Autorenarchiv

Liebe LeserInnen,

fragte mensch auf dem letzten Bundeskongress zum Thema Gesundheit herum, kam doch recht häufig eine Antwort wie diese heraus: “Gesundheit ist schon irgendwie wichtig.”

Dabei möchten wir es mit der Gesundheit aber nicht belassen. Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe zu Stadt und Land bereits in vermeintlich fremde Sphären begaben, steuern wir mit diesem SPUNK ein Thema an, welches auf unseren Bundeskongressen durchweg präsent war – sei es durch Beschlüsse zur Organspende oder Homöopathie. Zusammen mit einigen GastautorInnen, zum Beispiel aus der AG Gesundheit, wollen wir daher beleuchten wieso Gesundheit für die GRÜNE JUGEND überhaupt als Politikum gesehen werden sollte. Haben Menschen das Recht auf Selbstzerstörung? Welche Machtstrukturen liegen in der Definition des Gesundheitsbegriffes? Und brauchen wir künftig alle Kuschelrobbenroboter, um dem Mangel an Pflegepersonal zu begegnen? Diesen und weiteren Fragen gehen wir auf den kommenden Seiten nach.

Doch es gibt an dieser Stelle auch noch etwas Redaktionsinternes: Dies ist die letzte Ausgabe, an der Lisa in ihrer Funktion als Beisitzerin im Bundesvorstand beim SPUNK mitgearbeitet hat. Wir möchten uns bei ihr für ihren großen Einsatz herzlich bedanken, und wünschen uns auch in Zukunft den einen oder anderen Artikel von Dir zu bekommen! Im Gegenzug begrüßen wir dafür Felix aus dem neu gewählten Bundesvorstand in unseren Reihen!

Vielleicht können wir mithilfe der illustren Artikelwahl die Gesundheit aus der “irgendwie”- Kiste heraus hiefen. Auf jeden Fall wünschen wir euch eine schöne Lektüre und freuen uns auf Kommentare, Kritik und Lob hier im Blog oder per mail: spunk@gruene-jugend.de!

Eure SPUNK-Redaktion: Berenike, Denise, Florian, Jan, Lisa, Norma und Tobias

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Alle Artikel des SPUNK 67 zum Thema Gesundheit

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Probleme der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern

6:00: Gestern Abend war es noch ein leichtes Unwohlsein, in der Nacht kamen die Kopfschmerzen und das Fieber dazu. Und so ist an diesem Morgen, als Maria schweißgebadet aufwacht, die Vorahnung zur Gewissheit geworden: Sie ist krank. Was sich bis zu dieser Stelle unspektakulär, wenn auch unangenehm anhört, gewinnt durch die Tatsache an Brisanz, dass Maria sich nicht in einem anderen Industrie-, sondern in einem Entwicklungsland befindet.

Falls Maria dazu noch in einer ländlichen Gegend wohnt, dürfte es nun, da sie krank ist, schwer werden, überhaupt eine ÄrztIn zu finden. So kommt in Afghanistan einE ÄrztIn auf 10.000 EinwohnerInnen und die Spitze dürfte Simbabwe mit 1:60.000 bilden (zum Vergleich Deutschland: 1:330). So kommt es leicht zu Distanzen von einigen dutzend Kilometern bis zur nächsten Gesundheitsstation. Diese Strecken müssen dann meistens zu Fuß oder mit etwas Glück auf einem Fahrradgepäckträger zurückgelegt werden. So trägt die bloße Entfernung neben anderen Gründen entscheidend dazu bei, dass viele Menschen sich lieber direkt an eineN örtlicheN HeilerIn wenden (deren Fähigkeiten sehr unterschiedlich sind).

