere MitstreiterInnen hat er schon, an unserem Stand kamen noch mehrer weitere InteressentInnen dazu.
Um fünfzehn Uhr wollte die NPD auf dem Markt ihre Sachsen-Tour fortsetzen, angekündigt wurden sie durch das Auftauchen einer Gruppe von 30 Nasen in der FußgängerInnenzone, von denen einer gleich begann, fleißig unseren Stand zu fotografieren. Gleichzeitig bildete sich um uns herum eine Gruppe von NazigegnerInnen, bestehend aus weiteren Grünen, Linken, GewerkschafterInnen und extrem heiß aussehenden Antifas. Bald darauf kam auch schon das bekannte „Flagschiff D“ mit Holger Apfel drin angerollt, die schon versammelten Nasen folgten ihm auf dem Marktplatz. Auch die Anti-Gruppe begann auf dem Platz vorzurücken und so standen wir uns plötzlich Aug in Aug mit dem schlecht gekleideten, aber meist muskelbepackten Feind (und ein paar Feindinnen) gegenüber.
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Die Szene erinnerte ein wenig Herr der Ringe, vor der Schlacht. Schlimmeres verhinderten die Herren von der Bautzner Polizei, die sich zwischen den Lagern aufstellten. Die NPD begann danach mit Abspielen ihrer Lieblingssongs- und Parolen vom Band, irgendwann kam auch Holger wieder zu Wort und verbreitete seinen Quark. Nebenan im Lager der Guten, welches das Gegenüber in der Zahl deutlich übertraf, stieg die Stimmung und Lautstärke derweil dank zahlreich mitgebrachte Trillerpfeifen und Trommeln. Irgendwann hatten die Braunen keine Lust mehr, zogen ab – verfolgt von einigen immer noch tanz- und trommelwütigen AntifaschistInnen – und die BautznerInnen hatten ihren Markplatz wieder für sich.
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Wir machten daraufhin mit unserem Stadtführer Christoph noch eine Tour durch die wirklich seeeehr sehenswerte Altstadt. Am besten gefiel uns der Osterweg genannte Knutschtreff.

Bautzen war nach allgemeinem Konsens der TourteilnehmerInnen der bisherige Höhepunkt der Tour, das Engagement der Leute vor Ort hat uns beeindruckt. Wir wünschen der im Entstehen begriffenen Grüne Jugend Basisgruppe für die Zukunft alles Gute und können allen Auswärtigen nur empfehlen, mal ihren (Liebes-)Urlaub hier zu verbringen.

Anfang April ist eine (leider kleine) Gruppe Aktivist*innen der Grünen Jugend nach Straßburg gereist. Ziel war, dort friedlich an den Demonstrationen und Blockaden gegen den NATO-Gipfel teilzunehmen. Doch leider war friedlicher Protest nicht möglich. Als wir beim Demo-Versammlungspunkt ankamen, waren neben vielen friedlichen Menschen auch jede Menge Autonome. Eine Gruppe von Autonomen hatte bereits mehrere Gebäude zerstört. Unter anderem hatten sie die ehemalige Zollstation und ein Hotel, in dem sich noch Menschen befanden, in Brand gesetzt. Die Polizei schritt aber nicht gegen die Randalierer*innen ein, sie hatte offenbar den auf einer Insel liegenden Stadtteil aufgegeben. Da stellt sich eine zynische Frage: ist die Polizei deswegen nicht eingeschritten, weil es sich um den ärmsten Stadtteil von Straßburg handelt?

