Archiv für September 2005

Wahlkampfbus Baden-Württemberg:

(dann ist Wahl- Tag der Wahrheit)

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Die Nacht haben wir in der KGS des KV Böblingen verbracht.
Immerhin hat die KGS eine Dusche und die ebenfalls dort wohnenden Untermieter (2 Studenten) waren in Semesterferien, so dass wir ungestört waren.
Die ganze Zeit befürchteten wir, dass am frühen Morgen das Telefon klingeln könnte (vielleicht eifrige WahlkämpferInnen auf der Suche nach letzten Betätigungsmöglichkeiten), dies trat aber zum Glück nicht ein. Genauso überlegten wir uns, was wohl ein Grüner denken mag, der morgens in die KGS kommt und uns dort schlafen sieht mitsamt unserem angerichteten Chaos.
Dieser Fall trat zwar ein, aber erst zeitlich versetzt, als wir schon fast alles zusammengepackt hatten und es schon wieder einigermassen aufgeräumt war.

Unser letzter Tag war angebrochen!
Martin philosophierte noch über sein Stuhl-Bett (8 zusammengestellte Stühle, immer 2 nebeneinander, 4 lang, die Lehnen jeweils nach außen), dass es super bequem sei und “wenn mich mein Knie nachts stört, dann stecke ich es einfach ins Loch�.
Simon hingegen motiviert uns mit: “nur ein Tag noch�.
Währenddessen macht sich Iris Tee in der Kaffeemaschine und isst zum Frühstück das Pizzabrot von gestern, das sie zwar bestellt aber nie gegessen hatte.
Nachdem auch Iris´ Kamm wieder aufgetaucht ist, der nun unser Tour-Kamm ist (wir betreiben eben Kamm-Sharing) kann es losgehen.

Wir packen unsere Sachen und sind raus, mein Kind,
Ba-Wü ist auf der Hochtour und hat Rückenwind

Bestens motiviert machen wir uns auf den Weg zu unserem letzten Ziel: Freudenstadt. Zuerst kommen wir aber noch in Böblingen an einem Stand der SPD vorbei. Anschließend der Stand der FDP. Da der davor parkende Bus dermassen unverschämt mit FDP-Plakaten beklebt ist, können wir es nicht lassen, die Leute dort böse anzuhupen. Sie schauen seltsam zurück, winken uns vorsichtshalber aber mal zu.

In der Fußgängerzone von Freudenstadt bauen wir unseren Stand direkt neben der SPD auf.
Wir lassen beim Aufbau absichtlich die Musik ganz laut laufen (den Tour-Soundtrack natürlich) um denen auch ja zu zeigen, dass wir nun auch da sind.
Die sind aber ganz nett zu uns. Sie meckern nicht mal, als wir anregen, sie sollten doch ihren Plakat-Ständer weiter zu sich nehmen, damit wir mehr Platz haben.

Später haben wir denen unsere Rechtsradikalismus-Broschüre in die Hand gedrückt, von dieser waren sie ganz begeistert. Auch die Copy-for-freedom-CD kam bei ihnen gut an.
Es sollte sich dann sogar noch herausstellen, dass einer der SPD´ler mit Zweitstimme grün wählt (das ist kein Scherz!).

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Da sich direkt bei unseren Stand der Fahnenmast (des Rathauses?) befand, haben wir gleich als erstes die GJ-Fahne gehisst. Komischerweise hat sich niemand beschwert, also haben wir sie dort gelassen.
Erstaunt mussten wir heute feststellen, dass wir im gleichen Wahlkreis wie vor 2 Tagen waren und es somit die gleiche Direktkandidatin wir vorgestern war. Leider hatten wir gestern alle Flyer der Direktkandidatin entsorgt, da wir mit sowas nun wirklich nicht gerechnet hatten.
Heute wurde uns auch mitgeteilt, dass eben jene Kandidatin scheinbar vor 2 Tagen in der Presse veröffentlicht hatte, dass sie als Erststimme die Kandidatin der SPD empfiehlt. Ähm, vor 2 Tagen? Also genau da, als wir schonmal für sie Wahlkampf gemacht haben? Warum hat uns das damals keiner gesagt?
Das erklärt aber zumindest, warum sie lieber im Eiscafé saß anstatt mit uns zu kämpfen.

