Archiv für September 2005

Wahlkampfbus Baden-Württemberg:

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Martin´s Handy ist komisch. Wir haben es auf 9 Uhr gestellt, aber es klingelte das erste Mal schon um 8 Uhr.
Trotz allem gingen wir den Tag ganz gemütlich an, denn wir mussten erst um 11 Uhr zu unserem nächsten Ziel losfahren.
Bei unserer Gastfamilie erhielten wir noch ein nettes Frühstück, dann ging es los.
Leider gerieten wir nur ziemlich schnell in einen Stau und anschließend war die Autobahn gesperrt, so dass wir über die Landstraße gurken mussten. Wir durchfuhren Dörfer über Dörfer und hatten die Hoffnung schon aufgegeben, überhaupt noch anzukommen, als doch tatsächlich ein Schild wieder auf die Autobahn verwies. Mit erstaunlich wenig Verspätung von nur 15 min kamen wir dann in Friedrichshafen an, wo wir bei Kreisvorständin Monika die Eiswürfel abholten (“reichen 600 Stück?�). Dann bauten wir vor einem Einkaufszentrum unseren Stand auf. Die grüne und gleichzeitig jüngste Stadträtin Lisa (19 Jahre) unterstützte uns vor Ort und wurde gleich mal in das Pinguin-Kostüm gesteckt.

Heute hatte sich das Fernsehen angekündigt: Euro-3, der Regionalsender für den Bodenseeraum.
Sie filmten und interviewten uns und der Fernseh-Praktikant war persönlich sehr interessiert, als wir von der PraktikantInnen-Aktion erzählten. Er nahm gleich noch einiges an Infomaterial mit.
Gegen später hatte der dortige Kreisvorstand mit uns Erbarmen und spendierte uns allen ein Eis. So konnten endlich wir mal sagen “Hilfe, mein Eis schmilzt�.
Nachmittags fuhren wir weiter zu unserer nächsten Station: Überlingen.
Dort bauten wir direkt am Bodensee unseren Stand auf und wieder gab es den Pinguin zu sehen.
Größtes Highlight war eine pubertierende Schulklasse, die zuerst unseren Infostand plünderte, anschließend sich aber unbedingt noch mit unserem Pinguin fotografieren lassen wollte. Wir haben ihnen gesagt, dass sie das Bild auf unserer Homepage anschauen können. Immerhin hatten sie doch sogar tatsächlich etwas für das Klimaschutzprojekt gespendet. Und als es darum ging, dass der Pinguin mal seinen Kopf abnehmen solle- da wurde nochmal etwas Geld locker gemacht :-)

Diese Nacht sollten wir bei Martin Hahn verbringen, ein Biobauer, der übrigens früher mal im Landesvorstand der Grünen Ba-Wü war. Wir wurden zum grillen eingeladen und durften bei ihm in einer Ferienwohnung übernachten. Diese ist sehr gemütlich, direkt über dem Bauernhaus gelegen. Es gibt sogar -welch ein Luxus- richtige Betten und auch eine Badewanne. Rundherum ist nur Wiese, Wald und Stille.

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Monika stieß abends wieder zu uns und brachte uns die Videokassette mit der Aufzeichnung des Fernsehprogramms, wo wir dann tatsächlich in den Nachrichten kamen. Leider hat aber Martin´s Bauernhof weder Fernseher noch Videorekorder, so dass wir das Anschauen auf später verschieben müssen.

Anbetracht dessen, dass wir am Mittwoch bereits um 8 Uhr losfahren müssen, haben wir uns diesmal schon relativ früh in unsere Betten aufgemacht.

Weitere Infos über den Baden-Württemberg Bus findet ihr auch auf www.gjbw.de unter Wahlkampf und dann Berichte.

