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Steuerung der Arbeitsmigration Es gibt viele Gründe warum Menschen sich entschließen, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen: Angst vor Verfolgung, Naturkatastrophen oder Hunger. Einige unter ihnen sehnen sich auch danach neue Sprachen, Landschaften und Menschen kennenzulernen. Den mit Abstand größten Teil der weltweiten Migration macht aber die Arbeitsmigration aus - über 80 Prozent. Die meisten wandern aus wirtschaftlich schwächeren Regionen in starke. Industrienationen versuchen diese Arbeitsmigration zu steuern, dabei steht die Volkswirtschaft im Mittelpunkt der Einwanderungspolitik. Das Arbeitskräfteangebot muss den ökonomischen Anforderungen genügen, Menschen werden auf Leistung, also ihre Arbeit reduziert. Persönlichkeit, Erfahrungen und individuelle Nöte treten in den Hintergrund. Diese Grundüberlegung zieht sich konsequent durch die Einwanderungspolitik aller Industrienationen und zeigt den hohen Stellenwert von Erwerbsarbeit in unserem politischen System. Diesen Beitrag weiterlesen »
Hart Arbeiten für Anerkennung Ich halte meinen Kontoauszug in der Hand und sehe schwarz auf weiß: 388 €. Naja, denke ich mir. So wirklich viel Geld ist das nicht für knapp vier Monate Arbeit, aber was soll’s, es zählt schließlich die Erfahrung! Gut so. Es ist der Optimismus, der mir über den eher ernüchternden Kontoauszug hinweghilft. Ok, ich gebe ja zu, ich hätte mir nach einem durchgearbeiteten Sommer ein wenig mehr erhofft. Mit dem Geld konnte ich mir gerade mal eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel bezahlen und mein Essen, was ich mir am Berliner Potsdamer Platz mittags immer in einem der billigen Lokale gekauft habe. Während der 16 Wochen habe ich verschiedenste Aufgaben erledigt, dennoch war es in den ersten sechs Wochen eher langweilig. In der zweiten Hälfte des Praktikums herrschte dann umso mehr Dauerstress. Projekte wurden betreut, ich musste ständig Überstunden machen, habe mich aber gefreut, dass ich endlich in die Arbeit eingebunden wurde. Diesen Beitrag weiterlesen »
Alltag in der Werkstatt für behinderte Menschen Es ist Montagmorgen und für Karl-Heinz beginnt auch diese neue Woche mit der gewohnten Tasse Kaffee am ungedeckten Küchentisch. Schwarz muss er sein und ohne Zucker, denn den hat Karl-Heinz ja eh schon. Er schlürft das brühendheiße Getränk in nur wenigen Zügen leer, schaut auf die Uhr und erhebt sich vom Küchentisch. Pünktlich um sieben nimmt er seine Tasche in die Hand und läuft den kurzen Weg bis zur Werkstatt. „Montag ist Schontag“, sagt der 54-Jährige mit einem breiten Grinsen, das den Blick auf seine mit nur wenigen Stumpen besetzte obere Zahnreihe freilegt. Was er mit diesem Satz meint, wird deutlich, wenn man seinem Blick in Richtung Straße folgt: Dort hält gerade ein Bus, von dem aus sich eine ganze Kolonne von Menschen mit schlürfenden Schritten der Werkstatt nähert. Doch je mehr Leute am Eingangstor ankommen, desto lebhafter werden die Diskussionen und der müde Montagmorgen scheint vergessen. Wenn dann um halb acht die Werkstatt aufgeschlossen wird, strömen die Beschäftigten zu ihren Arbeitsplätzen und beginnen ihr Tagwerk. Diesen Beitrag weiterlesen »
Veränderung ist Global Um ca. 50.000 km² breiteten sich im letzten Jahr die Wüsten der Welt aus und entzogen damit vielen Kleinbäuer_innen ihre Lebensgrundlage. 1.500 Menschen sind 2011 auf der Flucht vor Folter und Diskriminierung im Mittelmeer gestorben. Zwischen 109 und 126 Mio. Menschen sind durch den Anstieg der Nahrungsmittelpreise, also durch Finanzspekulationen, unter die Armutsgrenze gerutscht und weltweit sind durch die Krise 30 Mio. Menschen arbeitslos geworden. Diesen Beitrag weiterlesen »

