Archive for the ‘Grüne Wiese’ Category

Mrz
07

Offener Brief an die Jungen Liberalen in Bayern

Geschrieben von (Cybergreen) in Diskussion, Grüne Wiese am 7. März 2010

Liebe Mitglieder der Jungen Liberalen in Bayern,
mit erschrecken mussten wir euren Beschluss “Antidiskriminierungspolitik auf dem Weg zur Knechtschaft” zur Kenntnis nehmen. Wir sind schockiert über eure Haltung zum Kampf der Geschlechtergerechtigkeit. Wir dachten bisher, dass wir von Seiten der CSU und JU rückständige Politik zu erwarten haben. Jetzt müssen wir feststellen, dass bei euch vor allem in Sachen Geschlechtergerechtigkeit offensichtlich ebenfalls nicht viel progressives vorhanden ist. Nicht nur das hat uns verwundert, sondern besonders die inhaltliche Blauäugigkeit und argumentative Schwäche, mit der ihr „Gender Mainstreaming“ für euch im Meer versenkt habt. Vielleicht arbeitet ihr euch beim nächsten Mal etwas mehr in die Thematik ein.

1. Antidiskriminierung ist ein Grundwert für individuelle Freiheit

Wir, die UnterzeichnerInnen dieses Briefes, erachten Antidiskriminierung als einen wesentlichen Grundwert des menschlichen Zusammenlebens. Antidiskriminierung ist ein Minderheitenschutz bzw. der Schutz nicht aufgrund bestimmter Merkmale bspw. Hautfarbe, sexueller Orientierung, Behinderung, einer bestimmten Weltanschauung/Religion oder eben aufgrund des Geschlechts Nachteile zu erleiden. Antidiskriminierungspolitik schützt bestimmte Gruppierungen vor Benachteiligung. Sie schränkt zurecht die individuelle Freiheit von Menschen ein, die diskriminieren wollen. Für uns gibt es kein Recht auf Diskriminierung – auch nicht bei Verträgen und Kündigungen! Read the rest of this entry »

Am 19. November 2009 ernannte Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Roesler die Abgeordnete Mechthild Dyckmans (beide FDP) zur Drogenbeauftragten. Viele dachten nach der Moralapostelin der Nation, Sabine Bätzing, kann es nur noch besser werden ebenso bestand die Hoffnung innerhalb der FDP könnte sich eine Liberale finden, der Eigenverantwortung und Wahlversprechen zu Cannabis als Medizin wichtig sind. Nun sind 100 Tage vergangen und… ja, was eigentlich? Nicht viel wäre noch euphemistisch.

Einzig im Bereich Alkoholpolitik war Dyckmans zu hören, mit dem FDP üblichen wirtschaftliberalen Mantra: Selbstverpflichtung des Handels, keine verschärften Gesetze – verkündet wird so was im besten Mövenpickstil auf einer Pressekonferenz des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI). Nachdem Dyckmans bei der Abstimmung um die Diamorphinabgabe in der letzten Legislaturperiode eine der beiden zwei FDP Bundestagsabgeordnete war, die nicht dafür stimmte, besuchte sie nun einmal brav Frankfurt und nickte die bestehende Regierungspolitik ab… Man kann über ihre Vorgängerin Bätzing ja sagen was man will, aber hier war selbst die SPDlerin progressiver und engagierter.
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Feb
25

Konfliktlösung statt Konfliktreproduktion

Geschrieben von (Sven-Christian Kindler) in Diskussion, Grüne Wiese, Internationales am 25. Februar 2010

Ein Debattenbeitrag zur Grünen Nahostkonferenz am 28. Februar 2010 in Berlin von Christoph Müller, Jan Philipp Albrecht und Sven-Christian Kindler.