Wahlkampfbus Baden-Württemberg:

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Heute morgen mussten wir extremst früh aufstehen, weil wir bereits um 10 Uhr in Wangen erwartet wurden. Also sind wir schon kurz nach 6 Uhr aufgestanden. Es war draussen noch dunkel!
Unser Biobauer war bereits bei der Arbeit und das Bauernhaus verlassen, aber die Küche fanden wir auch von allein “immer dem Hunger nach�, dort war bereits leckeres Frühstück für uns vorbereitet.

Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Wangen.
Dort trafen wir auf die Grünen vor Ort, die bereits ihren Infostand aufgebaut hatten.
Wir haben uns also einfach nebendran gestellt.
In der Wangener Altstadt war Markt, es war also richtig viel los.

Eines der berichtenswerten Erlebnisse war eine Gruppe Jugendlicher, die von unserem Pinguin total begeistert waren. Also boten wir ihnen wieder an (wie schon in Überlingen), mit unserer Digicam ein Gruppenfoto mit Pinguin zu machen und dieses dann ins Internet zu stellen, so dass sie es sich dort anschauen können. Dazu haben wir die Pinguin-Postkarten als “Autogrammkarten vom Pinguin� angepriesen, unser Pinguin hat diese dann mit seiner echten Unterschrift (“Pinguin�) versehen.
Ein Mädchen wollte sogar die Telefonnummer des Pinguins haben.

Leider waren in Wangen die Kleinkinder extrem schreckhaft und fast alle haben beim Anblick des Pinguins losgeheult. Auch die angebotene Brause oder Luftballons konnten keine Abhilfe schaffen.

Gegen 14 Uhr hatten wir vorerst mal Feierabend.
Wir machten uns gleich auf nach Kißlegg, wo sowohl unser Abendprogramm stattfinden sollte, und aber auch unsere Unterkunft war.
Es ergibt sich, dass wir von Tag zu Tag den Luxus unserer Unterkünfte steigern. Denn wir waren nun in einem Gasthof in zwei Doppelzimmern untergebracht.
Bei der Einschreibung in den Gasthof wurde übrigens kurzerhand Iris die Ehegattin von Lukas und Simon die Ehegattin von Martin :-)

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, in unserer Pause den Bus aufzuräumen und zu entmüllen und das Material zu sortieren.
Stattdessen schrieben wir dann aber die Tour-Berichte, sichteten Digi-Fotos, lasen Emails und chillten ein bisschen. Das war auch nötig, denn so eine Bustour strengt ganz schön an.
Für´s aufräumen blieb da leider keine Zeit.

Wir haben dann in unserem Gasthof Abendessen gegessen- es gab zwar nur wenig vegetarische Gerichte, dafür schmeckten sie aber sehr gut.

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Schon ging´s weiter: im Jugendhaus (ein selbstverwaltetes) in Kißlegg hatten die örtlichen Grünen eine ErstwählerInnenparty organisiert. Freudige Überraschung: als weiterer Gast war Boris Palmer (MdL) eingeladen. Boris regte eine lockere Gesprächsrunde an, stellte Fragen an die Jugendlichen und gab Antworten. Vor allem einem überzeugten CDU-Wähler widerlegte er gekonnt die Argumente.
Anschließend redeten wir noch in Kleingruppen mit den Jugendlichen.
Da schon um 22 Uhr die Party zu Ende war (es war ja unter der Woche und die Jugendlichen hatten am nächsten Tag wieder Schule) ließen wir mit den örtlichen Grünen den Abend in einer Kneipe ausklingen und klönten über Politik im Allgemeinen und im Speziellen.
Auch ein vermutlich neues GJ-Mitglied für NRW (sie zieht nächste Woche dorthin) konnen wir gewinnen.

Iris

Weitere Infos über den Baden-Württemberg Bus findet ihr auch auf http://www.gjbw.de unter Wahlkampf und dann Berichte.

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Das Campinggeschirr darf sich auch in vier etablierten Wänden behaupten.

Bürgerrechtlern ist es gleich, ob die kommende Bundesregierung mehrheitlich von der CDU oder der SPD gestellt wird: Der nächste Innenminister heißt Schily oder Beckstein – daran lässt sich scheinbar nichts mehr verändern. Egal, welcher Partner aus dem Duo “Gebrüder Eisenherz” ins Amt kommt, die Ausweitung des großen Lauschangriffs wird von beiden begrüßt.

