Archiv für September 2006

Heute fiel die Entscheidung am Stuttgarter Landgericht: Wer ein antifaschistisches Symbol, wie ein durchgestrichenes Hakenkreuz, am Revers trägt macht sich der Verwendung verfassungswidriger Symbole (§ 86a StGB) strafbar. Die GRÜNE JUGEND Baden-Württemberg war mit einer Aktion vor Ort (siehe Tagesschau oder ZDF), Henning Schürig bloggte sogar von vor Ort und ich mache mich mit meinem Weblog selbst strafbar. Wir dürfen uns unser Dagegensein nicht verbieten lassen!

(sehr frei nach Max Frisch) 1. Wenn deine Partei bei einer Wahl 100 Prozent der Stimmen erhält – würdest du dich dann wundern oder würdest du deine Mitbürger dann zum ersten Mal richtig gut verstehen können? Diesen Beitrag weiterlesen »

Mir ist etwas aufgefallen: Über die Innenpolitik anderer Länder erfährt man nur etwas, wenn dort komische Menschen regieren. Seit in Polen die Kaczinsky-Twins an der Macht sind und pünktlich jeden Mittag dummes Zeug von sich geben, wird Polens Politik von den deutschen Medien sehr aufmerksam beäugt. Was zur Folge hat, dass ich die Fraktionen im polnischen Parlament, einige Minister und die wichtigsten Zeitungen im Land aufzählen kann. Über Irland kann ich das nicht behaupten – ich glaube, ich kenne keinen einzigen irischen Politiker. Genauso geht es mir bei Finnland. Als Pim Fortuyn noch lebte, wusste ich gut Bescheid über die Sorgen der niederländischen Rentner und die Situation in Rotterdams Problemvierteln. Seit er tot ist, weiß ich nicht einmal, ob Holland links oder rechts regiert wird. Und weiß zufällig jemand, was Romano Prodis Regierung in Italien gerade macht? Nein? Als Silvio I. dort herrschte, war das anders. Damals wusste ich, was Italien so umtreibt. Marode Eisenbahn, korrupte Justiz und eine nicht wirklich unabhängige Presselandschaft. Ob sich daran was geändert hat – keine Ahnung… Heute regieren in Italien relativ linke, relativ seriöse und relativ vertrauenserweckende Personen leise und sachlich vor sich hin – und wir kriegen nichts mit. Wenn in unseren Nachbarländern mal keine Rassisten, Kriminelle oder Antisemiten an der Macht sind, erfährt man so gut wie nichts darüber. Ich muss sagen: Mir sind alle Länder, über die ich mich inzwischen auskenne, erst näher gekommen, als dort irgendwelche Gauner regierten. Irgendwie schade, aber so funktionieren die Massenmedien nun mal. Wo kein Skandal ist, ist auch keine Meldung. Aber eigentlich bin ich auch selber schuld – die irische und finnische Innenpolitik interessiert mich jetzt in diesem Moment – ganz ehrlich gesagt – herzlich wenig. Den Wahlkampf der FPÖ in Österreich verfolge ich dagegen höchst interessiert. Hoffentlich schaffen es diese elenden Faschos dort nicht wieder ins Parlament!

Ich möchte hiermit ganz herzlich
Saudi-Arabien zum Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 2006
in Deutschland gratulieren.
Einige denken sich jetzt – wie WM? Die war doch schon. Habt ja auch recht, jedoch ich ebenfalls.Es gibt auch eine WM für Menschen mit Behinderung und hier waren die Saudis am besten und haben sich im Finale gegen Niederlande im Elfmeterschießen durchgesetzt. Deutschland belegt übrigens nach einem 4:0 gegen Südafrika schon zum zweiten Mal in diesem Jahr bei der Fußball-WM den 3. Platz, nachdem wir im Halbfinale eine 5:0 Schlappe gegen die Niederlande hinnehmen mussten.
Leider ist die Berichterstattung darüber nicht allzu groß gewesen. Die ARD nennt als hochrangigsteN VertreterIn Ex-Bunderkanzler Schröder.
Dies finde ich ganz schön peinlich für die amtierende Bundesregierung, wo die Welt “zu Gast bei Freunden” ist, die WM für Menschen mit Behinderung keine Würdigung der Politk verdient. Es hätte auch gezeigt werden können, dass auch Menschen mit Behinderung bei uns willkommen sind und für eine barrierefreie Welt geworben werden können.
Naja vielleicht beim nächsten Mal…