Foto by Jan Philipp Albrecht, cc-by-nc-2.0

Als junge Grüne verstehen wir uns als UnterstützerInnen sowohl des Staates Israels als auch des Rechts der palästinensischen Bevölkerung auf einen eige­nen palästinensischen Staat. Unsere Nahost-Politik steht im Zeichen unseres allgemeinen politischen Einsatzes für Menschenrechte und Selbstbestimmung sowie gegen Antisemitismus und Rassismus. Wir stehen nicht an der Seite ei­nes Volkes, einer Religion oder einer Konfliktpartei, sondern an der Seite all je­ner, die für diese Ziele gleichermaßen kämpfen. Dabei können und wollen wir unsere besondere Verantwortung und Motivation für eine Lösung dieses Konf­likts auf Grund der deutschen und europäischen Geschichte nicht leugnen. Für uns ist das Existenzrecht Israels nicht verhandelbar. Wir ergreifen nicht einsei­tig Partei, sondern arbeiten mit israelischen und palästinensischen Kräften und Organisationen zusammen, die sich für eine friedliche Lösung einsetzen. Es gibt nicht den Konflikt – es gibt viele Konflikte und viele unterschiedliche Pers­pektiven. Aus unserer Perspektive dürfen das Selbstbestimmungsrecht der Paläs­tinenserInnen und das Existenzrecht Israels nicht gegeneinander ausges­pielt werden. Beides kann nur zusammen verwirklicht werden. Der Weg dahin und die Probleme, die wir auf diesem Weg sehen, wollen wir auf den folgenden Seiten beschreiben. Hierbei kann es sich nicht um eine umfassende Analyse des Nahost-Konflikts in all seinen Facetten handeln. Wir wollen stattdessen die aus unserer Sicht zentralen Punkte beleuchten und vor allem Wege und Zeitfens­ter zur Lösung aufzeigen

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Jan
03

Rückblick Kopenhagener Klimagipfel

Geschrieben von (samuel) in Auf Achse, Grüne Wiese, Internationales am 3. Januar 2010

Zwei Wochen diskutierte die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen – Zwei Wochen Demos und Aktionen. Am 12.12.2009 riefen 100.000 Menschen „Climate justice now! Die Leaders handelten: „Bla…bla…bla… Die Vielfältigkeit der Proteste und der Menschen rund um und in der Konferenz wurde in diesem, auf youtube in drei Teile geteilten Film versucht aufzufangen. Mit vielen Interviews, tanzenden Schweinchen und prügelnden Polizisten. Schaut selbst und gewinnt einen Eindruck aus Kopenhagen. Der Widerstand wird weitergehen!

Hier das Video von Kathrin Henneberger:

Teil 1:

Teil 2:

Teil 3:

Dez
20

Letzte Impressionen aus Kopenhagen

Geschrieben von (michab) in Auf Achse, Grüne Wiese, Internationales am 20. Dezember 2009

Eindrücke eines Frustrierten.

Donerstagabend wurde es nochmal emotional. Die vor allem Jugendlichen Aktivist_innen verschiedener rausgeworfener NGOs trafen sich in der “Oxenhalle” hinter dem alternativen Klimaforum bei der Volxküche gleich links. Hier wurden spontan große Leinwände aufgespannt und die Pressekonferenzen sowie das High-Level-Segment werden live übertragen. Dazu gibt es Fair Trade Kaffee für 10 dänische Kronen (ca. 1,30 EUR – ein Schnäppchen!) sowie Kuchen und Sandwiches. Eigentlich wie im Bella Center, aber
- billiger
- bessere Aussicht
- nettere (= jüngere, aktivistischere, emotionalere und ambitioniertere) Menschen.
Wäre das Internet hier nicht so wackelig wäre ich mehr als geneigt zu sagen, dass ich hier meine letzten 2 Wochen besser informiert und gemütlicher verbrachten haben könnte.

Aktivist_innen spielen Robin Klimhood für Passant_innen.

Aktivist_innen spielen Robin Klimhood für Passant_innen.