 

Eine Profession in Zahlen

In Deutschland gibt es mehr als 10.000 haupt- bzw. nebenberufliche PolitikerInnen. Davon sind 2579 Abgeordnete und 331 MinisterInnen oder StaatssekretärInnen (BundeskanzlerIn+MinisterpräsidentInnen außen vorgelassen, davon gibt es genau 1+16). Den Löwenanteil stellen aber die kommunalen WahlbeamtInnen mit 327 LandrätInnen und RegierungspräsidentInnen sowie 5000-7000 hauptamtlichen BürgermeisterInnen und Beigeordneten. Nicht zu vergessen, da höchst wichtig, sind die MitarbeiterInnen: JedeR MdB beschäftigt im Durchschnitt 10 MitarbeiterInnen und in allen Parteizentralen zusammengenommen dürften noch einmal mind. 800 Angestellte arbeiten. Gar nicht mal so wenig, insbesondere wenn mensch bedenkt wie viel PolitikerInnen eigentlich arbeiten: Bei einem/einer typischen MdB sind es 60-70 Stunden pro Woche. Davon verbringt einE AbgeordneteR nur 10% im Plenarsaal. Die restliche Zeit verbringt einE AbgeordneteR in Ausschüssen (jedeR grüne Abgeordnete ist Vollmitglied in etwa 1,2 Ausschüssen), Fraktions- und Parteissitzungen und nimmt an den entsprechenden Arbeitsgruppen teil. Die sitzungsfreien Wochen (ungefähr 20 Wochen sind Sitzungswoche) dienen zur Vorbereitung und der Arbeit im Wahlkreis (laut einer Umfrage von abgeordnetenwatch sind 5 Termine pro Tag dabei keine Seltenheit). Ähnlich hoch wie die Arbeitsbelastung ist mit 49 Jahren auch das Durchschnittsalter. Und das ist kein Zufall: Das durchschnittliche Bundestagsmitglied ist seit 10 Jahren im Amt. Bei Bündnis 90/Die Grünen sind es immerhin noch 8,9 Jahre, bei einem Durchschnittsalter von 47 Jahren (vielleicht war die Trennung von Amt und Mandat + die Rotation doch keine so schlechte Idee). Wo wir schon gerade bei der Berufskarriere sind: Menschen mit einem Hochschulabschluss sind mit einem Anteil von 85% weit überproportional vertreten und nur 12 Abgeordnete haben einen Hauptschulabschluss. Die beliebtesten Studienfächer sind übrigens Jura, Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Bzgl. Karriere ist eins ebenfalls typisch: Frauen sind benachteiligt. Nur 32,8% aller Abgeordneten sind weiblich, bei der CSU sind es sogar nur 13,3%. Zum Vergleich: Im irakischen Parlament beträgt der Frauenanteil 25%. Spitzenreiter sind Bündnis 90/Die Grünen mit 54,4% dicht gefolgt von der Linkspartei mit 52,6% (ebenfalls eine Partei mit Frauenquote). Freuen kann sich ein Europaabgeordneter am Monatsanfang über eine Diät von 7665€ zuzüglich einer allgemeinen Spesenvergütung von 4202€. Spitzenverdiener sind aber die parlamentarischen Staatssekretäre mit 23.069€ . Besonders lukrativ sind auch die Pensionen von beispielsweise 1534€ nach 8 Jahren. Apropos Geld: Im Brüssel gibt es 17.000 LobbyistInnen (also ca. 20 pro Abgeordneten) und im Verbandsregister des Bundestages sind über 2000 Verbände eingetragen. Besonderes Interesse dürften diesen den 264 Gesetzesiniativen, 63 großen & 3299 kleinen Anfragen sowie den 2287 Anträgen in der letzten Legislaturperiode entgegengebracht haben. Wer jetzt noch mehr über dieses Thema erfahren möchte der gucke doch in Kürschners Volkshandbuch (Babette verschickte hierzu eine Mail an fast 4000 EmpfängerInnen), das mensch für den Preis von 0€ beim Bundestag bekommt. Und wem das ganze zu zahlenlastig war dem sei der 1919 von Max Weber veröffentlichte gleichnamige Aufsatz empfohlen.

