Die GRÜNE JUGEND gab zu der kürzlichen Äußerung des Papstes über Kondome zu Bekämpfung von AIDS folgende PM raus. Daraufhin schrieb Andreas Deutinger, Vorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung in der Erzdiözese München und Freising einen offenen Brief. Dieser wurde von uns nun auch wieder beantwortet. Nun erwarten wir den nächsten Brief der aus der Erzdiözese. Im Münchner Merkur wurde der Brief der Katholischen Landjungendbewegung behandelt.
PM der GRÜNEN JUGEND:
„Der Papst ist irre!“
18.03.2009: Zu den Äußerungen von Papst Benedikt erklärt Kathrin Henneberger, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND:
„Die Äußerungen von Papst Benedikt, Kondome würden nicht gegen AIDS helfen, sind empörend und zeigen erneut: Der Papst lebt nicht in der realen Welt! Es ist unverantwortlich, wie er mit seiner falschen Propaganda das Leben von vielen Menschen aufs Spiel setzt. Allein im Jahr 2007 starben 2,1 Millionen Menschen an AIDS, drei Viertel davon in Afrika. Wir fordern den Papst auf, seine Äußerungen zurückzunehmen und sich mit seiner Ideologie des letzten Jahrhunderts aus der aktuellen Politik herauszuhalten.
Der Brief der Katholischen Landjugendbewegung:
Offener Brief zu „Der Papst ist irre!“ vom 18.03.2009
Sehr geehrte Frau Henneberger,
mit großer Aufmerksamkeit habe ich Ihren Beitrag „Der Papst ist irre!“ auf der Homepage der Grünen Jugend vom 18. März 2009 gelesen. Zu diesem Beitrag hätte ich jedoch noch ein paar Rückfragen. Könnten Sie mir beispielsweise bitte genauer erläutern, wie der Papst „mit seiner falschen Propaganda das Leben von vielen Menschen aufs Spiel setzt“?
Richtig ist, dass Papst Benedikt XVI. am Dienstag den 17. März, auf dem Flug von Rom nach Yaoundé eine Journalistenfrage zur AIDS-Problematik in Afrika beantwortet. Der Journalist führte aus, die Position der katholischen Kirche hierzu werde oft als unrealistisch und unwirksam betrachtet. Papst Benedikt XVI. antwortete darauf: „Ich würde das Gegenteil behaupten: Ich denke, dass die wirksamste und an der Front des Kampfes gegen AIDS präsenteste Wirklichkeit gerade die katholische Kirche ist, mit ihren Bewegungen, mit ihren unterschiedlichen Wirklichkeiten.“
Er erläutert auch den dahinter stehenden Gedanken: „den Menschen von innen her zu erneuern, geistliche und menschliche Kraft für ein rechtes Verhalten gegenüber dem eigenen Leib und dem des anderen zu geben, und diese Fähigkeit, mit dem Leidenden mit zu leiden, in den Situationen der Prüfung da zu sein.“
Der Papst spricht sich für eine „Humanisierung der Sexualität“ aus und meint damit eine menschliche und geistliche Erneuerung. Dies schließt ein zum verantwortungsbewussten Umgang mit der eigenen Sexualität zu erziehen.
Zweitens ist ihm eine menschliche und geistliche Begleitung der AIDS-Kranken wichtig. Das geht über rein medizinische Versorgung hinaus und fordert auch menschliche Nähe und Zuwendung durch Präsenz vor Ort zu vermitteln.
Drittens setzt die Kirche auf eine Intensivierung der Forschung und fordert, dass wirksame Formen der Behandlung auch möglichst vielen Erkrankten zugänglich sein müssen.
In diesem Zusammenhang erklärte Papst Benedikt XVI.: „Ich würde sagen, dass dieses Problem der AIDS-Krankheit nicht allein mit Werbeslogans gelöst werden kann. Wenn da keine Seele ist, wenn den Afrikanern nicht geholfen wird, kann das Übel nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, es besteht die Gefahr, das Problem zu vergrößern.“
Könnten Sie mir nun erklären, was genau Sie unverantwortlich und falsch an der Aussage des Papstes finden?