Vor der traditionellen “Fossil of the Day” – Verleihung gab es einen “Vigil for Survival”. Es wurden alle Lichter ausgemacht um die fast tausend Kerzen ihr beruhigendes Licht scheinen zu lassen. Emma aus Schweden – einigen Berliner Junggrünen sicher bekannt – packte ihre Gitarre raus und stimmte das Lied “Survival is not negotiable” an. Ein letzter Hilferuf der Zivilgesellschaft bevor später die Staats- und Regierungschefs das 1,5 Grad Ziel fallen ließen und damit Hunderttausende Menschen den kommenden Meeresfluten überließen. Anschliessend kam ein Vertreter der indigenen Menschen und sang sein Lied. Zuvor bat er die Anwesenden die Augen zu schließen und an das zu denken, was uns Mut, Kraft und Hoffnung gibt. “This can be God or Buddah. Think of Mohammed or Mother Earth. Maybe it’s the smile in your childs face. Think of it and take a deep breath.” Dann sang er voller Inbrust, Wut Hoffnung, Verzweiflung und Kraft eines Klimaaktivisten der schon viele Schlachten verloren hatten. Wenn mensch sich auf so einen intimen Moment einlässt entfaltet das ganz neue Energien. Wir standen dort mit hunderten von Jugendlichen, einige umarmten sich, andere wärmten ihre Hände an den Kerzen. Wir alle wussten, dass die parallel tagenden Politiker_innen es wohl nicht schaffen werden – doch der letzte Hilferuf einer ausgeschlossenen Zivilgesellschaft erklang durch die Fußballfeldgroße Halle. Dann Stille. Wie geht es weiter mit der Welt?

Vigil for Survival

Vigil for Survival

Nach weiteren Beiträgen klebten wir uns alle als Zeichen des Protestes Klebeband über den Mund um gegen unsere Ausgeschlossenheit zu demonstrieren. Ausgeschlossen von den Vorgängen im Bella Center. Ausgeschlossen vom Klimaprozess. Ausgeschlossen von der Politik und weit weg von den Hebeln die umgelegt werden müssen. Wir waren alle so nah. Einige sind tausende von Kilometern nach Kopenhagen mit dem Fahrrad oder Zug gekommen, nur um dann ausgeschlossen zu werden. Wer in der zweiten Woche kam konnte teilweise kein einziges Mal einen Fuß in das zu diesem Zeitpunkt als Zentrum der Welt fungierende Konferenzgebäude zu setzen. Jahre der Vorbereitung. Wochen der Anspannung. Und jetzt bei so nah und doch so fern. Über die Medien unserer Heimatländer mussten wir erfahren was nebenan (nicht) geschah. Ein unerträgliches Gefühl er Lähmung. Wer ist schuld? Wer wurde benutzt? Wer hat keine Ahnung und warum gibt es kein Schwarz-Weiß? Hinterher sollte die Debatte über Obamas Schuld die Zivilgesellschaft erschüttern (hier). Davon war an diesem Abend noch nix zu spüren. So weit waren wir noch nicht. Noch nicht. Die Welt hatt noch nicht ein kurzes, oberflächliches und unambitioniertes Stück Papier “zur Kenntnis” genommen.

http://www.grist.org/i/assets/2/copenhagen-polar-short-299.jpg

totally!

Alle bekamen ein Stück Papier und sollten – die Münder noch verschlossen – ihre Gedanken aufschreiben. Auf einem Zettel stand:

“Why are Politicians human?
If they would be brainless,
evil machines I could smash them;
destroy their wrongdoings.
Politicians are humans,
and finding a solution is never easy.”

Das drückte die Hilflosigkeit nicht nur in Worten der Aktion und des Handelns aus, sondern auch das Verlangen einfach “den Schuldigen” zu finden. Die Welt ist komplex heute und doch liegen die richtigen Entscheidungen auf dem Tisch. Doch keiner traute sich, sie aufzuheben. Mut der Staatschef_innen fehlte sicher, aber war das alles was falsch lief? Mangelte es nur an Mut? Ich sitze heute noch rum und überlege was anders hätte laufen müssen. Vielleicht ist es ja auch gut, dass COP15 dermaßen den Bach runterging. Vielleicht erhöht das unsere Chance, die falschen Lösungen der Klimapolitik zu bekämpfen. Vielleicht wacht die Welt jetzt auf. Vielleicht auch nicht.