Hey liebe Leute,

nachdem ich vor zwei Wochen über Binnenvertriebene hier in Nepal geschrieben habe, möchte ich heute auf die zentralen Akteure des Entwicklungssektors eingehen (wiederum am Beispiel Nepals). Hierzu möchte ich in diesem Artikel die Organisationen zunächst nur umschreiben und ihre Funktion und Arbeitsweise anreißen. Diese individuelle Betrachtung ist natürlich in der Realität völliger Blödsinn, denn jede Organisation muss in ihrem Kontext betrachtet werden, doch dieses Bild wäre hier zu komplex. In meinem nächsten Artikel (nächste/übernächste Woche) werde ich dann das Zusammenspiel dieser Akteure und die Effekte auf die Entwicklungsländer und deren BewohnerInnen selbst darstellen. Daher also diese Info-Grundlage:

Zunächst ist es wichtig zwei grundsätzliche Unterscheidungen zu machen
- Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit: Mit Humanitärer Hilfe meint man im Allgemeinen die Hilfe für Menschen in/nach einer Katastrophe bzw. einer Krise. Da es in den letzten Wochen einige Überflutungen in Nepal gegeben hat versuchen Organisationen der Humanitären Hilfe nun mit Unterbringungen (shelter), Nahrung und Gesundheitsversorgung zu helfen. Entwicklungszusammenarbeit (im Folgenden nur noch „EZ“) dagegen setzt bei langfristigen Prozessen an, wie z.B. Bildung, Wasserversorgung, wirtschaftliche Erfolge und z.B. Stärkung von Gruppenprozessen. Dennoch ist diese Unterscheidung nicht immer ganz so klar, wie sie scheint. Denn es gibt viele Organisationen, die sowohl das eine als auch das andere machen und ihre Programme mit verschiedenen Konzepten dieser Ansätze mischen.
- Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) und Technische Zusammenarbeit (TZ): Finanziell bezieht sich zum einen auf staatliche, aber auch auf nichtstaatliche/private InvestorInnen. Ein sehr zentraler Akteur hier in Nepal ist die Asian Development Bank (ADB), die man als Teil der Weltbank ansehen kann, aber dennoch aufgrund ihrer Regionalität unabhängig ist. Von der TZ spricht man im Allgemeinen dann, wenn nicht einfach nur finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, sondern konkrete (technische) Mittel, praktische Konzepte und oft auch eigenes Personal eingesetzt wird z.B. für Bildungsprojekte, Gesundheitsvorsorge oder Ressourcenschutz (z.B. Wald).

Nun aber mal konkret in die Praxis hier in Nepal: bis ins Jahr 1990 gab es nur sehr wenige Entwicklungszusammenarbeit in diesem Land, denn der König wollte möglichst wenig Einfluss von außen zulassen und wer hier unbedingt tätig werden wollte, musste auf die Bedingungen des Königs eingehen und auch einiges an „Abgaben“ an ihn zahlen. Nachdem es im Jahr 1990 zu einer Demokratisierungswelle kam, wurde die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NGO) stark liberalisiert: so stieg die Zahl der nationalen NGOs von 677 im Jahr 1992 auf 1492 im Jahr 1994, also eine Verdoppelung innerhalb von 2 Jahren! Dazu kommen noch internationale NGOs: 126 sind in Nepal tätig

Wie man sieht ist das eine ganze Menge und man weiß gar nicht, wo man mit beschreiben anfangen soll. Zur Vereinfachung werde ich keine Unterscheidung zwischen Humanitärer Hilfe und EZ machen, man sollte nur beachten, dass in der Praxis diese feine Unterscheidung relevant ist (denn Organisationen berufen sich darauf!).