In Freudenstadt ist es eisig kalt und wir ziehen diverse Kleidungsschichten übereinander an. Wenn wir also auf den Fotos etwas pummelig aussehen, liegt das nicht an der Verpflegung während der Tour sondern nur am Zwiebel-Prinzip (hier aber eher andersherum angewandt).
Doch auch der vom KV organisierte Tee (jetzt kommen auch zum ersten Mal die GJ-Tassen zum Einsatz) kann nur kurzfristig darüber hinweghelfen, dass wir frieren.

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Was für ein Glück, dass heute das Freie Radio Freudenstadt seinen 25. Geburtstag feiert. Wir feiern kurzerhand mit indem wir uns abwechselnd in die Studioräume begegeben, um uns aufzuwärmen. Und Kafffee, Tee und Kuchen gibt es auch noch und obendrein reinschnuppern in den Radio-Betrieb.
Die Menschen dort sind alle sehr nett. Wir machen aber nur scheinbar Pause, tatsächlich sind wir auch hier dabei, im lockeren Gespräch grüne WählerInnen zu werben.

Unser Stand ist am Randes des Marktplatzes aufgebaut.
Freudenstadt hat den größten Marktplatz Deutschlands (aha, wieder was gelernt!).
Genau heute findet dort der Kultur- und Handwerksmarkt statt, der nur 2mal im Jahr stattfindet. Perfektes Timing also, dass wir ausgerechnet heute hier sind.
Wir schicken also den Pinguin quer über den Markt. Auch unsereiner findet nette Kleinigkeiten zum einkaufen.
Außerdem treffen wir auf einige Punks, die weiter unten ein Milch-Wettsaufen veranstalten.
Als sie später allerdings mitbekommen, dass im nahegelegenen Einkaufszentrum die NPD Flyer verteilt, ziehen sie ganz schnell dorthin.

Erst um 18 Uhr machen wir uns auf den Weg nach heimwärts. Wir haben ja noch 2 h Fahrt vor uns.
Den Heimweg finden wir auch ohne Navi (das dürfte jetzt das erste Mal in 4 Wochen Tour sein, dass wir ohne Navi fahren- nicht mitgerechnet das eine Mal, wo wir es vergessen hatten).

Auch am letzten Tag sind wir noch basisdemokratisch. Welches Lied übersprungen werden soll, wird ganz normal abgestimmt.
Kurz darauf zeigt sich allerdings auch das Gegenteil: In dem Moment als Simon darum bittet, das Lied lauter zu machen, hat Iris gerade auf den Vorspul-Knopf gedrückt. Simon gibt sich dann allerdings auch mit dem folgenden Lied zufrieden.

Am Stuttgarter Hauptbahnhof lassen wir Simon aussteigen. Er hat unser Herz erweicht mit der Ankündigung, dass er jetzt noch nach Heidelberg (ca. 1h Fahrtzeit) muss und von da aus nochmal eine ¾ h Fahrtzeit hat. Also lassen Martin und ich ihn ziehen in der Gewissheit, dass wir nun zu zweit den Bus aufräumen müssen.
In der LGS finden wir auch relativ schnell den dort für uns versteckten Schlüssel (ganz klassisch: in der Blumenerde) und kommen nun ins Hauptquartier der GJ Ba-Wü.

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Dort machen wir uns auf, den Bus zu entladen. Einiges wird direkt ins Altpapier entsorgt. Den Rest tragen wir in den Keller, wo wir alles schön stapeln, uns dazu aber erstmal unseren Platz räumen. Die arme Helene muss dann wohl nächste Woche alles weitere sortieren (naja, sie ist halt unsere Geschäftsführerin- und auch als WahlkämpferIn hat mensch irgendwann keine Lust mehr sondern einfach nur das Bedürfnis nach dem eigenen Zuhause).
2 h lang schuften wir wie verrückt und bis es geschafft war hatten wir etliche Beschimpfungen und Verwünschungen auf das Schicksal und den Rest der Welt bezüglich der schlechten Planung des Aufräumens ausgestossen. Das ist so etwas, was beim nächsten Mal unbedingt bedacht werden muss.
Vor allem ist es eben auch abends zwischen 20 und 22 Uhr leider nicht mehr hell, so dass sich das Aufräumen zur Such-Aktion entwickelt und außerdem lassen sich diverse Kekskrümel in den Seitenablagen eben ohne Staubsauger nur schwerlich entfernen.
Es ist doch wahrlich erstaunlich, was sich in 4 Wochen Tour alles so unter den Sitzen ansammelt. Wir sollten doch nächstes Mal schon zwischendrin aufräumen, wir haben z.b. noch diverse Hanf-Tütchen in allen vorstellbaren Ritzen entdeckt.

