Einmal werden wir noch wach…
Geschrieben von (Administrator) in Auf Achse am 20. September 2005
Wahlkampfbus Baden-Württemberg:
(dann ist Wahl- Tag der Wahrheit)
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Die Nacht haben wir in der KGS des KV Böblingen verbracht.
Immerhin hat die KGS eine Dusche und die ebenfalls dort wohnenden Untermieter (2 Studenten) waren in Semesterferien, so dass wir ungestört waren.
Die ganze Zeit befürchteten wir, dass am frühen Morgen das Telefon klingeln könnte (vielleicht eifrige WahlkämpferInnen auf der Suche nach letzten Betätigungsmöglichkeiten), dies trat aber zum Glück nicht ein. Genauso überlegten wir uns, was wohl ein Grüner denken mag, der morgens in die KGS kommt und uns dort schlafen sieht mitsamt unserem angerichteten Chaos.
Dieser Fall trat zwar ein, aber erst zeitlich versetzt, als wir schon fast alles zusammengepackt hatten und es schon wieder einigermassen aufgeräumt war.
Unser letzter Tag war angebrochen!
Martin philosophierte noch über sein Stuhl-Bett (8 zusammengestellte Stühle, immer 2 nebeneinander, 4 lang, die Lehnen jeweils nach außen), dass es super bequem sei und “wenn mich mein Knie nachts stört, dann stecke ich es einfach ins Loch�.
Simon hingegen motiviert uns mit: “nur ein Tag noch�.
Währenddessen macht sich Iris Tee in der Kaffeemaschine und isst zum Frühstück das Pizzabrot von gestern, das sie zwar bestellt aber nie gegessen hatte.
Nachdem auch Iris´ Kamm wieder aufgetaucht ist, der nun unser Tour-Kamm ist (wir betreiben eben Kamm-Sharing) kann es losgehen.
Wir packen unsere Sachen und sind raus, mein Kind,
Ba-Wü ist auf der Hochtour und hat Rückenwind
Bestens motiviert machen wir uns auf den Weg zu unserem letzten Ziel: Freudenstadt. Zuerst kommen wir aber noch in Böblingen an einem Stand der SPD vorbei. Anschließend der Stand der FDP. Da der davor parkende Bus dermassen unverschämt mit FDP-Plakaten beklebt ist, können wir es nicht lassen, die Leute dort böse anzuhupen. Sie schauen seltsam zurück, winken uns vorsichtshalber aber mal zu.
In der Fußgängerzone von Freudenstadt bauen wir unseren Stand direkt neben der SPD auf.
Wir lassen beim Aufbau absichtlich die Musik ganz laut laufen (den Tour-Soundtrack natürlich) um denen auch ja zu zeigen, dass wir nun auch da sind.
Die sind aber ganz nett zu uns. Sie meckern nicht mal, als wir anregen, sie sollten doch ihren Plakat-Ständer weiter zu sich nehmen, damit wir mehr Platz haben.
Später haben wir denen unsere Rechtsradikalismus-Broschüre in die Hand gedrückt, von dieser waren sie ganz begeistert. Auch die Copy-for-freedom-CD kam bei ihnen gut an.
Es sollte sich dann sogar noch herausstellen, dass einer der SPD´ler mit Zweitstimme grün wählt (das ist kein Scherz!).
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Da sich direkt bei unseren Stand der Fahnenmast (des Rathauses?) befand, haben wir gleich als erstes die GJ-Fahne gehisst. Komischerweise hat sich niemand beschwert, also haben wir sie dort gelassen.
Erstaunt mussten wir heute feststellen, dass wir im gleichen Wahlkreis wie vor 2 Tagen waren und es somit die gleiche Direktkandidatin wir vorgestern war. Leider hatten wir gestern alle Flyer der Direktkandidatin entsorgt, da wir mit sowas nun wirklich nicht gerechnet hatten.
Heute wurde uns auch mitgeteilt, dass eben jene Kandidatin scheinbar vor 2 Tagen in der Presse veröffentlicht hatte, dass sie als Erststimme die Kandidatin der SPD empfiehlt. Ähm, vor 2 Tagen? Also genau da, als wir schonmal für sie Wahlkampf gemacht haben? Warum hat uns das damals keiner gesagt?
Das erklärt aber zumindest, warum sie lieber im Eiscafé saß anstatt mit uns zu kämpfen.
In Freudenstadt ist es eisig kalt und wir ziehen diverse Kleidungsschichten übereinander an. Wenn wir also auf den Fotos etwas pummelig aussehen, liegt das nicht an der Verpflegung während der Tour sondern nur am Zwiebel-Prinzip (hier aber eher andersherum angewandt).
Doch auch der vom KV organisierte Tee (jetzt kommen auch zum ersten Mal die GJ-Tassen zum Einsatz) kann nur kurzfristig darüber hinweghelfen, dass wir frieren.