Nun, beginnen möchte ich mal bei den Betroffenen selbst, nach dem bottom up Prinzip, wie EZ eigentlich passieren sollte: hierbei findet mensch auf lokaler Ebene drei zentrale Akteure. Zum einen gibt es lokale NGOs, oft Community Based Organisations (CBOs), wie z.B. Frauen-Gruppen oder Forst-Gemeinschaften. Zum zweiten gibt es den lokalen Staat, z.B. wie hier in Nepal das Dorf-Entwicklungs-Komitee (village development committe VDC), das den nationalen Staat, bzw. seine Regionen auf der Dorfebene vertritt. Der dritte und mindestens genauso entscheidende Akteur ist die lokale Privatwirtschaft, die sich auch oft in Interessensgemeinschaften (z.B. Handelskammern) zusammenschließt. Diese drei Akteure sind besonders relevant für die Umsetzung von Entwicklungsprojekten oder bei der Humanitären Hilfe, denn sie bieten gewisse lokale Strukturen um möglichst viele Menschen zu erreichen. In die Entwicklung von neuen Projekten werden diese Ebenen jedoch nur teilweise einbezogen. Sofern dies jedoch geschieht haben die Entwicklungsorganisationen bereits ausgearbeitete Methoden, um verschiedene Bedürfnisse der Lokalität zu erfassen (z.B. Participatory Rural Appraisal).

Auf überregionaler Ebene, sei es auf regionaler (also Distrikt) oder nationaler Ebene wiederholt sich diese Dreiteilung in gewisser Hinsicht, wobei die privatwirtschaftlichen Netzwerke für die EZ selbst weniger relevant werden. Beginnen wir am besten mit dem nepalesischen Staat : Nun, bei dem weiß man nur im Moment nicht so recht woran man ist. Auf der einen Seite gibt’s Druck von den maoistischen Rebellen, dazu beschwert sich noch die Zivilgesellschaft; der König sichert seine Einflüsse zur Armee und die eigenen ParteianhängerInnen stehen im Moment auch nicht so recht hinter ihren eigenen Regierungsmitgliedern. Ist also nicht ganz so einfach mit so einer Regierung die Entwicklung des Landes voranzubringen, wenn sie mit sich selbst genügend zu tun hat. Dennoch hat der Staat formal das Mandat die Entwicklung (und die dabei relevanten Akteure) zu koordinieren.

Dadurch, dass der Staat diese Rolle nur bedingt wahrnimmt, entstehen teilweise parallele Strukturen wie z.B. der maoistischen Rebellen, die ein eigenes Steuersystem entwickelt haben und in den von ihnen besetzten Gebieten die Entwicklungsorganisationen kontrolliert und steuert.

Die grobe und oft auch feine Ausrichtung der Entwicklungsstrategien und –konzepte geht jedoch von den Geberorganisationen aus („top-down“ im Gegensatz zu „bottom up“). Zu diesen gehören:
- Internationale NGOs (z.B. Brot für die Welt, Care International)
- Regierungsorganisationen (die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ oder das britische DFID)
- Multilaterale GeberInnen wie zum Bsp. die Asiatische Entwicklungsbank, die Weltbank oder die Europäische Union
- UN-Agenturen wie z.B. UNDP (zuständig für Entwicklung), UNHCR (Flüchtlinge), WHO (Gesundheit), WFP (Ernährung), und auch so was wie OHCHR (Menschenrechte), OCHA (Koordinierung für Humanitäre Hilfe) und natürlich noch einige mehr.
Diese Akteure sind jedoch selten nur einfache Geberorganisationen, sondern versuchen teilweise sogar selbst Projekte zu planen und umzusetzen. Dabei haben sie oft viele westliche MitarbeiterInnen eingestellt, die Unmengen an Lohnkosten verursachen (was von Entwicklungsgeldern abgezogen wird). Natürlich gibt’s auch einige Jobs für lokale ExpertInnen, doch das werde ich in meinem nächsten Artikel genauer betrachten. Dabei wird es mir darum gehen, welche positiven wie negativen Effekte die EZ auf ein Land wie Nepal hat.

