Archiv für März 2006
Und wieder meldet sich das Sachsen-Anhalt-Team zu Wort. Vor vier Tagen waren wir das letzte Mal im Netz, seitdem haben wir viel erlebt. Vorgestern gings nach Zeitz, eine kleine, hübsche bergige Stadt am Rande von Sachsen-Anhalt. Ganz im Süden gelegen, kletterten wir mit unserem Multivan langsam die Berge hoch. Gelobt sei das Automatik-Getriebe!
Eiskalt war die Fußgängerzone in Zeitz. Am Bahnhof pickten wir dann noch Arvid aus Schleswig-Holstein auf. Arvid hatte gar nicht gepennt, deswegen fror er am meisten. Aber auch wir anderen zitterten ein bisschen. Das Tolle: Trotz der Nullgrade gaben superviele Leute “ihre Hand” gegen Rechts ab.
Und gleich gings weiter nach Naumburg. Uns war jetzt nicht mehr kalt, sondern wir waren vor allem hungrig. Auf, zum Dönerladen, und mal wieder “Nebenbei-Auf-dem-Weg-Mittagessen”.
Danach noch ein bisschen Info-Stand, noch mehr Hände, und abends noch eine ErstwählerInnen-Party. Die Musik vielleicht Geschmacksache – Jazzig und Liedermacher – aber wir hatten dennoch einen sehr tollen Abend mit vielen kreativen Ideen. Wir glauben, den Trend des Sommers zu setzen. :) Diese und einige andere tolle Geschäftsideen können wir aber hier aus Geheimhaltungsgründen nicht veröffenltichen. :)
Geschlafen haben wir auf dem geheimnisvollen Schloss Goseck (Kreis Weißenfels). Dort finden Sonnenwendfeiern statt und es wird ganz viel archäologisch ausgegraben. Mehr konnten wir aber nicht erfahren, ganz früh morgens gings schon wieder los – diesmal nach Halle.
Julia hatte dort schon mal gewohnt, deswegen glaubte sie sich besser auszukennen als das “Navi”. Das Navi schickte uns hin und her, deswegen parkten wir erstmal entnervt und gingen ins “Cafe Nöö” direkt unter der Grünen Kreisgeschäftsstelle. Dort mussten wir tränenreich Abschied von Nadine nehmen, die uns leider gen München verlassen musste. Dafür stieß Johannes zum Team, wieder. Johannes war schon in der ersten Woche dabei gewesen und zog die Wahlkampftour dann doch seinem langweiligen Praktikum vor … und kam kurzentschlossen von leipzig nach Halle gereist, gerede rechtzeitig für ….
… den Einsatz in Neustadt. Wir wussten nicht, ob die Hallenser Grünen schon einmal dort gewesen waren und machten uns auf das schlimmste gefasst. Nazis sollte es dort geben, viele große Plattenbauten … und wir wussten auch gar nicht genau, wo wir jetzt hinmusstenn.
Todesmutig sprangen wir in unseren Multivan und brausten die Magistrale (Riesen-Umgehungsstraße, die sich auf einer riesigen Brücke befindet) herunter, über die Saale – nach Neustadt.
In Neustadt schien die Sonne und es war alles viel weniger schlimm als erwartet. Erst bauten wir uns vor einem McDonalds auf (hi hi hi), wurden aber schnell wieder vertrieben und machten also 15 Meter weiter rechts Stand. Viele Diskussionen über Ausländer und Benzinpreise später kam auch Claudia Roth, uns besuchen, und ließ sich auch ein wenig den Neustädter Wind um die Nase wehen … und bewährte sich in harten Diskussionen.
Abends dann die Belohnung für die Mühen: Wahlkampfabschluss im “Turm”, dem Hallenser Studentenclub. Wir übergaben Claudia feierlich “die Hände”.
Abends feierten wir noch bis zum Ende des Wahlkampfhöhepunktes mit den Grünen, dann gings nach Hause zu Maren, wo wir gemütlich gebettet in einer schönen Wohnung schliefen (und vorher noch Fleisch und Nudeln bekamen, hungern mussten wir diesmal nicht …)
Morgens dann (nach einem reichhaltigen Frühstück, danke noch einmal dafür!) gings nach Achersleben. Am Bahnhof kam dann Silke zu uns, die uns für die nächsten Tage verstärken wird. Auch in Aschersleben: Gemütlich, viele offene Menschen. Viele interessierten sich für unser Material, Spunks und Wahlkampfzeitungen gingen weg wie warme Semmeln. Eine wirklich positive Stimmung …. Langsam glauben wir, dass es wirklich klappen kann mit den “5 Prozent”. Und da wird auch Grit Michelmann, die Ascherslebener Direktkandidatin, eine Menge Stimmen bringen!