10:00: Nehmen wir einmal an, dass Maria die erste Hürde überwunden und die nächste Gesundheitsstation erreicht hat. So baut sich nun unmittelbar eine zweite auf: Die Behandlung kostet Geld. In vielen Entwicklungsländern sind nur sehr wenige Menschen krankenversichert. Und auch das staatliche Gesundheitssystem ist selten kostenfrei. Gerade in den 80er und 90er Jahren wurden Gesundheitssysteme entweder vollständig privatisiert (z. B. auf den Philippinen) oder im Zuge von Strukturanpassungsprogrammen zumindest Nutzungsgebühren erhoben. Hinzu kommen oft noch Schmiergelder.

14:00: Nachdem die Familie von Maria es unter großen Mühen (jährlich verarmen ca. 100 Millionen Menschen aufgrund von Krankheitskosten) geschafft hat, das nötige Geld aufzutreiben, wird nun endlich eine Diagnose erstellt: Maria hat Malaria. Sie könnte aber auch an vielen anderen Krankheiten leiden, die alle eins gemeinsam haben: Sie wären leicht zu verhindern. So kostet ein Moskitonetz, das die Zahl der Infektionen alleine um 70% senkt, nur 2-3 Euro, aber nur eineR von zwanzig AfrikanerInnen besitzt eines.

17:00: Nachdem nun die Krankheit feststeht, dürfte der Behandlung ja eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Allerdings machen Arme keinen Umsatz und sind daher für die Pharmaindustrie nicht interessant. Deswegen werden 90% der Forschungsausgaben für die Bedürfnisse von weniger als 10% der Weltbevölkerung verwendet. Existierende Medikamente werden oft nur zu für die Armen unerschwinglichen Preisen verkauft. Gegen Generika, das heißt günstiger produzierte Nachahmprodukte mit derselben Wirkung, geht die Pharmaindustrie mithilfe des Patentrechts rabiat vor.

18:00: Mit Einbruch der Dunkelheit ist unsere Geschichte an dieser Stelle zuende. Marias Leiden geht aber weiter. Falls sie nur eine der erwähnten Schwierigkeiten nicht meistert, kann es gut sein, dass sie eine von 13 Millionen Menschen ist, die Jahr für Jahr an leicht behandelbaren Krankheiten sterben (während ihr diesen Artikel gelesen habt, waren es allein 50). Vielleicht schafft sie es aber auch. Es gibt genug Projekte, die beweisen, dass eine Gesundheitsversorgung für alle machbar ist, wenn wir nur wollen.

Jacob Spanke

Wie weibliche Körpervorgänge pathologisiert werden

Im frühen Teenageralter flattern uns allen die üblichen Aufklärungsbroschüren ins Haus, mit Informationen über den männlichen und weiblichen Körper, Sexualität und Verhütung. Die auf junge Mädchen zugeschnittenen Hefte enthalten noch einen besonderen Teil: den ersten Besuch beim Frauenarzt. Diese klären dann auf, dass dort noch nicht zwingend untersucht werden muss und mädchen einfach nur Fragen stellen kann. Warum sie da denn hinsollen, steht nicht dabei.

Faszinierenderweise steht in den auf Jungen zugeschnittenen Heften nichts über den ersten Besuch beim Männerarzt. Der wird schlicht und ergreifend nicht für nötig gehalten. Männlichkeit ist eben keine Krankheit. Dass Frauen zum Arzt müssen, weil sie nun mal Frauen sind, ist dagegen tief in unserem gesellschaftlichen Denksystem verankert. Tatsächlich antworten die meisten auf die Frage, wer denn nun dieser mysteriöse Männerarzt ist, entweder mit „weiß nicht“ oder (seltener) „Urologe“. Fast niemand kennt die richtige Antwort: Der Männerarzt ist der Androloge.

