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Ich, Karin Willnauer, bin eine der beiden Delegierten für den EGP Congress, der momentan, vom 11. bis zum 13. November in Paris stattfindet. Während Sabine Hackbart euch mittels Videopodcasts informiert, möchte ich euch die kommenden Tage über das Geschehen hier in dem ehrwürdigen Maison de la Chemie in diesem Blog auf dem Laufenden halten.
Der erste Tag des EGP Kongresses ist schon vorbei. Ungefähr 700 Personen aus über 30 Ländern wurden am frühen Abend von Monica Frassoni, Vorsitzende der EGP, willkommen geheißen.
Doch schon vorher, ab 13 Uhr, wurde bereits inhaltlich gearbeitet. Während Sabine in der „Gender Group“ aktiv war, nahm ich an einer Veranstaltung zum Thema „Roma and Traveller Inclusion in Europe“ teil. Dies war das Nachfolgetreffen eines Workshops in Budapest vor sechs Monaten. Anlass war dieses Mal die Präsentation einer brandneuen Publikation der European Green Foundation (GEF). Das 108 Seiten starke Buch versammelt 24 Aufsätze von grünen Experten über die Situation hauptsächlich von Roma in ganz Europa, eingeteilt in verschiedene Themenbereiche wie „Bildung“, „Kultur und Sprache“ oder „Rassismus“. Das Hauptanliegen der HerausgeberInnen war vor allem konkrete Beispiele von gelungenen Projekten aufzuzeigen, die inspirieren sollen selbst aktiv zu werden, sei es auf lokaler, staatlicher oder europäischer Ebene.
Anschließend sprachen mehrere Gäste über die Situation der Roma in ihren Ländern und welche Antworten die Grünen darauf haben. Eine Zahl, die im Kopf nachklang, stammte aus einer Studie der UNHCR, die Barbara Lochbihler (MEP) zitierte: 60 % der Roma gelten als staatenlos, da ihre Kinder keine Geburtsurkunde besitzen oder sie sich als Erwachsene nicht haben registrieren lassen.
Zum Ende schauten wir Ausschnitte aus dem neuen Dokumentarfilm „Women (Re)Present“ an, der die Geschichten dreier Frauen aus der Roma Minderheit in der Tschechischen Republik erzählt, die politisch sehr aktiv sind. Kontaktiert die GEF, wenn ihr diesen Film bestellt möchtet.
Wenn ihr euch für das Buch interessiert, das aber bis jetzt nur auf Englisch vorliegt, könnt ihr es kostenlos downloaden unter www.gef.eu oder ihr schreibt einfach eine Mail an marina.barbalata@gef.eu .
Um 15 Uhr 30 traf sich die deutsche Delegation, insgesamt 70 Delegierte, und besprach unter der Moderation von Malte Spitz das Programm des Kongresses, sowie verschiedene Änderungsanträge, über die am Sonntag abgestimmt werden soll.
Abends konnten wir zwischen drei interessanten Podiumsdiskussionen auswählen. Ich entschied mich für die Veranstaltung zum „Arabischen Frühling“. Besonders bewegend war dabei das Zeugnis von Seve Aydin-Izouli zu aktuellen Vorkommnissen in Syrien. Die Rechtsanwältin gab einen Überblick, wie es mit den „arabischen Revolutionen“ anfing und rief alle Grünen dazu auf die syrische Oppositionsbewegung, die sich am 2. Oktober diesen Jahres formiert hat, anzuerkennen und zu unterstützen.
Der erste Tag des Kongresses endete weniger ernst mit einem Treffen bei Wein und Snacks in einem Restaurant um die Ecke, was noch einmal die Gelegenheit gab sich auch abseits der großen Podien kennenzulernen und auszutauschen. So bin ich sehr gespannt, was die restlichen beiden Tage mit sich bringen werden!
Liebe Gesine, liebe Emily,
lieber Bundesvorstand,
ich danke Euch für Euren Brief, doch bin ich mit Form und Inhalt keinesfalls einverstanden.
Euer Brief befasst sich fast ausschließlich mit zwei lediglich der Illustration meiner Thesen dienenden Beispielen. Mit den Thesen selbst wollt Ihr Euch offenbar nicht auseinandersetzen. Das fände ich interessanter. Widersprecht ihr meiner Auffassung, dass wir auch Menschen gewinnen können, die bislang CDU oder FDP gewählt haben? Ohne das zu beantworten, ist eine sinnvolle Diskussion gar nicht möglich. Ich meine, die Daten der jüngsten Wahlen sind so eindeutig, dass meine Hypothese eine hohe Plausibilität hat. Die Verdoppelung unserer Stimmergebnisse bei Wahlen in jüngster Zeit ist nur erklärbar, weil wir aus dem linken Lager ausgebrochen sind. Akzeptiert ihr das als Grundlage unserer Strategieentwicklung?
Wenn man das tut, stellen sich einige neue Fragen. Die schwierigste ist natürlich: Wenn uns nun Leute wählen, die bis vor kurzem Parteien mit einer Programmatik gewählt haben, zu der wir im Widerspruch stehen, Ihr sogar ganz besonders, hat das dann Auswirkungen auf unsere Programmarbeit? Müssen wir uns auch verändern, damit diese Menschen bei uns Grünen dauerhaft zu Hause sein können?
Ich schreibe in meinem Papier ausdrücklich, dass es legitim ist, nichts ändern zu wollen. Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass wir wahrscheinlich viele neu gewonnene Stimmen wieder verlieren werden, wenn wir uns nicht auf die Neuwählerinnen und Neuwähler zubewegen. Sie erweitern das Spektrum der Erwartungen an uns. Eure Annahme, all die Neuwählerinnen und Neuwähler hätten zuerst unser Programm gelesen, dann gemerkt, dass sie damit in jedem Punkt übereinstimmen und schließlich grün gewählt, halte ich für wünschenswert, aber unrealistisch.
