Ökologie

Alberto Acosta aus Ecuador plädierte in seiner Eröffnungsrede für den Postwachstumskongress von ATTAC mit dem Ausruf „Leave the Oil in the Soil“, für einen neuen Umgang mit natürlichen Ressourcen.

 

Doch warum sollte das Öl in Ecuador im Boden bleiben? Der Staat könnte das Geld aus den Ölverkäufen sicherlich gut gebrauchen, genauso wie die ölabhängige Weltwirtschaft.

Doch diese die 850 Millionen Barrel Öl, die Alberto Acosta meint, befinden sich unter dem Yasuni Regenwald. Ein einzigartiges Biotop, eine unglaubliche CO2 Senke und Lebensraum für viele Tier-, Pflanzenarten und Menschen.

 

Wenn die dortigen Ölquellen ausgebeutet würden, bedeutet dies Naturzuerstörung, Ausrottung einiger dort lebender Tier und Pflanzenarten und die Vertreibung von Menschen die sich nicht an der globalisierten, kapitalistischen Weltwirtschaft beteiligen. Denn einige Gemeinschaften im Yasuni-Regenwald leben bewusst abgeschottet von der restlichen Zivilisation.

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Frisch gestärkt geht es mit den Diskussionen zum ersten großen Abschnitt des Selbstverständnisses los und es beginnt ein arbeitsreicher, spannender Tag.

Freia und Max stellen den gesamten Bereich vor, danach warten insgesamt über 20 Abstimmungen und viele Diskussionen auf die Teilnehmer_innen des BuKos.

Der Raum ist nach wie vor super und auch schon jetzt gut gefüllt. Beste Voraussetzungen um über das Überwinden des Kapitalismus oder eine öko-soziale Marktwirtschaft zu debattieren. Wie muss sich unser Wirtschaftssystem verändern, damit wir weiterhin gut leben können?
Die Antwort bekommt ihr später!

Wir sind ja alles sehr froh, daß BP keine Atomkraftwerke baut…

Weil wir aber auch Vattenfall nicht vertrauen und selbst wenn wir denen vertrauen könnten blieben immernoch genug Argumente gegen Atomenergie: Waffenfähiges Uran, die ungelöste Endlagerfrage, die unflexible Stromerzeugung, die Machtkonzentration bei den Betreibern und die simple Tatsache, daß wir die Dinger nicht brauchen. Und weil das so ist, gehört – bis er unnötig wird, weil es das Zeug nicht mehr gibt – Anti-AKW-Aktivismus zu den Arbeitsfeldern der Grünen Jugend. So auch auf der Tramptour.

In Miesbach sind wir durch rege Beteiligung der Ortsgruppe und Verstärkung durch Swanjte und ein paar anderen zu elft. Mit zwei Fässern, Anzügen und von Franz eigens für die Aktion vorbereiteten, giftig grünen “Brennstäben” machen wir so ganzschön Eindruck. Und weil Miesbach an diesem Tag den jährlichen “kulinarischen Einkaufsabend” feiert, haben wir auch ausreichend Publikum.

Wir fragen die PassantInnen, ob sie nicht ein wenig Atommüll bei sich zu Hause lagern könnten. Viele MiesbacherInnen haben ja Häuser mit Gärten und Kellern und Garagen und da die deutschen Atomkraftwerke jedes Jahr 500 Tonnen neuen Atommüll produzieren und niemand weiß, wo der hin soll, bietet sich eine Verteilung auf Privathaushalte als letzte Lösung an. Dabei gilt auch hier: Starke Schultern können mehr tragen als schwache. Doch niemand will das Zeug haben. Aber irgendwo muß es doch hin. Also machen sich ein paar von uns dann doch auf den Weg, im öffentlichen Raum nach mehr oder weniger geeigneten Orten.

Im Gegensatz zu großen Endlagern in Salzstöcken wie in der Asse, bietet die Miesbacher Innenstadt große Vorteile: Durch die Verteilung der abgebrannten Brennstäbe in kleinen Einheiten fällt der Müll garnicht so auf und durch eine oberflächennache Lagerung ist garantiert, daß man das Zeug wieder rückholen kann, falls es doch auffällt.

Atommüll. Jetzt in Miesbacher Baumscheiben – vielleicht auch bald in deiner Stadt?

Das Jahr 2010 ist das internationale Jahr der Biodiversität. Biodiversität, die Vielfalt der Arten, Gene und Lebensräume, ist nicht nur etwas schönes, sondern sie garantiert die Anpassungsfähigkeit von Ökosystemen und damit ihre Stabilität und die Fähigkeit der Natur, sich an den Klimawandel anzupassen. Das Ziel der EU, bis 2010 den Verlust an Artenvielfalt in der EU zu stoppen, ist grandios gescheitert, er geht ungebremst weiter.

Ein Grund für das Aussterben von Arten ist die Zerstörung von Lebensräumen. Täglich werden in der BRD 125ha natürlicher oder landwirtschaftlich genutzer Fläche in Verkehrs- und Siedlungsfläche umgewandelt. Pro Stunde sind das 5,2ha oder 52038m². Pro Minute 868m², also ein Quadrat mit einer Länge von 29,45m.