Sobald die jungen Mädchen ihre Menarche erleben, werden sie beruhigt: Am Anfang ist der Zyklus immer so unregelmäßig, das pendelt sich dann ein. Auf 28 Tage nämlich, so sämtliche Biologiebücher der jungen Mädchen und auch die Medizinlehrbücher der angehenden Gynäkolog*innen. Doch das ist ein Mythos. Weder ist der Zyklus von erwachsenen Frauen normalerweise 28 Tage lang, noch ist er regelmäßig im Sinne von Schulbüchern. Bei 58% der Frauen schwankt der Zyklus um mehr als sieben Tage in einem Frauenjahr. Tatsächlich haben nur 3% so regelmäßige Zyklen, wie sie uns die Aufklärungshefte beschwören, mit einer Schwankungsbreite von bis zu drei Tagen.

Damit werden Frauen aller Altersklassen nicht nur verunsichert, solche Behauptungen sind, gerade bei jungen Mädchen, regelrecht gefährlich. Denn unser Biobuch postuliert nicht nur den 28-Tage-Zyklus, sondern auch den Eisprung am 14. Tag. Jeder, der zwei Absätze weiter über die Überlebensfähigkeit von Spermien liest, kann sich also ausrechnen, wann Frauen denn „normalerweise“ schwanger werden können. So sind Schwangerschaften vorprogrammiert, wenn sich außerhalb dieser Tage in Sicherheit gewähnt wird.

Sollte eine solche eintreten, geht es weiter mit der Pathologisierung. Da Schwangerschaft anscheinend von Natur aus ein medizinisches Problem darstellt, „müssen“ Frauen in dieser zum Gynäkologen. Dass sie ihre Schwangerschaft genauso gut, sicher und viel persönlicher von einer Hebamme betreuen lassen können, wissen die wenigsten. Diese ermöglicht es der Schwangeren häufig deutlich wohlbesonnener die Entscheidung zu ermöglichen, welche Untersuchungen sie wünscht und welche überhaupt nötig sind. So werden Frauen in Hebammenvorsorge in der Schwangerschaft fast nie mit vaginalen Untersuchungen traktiert, die beim Gynäkologen regelrecht zur Begrüßung dazu gehören. Notwendig für die Sicherheit sind sie nicht. Der Gipfel der Problematisierung findet sich jedoch unter der Geburt. Diese ist laut unserer Gesellschaft nicht nur ein medizinisches Problem, sondern gar ein medizinischer Notfall. Wenn Frauen sich entscheiden, außerklinisch zu gebären, sind die freundlichen Reaktionen noch „wie mutig“. Jedoch sind außerklinische Geburten genauso sicher wie klinische, was jedes Jahr aufs Neue unter Beweis gestellt wird. Zu Hause oder im Geburtshaus gibt es deutlich weniger Interventionen und das Geburtserlebnis wird in den allermeisten Fällen als positiver bewertet als in der Klinik. Der Großteil der Interventionen ist schlicht und ergreifend überflüssig, entwürdigend und zumeist selbstgemacht. Die Kaiserschnittrate beträgt im Schnitt in Deutschland 32%, Tendenz Jahr zu Jahr steigend. Bei den außerklinischen Geburten inklusive Verlegungen sind es nur 6%. Wie es anders aussehen kann, bewies in den 80er Jahren der Wiener Arzt Rockenschaub, der in seinem Klinikum (das auch Notfälle annahm) nur eine Kaiserschnittrate von 1% hatte, ohne dass dies den Säuglingen oder den Müttern geschadet hätte. Das Verständnis, dass die meisten Geburten ohne jegliches Zutun normalerweise komplikationslos verlaufen, geht in heutigen Kliniken völlig verloren. Die interventionsfreie Geburt ist eine Seltenheit mit unter 10% geworden.

Nachdem die Frauen also jahrelang Zyklen mit Blutungen und Eisprüngen sowie gelegentlichen Schwangerschaften überstanden haben, geht es in die Menopause. Hierzulande werden gerne Hormone verschrieben, um typische Beschwerden wie Hitzeanfälle zu verringern. Interessanterweise ist das Konzept der Wechseljahre mit den eben genannten Hitzeattacken in anderen Kulturen völlig unbekannt.