A man who won’t die for something is not fit to live.- Martin Luther King

Anna und Sara fasteten. Insgesamt 42 Tage nahmen sie nichts als Wasser und Salz zu sich. Ein Klimagerechtigkeits-Fasten (Climate Justice Fast) war das. Damit soll Aufmerksamkeit erregt werden. Junge Menschen aus reichen Gegenden verzichten auf das (für sie) Grundsätzlichste um zu zeigen, wie ungerecht die Welt ist. Anna hat sich sogar “Climate Justice” auf den Rücken tätowieren lassen. Während sich über Mode streiten lässt ist dies doch ein Zeichen. Sie möchte ihr Leben – trotz zwei Abschlüssen und vielen Chancen – ganz dem Kampf für Klimagerechtigkeit widmen. Solche Menschen inspirieren! Es gibt so wenig Vorbilder heute doch manchmal müssen wir nur in einer kalten Halle irgendwo hinterm Bahhof von Kopenhagen stehen und merken erst dort, dass die vielen kleinen Menschen um uns herum teilweise so unglaublich mutig, stark und energiegeladen sind, dass nur eine kleine Scheibe von ihnen uns selber so viel geben würde. Ich wünschte ich hätte diese Kraft und Ausdauer. Kopenhagen ist a vielleicht wirklich nur ein Anfang?

“The golden rule is to act fearlessly upon what one believes to be right.” – Mahatma Gandhi

Während die Grünen in der 1. Klasse nach Berlin oder im Flugzeug nach Amsterdam sitzen und sich auf die nächste Rede vorbereiten fahren wir dich gedrängt mit anderen Aktivist_innen nach Hause. War es das wert? COP-15? Wir wollten die Welt verändern. Wir wollten dabei sein, wenn Geschichte geschrieben wird. Wir wollten Teil der Bewegung sein. Die Welt erwärmt sich weiter. Floppenhagen wir sicher schnell vergessen werden. Die Klimabewegung wurde zwischen Pfefferspray der Polizei, enttäuscht heimfahrenden Autonomen, dem Zaun um das Bella Center, den vielen Erfolgen aber der großen Niederlage nicht zerrieben sondern stärker. Doch es ist noch ein weiter weg, bis diese Bewegung stark genug ist das nötige Beben zu haben. Manchmal müssen wir aufstehen und kämpfen statt reden. Manchmal müssen wir uns setzen und in uns gehen. Wir müssen dazwischen unterscheiden. Wir müssen nicht aufgeben.

G.

Dez
16

Geschrieben von (michab) in Grüne Wiese am 16. Dezember 2009

Ich kann kein Spanisch, leider. Aber dennoch verstehe ich von was die Vertreter_inner von Bolivien, Venezuela, Spanien, Guatemala und Argentinien da so reden: Transparenz, Inklusivität usw.

Ich sitze im Warmen und schaue den Livestream aus dem Plenum der COP im Bella Center in Kopenhagen. Es ist 11Uhr Nachts. Ich bin in Kopenhagen, aber leider Teil der großen Menge NGOs die heute ausgesperrt wurden. Es war nicht leicht die begrenzte Anzahl der “Secondary badges” zu bekommen, nur ca. 30% aller NGO-Leute haben sowas, ich auch. Dennoch durfte ich wie schon damals in Heiligendamm an einem ziemlich ähnlichen Zaun rütteln. Diesmal was es nur kälter. Einige NGOs wurden von der COP ganz ausgeschlossen, u.a. Friends of the Earth International (FOEI), die Dachorga vom BUND und eine der großten Umweltgruppen hier. Ausserdem das bekannte Netzwerk Avaaz, welches heute die Namen der 11 Millionen Unterzeichnenden einer Online-Petition “Rettet Kopenhagen” bei einem Flashmob vorlesen wollten. Es war ja schon immer ein Jahrmarktgefühl im Bella Center: überall NGOs, Flyer, Aktionen und Laune. Doch jetzt spielen die Polizist_innen der UN-Polizei auch mit und schmeißen uns raus bzw. lassen uns (mich!) garnicht erst rein. Für mich ist das schade, für jemanden der für die entscheidenden Tage der COP aus Peru hergekommen ist, ist dies eine Katastrophe.