Leider vermisse ich in Ihrem Beitrag eine Aussage dazu, welches wirksame Konzept zur Bekämpfung von AIDS in Afrika denn die Grüne Jugend vorschlägt. Sie fordern den Papst auf, seine Äußerungen zurückzunehmen und sich mit seiner Ideologie des letzten Jahrhunderts aus der aktuellen Politik herauszuhalten. Daraus wäre zu schließen, dass Sie einen Widerspruch zwischen christlicher Ethik und aktueller Politik sehen. Hier stellt sich mir doch die Frage, wie Sie zu dieser Einsicht kommen.
Zudem ist anzuerkennen, dass hier der Papst hier nicht nur als Theologe spricht, sondern als Oberhaupt der katholischen Kirche – einer weltweiten, die nicht nur vielen Menschen in ihrer Seelsorge Halt und Orientierung gibt, sondern auch mit ihren Hilfswerken wie Misereor oder Verbänden wie der Caritas oder dem Kolpingwerk sich aktiv in sozialen karitativem Engagement hervortut.
Den Papst als „irre“ zu bezeichnen finde ich für jemanden, der sich nach eigener Aussage aktiv für mehr Toleranz und mehr soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft einsetzen möchte, etwas im Tonfall vergriffen.
Angesicht solch sachlich fundierter Beiträge in die öffentliche Debatte, bin ich fast geneigt, eher zu der Schlussfolgerung zu kommen: Wenn man nicht in der Lage ist ernstzunehmende Diskussionsbeiträge abzugeben und nicht über die intellektuellen Kompetenzen oder über die Muße verfügt, Äußerungen zu komplexen Zusammenhängen vollends zu erfassen, und dennoch meint dazu Stellung beziehen zu müssen, sollte man vielleicht selbst seine Äußerungen zurückzunehmen und sich aus der aktuellen Politik heraushalten.
Ich lasse mich doch gerne eines besseren belehren und warte gespannt auf einen sachlichen Beitrag der Grünen Jugend zur Diskussion.
Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Deutinger
Vorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung in der Erzdiözese München und Freising
Und hier nun unsere Antwort:
Sehr geehrter Andreas Deutinger
Ich finde es sehr ernüchtern, dass sie die Äußerungen ihres Kirchenoberhauptes
nicht kritisch betrachten können.
Wie Sie bestimmt selber wissen hat der Papst eine hohe Verantwortung
in seiner Wortwahl, da viele Menschen an ihn und die Katholische
Kirche glauben und seinen Worten folgen.
„Ich würde sagen, dass dieses Problem der
AIDS-Krankheit nicht allein mit Werbeslogans gelöst werden kann. Wenn
da keine Seele ist, wenn den Afrikanern nicht geholfen wird, kann das
Übel nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im
Gegenteil, es besteht die Gefahr, das Problem zu vergrößern.“
Mit diesen Worten reduziert der Papst zum einen die sehr wertvollen Aufklärungskampagnen
über AIDS zu bloßen Werbeslogans.
Zum zweiten geht aus seinem Zitat deutlich hervor, dass er der Meinung
ist, dass mit dem Verteilen von Kondomen die AIDS-Problematik
verschärft werden könnten. Diese Aussage ist höchst gefährlich, denn
sie untergräbt die Bildungskampagnen, welche dazu aufrufen, Kondome verantwortungsbewusst zu
benutzen. So gibt die Bundesregierung pro Jahr etwa 10 Millionen Euro für
die Bereitstellung von Kondomen in Ländern der Dritten Welt aus. Würde
sie dies tun, wenn Kondome das Problem der AIDS-Verbreitung verschlimmern würden?
Um AIDS zu bekämpfen brauchen wir keine Predigten über Treue und
Enthaltsamkeit. Wir brauchen Aufklärung und eine offene Diskussion
über Sexualität.
Mit freundlichen Grüßen,
Kathrin Henneberger