Archiv für Juni 2007

Die Grüne Jugend auf der Straße

Wir sind um 9.30 Uhr mit mehreren 1000 Demonstranten aus dem Camp Reddelich aufgebrochen. Der Zug besteht aus unterschiedlichen Gruppen – und alle haben sich der Gewaltfreiheit verschrieben.

Alle Bezugsgruppen sind in Fingern organisiert, die sich nach einer klaren Taktik bewegen. Bis jetzt sind alle Kontakte mit der Polizei friedlich geblieben – es wurden auch alle Sperren von uns immer wieder umgangen.

Unsere Wanderung hat ihr Ziel erreicht. Wir sind auf der Straße!! Es wurden Felder durchwandert, Bäche durchquert – bei Polizeikontakten sind wir ihnen mit erhobenen Händen begegnet. Wir wollen hier eine gewaltfreie Sitzblockade durchführen und so unseren Protest gegen den g8 Gipfel ausdrücken.

Wir haben es geschafft, alle unsere Finger zusammen zu ziehen und sind jetzt eine gemeinsame Sitzblockade.

12:30: Insgesamt sind wohl bis zu 10.000 Demonstranten in der Gegend unterwegs.

Unmittelbar neben der Sitzblockade landen jetzt 10 Transporthubschrauber und es werden Polizeikräfte abgesetzt. Viele Demonstranten gehen der Polizei mit erhobenen Händen entgegen.

400 meter vor dem Zaun, 1 Km nordwestlich von Bad Doberan an der Bahnlinie., kurz vor der Trabrennbahn – einem Haupteingang zum abgesperrten Bereich von Heiligendamm. Wir sind aber nur eine von vielen!

Die Situation hat sich hier entspannt – die Polizei ist weit entfernt und lässt uns auf der Straße. Es sind nach neuen Schätzungen der Organisatoren 6000 personen in unserer Blockade. Grüne Jugend und Grüne haben sich am östlichen Ende der Blockade in den vorderen Reihen niedergelassen. Wir wollen bleiben und uns auch zur Not weggetragen lassen. Denn: Friedlich gehts auch!

Es wurden zwar die Einsatzkräfte aus Richtung Bad Doberan zurückgezogen, dafür wurden aber 3 Wasserwerfer und ein Räumpanzer am Zaun zusammengezogen. Wir lassen uns aber als Gemeinschaft nicht provozieren – wir sind friedlich und werden es auch bleiben. Wie vielfältig der Widerstand ist, kann hier erlebt werden: Sambagruppen, Clowns, Straßentheater, Musik und viele AnwohnerInnen, die uns mit Wasser versorgen. Mit Spaß und Freude auf der Straße – eine andere Welt ist möglich.

MMS-Image: mms_image_240.jpg Nachdem die Entscheidung gefallen ist, sich als Grüne Jugend weiterhin an friedlichen Blockadeaktionen zu beteiligen, bereiteten sich die AktivistInnen heute auf die kommenden Tage vor. Mit dabei war soeben auch die Innenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Silke Stokar, die die jungen Grünen über die rechtlichen Umstände von Blockaden und den Rahmen zivilen Ungehorsams und der damit verbundenen Risiken informierte, sowie entsprechenden Fragen Rede und Antwort stand. Danach findet das letzte Plenum von BUNDjugend und Grüne Jugend vor den BlockG8-Aktionen statt. Das internationale Seminar ist derweil im Camp angekommen und besucht den Alternativgipfel in Rostock. jpa.

MMS-Image: mms_image_235.jpg Heute (5. Juni) findet der globale Umweltschutztag der UN statt. Dazu hat auch die Grüne Jugend eine Aktion im Anti-G8-Camp Reddelich gemacht. Denn: Starker Natur- und Umweltschutz kann nur international gelingen. kathrin & jpa.