Das war´s dann!

So, nun sind wir also alle wieder zuhause.
Ach, ich werde die Tour und meine Mitfahrer bestimmt vermissen. Wir sind irgendwie doch zu einer kleinen Familie zusammengewachsen.
Vermutlich werde ich heute nacht davon träumen, wie wir am Infostand stehen und die Menschen von grünen Ideen überzeugen. Und wenn mich jemand weckt, kann ich auch im Halb-Schlaf die Kombinationen der Stangen für den Pavillon-Aufbau aufsagen.
Aber wer weiß, vielleicht sind wir ja schon für die Landtagswahl kommenden März wieder “auf Hochtour�?

8 Touren, 23 Tage, 152 Veranstaltungstage. Quer durch die Republik mit Pinguinen, Sträflingen und viel Elan. Knapp 50 Beiträge im Blog. Wahnsinn.

Einige Kreisverbände haben uns bereits geschrieben, wie sie die Touren erlebt haben. So schreibt zum Beispiel der Kreisverband Mittelmark-Fläming:

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Diese Hochtouren waren wirklich eine sehr gute Idee und unterstützen uns im personalschwachen Bereich sehr beim Wahlkampf!

und der Kyffhäuserkreis:

Die Aktion war aus unserer Sicht ein Erfolg. Ich würde ja sagen: “das machen wir mal wieder…� Schön war, daß wir auch oder besonders junge Leute erreicht haben. Das schafft sonst kaum jemand.

Natürlich war nicht alles rosig, in Rems-Murr zum Beispiel regnete es:

Die Pinguinaktion fiel deshalb ziemlich ins Wasser. Zudem machte der Transporter schlapp.

Uns im Wahlkampfbüro der Grünen Jugend würde nun brennend interessieren: Bist du bei den Hochtouren mitgefahren? Hast du sie unterwegs getroffen? Wie war’s? Was hast du erlebt? Was war gut? Und was sollten wir auf keinen Fall noch einmal machen? Hier im Blog kannst du deine Kommentare hinterlassen.

sähe die politische Landschaft in Deutschland ganz anders aus: Das Projekt U18.org gibt Kindern und 18 Jahren die Möglichkeit selbst zu wählen, wie es ihre Eltern übermorgen auch tun werden. Mit dem Unterschied: Die Ergebnisse gibt es schon heute und sie zählen nicht: Würden sie es tun, gäbe es unter den 48 000 Teilnehmerinnen eine Mehrheit für die Weiterführung von Rot-Grün.

Demnach kommt bei den Kids die SPD auf 39%, die CDU/CSU auf 17%, die Grünen auf 14%, die Linke auf 11,5%, die NPD leider auf teufelische 6,66% vor der FDP, die bei knapp 6% liegt. Interessant ist auch, dass die Tierschutzpartei über ein Prozent der Kinderstimmen bekommt.

Noch radikaler sieht das Bild einer Umfrage der Zeitung “Hürriyet” unter den türkischen Wählern aus: Mit 77% der Stimmen würde die SPD eine Alleinregierung mit dem Recht zur Änderung der Verfassung bilden – und bräuchte auch nicht auf Widerworte der CDU/CSU-Fraktion hören, welche mit 4,8% den Einzug ins Parlament verpassen würde. Zweitstärkste Partei unter den türkischen Wählern in Deutschland sind die Grünen mit 9,2% gefolgt von der Linkspartei mit 7,8%. Und der FDP ginge es mit 1,2% nur hauchknapp besser, als der Tierschutzpartei bei der Kinderwahl.

Wahlkampfbus NRW:

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Auf der Fahrt von Dortmund hatten wir uns schon glücklich geschätzt, den Regen endlich hinter uns gelassen zu haben als wir plötzlich bemerkten, dass ein Reifen unseres Busses Luft verlor, also erstmal Reifenwechseln…

In Herford haben wir dann noch Benedikt am Bahnhof eingesammelt und konnten endlich (mit etwa 2 Stunden Verspätung) die Grünen vor Ort begrüßen.