Dem auf und ab marschierenden Militär am Zaun zuzuschauen ist blöd, noch blöder ist, garnicht an den Zaun zu kommen. Viele tausende friedliche Demonstrant_innen hatten heute wieder das Vergnügen, statt eine konfusen UN-Polizei die abgerichteten dänsichen Bullen (i.S. von groß und stark) zu treffen. Bezeichnend die Bilder die schon jetzt um die Welt gehen. Schlagstöcke und Tränengas für diejenigen, welche ein besseres und gerechteres Abkommen wollen. Häppchen und freie Bahn für diejenigen, welche Entwicklungshilfe und Klimafinanzierung zusammenzählen oder sich mit Wälderrechnungen freikaufen wollen. Kann die UN in einer ungerechten Welt eigentlich so viel besser sein?

Die GJ war auch heute wieder sehr prominent dabei. Für Klimagerechtigkeit setzen wir uns ein!

Die GJ war auch heute wieder sehr prominent dabei. Für Klimagerechtigkeit setzen wir uns ein!

Die ganzen tausende von Eindrücken der letzten Tage bringe mich zurück zum Jetzt. Viele Deleierte fordern bessere und transparentere Verfahren. Ob auch jemand sich mit den vielen zu Unrecht eingeknasteten Demonstrant_innen solidarisiert? Ich weiß es nicht. Der Vertreter von Mauritius schlägt vor, schlafen zu gehen. Der Kerl neben ihm pennt eh schon. Die leitende COP-Vizepräsidentin sagt wie schön es ist, dass die Gruppe zumindest heute Abend mit einer Einigung auseinander geht. Das wars. Ergebnisse? Zero. Aber es sind ja noch zwei Tage…

Laut der Pressekonferenz von Yvo de Boer gib es Fortschritt in einigen kleinen Sachen und bei den Reduktionszielen und den Geldern müssen die HOS (Head of States) halt sich einigen. Auch einige andere Dinge wurden an diese weiterverwiesen, weil mensch sich nicht einigen konnte: u.a. ob CCS jetzt vom CDM ausgeschlossen wird (wie das SBSTA – das Expertengremium der COP -befand). Mal sehen ob unsere HOS’s das alles packen.

Shakern vielleicht, Geld geben aber nicht. Norbert Röttgen kann noch so nett reden, Schwarz-Gelb will die Entwicklungshilfe für den Globalen Süden massiv in Klimageld umwidmen. NGOs können dies vor Ort nur vor der Tür geißeln. Norbert hat seine Ruhe.

Shakern vielleicht, Geld geben aber nicht. Norbert Röttgen kann noch so nett reden, Schwarz-Gelb will die Entwicklungshilfe für den Globalen Süden massiv in Klimageld umwidmen. NGOs können dies vor Ort nur vor der Tür geißeln. Norbert hat seine Ruhe.

Vorhin wurde der Vorschlag gemacht, eine Liste rumzureichen auf der sich alle eintragen, die heute Nacht nochmal mit dem COP-Präsidenten (jetzt der Präsi von Dänemark, Connie ist zurückgetreten) reden wollen. “Der kann uns dann anrufen und wir kommen aus dem Hotel her.” Eine Liste geht rum. Neulich gab es ein Krisentreffen in der Ecke des Plenarsaals, wo sich die “main opinions” des Streitpunktes trafen. Das alles erinnert mich ein wenig an den BuKo der Grünen Jugend. Ein Drittel der Redebeiträge ist zum Verfahren und ein weiteres Drittel wieerholt irgendwas anderes von vorher.

Der Eindruck vom HLS (High-Level-Segment) alleine reicht schon, um den nötigen Respekt vor der UN (bzw. UNFCCC) zu verlieren. Wenn nun noch hinzukommt, dass heute mutige Aktivist_innen den dänsichen Präsidenten im Plenum beschimpft haben und der Yvo de Boer auch (irgenwie angeblich) angegriffen wurde freue ich mich zwar über die “Offenheit” der COP aber der Gedanke an fast 50.000 registrierte Gäste für eien COP die in einem max. 15.000 Menschen fassenden Tagungsgelände stattfindet und das Unvermögen, dass zwei UN-Polizist_innen vor der Tür die gleiche Information (zu wer darf rein und wer nicht) haben, dann denke ich wirklich: der Laden hier kommt mal garnicht klar, ey!