So werden wir gleich kochen und heute abend noch mal ErstwählerInnen-Party. Das Internetcafe macht gleich dicht …
Jetzt aber los!
Jetzt aber grün!
Auch Nazis wollen die WM für ihren Hass nutzen. Der veröffentlichte WM-Propaganda-Planer der NPD schürt den puren Rassismus. Die Aufschrift: “Weiß – Nicht nur eine Trikot–Farbe!â€? und “Für eine echte NATIONAL- Mannschaftâ€? belegt eines ganz deutlich: die NPD ist entgegengesetzt ihrer Aussagen eine gefährliche rassistische und völkische Partei, die diese Einstellungen in der Gesellschaft bewusst fördert!

Dazu ein Artikel auf MUT GEGEN RECHTE GEWALT
Wie fm4 gerade meldet, hat ZARA (Zivilcourage und Antirassismusarbeit) heute den Rassismus Report 2005 für Österreich vorgelegt. Die Bilanz des Reports, der mit 1105 rassistischen Übergriffen für das Jahr 2005 soviel verzeichnet wie noch nie zuvor: “Rassismus wird in Österreich immer tabuloser und aggresiver�.
Auch wenn der Bericht von Kontraste (ARD), produziert vom RBB, bereits vom 2. März ist, möchte ich ihn aufgrund des gravierenden Fehlverhaltens der Polizei doch noch bloggen. Immerhin sind in diesem Land am Sonntag Landtagswahlen!
foto: KONTRASTE @ RBB
Wie in der KONTRASTE-Reportage sehr deutlich wird, unterstützt die Polizei in Sachsen-Anhalt die Pressezensur öffentlich rechtlicher Sender (RBB) durch Rechtsextreme und folgt den Anweisungen der Neonazis.
Anlass war eine Gedenkdemonstration auf dem Magdeburger Westfriedhof mit ca. 450 Neonazis. Diesen standen gesamte drei (!) Polizeibeamte gegenüber, die, wie der Anführer der Nazidemo sagt “sehr kooperativ waren, wie es sich für Sachsen-Anhalt gehört“. Die Nazis erwünschten keine Berichterstattung des RBB und setzten eine 100 m Bannmeile durch. Hier ein Ausschnitt:
Neonazi: “Pass auf, Sie gehen jetzt, und dann is ‘jut! Da wird gar nicht lange gefackelt! Is das klar jetzt?!�
Kontraste: “Das ist eine öffentliche Veranstaltung!�
Neonazi: “Das ist abgesprochen so mit den Behörden, und so wird’s umgesetzt. Jetzt fackel nicht rum hier!�
Nachdem das RBB-Team nicht gleich den Anweisungen der Nazis und der Polizei folgen wollte, schoben sie noch die Drohung nach:
Neonazi: “Wenn Sie die jetzt hier nicht zurückhalten (Aufforderung an die Polizei), dann machen wir das! Und dann diskutier ich mit Ihnen auch nicht weiter drüber!�
Auch hinzugezogene PolizistInnen ziehen sofort wieder ab. In Sachsen-Anhalt bestimmen die Nazis wo es lang geht. Eine Schande für Sachsen-Anhalts Polizei!
Am Sonntag sind dort Landtagswahlen und die DVU hat mit Unterstützung der NPD Chancen in den Landtag einzuziehen. Wen wundert’s?
Doch mit Deiner Stimme kannst du etwas dagegen tun!
Nachdem wir, das neue Team – bestehend aus Sebi, Sascha und Franz – uns die Nacht in einem Rechtsanwaltsbüro in Stendal um die Ohren geschlagen hatten (den kalten Boden spüren wir noch heute), konnten wir aufbrechen – heute gings nach Colbitz.
Unser Navi (Navigationssystem) zeigte uns – inmitten einer schwarzen Leere – dass wir am Ort der Eröffnung des Baus der A 14 angekommen waren. Neben vereinzelten AktivistInnen vom BUND, denen wir uns auch gleich anschlossen, fand man dort nur einen aufgeschütteten Parkplatz, eine Bühne mit Musikanlage (“Highway to Hell”) und Baumaschinen.

Nachdem der Minister für Bau und Verkehr, Dr. Karl-Heinz Daehre, mit seinem Gefolge (ein Reisebus voll mit Pro-A 14 DemonstrantInnen) angereist war, konnten wir unserem Protest kund tun. Der Landrat brachte ein interessantes Argument nach dem Wortbeitrag einer Aktivistin vom Aktionsbündnis gegen die A14: “Wenn der Bau des Flughafens in Berlin Schönefeld gerichtlich legitimiert wurde, dann kann man hier auch eine Autobahn bauen!”??? Als “Blöd und Bekloppt” beschimpft, unterkühlt und müde verliessen wir den Ort der Finsternis.
