Verband

Schon seit Oktober stehen die Supermarktregale voll mit Lebkuchen, Spekulatius und Schoko-Weihnachtsmännern. Jedes Mal, wenn ich einkaufen gehe, tut mir diese Weihnachtsramsch-Invasion körperlich weh. Lebkuchen finde ich sowieso schon immer ekelhaft, Schokolade, diese wundervolle Materie, sollte niemand in die entwürdigende Form dicker alter (btw, von Coca Cola erfundener) Männer zwingen – und Spekulatius will ich gefälligst das ganze Jahr über in gleichbleibender Qualität!

Doch alle Jahre wieder geht die Marktwirtschaft an meinen Bedürfnissen vorbei. An Weihnachten vereinigen sich Kapitalismus und christliche Ideologie, und was dabei herauskommt, ist noch schlimmer als die Grundzutaten. Die Geschäfte ziehen den Menschen das Geld mit Süßigkeiten, Kitsch und überflüssigen Geschenken aus der Tasche, die Kirchen mit Kollekten für hungernde Kinder in Afrika. Dass Tausende von afrikanischen Kindern (und Erwachsenen…) unter unwürdigen Bedingungen auf chemikalienverseuchten Kakaoplantagen schuften, damit ich meinen Schoko-Weihnachtsmann im Discounter für 30 Cent kaufen kann, thematisiert dabei natürlich niemand.

Eine GJ-Basisgruppe hat Weihnachten letztens treffend als „Orgasmus des Kapitalismus“ beschrieben. Das schlechte Gewissen, das bei vielen Menschen durch ihren unverantwortlichen Lebensstil entsteht, entlädt sich in materiellen Zuwendungen an die, für die man das ganze Jahr über zu wenig Zeit, zu wenig Liebe hat. Ablasszahlungen statt Sinneswandel heißt die Devise.

Meine Mutter wünscht sich dieses Jahr von mir eine Kochbuchstütze. Sie sagt, sie hat letztens gemerkt, dass sie sowas wirklich braucht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand sowas wirklich braucht.Trotzdem investiere ich zu viele Euro in eine Kochbuchstütze und rechtfertige damit vor mir selbst, dass ich meine Eltern zu selten besuche.

Dieses Beispiel zeigt: Weihnachten absorbiert das revolutionäre Potential unserer Generation. Statt auf der Jagd nach Kochbuchstützen, Frühstückseiköpfern und USB-Aschenbechern durch Innenstädte zu hetzen, statt uns mit Glühwein und Weihnachtsgans zu betäuben (Opium fürs Volk und so), sollten wir demonstrieren gehen! Und nebenbei: Es ist politisch falsch, die familiäre Harmonie zu bewahren, wenn die Oma oder der Onkel unterm Christbaum mal wieder rassistischen Mist labert. Diesen Beitrag weiterlesen »

Liebe LeserInnen,

fragte mensch auf dem letzten Bundeskongress zum Thema Gesundheit herum, kam doch recht häufig eine Antwort wie diese heraus: “Gesundheit ist schon irgendwie wichtig.”

Dabei möchten wir es mit der Gesundheit aber nicht belassen. Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe zu Stadt und Land bereits in vermeintlich fremde Sphären begaben, steuern wir mit diesem SPUNK ein Thema an, welches auf unseren Bundeskongressen durchweg präsent war – sei es durch Beschlüsse zur Organspende oder Homöopathie. Zusammen mit einigen GastautorInnen, zum Beispiel aus der AG Gesundheit, wollen wir daher beleuchten wieso Gesundheit für die GRÜNE JUGEND überhaupt als Politikum gesehen werden sollte. Haben Menschen das Recht auf Selbstzerstörung? Welche Machtstrukturen liegen in der Definition des Gesundheitsbegriffes? Und brauchen wir künftig alle Kuschelrobbenroboter, um dem Mangel an Pflegepersonal zu begegnen? Diesen und weiteren Fragen gehen wir auf den kommenden Seiten nach.