Gefrustete Grüße aus Kopenhagen,

:) Georg

Dez
14

Ambivalente Impressionen

Geschrieben von (michab) in Grüne Wiese am 14. Dezember 2009

Nicht ganz passend zum Thema: unsere Freeze Aktion

Nicht ganz passend zum Thema: unsere Freeze Aktion

Die zweite Woche ist angebrochen und die Anspannung nimmt zu. Aber bevor ich mich in den Strudel von „wer fordert gerade was“ stürze, möchte ich noch einige Gedanken über die verrückte Konferenz mit euch teilen. Denn auch wenn es fraglos wahnsinnig Spaß macht Teil der Klimakonferenz zu sein, hinterlässt sie bei mir dennoch ein ambivalentes Gefühl.

Wir sind hier um die Zukunft des Planeten zu retten, wie immer wieder betont wird. Gleichzeitig gilt die Konferenz als Party des Jahres und gleicht einer großen Spielwiese für Erwachsene. Wie passt das zusammen? Ein heißdiskutiertes Thema sind die Finanzen, aber ausgerechnet die Ärmsten der Welt werden hier von Delegierten vertreten, die kein Problem damit haben, ihren Reichtum in Form von goldenen Uhren zur Schau zu stellen. Es trägt nicht zur moralischen Integrität der wwahnsinnig berechtigten Forderungen nach mehr finanzieller Unterstützung für den globalen Süden bei, wenn diese von den reichen Eliten korrupter Diktaturen gestellt werden. Die Bedeutung der Zivilgesellschaft wird stets betont, aber wenn die Staats- und Regierungschefs am Freitag die Entscheidungen treffen, bekommen nur noch 90 (!) der über 10 000 akkreditierten NGO-Delegierten Zugang zum Konferenzzentrum. Die Liste solcher Widersprüche ließe sich noch lange Fortsetzungen. Das ist – leider – das hässliche Gesicht dieser Konferenz.

Dez
09

Aus dem Leben einer grünen Jugenddelegierten

Geschrieben von (michab) in Grüne Wiese am 9. Dezember 2009

Plenarsession

Plenarsession

Ein typischer Tagesablauf sieht ungefähr so aus: Um kurz nach sechs stehe ich auf, um es pünktlich zum Treffen der Jugendinteressengruppe YOUNGO um acht zu schaffen (ja, unser Weg zum Konferenzzentrum ist lang). Dankeswerterweise versorgt Greenpeace die Aktivisten vorher noch schnell mit Kaffee. Um neun geht es weiter mit dem nächsten Treffen, auf dem unsere Positionen in verschiedenen Bereichen abgestimmt werden. Im Anschluss daran steht die erste Plenarsession auf dem Programm, wo heute Tuvalu in einer bejubelten Rede ein rechtlich verbindliches Abkommen einforderte. Mein persönliches Highlight war jedoch der engagierte Beitrag der Jugend, von dem sich die dänische Konferenzvorsitzende sich übrigens sehr angetan zeigte.

Nach dem täglichen kurzen Update mit der Europäischen Grünen Jugend kann ich dann die erste Verschnaufpause des Tages genießen: es gibt endlich Mittagessen (leckerer und mit drei Euro vor allem günstiger als erwartet). Danach gilt es, einen ruhigen Platz zu finden, um die ersten der täglich ca. 200 Emails zu lesen, die allein über die Liste der Jugenddelegierten gehen. Mit viel Glück finde ich auch noch Zeit für einen Blogartikel, bevor der Nachmittag den europäischen Vernetzungstreffen und den zahlreichen Nebenevents gehört. Heute informierte z. B. die EU über die Emissionen durch Abholzung. Zwischendrin gucke ich immer wieder an unserem Stand vorbei, verschenke T-Shirts (die unter den Afrikanischen Länderdelegationen reißenden Absatz haben – man will seiner Familie schließlich etwas aus dem fernen Europa mitbringen) und sammel des Lobbyisten beste Waffe: Visitenkarten.