Ob Frauen als genauso reparaturbedürftig angesehen werden würden, wenn nicht Männer, sondern sie die gesellschaftliche Norm darstellten, darf bezweifelt werden.

Denise Melchin

Herausgebende:

GRÜNE JUGEND Bundesverband

Hessische Straße 10

10115 Berlin

Tel.: 030 275 940 94

Fax.: 030 275 940 96

Redaktion:

Lisa Bendiek, Berenike Bögeholz, Tobias Edling, Denise Melchin, Jan Schnorrenberg, Norma Tiedemann (V.i.S.d.P.), Florian Wilhelm

Quote:

Von Frauen geschriebene Artikel. Diesmal: 53 %

Anteil von Frauen unter den AutorInnen. Diesmal: 40 %

Layout:

Das Modul

Fotos:

Soweit nicht anders angegeben, stehen alle Fotos unter einer Creative-Commons-Lizenz. Herkunft siehe Bildunterschrift.

Auflage:

10.000 Stück

Druck:

Union Druckerei Weimar GmbH

Hinweise:

Die Artikel spiegeln die Meinung der jeweiligen Autorin/des jeweiligen Autors wider und stimmen nicht unbedingt mit den Positionen der Redaktion und/oder der GRÜNEN JUGEND überein.

Die Redaktion behält sich die sinngemäße Kürzung von LeserInnenbriefen vor.

Der SPUNK steht unter einer Creative-Commons-Lizenz. Alle Texte sind unter Namensnennung der AutorInnen frei und unverändert im unkommerziellen Rahmen abdruckbar.

Der SPUNK ist die Mitgliederzeitung der GRÜNEN JUGEND. Er erscheint viermal im Jahr und wird aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Dieser Ausgabe ist eine Broschüre der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel: “Soziale Bürgerrechte garantieren” beigelegt.

Der Bezugspreis für den SPUNK ist im Mitgliederpreis enthalten.

www.gruene-jugend.de/spunk

Warum Alter eine schlechte Kategorie ist

Wer im Krankenhaus liegt, dem geht es meist nicht gut. Schmerzen, Ungewissheit, Angst – Das alles kann einem zu schaffen machen. Folglich sollte alles versucht werden, um den Krankenhausaufenthalt angenehm zu gestalten.

Minderjährige werden auf Kinderstationen untergebracht, doch das ist oft ein Problem, denn auch wer körperlich Kind ist, kann mental schon erwachsen sein. Das Krankenhauspersonal ist teilweise überfordert, denn nicht immer ist klar erkennbar, wer wie reif ist. Daraus folgt eventuell falsche Behandlung, nicht physisch, sondern psychisch. Dem Kleinkind muss man streng gegenübertreten und feste Regeln aufstellen. Aber je reifer der Patient, desto wichtiger ist es, ihm zu vertrauen und auch seine Meinung zu berücksichtigen. Ein Kind muss man überwachen, wenn es seine Medikamente nimmt, aber Reifere eigentlich nicht. Wer das aber tut, schadet dem reifen Patienten, indem er zeigt: Ich vertraue dir nicht. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

Für junge Patienten sollte es die Chance geben zu zeigen, dass man sie wie ältere behandeln kann. Andersherum brauchen junge Erwachsene eventuell mehr Unterstützung, als sie sich selbst eingestehen und die sollten sie bekommen. Fachpersonal könnte testen, wer wie reif ist und was braucht. Entsprechend der Ergebnisse sollte man dann gleichreife Patienten auf einer Station unterbringen und nicht gleichaltrige.

Doch wer bezahlt das? Die Antwort: Der Staat! Der Staat versucht seit langem den demografischen Wandel zu stoppen, indem er z.B. neue Kitaplätze schafft. Damit wird gezeigt: Es wird den kleinen Kindern gut gehen! Doch es fehlt etwas, denn auch wenn die Kinder älter sind, sollte es ihnen noch gut gehen. Viele können als Jugendliche für sich selbst sprechen und sich selbst helfen, aber wer krank ist, kann das vielleicht nicht – also muss der Staat zeigen: Hier greifen wir ein! Man muss darauf aufmerksam machen und schon bald hängen überall Plakate: Partei X hilft kranken Teenagern.