Jacob Spanke

 

Ein kritischer Kommentar

Am Ende war die Zeit. Die nicht gereicht hat. Zeitmangel ist eins der größten Argumente, mit denen Leute heutzutage jegliche Idee von direkter Demokratie ablehnen. Der normale Bürger, so heißt es meist ungegendert, findet einfach nicht die Zeit sich angemessen mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Die Zeit aber wandert in den Beruf, den viele von uns mit einer 40-Stunden-Woche mehr leben als leisten. Aber Arbeit – und das Verständnis von Arbeit – raubt uns heute nicht nur die Zeit für politisches Engagement, sondern auch viele potentielle Kompetenzen dafür.

So sind die meisten Arbeiter_innen meiner Meinung nach nicht Fachidiot_innen, sondern Detailidiot_innen, die sich nur mit einem Teilaspekt einer Aufgabe oder Produktion beschäftigen und so das Bild für das ganze verlieren. Fakten und Erkenntnisse in einen Kontext setzen zu können, ist jedoch eine Fähigkeit, der es auch in vielen politischen Themenkomplexen bedarf. Eine Fähigkeit, welche sich aber nicht von alleine, sondern nur durch Übung schärft. Sie setzt selbstständiges Denken voraus, welches wiederum nur bedingt in der Arbeitswelt gefördert wird. Wir reden hier nicht von Kleinutopien, wie die zunehmenden Werbefirmen in Berlin Mitte, in denen ein Rundumkonzept in einer Art Oneman-Show zustande kommt. Gemeint sei stattdessen die zunehmende Zahl an Großkonzernen, welche zu einer vermeintlichen Optimierung des Umsatzes Arbeitsschritte kleinstmöglich teilen und zur Überwachung Authoritätspersonen stellen, die selber wiederum den Bezug zum Detail längst verloren haben. Dieses Prinzip kollidiert mit der Idee eines mündigen Menschen als Voraussetzung für gute Demokratie. Personen, die herumkommandiert werden, deren persönliche Anliegen und Interessen sich an ihrem Arbeitsplatz nicht niederschlagen, werden nie wirklich demokratische Ideen oder das Prinzip absoluter Gleichheit verinnerlichen. Predigen werden sie es vielleicht, aber unterdrückende Erfahrungen im Kinder- sowie im Erwachsenenalter verleiten Menschen oft dazu bei jeder Möglichkeit selbst in die Rolle des Unterdrückers zu wandern. Es ist das Prinzip des Modelllernens, das zu einer Annahme dieser schlechten Eigenschaften führt, vielleicht auch die Unfähigkeit sich Alternativen zu einem bestehenden System aus Geiz, Gier und Selbstsucht vorzustellen.

Feststeht, dass in nahezu keinem Lebensbereich Menschen so unterdrückt und entmündigt werden wie beim Verdienen ihres täglichen Brots. Worum uns unser heutiges Arbeitsverständnis aber noch betrügt ist pures Wissen. Wer ein Problem nicht im ganzen Behandeln kann, stattdessen stupide wiederholt wenige Anweisungen erfüllt, ohne ihren Effekt zu erleben, wird nie zu Erkenntnissen kommen über das Feld, in dem er/sie sich betätigt. Damit gehen den normal arbeitenden viele Möglichkeiten verloren, sich zumindest im eigenem Bereich politisch zu engagieren. Zwar versteht jede_r noch die Arbeitszeitendebatte, aber komplexen Entscheidungen fehlt die Wissensbasis.

Nun mag mensch wieder sagen, dass sich dies ja alles mit ein wenig Interesse aneignen ließe. Aber Interesse setzt wiederum Zeit voraus. Und am Ende war die Zeit. Nicht.

Geraldine Arndt