Daher warnt der Chaos Computer Club schon heute mit einer eCard-Fassung seines Fahndungsplakates vor dem absehbaren Wahlausgang:

Die eCard ist auch als Bildschrimhintergrund in den Auflösungen 800×600, 1024×768, 1280×854 und 1600×1200 und als PDF und einfaches PNG verfügbar.

Wahlkampfbus Bayern:

Revolution: Weg von hier!

Nur mit wenigen Minuten Verspätung treffen wir in Waldkraiburg ein. Dr. Georg Gafus, der Direktmandatskandidat für Altötting und Mühldorf erwartet uns bereits. Vor dem Rathaus bauen wir auf einem leeren Platz unseren Stand auf, mittlerweile haben wir dabei einiges an Erfahrung und daher geht es ganz schnell. Der Schorsch spannt ein GJ Banner um eine Litfaßsäule.

Der Platz liegt etwas unterhalb des Marktplatzes, vor einer breiten Treppe. Auf der einen Seite unseres Standes ist eine Bushaltestelle, an der ein- oder zweimal in der Stunde ein Stadtbus hält, auf der anderen Seite ist in einem unschönen Gebäude ein NKD und eine Eisdiele.

Allerdings ist es nichts besonderes, daß das Gebäude unschön ist, das Rathaus und die meisten Häuser um uns herum sind ebenso wenig schön. Waldkraiburg ist die größte Stadt im Landkreis Mühldorf. Der Grüne “Ortsverband� hat zwei Mitglieder. Die Bushaltestelle und der Brunnen auf der anderen Straßenseite werden vom Rathaus aus videoüberwacht.

Waldkraiburg existierte 1945 noch nicht. Kraiburg heißt der Ort nebenan, in den Wald hinter Kraiburg wurde Waldkraiburg gebaut, als nach dem zweiten Weltkrieg viele Flüchtlinge aus dem Sudetenland nach Bayern kamen. Die Stadt ist häßlich und die Republikaner haben hier ihre Basis.

Dabei hätte diese Stadt, man konnte sie ja schön planen, besonders wohnlich sein sollen. Neben dem Rathaus ist ein großer Platz, darunter eine Tiefgarage, zwischen den Häusern ist viel Raum für Blumen, Metal, Beton und Pflastersteine, die hölzernen Bushaltestellen, der Brunnen und die Litfaßsäule geben den Eindruck, die Stadt hätte viel von sich erwartet.
Grau in Grau hat sie diese Erwartungen nicht erfüllt.

Ein paar Rentner fahren mit dem Fahrrad vorbei, ein paar Jugendliche hängen faul in der Bushaltestelle am Brunnen oder an den Blumenkästen. Auf einer Bank sitzt eine Gruppe alter Männer.
Da helfen auch die besten Sprüche nichts mehr: “Grüß Gott! Darf ich Ihnen den neuen SPUNK schenken?�

Jedes Wort in diesem Satz hat der Schorsch genau darauf abgestimmt, möglichst viele SPUNKs an den Mann oder die Frau zu bringen:

“Grüß Gott!� – Bayerisch
“Darf ich Ihnen� – Höflich und persönlich
“den neuen� – Neu
“SPUNK� – Unbekannt
“schenken.� – Kostenlos

Wer würde da ablehnen? Was aber nützt uns der beste Spruch, wenn niemand da ist? Auch der Pinguin läuft etwas verloren durch die leeren Straßen.