Nach einem weiteren Treffen unserer Delegation, dem Briefing der deutschen Verhandlungsführerin für die Zivilgesellschaft und schließlich dem wohlverdienten Abendessen falle ich dann müde ins Bett. Eigentlich schade, denn an abendlichen Empfängen mangelt es nicht. Vielleicht morgen ja, wenn der Leiter des UN-Klimasekretariats einlädt. Schließlich schmückt man sich hier äußerst gerne mit (Alibi?)Jugendbeteiligung.

Nov
21

Befreie das Feld!!

Geschrieben von (Janek) in Grüne Wiese am 21. November 2009

Hier habe ich ein tolles Spiel gefunden.
Schauts euch doch mal an!

Hier kommt ihr zum Spiel:

http://greenberry.gr.funpic.de/

Nov
13

Kleiner Eindruck vom Bildungsstreik in Dresden

Geschrieben von (JohannesH) in Grüne Wiese am 13. November 2009

Von Anselm Zebner: http://www.anselm-zebner.de

Seit dem 9.11 wird in Dresden der Potthoff-Bau “POT81″ im Rahmen des Bildungsstreiks besetzt. Nachdem im Sommer eine Protestwelle in ganz Deutschland die Diskussion über Bildungsausgaben entfacht hat, werden nun nach einem erfolgreichen Protest in Österreich Stichwort “#unsereuni” Höhrsähle besetzt und Veranstaltungen abgehalten um auf die anhaltende soziale Ungerechtigkeit,  schlecht ausgeführten Reformen im Sinne des Bologna-Prozesses und die Kürzungen im Bildungssystem aufmerksam zu machen.

Die Besetzung in Dresden POT81 (www.pot81.de) soll aufmerksam machen und zur Diskussion anregen. Deshalb gibt es eine stets aktuelle Wiki, einen Radio-Livestream sowie zwei Twitter-Feeds www.twitter.com/bsdresden www.twitter.com/pot81.

In Dresden waren heute nachmittag so gegen 13 Uhr ankam, befand sich eine Gruppe von ca. 30 Besetzern im Hörsaal. Es wurden Banner gemalt und Diskussionen geführt. Um ca. 14 Uhr ist eine Gruppe von 15 Leute losgezogen um mit einer kleinen Trommelgruppe und Flyern auf dem Campus Werbung zur Beteiligung zu machen.

Um 15:30 Uhr haben sich im Hörsaal dann wieder Interessierte getroffen, um die Inhalte zu besprechen, welche um 17 Uhr mit dem Rektor der TU, Prof. Kokenge besprochen werden sollen.  (Ergebnisse wirds online geben). Während der ganzen Zeit, waren zwei, drei Jungs mit der Aktualisierung der Internetseiten (Pressebereich) beschäftigt, andere malten weitere Plakate, andere kochten Essen für die Beteiligten.

Die Atmosphäre ist entspannt und es wird das ganze Wochenende über Diskussionen und ein bisschen Party geben. Unterstützung ist natürlich immer willkommen, da es am Wochenende auch kühl werden soll im Hörsaal.

Mein Fazit: Der Streik und die Besetzungen sind super! Die Medien berichten, die Bundesbildungsministerin Shavan hat bereits öffentlich ihre Unterstützung erklärt und vielleicht wird die Menge der Beteiligten ja in den nächsten Tagen so groß, dass auch jeder mitbekommt, dass es sich nicht um verrückte handelt, sondern um Studenten, die etwas verbessern und nicht nur Studium konsumieren wollen.

Übrigens: Die Grüne Hochschulgruppe Dresden hat Ihre Solidarität mit den Streikenden erklärt.

Aktuell sind es in Deutschland 23 in Österreich 34 besetzte Unis. (www.unsereunis.de)