MMS-Image: mms_image_233.jpg Das Leben im Camp von BUNDjugend und Grüner Jugend gestaltet sich vielseitig. Hinter dem Bannerhügel sitzen die AktivistInnen mit Musik am Feuer und planen die kreativen Protestaktionen der kommenden Tage. Im Hintergrund sollen Grünen-Banner und ein noch zu errichtender Wachposten für den Schutz vor ungebetenen Gästen sorgen. Jetzt hol ich mir was zu Essen von der englischen VoKü. jpa.

Polizei

Mit der Massendemo endete die Grüne Gipfeltour ’07 gestern in Rostock. Nach zwei spannenden Wochen, in denen die Tour in ganz Deutschland für den Gipfelprotest geworben hat, bleibt nach der von Gewalt überschatteten Massendemo ein fader Beigeschmack. Überall wo wir auf der Tour waren, stießen wir auf großes Interesse und Verständnis für den Gipfelprotest. Dies scheint nun durch die unakzeptable Gewalt weniger Radikaler in kürzester Zeit wohl wieder zunichte gemacht.
Unsere letzten Etappen führten uns zunächst am Dienstag zur Uni Hannover, wo wir gemeinsam mit der dortigen GHG eine Infoaktion an der Mensa Nord machten. Nachmittags ging es dann nach Hamburg, wo es nach den Vorabenddemonstrationen im Rahmen des ASEM-Gipfels galt, gemeinsam mit den Hamburger Grünen in der Innenstadt für einen friedlichen G8-Protest zu werben.
In Potsdam waren wir dann am Mittwoch an der Uni und haben mit den Studierenden vor Ort Weltjenga gespielt. Der nächste Termin führte die Gipfeltour dann nach Berlin auf den Bebelplatz vor der Humboldt-Uni. Gemeinsam mit den Berliner Grünensprecherinnen Barbara Oesterheld und Irma Franke-Dressler und BuVo-Mitglied Malte Spitz haben wir besonders bei den zahlreichen Touristen für Aufmerksamkeit gesorgt. Schade, dass wir zu diesem Zeitpunkt kein englischsprachiges Infomaterial dabei hatten…

Bebelplatz
Wladimir alias Barbara auf dem Bebelplatz

Der Freitag in Schwerin war vor allem von einer gespennstigen Stimmung im Vorfeld einer angekündigten Nazi-Demo geprägt. Besonders junge SchwerinerInnen waren sehr an unseren Anti-Rechts-Buttons und -Infos interessiert. Gut für Schwerin, dass die Nazis keine Genehmigung für ihren Aufmarsch bekamen, schlimm für andere Standorte, in denen sie daraufhin unangemeldet auftauchten und von der Polizei in Berlin nicht am Marsch durchs Brandenburger Tor gehindert werden konnten.
Unser Stand auf dem Universitätsplatz in Rostock am Freitag Nachmittag fand in einer gelösten Atmosphäre statt. Zwar deuteten einige verbretterte Geschäfte an, dass viele Meschen Angst vor den Protesten hatten, aber eine bunte Mischung Menschen auf den Straßen waren offen für Infos zum Gipfelprotest und nutzten unseren Stand auch als Info-Punkt über Demo-Route, Camps u.a..
Bei der Demo standen wir dann mit dem Gipfelmobil beim Startpunkt hinter dem Bahnhof.
Während die meisten Grünen im Klimblock am Schutower Kreuz die Demo begannen sammelten sich nahezu alle Grünen, die hier die Demo begannen an unserem Wagen und wurden von uns mit Ballons, Fahnen, Buttons und Aufklebern versorgt.
Die Demo war über weite Strecken der erhoffte bunte Protest. Zwischen Marxisten, Hedonisten, Attacis und anderen waren wir mittendrin im Protestkarneval. Erst gegen Ende wurde es dann angespannter. Auf unserem Weg gab es Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demo-Clowns.
Aus den Krawallen am Ende der Demoroute konnten wir uns zum Glück heraushalten.