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Zusammen fuhren wir dann zum Marktplatz, haben unseren Stand aufgebaut und für unseren Pinguin ein Eis geholt. Anfangs konnten auch noch ganz gut die Passanten informieren, bald holte uns der Regen leider ein. Wenige kamen noch zu unserem Stand, dafür konnten wir sie dann umfassend informieren. Und mit Regenschirm bewaffnet trauten sich auch Pinguin und Flyer-Verteiler noch in den Regen. Zwischendurch kamen auch Journalisten von der “Neuen Westfälischen� vorbei, haben uns zu der Aktion befragt und ein paar Fotos gemacht. Zum Frühstück am nächsten Morgen konnten wir dann das “Bild des Jammers� (N.W.) nebst Artikel bewundern.

Wahlkampfbus Nordtour:

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Letzter Tag unserer Tour – morgen ist ab ganz früh (ab 9 Uhr!) Itzehoe in der Hand des Pinguins. Heute sind wir nach einer langen Reise auf einem richtigen Bauernhof gelandet und haben bei einem abendlichen Hofrundgang schon eine Menge gelernt:

Der Bulle lebt alleine in seiner Box. Er darf “die Kühe, die Lust haben� bespringen. Die kommen dann vorbei. Alles ganz liberal. Kühe, die keine Kälber bekommen können, kommen “in die Mast�. Ist eine Kuh noch Jungfrau, heisst sie “Färse�. Das “Milchvieh� wird 305 Mal im Jahr gemolken.

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Das zu den Kühen. Zuvor haben wir auf Rügen noch Prora besucht, und die KdF-Bauten (Ferienort aus der Zeit des Dritten Reiches). Dort hielten wir uns aber nicht lange auf. Besonders auffällig auf Rügen: Rentner-Ehepaare gehen dort stets im Regenjacken-Partnerlook. Man zeigt seine Verbundenheit diesen Sommer auf Rügen – wie es die Erhebung ergab – durch Regenjacken in gleichen Farben.

Übrigens: Die gestrige Diskussion zum Thema “War Jesus Sozialist� eskalierte an der Frage, ob die DDR ein menschenverachtendes System war, oder doch eben ein freundliches, wahrhaft sozialistisches System… Auf jeden Fall war der Abend ein spannender Einblick in die (Denk-)Strukturen von Linksparteimitgliedern aus Mecklenburg-Vorpommern.

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Wahlkampfbus Niedersachsen:

Das Team Igelnator besucht Bardowick bei Lüneburg, 15.09.2005

Was passiert eigentlich, wenn man jegliche ernst gemeinte Ratschläge von Malte und Wiebke, sowie dem riesigen auf dem Armaturenbrett von uns angebrachtem Schild „Kühlbox aus???“ nicht folgt und die Kühlbox über Nacht seinen Strom aus der Autobatterie beziehen lässt?

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Dieser Frage sind wir, als wissbegierige junge Menschen, in der letzten Nacht nachgegangen und haben einfach mal so gemeinschaftlich vergessen, unsere mit Grillgut und Gemüse gefüllte Kühlbox aus dem Bordnetz zu stöpseln.
Das Ergebnis verwunderte uns nicht: Nach einer schönen und erholsamen Übernachtung bei Elke in Scheeßel hat unser Auto beim Startvorgang außer einem kurzen leidenden Piepsen nicht allzu viel von sich gegeben. Lars und Sascha schauten sich verblüfft an. Haben sie etwa irgendetwas anderes erwartet?
Nach kurzem und sachlichem Katastrophenmanagement half uns Elke mit ihren Kontakten zu einem örtlichen Autohaus weiter. Innerhalb kürzester Zeit fuhr auch schon ein netter Mitarbeiter des Autohauses Holst in Scheeßel (vielen Dank an dieser Stelle nochmals!) bei uns vor, um unser Auto erfolgreich zu reanimieren. Super. Nun konnten die Turbinen gestartet und unser Tourbus in Richtung Lüneburg abheben.

Am Mittag stand ein Stand vor dem Bardowicker Schulzentrum an. Man munkelt, dass man aufgrund eines recht unglücklichen Standortes nicht allzu viele Jugendliche von den Vorzügen der Grünen Jugend begeistern konnte.

Das Highlight des Tages fand definitiv am Abend statt: Das Team Igelnator besuchte eine vom OV organisierte Beachparty im Bardowicker Naturbad. Trotz unendlich scheinender Regenmassen genossen alle bei Wasserballspielen, Arschbombenwettbewerben (wobei Lars als totaler Arschbombenlaie den sensationellen 1.Platz belegte!) und guter Musik das Regenfest. Wettergott, wir lassen uns unsere Stimmung nicht durch deine Schandtaten vermiesen!

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