Georg Gafus spricht eine alte Frau an. Eine Diskussion beginnt. Die Wahlen sind ihr sehr suspekt, denn den Herrgott wählt man ja auch nicht. Sie nimmt aber trotzdem ein paar Flyer mit.
Ein Rentner auf einem Fahrrad outed sich en passant als NPD-Wähler. Ausländer hätten ihn mit dem Messer bedroht, behauptet er, und jetzt sei seine Geduld am Ende.
Auf der anderen Straßenseite beginnt der Pinguin eine Diskussion mit vier jungen Burschen. “Habt ihr auch Tütchen mit Inhalt?�, fragt Murrat. “Nein, das ist doch illegal!�, antwortet der Pinguin. “Was macht ihr dann mit den Tütchen?� “Das ist eine politische Aktion. Wir wollen, daß das Kiffen legal wird, deshalb verteilen wir leere Tütchen.�, muß der Pinguin erklären.
Der Rentner auf dem Fahrrad wendet. Vor den Jugendlichen, von denen noch zwei andere türkische Vorfahren zu haben scheinen, bleibt er ein zweites Mal kurz stehen und schreit: “Nach dem 12. September schicken wir euch alle zurück nach Hause!� Dann fährt er zurück, die Straße entlang, aus der er gekommen ist. Fast scheint es, als wäre er nur in die Innenstadt gefahren, um den Grünen und vier Jugendlichen zu zeigen, daß er ein alter Nazi ist.

Auf der anderen Seite des Rathauses steht der Tierschutzverein mit einem Stand. Ein Tierschützer mit unverfälschtem Dialekt, der den Stand kurz verlassen hat, um eine zu rauchen, trifft zufällig auf den Pinguin, der gerade über die Treppen auf den großen Platz neben dem Rathaus gegangen ist. “Was macht ihr hier?� fragt er. “Wir sind von der Grünen Jugend, wir machen eine Aktion gegen den Klimawandel�, erklärt der Pinguin “Und ihr?� “Wir sammeln für den Tierschutz. Wir sind schon seit gestern hier. Hier ist wirklich tote Hose.�
Es sind schon fast zwei Stunden vergangen. Die Jugendlichen und die alten Männer sitzen immer noch an den selben Plätzen. Eine Gruppe 14-jähriger Mädchen will nun endlich wissen, wer unter dem Pinguinkostüm steckt. Sie gehen davon aus, daß sie denjenigen kennen.
Wir bauen den Stand wieder ab. Bevor wir zur Jugendherberge in Mühldorf fahren, zeigt sich Karl den Mädchen ohne Kostüm. Sie erkennen, daß sie ihn doch nicht kennen und kichern trotzdem.

In Mühldorf parkt der Schorsch etwas zu nahe am Inn, einem Fluß, der, von Österreich kommend, durch die Isar und die Mangfall verstärkt, vor zwei Wochen noch Hochwasser trug. Aus dem sandigen, noch etwas feuchten Grund kommt der Vito nicht mehr heraus. Die am Wasser liegenden ereilt der Ruf: “Kommt mal, schieben helfen!� Gemeinsam mit der GJ Mühldorf versuchen wir, den Vito anzuschieben, während der Schorsch Gas gibt. Aber die Räder drehen durch, Sand fliegt durch die Luft.
Wir versuchen, Pappe und Hölzer unterzulegen, aber nichts hilft.

Drei von uns beginnen, in der Innenstadt von Mühldorf wahllos Passanten, die einen Jeep haben oder einen Geländewagen haben könnten, anzusprechen. Diese müßten sich doch, so einer der Grünen vor Ort, der bei dem Versuch uns mit seinem Wagen zu befreien, fast selbst steckengeblieben wäre, freuen, wenn ihr gutes Stück mal wirklich gebraucht wird. Wie oft braucht man in Bayern schon einen Geländewagen?
Und tatsächlich, wir haben Erfolg und finden einen Geländewagen, der sich nach sinnvoller Betätigung sehnt. Sein Besitzer muß noch schnell zur Post, dann werden wir aber befreit.

Und wir haben etwas gelernt: Wenn du weg willst, geh einfach in die Mühldorfer Innenstadt und frage Passanten. In Waldkraiburg hilft das niemandem.