In Salzwedel meldeten wir uns gleich ordnungsgemäß bei der Pension, bei der wir übernachten sollten. Dort empfing uns auch gleich das nette, jedoch auch viel redende Ehepaar, die BesitzerInnen, mit geschmierten Brötchen (“mmmh Scheiblettenkäse”) und Kaffee.
Allein: Es blieb uns keine Zeit! Wir mussten Clemens vom Bahnhof abholen und danach unseren Stand am Rathausturm aufbauen. Zick, Zuck, Zack und alles war erledigt. Vielen netten Menschen begegneten wir dort auf der Straße, eine Hand gegen Rechts hatten viele übrig. Kinder hatten die kreativsten Farbzusammenstellungen; Danke nochmal an den kleinen Tom!

Nach einem zweistündigen Gespräch übers Nicht-Wählen, die junge Generation und Sparmaßnahmen im eigenen Heim mit unseren “Gasteltern”, den BesitzerInnen der Pension, konnten wir dann zum Abendessen mit dem Kreisverband vor Ort gehen – dort trafen wir Martin Schulz, Direktkandidat im Wahlkreis Salzwedel. Nach viel Lob , jeder Menge Getränken und Nadines Wiederkehr (nach 3 Tagen Abstinenz), ging es 3 Stunden später wieder ins traute Zwischenheim. Interessantes bzw. Erschreckendes begegnete uns noch im Fernseher, das Attentat auf Adenauer, Zwangsprostitution im Nationalsozialismus und die Elefantenrunde (Elefantinnen gab es leider nicht, Ines Brock wurde nicht eingeladen) zur Landtagswahl in Sachsen Anhalt.
Der nächste Morgen, die Rückkehr des schlechten Essens (“uahhh Scheiblettenkäse”). Verschlafen und trotzdem pünktlich in Gardelegen, sogar noch Zeit für Kaffee und Kuchen in der ortsbekannten Bäckerei. Schon beim Durchfahren der Stadt grinsten uns immer wieder Thor-Steinar-Fratzen entgegen. Auch bei Gesprächen an unserem Stand, wurde uns von den Jugendlichen vor Ort erzählt, wie fest verankert die rechtsextreme Szene dort ist. Der rasende Reporter Franz sammelte fleißig O-Töne des Tages. Tatkräftig unterstützt wurden wir von Sören Herbst, Direktkanidat im Wahlkreis Magdeburg III.

Weiter gings – nach Magdeburg, Sebi und Clemens nach Berlin bzw. Potsdam und Julia kommt jetzt mit! Heute noch Shisha rauchen, chillen … und ? Fortsetzung folgt!
Liebe Grüße vom Team (Sascha, Julia, Nadine und Franz)
PS: Viele liebe extra Grüße an die Ex – TeamlerInnen
Nachdem wir uns Sonntag Morgen alle von der anstrengenden Wahlkampf-Nachtschicht erholt hatten, setzte am Magdeburger Bahnhof leider schon der Tour-Mitglieder-Schwund ein, so dass wir die Altmark dann nur noch zu dritt durchquerten, um in Stendal auf den von Fieber geplagten aber trotzdem Wahlkampf-Treibenden Addy zu treffen und ihm in der anfangs doch recht ausgestorbenen Fußgängerzone Gesellschaft zu leisten – auffällig sind wir ja immerhin, nachdem sich die restlichen Parteien wohl zu gut sind, um sonntags Wahlkampf zu betreiben. — Doch was ist das? Nach dem Mittagessen füllt sich die Fußgängerzone doch zusehends, so dass wir doch noch allerhand Infomaterial an Mann und Frau bringen können – tatkräftig unterstützt von Orkanartigen Windböen, so dass es diesmal wortwörtlich “Flugblätter” geworden sind – und Flugzelte. Letztere zwingen die GRÜNE JUGEND dann jedoch doch dazu, vor den Witterungen zu kapitulieren und in die nächste Döner-Production-Filiale zu fliehen um den Rest des letzten Nachmittags des Dream-Teams ausklingen zu lassen, bevor gegen Abend dann die Team-Ablösung aus Berlin eintraf um den Tour-Bus zu übernehmen und um den Kampf gegen das Suppen-Nazitum mit frischen Kräften weiterführen zu können.
Die erste Woche der Tour war ein voller Erfolg – die Überlebenden eben dieser wünschen dem Team nochmal mindestens genaus so viel für die zweite!
-Die Überlebenden Andi, Vincent und Johannes.
PS: Vielleicht bekommen wir ja noch den vom Vertreter der Stendaler Lokalzeitung “Volksstimme Stendal” versprochenen Artikel zu unserer Aktion zugeschickt? Wäre super…