Doch es gibt an dieser Stelle auch noch etwas Redaktionsinternes: Dies ist die letzte Ausgabe, an der Lisa in ihrer Funktion als Beisitzerin im Bundesvorstand beim SPUNK mitgearbeitet hat. Wir möchten uns bei ihr für ihren großen Einsatz herzlich bedanken, und wünschen uns auch in Zukunft den einen oder anderen Artikel von Dir zu bekommen! Im Gegenzug begrüßen wir dafür Felix aus dem neu gewählten Bundesvorstand in unseren Reihen!

Vielleicht können wir mithilfe der illustren Artikelwahl die Gesundheit aus der “irgendwie”- Kiste heraus hiefen. Auf jeden Fall wünschen wir euch eine schöne Lektüre und freuen uns auf Kommentare, Kritik und Lob hier im Blog oder per mail: spunk@gruene-jugend.de!

Eure SPUNK-Redaktion: Berenike, Denise, Florian, Jan, Lisa, Norma und Tobias

Playmobil-Fee mit Mandarinen, Bouillon und Heiße Zitrone

Alle Artikel des SPUNK 67 zum Thema Gesundheit

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Die GRÜNE JUGEND war auf vielfältiger Weise auf der BDK vertreten. Bereits im Vorfeld wurde berichtet:

Der Antrag der Grünen Jugend ist dabei die radikalste Forderung. “Die Grünen müssen sich bei der Belastung von Spitzenverdienern einfach mehr trauen”, sagt Doughan. Schließlich sei zu Genüge belegt, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren immer weiter geöffnet habe. (24.11.2011 – taz: Vor dem Bundesparteitag der Grünen – Zurück zu Kohl)

 

Ähnliche Töne sind selbst auf Bundesebene zu hören, die sich beim Thema Piraten auffallend zurückhält. Bezeichnenderweise ist es Sina Doughan, Bundessprecherin der Grünen Jugend, die sich dazu äußert. Sie sieht in Sachen Transparenz und Mitbestimmung “definitiv noch Potenzial”. Oft fehle dabei nicht der politische Wille, vielen Mitglieder hapere es aber am Wissen über neue Internet-Tools und deren Möglichkeiten.(25.11.2011 – wissen.de: Grüne zittern vor den Piraten)

Über den Workshop zum Wahlrecht wurde berichtet, der allerdings nicht auf viel Resonanz stieß:

Deutlich ruhiger geht es im Workshop zum Wahlrecht zu. Die Grüne Jugend möchte, dass jeder, der in Deutschland lebt, unabhängig von der Staatsbürgerschaft und vom Alter wählen darf. Ein provokanter Vorschlag, doch neben dem Sprecher der Grünen Jugend, Karl Bär, haben sich nur zwei Jugendliche und eine ältere Delegierte eingefunden. Die geplante Aufteilung des Workshops in zwei Arbeitsgruppen fällt aus. Die einzige Teilnehmerin schlägt vor, das Mindestalter für Wahlen abzusenken, aber vorerst nicht auf Null zu setzen. Es gehe eben immer alles nur schrittweise, „es ist furchtbar“, meint sie. Die drei Männer nicken. (26.11.2011. – Hamburger Abendblatt: Grüne debattieren im Stuhlkreis über Europas Zukunft)

Sehr viel wurde über die Aktion der GRÜNEN JUGEND berichtet:

Noch bevor Trittin sein Plädoyer für eine „solide und solidarische Haushaltspolitik“ vor den Delegierten ausbreiten kann, wird es plötzlich unruhig im Saal. Eine Gruppe von etwa 20 jungen Grünen nähert sich mit erhobenen Holzschildern dem Podium. Darauf ist zu lesen: „Ein Herz für Reiche, jetzt 49 Prozent“ oder „Solidarität auch für Reiche“ oder „Wir sind das 1 Prozent“. Hinter der Aktion steckt die Grüne Jugend, die vor der Abstimmung über die Finanzpolitik für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 53 Prozent werben will. (26.11.2011 focus.de: Parteitag der Grünen: Ein Mini-Störfall und viel Harmonie)

oder hier: 26.11.2011 net-tribune.de: Grüne Jugend hat “ein Herz für Reiche”