Revolution: Grüner holt Direktmandat

Nur ein paar Wochen vor der letzten Wahl ist der Bundestagsabgeordnete dieses Wahlkreises über ca. 400.000€ undeklarierte Beraterverträge gestolpert und konnte nicht mehr antreten. Stefan Meier, ein blaßer Jurist im zarten Alter von 26 Jahren sprang in die Lücke und wurde prompt mit 76% in den Bundestag gewählt. “Die können einen Pfosten aufstellen und ihn schwarz anmalen, dann wird der gewählt.�, zitiert Gafus den Daxenberger Sepp.

Georg Gafus ist darüber sehr wütend. Der Meier plappert nur die allgemeine CSU-Meinung nach. Er aber hat sch vorgenommen, ihm das Direktmandat abzunehmen. Der Meier ist darüber ernsthaft entzürnt. Als Grüner einen ernsthaften Erststimmenwahlkampf in Mühldorf – Altötting zu führen, ist keineswegs lächerlich, es ist blasphemisch.

Was Blasphemie ist, weiß der Theologe natürlich besser, so wie er wahrscheinlich vieles besser weiß oder kann als der blasse Anzugsträger, der das Direktmandat verteidigen will. Als eine Entscheidung zwischen zwei Personen, nicht zwischen Parteien, will Gafus diese Wahl sehen. Deshalb steht auch “Der beste nach Berlin� auf seinen Wahlplakaten, von denen es sehr viele gibt.

“Grüß Gott! Meine Name ist Georg Gafus, ich bin der Grüne Direktkandidat. Darf ich ihnen was zur Wahl mitgeben?â€? Gafus fragt so freundlich, so bayerisch und so offenherzig, daß die meisten seinen Flyer mitnehmen. Diesen Flyer hat er selbst gemacht, er zeigt ein Portrait auf der Frontseite, seine Erklärung, wie die Wahl funktioniert auf der zweiten Seite, seine Vita auf der dritten, dann etwas über seine Pläne für die Region, etwas über die Grünen und eine Kopie vom “Weg vom Ölâ€? – Plakat auf der Rückseite.

“Mit der Erststimme können Sie – wie bei der Bürgermeisterwahl – eine Person direkt wählen.�, steht da unter anderem. Gafus will das Direktmandat wirklich. Die CSU ist wütend.

Ein Mann geht vorbei und will den Flyer nicht nehmen. “Aber Sie gehen schon zur Wahl?� fragt Gafus. “Nein!�, antwortet der Mann. Zwei alte Frauen mischen sich ein: “Nana, wählen gehen muß man schon!� Und schon diskutiert Gafus mit allen dreien.
Er ist der perfekte Direktkandidat. Er nimmt sich Zeit für jede einzelne Person. Er geht mit persönlichen Beispielen auf jeden Mist ein. Er bleibt immer freundlich und läßt sich nie unterkriegen. Er arbeitet im LAK Christen und Christinnen bei den Grünen mit.

Eine alte Frau nimmt seinen Flyer. “Sind sie Kirchgängerin?� fragt er sie “Ja, manchmal gehe ich schon in die Kirche�, antwortet sie. “Dann gebe ich Ihnen noch das mit.� Er gibt ihr einen Flyer vom Landesarbeitkreis: “Warum ChristInnen Grün wählen.�

Sein Wahlkampf unterscheidet sich sehr stark von dem der anderen Grünen Direktkandidaten, die wir bisher getroffen haben, und er ist mit Abstand der engagierteste und derjenige, der bei den Passanten am besten ankommt.

Mit “Grüß Gott, mein Name ist Georg Gafus, ich will dem Meier das Direktmandat abnehmen!�, spricht er jüngere Passanten an.

Anderen erklärt er, daß es keinen Unterschied macht, ob sie ihm die Erststimme geben, da die Zusammensetzung des Bundestags ohnehin nur mit den Zweitstimmen bestimmt wird. Er, Gafus, würde der Region bestimmt besser dienen als dieser Opportunist von Meier.

