Ich kann kein Spanisch, leider. Aber dennoch verstehe ich von was die Vertreter_inner von Bolivien, Venezuela, Spanien, Guatemala und Argentinien da so reden: Transparenz, Inklusivität usw.
Ich sitze im Warmen und schaue den Livestream aus dem Plenum der COP im Bella Center in Kopenhagen. Es ist 11Uhr Nachts. Ich bin in Kopenhagen, aber leider Teil der großen Menge NGOs die heute ausgesperrt wurden. Es war nicht leicht die begrenzte Anzahl der “Secondary badges” zu bekommen, nur ca. 30% aller NGO-Leute haben sowas, ich auch. Dennoch durfte ich wie schon damals in Heiligendamm an einem ziemlich ähnlichen Zaun rütteln. Diesmal was es nur kälter. Einige NGOs wurden von der COP ganz ausgeschlossen, u.a. Friends of the Earth International (FOEI), die Dachorga vom BUND und eine der großten Umweltgruppen hier. Ausserdem das bekannte Netzwerk Avaaz, welches heute die Namen der 11 Millionen Unterzeichnenden einer Online-Petition “Rettet Kopenhagen” bei einem Flashmob vorlesen wollten. Es war ja schon immer ein Jahrmarktgefühl im Bella Center: überall NGOs, Flyer, Aktionen und Laune. Doch jetzt spielen die Polizist_innen der UN-Polizei auch mit und schmeißen uns raus bzw. lassen uns (mich!) garnicht erst rein. Für mich ist das schade, für jemanden der für die entscheidenden Tage der COP aus Peru hergekommen ist, ist dies eine Katastrophe.
Dem auf und ab marschierenden Militär am Zaun zuzuschauen ist blöd, noch blöder ist, garnicht an den Zaun zu kommen. Viele tausende friedliche Demonstrant_innen hatten heute wieder das Vergnügen, statt eine konfusen UN-Polizei die abgerichteten dänsichen Bullen (i.S. von groß und stark) zu treffen. Bezeichnend die Bilder die schon jetzt um die Welt gehen. Schlagstöcke und Tränengas für diejenigen, welche ein besseres und gerechteres Abkommen wollen. Häppchen und freie Bahn für diejenigen, welche Entwicklungshilfe und Klimafinanzierung zusammenzählen oder sich mit Wälderrechnungen freikaufen wollen. Kann die UN in einer ungerechten Welt eigentlich so viel besser sein?

Die GJ war auch heute wieder sehr prominent dabei. Für Klimagerechtigkeit setzen wir uns ein!
Die ganzen tausende von Eindrücken der letzten Tage bringe mich zurück zum Jetzt. Viele Deleierte fordern bessere und transparentere Verfahren. Ob auch jemand sich mit den vielen zu Unrecht eingeknasteten Demonstrant_innen solidarisiert? Ich weiß es nicht. Der Vertreter von Mauritius schlägt vor, schlafen zu gehen. Der Kerl neben ihm pennt eh schon. Die leitende COP-Vizepräsidentin sagt wie schön es ist, dass die Gruppe zumindest heute Abend mit einer Einigung auseinander geht. Das wars. Ergebnisse? Zero. Aber es sind ja noch zwei Tage…
Laut der Pressekonferenz von Yvo de Boer gib es Fortschritt in einigen kleinen Sachen und bei den Reduktionszielen und den Geldern müssen die HOS (Head of States) halt sich einigen. Auch einige andere Dinge wurden an diese weiterverwiesen, weil mensch sich nicht einigen konnte: u.a. ob CCS jetzt vom CDM ausgeschlossen wird (wie das SBSTA – das Expertengremium der COP -befand). Mal sehen ob unsere HOS’s das alles packen.

Shakern vielleicht, Geld geben aber nicht. Norbert Röttgen kann noch so nett reden, Schwarz-Gelb will die Entwicklungshilfe für den Globalen Süden massiv in Klimageld umwidmen. NGOs können dies vor Ort nur vor der Tür geißeln. Norbert hat seine Ruhe.
Vorhin wurde der Vorschlag gemacht, eine Liste rumzureichen auf der sich alle eintragen, die heute Nacht nochmal mit dem COP-Präsidenten (jetzt der Präsi von Dänemark, Connie ist zurückgetreten) reden wollen. “Der kann uns dann anrufen und wir kommen aus dem Hotel her.” Eine Liste geht rum. Neulich gab es ein Krisentreffen in der Ecke des Plenarsaals, wo sich die “main opinions” des Streitpunktes trafen. Das alles erinnert mich ein wenig an den BuKo der Grünen Jugend. Ein Drittel der Redebeiträge ist zum Verfahren und ein weiteres Drittel wieerholt irgendwas anderes von vorher.
Der Eindruck vom HLS (High-Level-Segment) alleine reicht schon, um den nötigen Respekt vor der UN (bzw. UNFCCC) zu verlieren. Wenn nun noch hinzukommt, dass heute mutige Aktivist_innen den dänsichen Präsidenten im Plenum beschimpft haben und der Yvo de Boer auch (irgenwie angeblich) angegriffen wurde freue ich mich zwar über die “Offenheit” der COP aber der Gedanke an fast 50.000 registrierte Gäste für eien COP die in einem max. 15.000 Menschen fassenden Tagungsgelände stattfindet und das Unvermögen, dass zwei UN-Polizist_innen vor der Tür die gleiche Information (zu wer darf rein und wer nicht) haben, dann denke ich wirklich: der Laden hier kommt mal garnicht klar, ey!
Gefrustete Grüße aus Kopenhagen,
:) Georg