Archiv für Januar 2006
Die heutige Tagesschau zeigt George W. Bush, der den Sieg der Hamas bei den Wahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten kommentiert. Über Bushs Stimme ist eine Übersetzung gelegt und die Tagesschau gibt Bush wie folgt wieder: “Die amerikanische Regierung werde mit keiner politischen Partei verhandeln, die in ihrem Programm dazu auffordert, Menschen zu töten.”
Hm. Lehnt Bush plötzlich die Todesstrafe ab? Hört er mit dem Bombardement von Unterschlüpfen mutmaßlicher Terroristen auf? Gehen wir auf Spurensuche. Wann könnte Bush das wo gesagt haben? Die Tagesschau zeigt Bush in dem Raum des Weißen Hauses, in dem er seine regelmäßigen Pressekonferenzen abhält. Doch die Pressekonferenz von welchem Tag? Auf der Webseite des Weißen Hauses ist ein Webcast der heutigen Pressekonferenz. Bush hat dort eine blaue Krawatte an – genau wie auf den Bildern, die die Tagesschau bringt. Bevor die Stimme des Tagesschau-Sprechers einsetzt, hört man Bush sagen “that it’s a wake-up call to the leadership”, und dieses Zitat findet sich auch im Webcast. Das Statement muss also von der heutigen Pressekonferenz Bushs stammen. Diesen Beitrag weiterlesen »
Die Fotos aus der Foto-Panne des Focus, über die Pantoffelpunk schrieb (und die der Focus inzwischen richtiggestellt hat), stammen aus einer größeren Serien von insgesamt neun Fotos, die über die Agentur Polaris Images angeboten werden. Demnach wird immer unverständlicher, wie der Focus-Redaktion der Fehler passieren konnte, sind doch alle Fotos hier deutlich ausgezeichnet und alle mit dem Datum “December 26, 2004″ in der Bildbeschreibung versehen.
Gestern hatten wir einen freien Nachmittag, also haben einige beschlossen einen Ausflug nach Marokko zu machen. Schliesslich ist die naechste Stadt nur eine Viertelstunde mit dem Taxi entfernt. Zunaecht musste aber natuerlich die Grenze ueberquert werden und das stellte sich als schwieriger als geplant heraus. Nicht dass irgendetwas passiert ist, aber nachdem wir unsere Paesse dem marokkanischen Grenzsoldaten gegeben hatten, geschah erstmal nichts. Nach einer Dreiviertelstunde bekamen wir sie wieder ausgehaendigt und konnten die Grenze passieren. Nach einer interessanten Taxifahrt befanden wir uns in Nador, der naechsten Hafenstadt. Viel zu berichten gibt es von dort jedoch nicht – sie koennen allerdings nicht allzu viele Touristenbesuche verzeichnen, da wir ueberall staunend betrachtet wurden.
Wieder zurueck in Melilla stand eine Standrundfahrt von der UNESCO auf dem Plan. Zwei Stunden sind wir durch die Stadt gefahren, am doppelreihigen, sechs Meter hohen Grenzzaun entlang. An der Stelle, wo im Sommer die AfrikanerInnen versucht haben, den Zaun zu ueberwinden, liegt noch ein Berg an selbstgebauten Leitern! Auf mich hat das Ganze wie ein verlassener Friedhof gewirkt!
Ansonsten hatten wir gestern noch Arbeitsgruppen zum Thema “Illegale Einwanderung”. Aus verschiedenen Perspektiven (Regierung, Wirtschaft, Gesellschaft) sind wir an diese Thematik herangegangen und haben nach Loesungen gesucht. Wie so oft in der dieser Woche sind Antworten aber schwer zu finden und das Gefuehl sind in einem Teufelskreis zu befinden kommt hoch. Trotzdem sind die Diskussionen sehr gewinnbringend und es fehlt uns nicht an Tatendrang und Motivation die Welt zu veraendern!
Optimistische Gruesse aus dem verregneten (!) Melilla, Paula.
Hier eine Zeitungsseite vom verganenen Wochenende aus der niedersächsischen Landeszeitung mit einer ganz besonderen Verbindung zwischen Artikel und Werbung. Ob Eon sich darüber wohl gefreut hat?