Am 18.9 werden zwei Grüne per Direktmandat in den Bundestag einziehen: Ein Altlinker aus Friedrichshain-Kreuzberg und ein katholischer Theologe aus Mühldorf-Altötting.

Revolution: Papst wird evangelisch

Jetzt ist auch Matthias wieder bei uns. Matthias trägt eine Brille, deren Plastikgestell oben Schwarz und unten Gelb ist. Matthias sagt sehr schlaue Sätze, wenn es wichtig wird, lassen wir ihn reden, er kann das. Deshalb ist er auch der Sprecher der GJ Bayern.

Manchmal sagt Matthias aber auch Sätze wie: “An dem Tag, an dem Julia Seeliger aufhört zu kiffen, wird der Papst evangelisch und schreit dabei Halleluja!� Das ist Unsinn, denn der Papst wird niemals evangelisch werden. Der Papst ist berufskatholisch.

Früher war Matthias Punk. Aber selbst unter den Punks galt er noch als Intellektueller. Deshalb ist er auch nicht lange Punk geblieben.

Seit Matthias wieder dabei ist, ist alles ganz anders. Georg hatte sich schon sehr darauf gefreut, die beiden bärtigen Rothaarigen waren ihm viel zu ernst.

Bisher haben wir immer eine CD in den CD-Spieler gelegt, die CD angehört bis sie zu Ende war und dann überlegt, was wir jetzt hören wollen und eine andere CD gehört. Ein paar Tage später kam die CD dann wieder dran. Matthias kennt alle CDs auswendig und er weiß, in welcher Reihenfolge die Lieder auf den CDs sind. Wenn er fährt, dann verlangt er vom Beifahrer stets ein bestimmtes Lied.

Jetzt läuft “Gib mir nur ein Wort�. Das mag er besonders gerne. Georg freut sich auch. Die beiden wackeln mit dem Kopf und tippen mit den Fingern auf den Plastikteilen im Vito den Rhythmus mit.

Wir fahren durch lauter kleine Dörfer, von denen es jeweils eine Unter- und eine Ober- Variante gibt. Georg dreht das Fenster auf und brüllt Passanten an: “Grün wählen!� Das macht Spaß!

Wir verlassen das Dorf wieder. Matthias hat jetzt richtig viel Spaß am Autofahren. Er fährt absichtlich Schlangenlinien, indem er das Lenkrad ganz leicht hin und her dreht. Wir verlassen nicht einmal unsere Spur, aber der Vito soll ja auch was vom Rhythmus der Musik haben.

Als wir ankommen, fragt Karl: “Warum kifft ihr eigentlich? Das ist doch nicht nötig.� Niemand kann seine Frage beantworten, aber alle lachen.

Revolution: Glos sprachlos

In einem Heimwerkerladen in Mühldorf kaufen wir sieben mal den einfachsten Mundschutz den sie haben. Danach führen Robert und Korbinian von der GJ Mühldorf Karl in einen Stoffladen. Dort kaufen wir ein ganz einfaches Stück Baumwollstoff. Baumwolle, weil das die Farbe besser aufnimmt. Die Verkäuferin berät uns gerne, aber sie schaut etwas komisch dabei, denn es kauft nicht oft jemand im Stoffladen in Mühldorf ein Banner.

1,70 breit und drei Meter hoch haben Sie den Stoff, andere Formate gibt es nicht.
“Das Format ist denkbar ungeeignet. Wir müssen da doch einen Spruch draufschreiben. Können wir das nicht einmal druchschneiden?� fragt Karl und fühlt sich unglaublich revolutionär.

Dabei erinnert unsere Aktion überhaupt nicht an Untergrundkämpfer. Wir liegen am Inn im Sand. Karl näht die beiden Hälften des Banners per Hand aneinander und fühlt sich schon wieder viel zu revolutionär. Georg schneidet Schablonen. Fabian malt mit gelber Farbe Atomzeichen auf die vier Blankoanzüge, die noch im Vito waren. Er grinst. Später malt Karl die dann schwarz aus und Georg schreibt “CDU/CSU + FDP – Strahlende Zukunft� auf das Banner. Dann malen wir noch ein paar Atomzeichen dazu.
Zum Sonnenuntergang sind wir fertig.