Britta Kappe

Was Gesundheit ist, scheint eigentlich klar definiert: Folgen wir der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation, so ist “Gesundheit” ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. So weit so gut. Wäre da nicht das leidliche Wort “Wohlergehen”, könnten wir das Ganze eigentlich auch stehen lassen.

Der Gesundheitsbegriff befindet sich im schmalen Grad zwischen Natürlichkeit und Unnatürlichkeit, zwischen der Wertung von langem und kurzem Leben. Wie so viele andere Begriffe in unserem Sprachgebrauch macht auch hier der Relativismus nicht davor halt, aus diesem vermeintlich klaren Begriff eine undurchsichtige Suppe zu machen, die zum besseren Verständnis erst einmal aufgeschlüsselt werden muss. Der von einer Schlange umwundene Stab des Asklepios zum Beispiel, eines der symbolträchtigsten Zeichen des gesamten Mediziner*innenstandes, symbolisiert die Verschränkung von Medizin und eines gewissen Aberglaubens, sowie des Dualismus von Heilmitteln und Giften (politisch unkorrektes Beispiel: Das Bild des Medizinmannes). Therapieformen wie der Aderlass und die Viersäftelehre signalisieren ein spezifisches Verständnis des menschlichen Körpers, welches im Gegenzug Therapieformen normierte und bestimmte. Ferner ermöglichte die Verknüpfung von physischen und psychischen Leiden mit religiöser Frömmigkeit und dem Achten bestimmter gesellschaftlicher Normen eine Politisierung der Gesundheit; wer ein gesundes Leben führen wollte, sollte sich meist religiösen Normen und Sitten unterordnen. Zu Bestimmen, was Gesund und Ungesund war, und welche Faktoren dazu führen konnten, erwuchs daher auch zu einem höchst potenten Machtfaktor. Eine Zäsur in der europäischen Kulturgeschichte der Gesundheit stellt – wie überall auch – die Aufklärung dar.

Europa, was im 19. Jahrhundert im Zuge der Moderne vom Biologismus fasziniert wurde und sämtliche Eigenarten des menschlichen Zusammenlebens vor dem Hintergrund einer biologischen Determination verstehen zu versuchen wollte, entwickelte daher verständlicherweise eine biologistische Auffassung von Krankheiten, insbesonderer Psychischer. (Als sie dann noch heraus fanden wie Nervenzellen funktionierten, war es um die Ärzt*innen geschehen; auch noch heute ist er Diskurs zwischen Neurowissenschaftler*innen über die biologische Determinierung des Verhaltens sehr lebhaft und aus philosophischer Perspektive unglaublich spannend.). Wirklich “herausgefordert” oder – diplomatischer ausgedrückt – durch andere kulturelle Kontextinformationen ergänzt wird dieses westliche, sich auf den Schwingen der Globalisierung überall ausbreitende Gesundheitsverständnis auf akademischer Ebene erst langsam. Ein mögliches Beispiel bietet die wachsende Akzeptanz der “fernöstlichen” Medizin, insbesondere der Akupunktur. Aber auch in anderen Bereichen gibt es Spannungs-; und Berührungsfelder, vor allem im psychotherapeutischen Bereich. Schritte wie amerikanischen Therapeut*innen bei der Behandlung von Mitgliedern der indigenen Bevölkerung Amerikas zu empfehlen, nebeneinander statt sich gegenüber zu sitzen, mögen kleine Schritte hin zu einem interkulturellen Gesundheits-; und Therapieverständnisses sein, aber sie führen zu nachweisbaren Therapieerfolgen. Gesundheit kann nur als ein Gesamtbild aus Körper, Psyche und kulturellen Einschreibungen verstanden werden.

Jan Schnorrenberg