Devise: Herkunft muss sich wieder lohnen! Wie in Hamburg eine selbsternannte Elite die Schulreform bekämpft
Geschrieben von (Max Pichl) in Bildung, Diskussion am 28. Juni 2010
Autorin: Lisa Bendiek
Wer sich fragt, warum nach all den PISA-Studien, UN-Rüffeln und erziehungswissenschaftlichen Forschungsergebnissen das deutsche Schulsystem noch immer die Ständegesellschaft vergangener Jahrhunderte reproduziert, kann in Hamburg momentan Antworten finden. Hier tobt seit Monaten der Kampf um längeres gemeinsames Lernen, auf Plakatwänden, in Regionalzeitungen, auf der Straße und auf youtube.
Angefangen hat alles mit den Reformplänen der Hamburger Grün-Alternativen Liste (GAL). In den Wahlkampf gegangen war die GAL noch mit dem Ziel, neun Jahre gemeinsames Lernen in einer Schule für alle zu ermöglichen; von der Koalitionspartnerin CDU ließ sie sich auf sechs Jahre und den Fortbestand der Gymnasien herunterhandeln. Das aktuelle Schulreformkonzept des Senats sieht vor, dass die Grundschule in eine Primarschule umgewandelt wird, in der alle Kinder sechs Jahre lang zusammen lernen. Anschließend treffen die Eltern basierend auf einer Empfehlung der Lehrkräfte die Entscheidung, ob ihr Kind ab der siebten Klasse ein Gymnasium besucht, in dem nach sechs weiteren Schuljahren das Abitur ansteht, oder eine Stadtteilschule, die alle Abschlüsse anbietet – das Abitur allerdings erst nach sieben weiteren Jahren. Damit bekämen alle Kinder eine bessere Chance auf eine Hochschulzugangsberechtigung. Andererseits wäre es den Besserverdienenden nach wie vor möglich, ihre Sprösslinge auf Gymnasien zu isolieren. Und auch wenn zukünftig viele Jugendliche an Stadtteilschulen ihr Abi machen, könnten die Gymnasiast_innen auf dem Arbeitsmarkt Vorteile haben, weil sie schneller fertig sind. Read the rest of this entry »