Die ganze Zeit kommen Leute vorbei, manche gehen spazieren, andere führen Hunde Gassi und eine alte Frau hält uns für das Filmteam, das gerade am Inn einen Kinderfilm dreht.
Niemand stört sich an uns. Viele finden das sogar gut, obwohl keiner wirklich versteht, was wir vorhaben. Dabei ist es offensichtlich.

Wenn Renate Künast auf der Gillamoos spricht, organisiert der Bauernverband eine Demo. Wenn Renate auf dem Wilmersdorfer Platz spricht, demonstrieren Leute von Attac. Wenn Roland Koch in Berlin spricht, dann sind überall Polizisten. Wenn Michael Glos in einem Wirtshaus in Ampfing spricht, dann wäre Polizeischutz Geldverschwendung. In Ampfing war noch nie eine Demo.

Wir sind trotzdem etwas aufgeregt. Betrunkene JUler, das wissen wir, können auch sehr rabiat sein. Die GJ Mitglieder aus dem Landkreis und ein paar Leute von der Antifa in Mühldorf schließen sich uns an. Zuerst setzen wir uns an einen Tisch und jeder trinkt noch ein Getränk. Nachdem Glos angefangen hat, gehen wir zu viert auf’s Klo.

Georg geht zuerst in einen anderen Raum, der leer ist, denn dort hätte wir leicht Platz gehabt. Dann aber will der lokale Fußballverein, lauter alte Männer, dort ein Match anschauen. Georg telephoniert gerade mit Anna-Lena, als sie kommen. “Ach Schatz, ich hab’ dich ja so lieb, wenn du jetzt nur bei mir wärst…� schnulzt der Schorsch in sein Mobiltelephon. Anna-Lena legt sofort auf. Aber die Fußballer lassen Georg nochmal ein paar Minuten allein.

Auf dem Klo schiebt Georg jetzt ernsthaft Panik und versucht dabei sehr professionell zu sein. Wir verstecken uns auf den abschließbaren Klos und ziehen uns um. Wenn jemand kommt, müssen wir schnell zurück. Der kleine Bruder von Korbinain steht Schmiere. Er verarscht uns die ganze Zeit. Einmal sind wir sogar zu dritt in einem Klo und niemand kommt. Danach ist es uns egal, was er meldet.

Als wir gerade gehen wollen, kommen dann doch zwei alte CSUler auf’s Klo. “Kann man jetzt hier schon nicht mehr ohne Atemschutzmaske pieseln?� fragt uns einer und der andere lacht. Die haben nicht verstanden, was wir tun wollen. Auch die Wirtin, die an der Theke vor dem Eingang zu dem Raum, in dem Glos spricht, gerade ein paar Gläser wäscht, nickt uns freundlich zu, als wir in den Raum stürmen. Dabei wählt sie bestimmt selbst auch CSU.

Glos ist wirklich baff, als wir plötzlich da sind. So baff, daß der Schorsch ihm, als er hinter ihm vorbeigeht, mitleidig auf die Schulter klopft, als wollte er sagen: “Das wird schon wieder.�

Uns hatte niemand erwartet. Die Hälfte der Gäste, weiß auch nach zwei Minuten noch nicht, ob wir für oder gegen ihre Partei sind. So ungewöhnlich ist eine Anti-AKW-Aktion in Ampfing, daß die Leute hier gar nicht wissen, wie das einordnen sollen. Einige nutzen die Pause, um einen kräftigen Schluck Bier zu trinken.

Viel wichtiger aber ist die Frage: Wer weiß, was Michael Glos jetzt denkt? Ob er jemals wieder ruhig in einem Gasthaus in einem bayerischen Dorf vor Parteifreunden sprechen traut?
Wir haben die CSU ins Mark getroffen.

Wir sind Helden.