Update: In der Netzeitung erklärt der Chefredakteur der Landeszeitung, wie es zu dem Fehler kommen konnte. Boocompany hat auch den Scan einer Meldung, mit der sich die Landeszeitung inzwischen bei ihren Lesern entschuldigt hat. Auch der Standard berichtet.
Nun ist der dritte Seminartag schon halb vorbei und es gibt wieder viel zu berichten. Zusaetzlich zu den verschiedenen Plena arbeiten wir auch in mehreren Kleingruppen. So erstellt eine Gruppe eine Resolution, es wird eine Strassenaktion vorbereitet, ein Film gedreht, Fotos zusammengestellt und natuerlich die ganze Woche in einem Report festgehalten. Unsere Aufgabe ist es aus jedem Plenum zu berichten und zudem kleine Geschichten, die am Rande geschehen, zu erstellen.
Unser Oberthema gestern waren Menschenrechte. Dazu wurden wir regional aufgeteilt, also die NordeuropaerInnen, SuedeuropaerInnen, MittelmeeranrainerInnen, WesteuropaerInnen und die Internationalos und -as in jeweils einer Gruppe. Als Output sollte ein kleines Rollenspiel erarbeitet werden, das unsere Sicht ueber Menschenrechte deutlich macht. Es kam eine Menge dabei heraus, so wurden Frauenrechte, Demonstrationsrechte, die Pressefreiheit, Arbeitsrechte und vieles mehr angesprochen. In meiner Gruppe kamen wir allerdings zu keiner Loesung – zu komplex was das Thema, dafuer haben wir eine Menge diskutiert!
Diskussionen laufen auch viel am Rande – wo hat mensch schon die Moeglichkeit mit Betroffenen ueber die Zypern- oder Palaestinafrage zu reden, oder eine Tuerkin zu fragen, was sie vom Kopftuch haelt.
In den naechsten Tagen werden einige von uns noch die Moeglichkeit haben ein Fluechtlingslager zu besuchen, ausserdem stehen noch Besuche mit verschiedenen NGOs auf der Tagesordnung.
Weiterhin schoene Gruesse auf Afrika/Europa, Paula.
Seit gestern verweilen wir nun in Melilla auf dem FYEG Youth Exchange zum Thema Menschenrechte und Migration. Noch nie von Melilla gehoert? Melilla ist eine spanische Stadt auf marokkanischem Gebiet. Hoert sich komisch an, ist aber so. Mit einem doppelten Grenzzaun, Stacheldraht und massivem Polizeiaufgebot wird hier die EU-Aussengrenze bewacht. Im Sommer 2005 wurde die Stadt durch negative Schlagzeilen bekannt. In den marokkanischen Waeldern auf den Huegeln um die Stadt “leben” tausende afrikanische Fluechtlinge, die nur eins wollen: nach Europa und ein besseres Leben beginnen. Dafuer haben sie eine jahrelange Reise auf sich genommen, sind durch die Sahara – teilweise gelaufen – viele mussten dort ihre Leben lassen. Nun warten sie auf eine Situation, um entweder das Mittelmeer aufs spanische Festland zu ueberqueren, oder hoffen auf eine Moeglichkeit ueber den Zaun nach Melilla zu kommen. Dies haben im Sommer tausende Menschen getan und haben in grossen Gruppen versucht den Zaun zu ueberwinden. Einige haben es geschafft, die meisten jedoch nicht – manche habe sogar ihr Leben verloren.
Wir sind eine Gruppe von ueber 50 jungen Menschen aus ganz Europa, der Tuerkei, Marokko und Palaestina und beschaeftigen uns nun mit diesen Problemen. Warum verlassen Menschen eigentlich ihr Heimatland, was sind die Gruende fuer Migration und welche Wege gibt es in die “Festung Europa”? Dies s ind nur einige Fragen, die wir eroertern…mehr werdet ihr in den naechsten Tagen lesen koennen.
Liebe Gruesse aus dem warmen (15 Grad) Melilla,
Paula