Die Aktion kommt auch in Videos in der Tagesschau (http://www.tagesschau.de/multimedia/video/sendungsbeitrag142998_res-.html) und Tagesthemen vor: http://www.tagesschau.de/multimedia/video/sendungsbeitrag143006_res-.html

Auf der BDK gab es mehrere Reden von Mitgliedern der GRÜNEN JUGEND.
Beispielsweise die Rede von Bundessprecherin Sina Doughan zum Antrag zum Spitzensteuersatz von 53%:
https://www.youtube.com/watch?v=O02IOkpMfww

und von Bundessprecher Karl Bär zur Vermögensabgabe und Vermögenssteuer: https://www.youtube.com/watch?v=0DQR1jp1pYA&feature=relmfu

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Die Grüne Jugend steht in einem Spannungsfeld an Zielen. Einerseits muss etwas gegen die explodierenden Kosten getan werden, andererseits dürfen wir unsere basisdemokratischen Ideale nicht (noch weiter) davon gleiten lassen.

Hauptsächlich aus dem Finanzproblem wurde die Strukturkommission gegründet.

Nun kommt aber noch ein Wunsch dazu: Wir wollen in angemessener Zeit auf Ereignisse reagieren können. Und mit “wir” meine ich den Verband, und nicht den Bundesvorstand.

Bei zwei Bundeskongressen im Jahr ist es nicht befriedigend, nur dort mit Beschlüssen auf das Geschehen reagieren zu können.

Momentan wird dieses Problem durch den Bundesausschuss entschärft. Aktuelles Beispiel ist der Antrag zum Wahlrecht.

Der Bundesausschuss als zweit höchstes Entscheidungsgremium der Grünen Jugend ist ein Problem. Dies mag angemessen gewesen sein, als auf Bundeskongressen zwischen 100 und 200 Personen anwesend waren, und die ca 40 BA Delis als “keiner Parteitag” verstanden werden konnten. Doch in Zeiten mit über 400 Buko BesucherInnen, halte ich das für inakzeptabel.

Je nach DiskussionspartnerIn ist der BA mal ein Vernetzungsgremium, mal ein Entscheidungsgremium. Beides geht schwer zusammen. So ist es eigentlich nicht vorgesehen, dass Landesvorstandsangehörige zum BA delegiert werden. Die Realität sieht anders aus. Für eine Vernetzung werden Buvo-Lavo Treffen vermutlich wesentlich sinnvoller sein.

Und so ist diese “Lösung” nur eine Verlagerung des Problems. BA Beschlüsse werden kaum wahrgenommen, noch breit diskutiert.

Anmerkung: Ja, ich weiß, dass Mitglieder dort kommen können, um die Arbeit des BAs zu beobachten. Doch hier stellt sich natürlich wieder das Anreise- und Unterkunftsproblem.

Eine andere “Lösung” könnten Buvo Beschlüsse sein. Der Buvo ist aufgrund der relativ kleinen Größe leichter koordiniert und trifft sich öfters,
als der gesamte Verband. Noch dazu kann er als besser legitimiert als der BA bezeichnet werden, da er von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Doch dies ist hochproblematisch, da wir uns damit noch weiter von der Idee der Basisdemokratie verabschieden. Die Rolle des Vorstandes ein einer, sich selbst als basisdemokratisch ansehenden Organisation muss von Grund auf Überdacht werden. Wofür ist der Vorstand legitimiert? Und wo endet seine Macht?

Man könnte hier noch vorschlagen, den Bundesvorstand personell zu vergrößern. Allerdings halte ich das für keine gute Idee, da ich die Aufgabe des Bundesvorstandes nicht darin sehe, inhaltliche Beschlüsse zu fassen, sondern Ihn für ein ausführendes Gremium halte.

Aus meiner Sicht ist klar: Je mehr Menschen an einem Beschluss beteiligt sind, desto mehr ist es gerechtfertigt, dies als Position des “Verbandes” anzusehen. Der “Königsweg” ist zweifellos die Mitgliederversammlung.