Wenn sich das ändern soll, muß endlich die unsinnige Verkehrs- und Baupolitik in Deutschland aufhören. Viele PolitikerInnen – und die CSU hat das zur Perfektion entwickelt – reagieren auf Probleme – und seien es nur die eigenen Umfragewerte – indem sie Geld in die Hand nehmen und sagen: “Bau’ ma was!”. Das ist nicht nur niveaulos, es ist auch richtig teuer und zerstört wertvolle Lebensräume für Tiere, Pflanzen und nicht zuletzt die Menschen.

Diese Zerstörung brachte die Tramptour nach Ingolstadt. Am Paradeplatz wollten wir ein Quadrat von 29,4m x 29,4m absperren, um den Ingolstädtern und Ingolstädterinnen zu zeigen, wie kraß der Flächenfraß in Deutschland ist. Wie kraß das ist, fiel uns beim Ausmessen auf. Es gab einfach nicht genug Platz für ein Quadrat von 29,4m Seitenlänge. Gezwungenermaßen sperren wir also nur die Hälfte ab.

Der Ingolstädter Paradeplatz ist – abgesehen von seiner Größe – der ideale Ort für unsere Aktion. Noch vor 30 Jahren war er weitgehend offen. Ein paar Parkplätze und ein Weg zum bayerischen Armeemuseum waren die einzigen versiegelten Flächen. Dazwischen war Wiese. Heute ist der Platz ganz gepflastert. Die Bäume durften stehenbleiben, doch gut geht es ihnen offensichtlich nicht. Das sieht man an den vielen blattlosen Ästen im Randgebiet der Krone.

Auch die Fläche, die alle 30 Sekunden in Deutschland versiegelt wird, ist noch ganzschön groß. Viele PassantInnen reagieren entsprechend schockiert. Hier ein Photo aufgenommen vom Balkon im vierten Stock des Gewerkschaftshauses am Paradeplatz:

Es passiert aber auch noch etwas sehr komisches: Eine alte Frau, die auf den ersten Blick recht schockiert sind, fragen, als wir sie ansprechen, nicht nach dem Sinn unserer Aktion, sondern danach, ob wir eine Genehmigung dafür haben. Ja, wir haben eine Genehmigung. Benedikt im Büro der Ingolstädter Bundestagsabgeordneten Agnes Krumwiede hatte uns eine besorgt. Hochoffiziell ist das. Und als Karl versichert, daß wir eine Genehmigung haben, beruhigt sich die alte Frau sichtlich und geht weiter.

Daß das kein Einzelfall ist, sondern mehrmals passiert, wirft ein seltsames Bild auf die Ingolstädter SeniorInnen. Mit solchen Leuten läßt sich ein Staat machen – aber keine Demokratie.

Nachdem es aufgehört hatte zu regnen, wagten wir uns aus dem Zelt am Rande des Kommz – Festivals bei Aschaffenburg, wo wir den letzten Nachmittag und Abend verbracht hatten. Wir essen je ein Schokocroissant am Aschaffenbuger Bahnhof, machen uns über die Stadt lustig, indem wir ein “r” einfugen und nach einem kurzen Intermezzo an der Autobahnausfahrt Weibersbrunn kommen wir nach Würzburg.

In Würzburg suchen wir das Grüne Büro auf und treffen vier Mitglieder der GJ Würzburg. Es ist noch nicht spät und wir wollen unbedingt noch etwas politisches machen und so beschließen wir, spontan einen Umzug gegen Atomkraftwerke zu veranstalten. Dazu ist noch alles da: Die Anzüge der GJ Bayern lagern hier und im Keller sind zwei gelbe Fässer mit Atomzeichen, Banner und Schilder. Doch während einige das Zeug aus dem Keller holen, entwickelt sich im Büro eine Diskussion um die wichtige Frage:
Was ist eigentlich genau eine Spontandemo?

Braucht es einen spontanen Anlaß, oder reicht eine spontane Durchführung? Sind wir noch spontan – also rein rechtlich gesehen – wenn wir es vor der Demo schaffen, ein Faß aus dem Keller zu holen und auf einen Bollerwagen zu legen? Und fallen diese bemalten Maleranzüge unter das Vermummungs- oder gar das Uniformverbot?
Fragen über Fragen, aber politisch aktive JurastudentInnen oder RechtsreferendarInnen sind gerade nicht zu erreichen. Also ruft Sina einfach mal bei der Polizei an und meldet eine Spontandemo an. Und es funktioniert: Wir treffen uns mit zwei Streifenwagen am Barbarrossaplatz.

Aber ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Ob unseres Aufzugs bezweifeln die Beamten kurz, daß wir – im rechtlichen Sinne – spontan sind. Wir können jedoch glaubhaft machen, daß uns das nicht viel Zeit gekostet hat. Die Flyer sind zum Teil von 2005 und auf der Rückseite der Schilder sieht man noch Plakate von der Kommunalwahl 2008. Frisch bemalt ist auch nichts. Das Zeug liegt immer im Büro rum oder im Keller vom Büro.

Trotzdem: Sie photographieren uns. Die letzte Entscheidung darüber, wie spontan wir nun waren, fällt dann nächste Woche das Ordnungsamt der Stadt Würzburg. Wir ziehen also los und die Würzburger reagieren sehr positiv auf uns. Immerhin liegt das AKW Grafenrheinfeld um die Ecke.