Friedlicher Demozug in Straßburg

Friedlicher Demozug in Straßburg

In dem ganzen Chaos formierte sich dann doch noch der geplante Demonstrationszug – nicht ohne dass die französische Polizei davor eine Tränengasgranate auf den Platz der Kundgebung geschossen hatte. Tausende Menschen zogen friedlich los, ein Meer von bunten, blauen, roten und nur sehr wenigen grünen Fahnen. Aber bereits nach ein bis zwei Kilometern wurde die Demonstration gestoppt. Die vorgesehene Demonstrationsroute sollte von der Insel über eine Brücke in die Straßburger Innenstadt in die Nähe des Tagungsortes der Regierungschef*innen führen. Aber die Polizei hatte die Brücke dichtgemacht, ganz nach Sarkozys Motto, er wolle keinen einzigen Demonstranten zu Gesicht bekommen. Neben vielen Polizeitransportern standen dort auch etwa zehn Wasserwerfer (davon alle bis auf einer aus Deutschland!). Nach einer Verhandlungspause durfte der Demozug zwar nicht über die Brücke, dafür aber weiter auf der Insel demonstrieren – also fernab von allem Geschehen. So zogen wir also weiter, wieder zurück ins Zentrum der Insel. Aber bereits nach einem Kilometer war schon wieder Schluss: Der Demozug hätte einen Bahndamm eine Unterführung durchqueren müssen, aber am Bahndamm stand die Polizei. Wieder gab es eine Verhandlungspause. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Demo absolut friedlich. Bunte Fahnen wurden geschwenkt, viele Menschen trugen phantasievolle Kostüme. Doch jetzt war die Stimmung am Kippen: während der Pause drängten immer mehr schwarz vermummte Menschen nach vorne. Dann kam von den Organisator*innen, die sich wirklich um jegliche erdenkbare Deeskalationsstrategie bemühten, die Durchsage, dass sich die Polizei ein gutes Stück zurückziehen würde und wir in fünf Minuten weiterziehen dürften. In diesem Moment stürmte Teile des Schwarzen Blocks den Bahndamm und die Polizei antwortete sofort mit Tränengas. Bisher hatten wir uns ganz am Anfang des Demozuges gehalten, nun zog sich unsere kleine GJ-Gruppe (zu dem Zeitpunkt waren wir nur noch zu viert) in die Mitte des Zuges zurück. Aber auch von hinten waren Tränengaswolken zu sehen, die Polizei hatte die Demo gespalten und war gerade dabei, die Demonstration von hinten einzukesseln. Gleichzeitig plünderten die Vermummten ein Lagerhaus und errichteten aus dort gefundenen Paletten eine mehrere Meter hohe Barrikade. Es war klar, dass die Frage nicht mehr war ob, die Situation eskalieren würde, sondern nur noch wann. Daher haben wir uns entschlossen, durch die gerade noch verbliebene Lücke in der Blockade die Demonstration zu verlassen. Eine demütigende Situation: anstatt frei unsere Meinung zu äußern, mussten wir dankbar sein, dass die Polizei uns noch vorbeiließ. Die eingekesselten Anti-Atom-Omis und Pax-Christi-Menschen hinter uns bekamen die volle Wucht des Tränengases ab. Die Strategie der französischen Polizei war aufgegangen: mit ihrer massiven Präsenz, ihrer mangelnden Kooperation, dem Blockieren der Demo-Route und dem ständigen Tränengaseinsatz hatten sie die Gewaltbereiten unter uns provoziert. Auch wenn das aggressive Verhalten und die Zerstörungswut mancher NATO-Gegner*innen unendschludbar bleibt: mit einer Deeskalationsstrategie, Anti-Konflikt-Teams und Kooperation im Vorfeld seitens der Verwaltung wäre es nie soweit gekommen. Die politische Verantwortung ist bei Sarkozy zu suchen: am Samstag, den 4. April hat er unsere Grundrechte außer Kraft gesetzt.

Bunte Proteste

Bunte Proteste

Für uns bleiben eine Menge unbeantworteter Fragen: Wie können Menschen gegen das Militär sein und sich dabei selbst so militant verhalten? Wie kann mensch ein Gebäude anzünden, in dem sich Menschen befinden? Und das ganze unter den Symbolen des Friedens??? Und was für ein Demokratieverständnis muss jemand haben, der die Meinung der Menschen, die er vertreten sollte, gezielt unterdrückt?

Am 11. Oktober gibt es wie auch im letzten Jahr einen diesmal weltweiten Aktionstag zum “Thema Freiheit statt Angst”.

Wie auf der Homepage des Arbeitskreis Vorratsspeicherung zu entnehmen:

Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler rufen bundesweit zur Teilnahme an einer Demonstration gegen die ausufernde Überwachung durch Wirtschaft und Staat auf. Am Samstag, den 11. Oktober 2008 werden besorgte Bürgerinnen und Bürger in Berlin unter dem Motto “Freiheit statt Angst – Stoppt den Überwachungswahn!” auf die Straße gehen. Treffpunkt ist der Alexanderplatz um 14.00 Uhr.

Also, seid da, oder macht an dem Tag bei euch zu Hause auf diesen Tag aufmerksam. Denn nur Gemeinsam sind wir stark!!!