Ich sehe eine Lösung in verstärkter Onlinepartizipation. Natürlich ist dies kein Wundermittel, welches die Probleme einfach in Luft auflöst. Und “echte” Treffen sind 1000 mal mehr wert, als fernmündlicher Kontakt.

Doch in Anbetracht der Tatsache, dass es hier limitierende Faktoren (Geld und Zeit) gibt, erwäge ich diese Lösung als das geringere Übel. Geringer als Beschlüsse von BA und Buvo.

Ich bin in dieser Sache keinesfalls auf eine Bestimmte Beteiligungsform, etwa das Konzept “Liquid Democracy”, oder eine konkrete Softwareplattform fixiert.

Ich halte es für notwendig, Debatten zu führen, welche Arten von Entscheidungen gut ohne ein reales Treffen organisiert werden können.

Könnten es Wahlen sein, die, da sehr Zeitaufwändig, gerne auf den BA gelegt werden? (Und dann von nicht mal 40 stimmberechtigten Menschen durchgeführt werden).

Könnten es inhaltliche Positionen, Stimmungsbilder etc. sein, so wie dies in der Piratenpartei mit LiquidFeedback gehandhabt wird?

Ich weiß, dass es an dieser Stelle immer große Einwände gibt. Ja, ich kenne die Problematik mit dem Einsatz von Wahlcomputern und lehne diese aus diesen Gründen ab. Doch ich möchte dafür werben, dass wir offen und vorurteilsfrei über mögliche Verbesserungen disktuieren. Vielleicht wird es für offensichtliche Probleme gute Lösungen geben, vielleicht werden wir keine finden. Dann können wir die Idee immer noch verwerfen. Fest steht aus meiner Sicht: Der Status Quo ist keine Alternative. Der BA muss abgeschafft werden.

Ich freue mich auf eine sachliche und konstruktive Debatte :)

Liebe Igel_innen,

Stadt und Land gelten gemeinhin als Gegensätze, wobei sich die Klischeegrünen vorranging in letzterem bewegen. Tatsächlich wählen auffällig häufig StädterInnen unsere Mutterpartei. Auch und gerade wir Junggrünen verhalten uns klischeewidrig. In Anbetracht unserer sehr hohen StudentInnenquote findet sich unsere Klientel zu einem großen Teil in Städten. Daten über zukünftige Wohnortwünsche unserer Mitglieder gibt es leider keine, unsere nichtrepräsentative Redaktion favorisiert jedoch größtenteils das Leben in der Stadt. Genau das spiegelt sich auch in unserer Ausgabe wider – im Guten wie im Schlechten.

Sollten euch die Stadtlobhudeleien auf den Nerv gehen oder seid ihr der Meinung, das Land hätte noch nicht genug Dresche bekommen, könnt ihr gerne an spunk@gruene-jugend.de schreiben. Auch Anregungen, Wünsche und natürlich Lob sind gerne gesehen.

Unten findet ihr die Übersicht der Artikel, folgt einfach den Links – Viel Vergnügen dabei

wünscht die SPUNK Redaktion :-)

Foto: ml_df01

 

SPUNK 66, 2011/04 zum Thema STADT UND LAND

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Liebe Igel_innen,

gedruckt liegt die aktuelle Ausgabe des SPUNK No.65 zum Thema Sex mittlerweile in euren Wohnstuben und Zeitungsständern. Hiermit kommt nun auch die digitale Version zu ihren Ehren. Und zwar nicht wie bisher auf der Grüne Jugend Homepage, sondern auf dem Blog. Warum? Auf diese Weise ist es endlich möglich Artikel zu kommentieren und die Inhalte zu diskutieren. Wir hoffen, dass der SPUNK damit nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern Debatten anstößt!

Unten findet ihr die Übersicht der Artikel, folgt einfach den Links – Viel Vergnügen dabei

wünscht die SPUNK Redaktion :-)

Bienen

Foto: Meinhardt Branig

 

SPUNK 65, 2011/02 zum Thema SEX

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