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Was für ein Glück, dass heute das Freie Radio Freudenstadt seinen 25. Geburtstag feiert. Wir feiern kurzerhand mit indem wir uns abwechselnd in die Studioräume begegeben, um uns aufzuwärmen. Und Kafffee, Tee und Kuchen gibt es auch noch und obendrein reinschnuppern in den Radio-Betrieb.
Die Menschen dort sind alle sehr nett. Wir machen aber nur scheinbar Pause, tatsächlich sind wir auch hier dabei, im lockeren Gespräch grüne WählerInnen zu werben.
Unser Stand ist am Randes des Marktplatzes aufgebaut.
Freudenstadt hat den größten Marktplatz Deutschlands (aha, wieder was gelernt!).
Genau heute findet dort der Kultur- und Handwerksmarkt statt, der nur 2mal im Jahr stattfindet. Perfektes Timing also, dass wir ausgerechnet heute hier sind.
Wir schicken also den Pinguin quer über den Markt. Auch unsereiner findet nette Kleinigkeiten zum einkaufen.
Außerdem treffen wir auf einige Punks, die weiter unten ein Milch-Wettsaufen veranstalten.
Als sie später allerdings mitbekommen, dass im nahegelegenen Einkaufszentrum die NPD Flyer verteilt, ziehen sie ganz schnell dorthin.
Erst um 18 Uhr machen wir uns auf den Weg nach heimwärts. Wir haben ja noch 2 h Fahrt vor uns.
Den Heimweg finden wir auch ohne Navi (das dürfte jetzt das erste Mal in 4 Wochen Tour sein, dass wir ohne Navi fahren- nicht mitgerechnet das eine Mal, wo wir es vergessen hatten).
Auch am letzten Tag sind wir noch basisdemokratisch. Welches Lied übersprungen werden soll, wird ganz normal abgestimmt.
Kurz darauf zeigt sich allerdings auch das Gegenteil: In dem Moment als Simon darum bittet, das Lied lauter zu machen, hat Iris gerade auf den Vorspul-Knopf gedrückt. Simon gibt sich dann allerdings auch mit dem folgenden Lied zufrieden.
Am Stuttgarter Hauptbahnhof lassen wir Simon aussteigen. Er hat unser Herz erweicht mit der Ankündigung, dass er jetzt noch nach Heidelberg (ca. 1h Fahrtzeit) muss und von da aus nochmal eine ¾ h Fahrtzeit hat. Also lassen Martin und ich ihn ziehen in der Gewissheit, dass wir nun zu zweit den Bus aufräumen müssen.
In der LGS finden wir auch relativ schnell den dort für uns versteckten Schlüssel (ganz klassisch: in der Blumenerde) und kommen nun ins Hauptquartier der GJ Ba-Wü.
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Dort machen wir uns auf, den Bus zu entladen. Einiges wird direkt ins Altpapier entsorgt. Den Rest tragen wir in den Keller, wo wir alles schön stapeln, uns dazu aber erstmal unseren Platz räumen. Die arme Helene muss dann wohl nächste Woche alles weitere sortieren (naja, sie ist halt unsere Geschäftsführerin- und auch als WahlkämpferIn hat mensch irgendwann keine Lust mehr sondern einfach nur das Bedürfnis nach dem eigenen Zuhause).
2 h lang schuften wir wie verrückt und bis es geschafft war hatten wir etliche Beschimpfungen und Verwünschungen auf das Schicksal und den Rest der Welt bezüglich der schlechten Planung des Aufräumens ausgestossen. Das ist so etwas, was beim nächsten Mal unbedingt bedacht werden muss.
Vor allem ist es eben auch abends zwischen 20 und 22 Uhr leider nicht mehr hell, so dass sich das Aufräumen zur Such-Aktion entwickelt und außerdem lassen sich diverse Kekskrümel in den Seitenablagen eben ohne Staubsauger nur schwerlich entfernen.
Es ist doch wahrlich erstaunlich, was sich in 4 Wochen Tour alles so unter den Sitzen ansammelt. Wir sollten doch nächstes Mal schon zwischendrin aufräumen, wir haben z.b. noch diverse Hanf-Tütchen in allen vorstellbaren Ritzen entdeckt.
Das war´s dann!
So, nun sind wir also alle wieder zuhause.
Ach, ich werde die Tour und meine Mitfahrer bestimmt vermissen. Wir sind irgendwie doch zu einer kleinen Familie zusammengewachsen.
Vermutlich werde ich heute nacht davon träumen, wie wir am Infostand stehen und die Menschen von grünen Ideen überzeugen. Und wenn mich jemand weckt, kann ich auch im Halb-Schlaf die Kombinationen der Stangen für den Pavillon-Aufbau aufsagen.
Aber wer weiß, vielleicht sind wir ja schon für die Landtagswahl kommenden März wieder “auf Hochtour�?