Bis dahin, beste Grüße
Michi

PS. Sorry, dass es so organisations-lastig war, ist aber nur als Überblick gedacht, um im nächsten Beitrag ein komplexeres Bild der EZ zu beschreiben.

Literatur:
Dhakal, Tek Nath (2006): NGOs in Livelihood Improvement
Hossain, Fahrhad (2001): Administration of Development Initiatives by NGOs.

Nachdem wir natürlich viel zu früh von Mareike geweckt wurden, weil sie zur Schule musste (ätsch!), fuhren wir nach Parchim, wo wir uns mit dem dortigen Direktkandidaten Bernd trafen.
Hier waren zwar deutlich weniger Touristen in der Stadt als in Malchow, dafür waren wir über lange Zeit die einzigen, die man überhaupt in der Innenstadt sah.
Gegen Nachmittag wurde es allerdings deutlich besser. Viele interessante Gespräche (zum Beispiel mit älteren Damen über die Apfelfront) und jede Menge Handabdrücke rundeten den positiven Eindruck von Parchim ab.
Handabdrücke sammeln gegen Rechts
Gegen Abend fuhren wir nach Rostock, um dort die Lesung vom ZEIT Autor Toralf Staud nicht zu verpassen. Das Thema moderne Nazis passte natürlich optimal zu unserem Engagement gegen rechte Wirrköpfe. Die Diskussion zum Ende der Veranstaltung hat uns ziemlich erschreckt, als ein etwas älterer Herr äußerte, wie Schade er es fände, dass man nach wie vor nicht stolz auf Deutschland sein könne. Rechte Tendenzen ziehen sich anscheinend durch sämtliche gesellschaftlichen Schichten und das Klischee vom Bomberjackenskinhead stimmt nur noch bedingt, wie uns auch der Autor bestätigte.
Alles in allem ein gelungener Abend, den wir mit chinesischem (oder doch ['ki:nesisch]? Sagt doch mal Johannes und Daniel…) Essen gemütlich ausklingen ließen. Todmüde fielen wir in unsere mehr oder weniger bequemen Jugendherbergsbetten.

P.S.: ganz ganz ganz ganz lieben Dank an Mareike und ihre Mutter für das super leckere Frühstück!

Tschüss Nadine
Arvid

Die Kommentarleiste:
Nicolas: Mmmmhh, so lecker! Und so wunderbare GastgeberInnen. Hier kommen wir gerne wieder zurück.

Daniel: Typisch BuVo! Wir hatten in der Jugendherberge 2 Zimmer, ein 6-Bett- und 2-Bettzimmer.
Wir gingn natürlich alle ins 6er, nur der BuVo, in Person Nadine, war alleine im 2er. Alle meine Überredungsversuche, der BuVo solle sich nicht so elitär abgrenzen und zur „Basis“ ,und zum LaVo ins Zimmer zu gehen, blieben erfolglos. Ich zog natürlich auch gleich Paralellen zur berühmten Weichbodenmatte in Jena. Wann wird der BuVo es endlich lernen, dass er sich nicht abgrenzen soll? Wann werden wir endlich in der Grünen Jugend die Schichten überwinden?
Und jetzt noch eine kurze Kritk über das von Nicola so hoch gelobte Essen bei Mareike. Wehrlose und unschuldige Tiere mussten für dieses Frühsück erst lange leiden und dann ihr Leben lassen.

Johannes: Ja, vielen Dank für die Gatfreundschaft – diesmal haben wir wirklich die Luxus-Tour mit gutem Frühstück jeden Morgen und größtenteils schönem Sommerwetter! Mäc-Pomm begeistert!

UPDATE: Fotos gibt es hier