Ja, ich bin spät dran. Doch besser spät als nie kommt dieser Bericht von der Demo zum globalen Klimaaktionstag am 8. Dezember in Toronto.

Unter dem Motto “Kyoto now!” demonstrierten dort zwischen 300 und 1000 Menschen bei eisigen Temperaturen für effektivere Klimaschutzmaßnahmen, um die globale Klimaerwärmung zu stoppen.

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Die Grüne Jugend ist in meiner Person auch auf der Klima-Demo in Toronto am Start

Ich war mit meinem Mitbewohner und Mitzivi Julian da. Am Dundas Square, dem Startpunkt der Demo, fiel uns so ziemlich als Erstes sofort eine gewisse Kluft zwischen Anspruch und eigenem Verhalten auf.

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Sämtliche Flyer, Petitionen sowie Schilder (die in Kanada von den VeranstalterInnen zur Verfügung gestellt werden) waren auf frischem weißen Papier gedruckt. Noch nie was von Recyclingpapier gehört? Eine Aktivistin, die wir darauf ansprachen, meinte etwas patzig, ihr lokaler Copyshop habe eben nun mal kein Recyclingpapier. Eine ziemlich schwache Antwort, finden wir, die, wie wir meinten,  ein weiterer Beleg dafür ist, dass in Kanada in Sachen Umweltschutz noch nicht so viel Bewusstsein da ist wie in Deutschland. Wer in Deutschland als UmweltschützerIn ernst genommen werden will, muss Recyclingpapier für Infomaterial verwenden.

Außergewöhnlich umweltfreundlich hingegen war die Band The New Kings, die vor den RednerInnen aufspielte. Die Band transportierte ihr gesamtes Equipment (Gitarre, Bass, Schlagzeug(!) und Soundanlage(!)) mit Fahrrädern.

An der Reihenfolge der RednerInnen dann ließ sich der Stellenwert der Grünen Partei in Kanada ablesen. Der Redner der Green Party of Ontario (ja, es gibt eine Green Party of Ontario, sowie eine Green Party of Canada) war erst nach dem Redner NDP (New Democratic Party, Sozialdemokraten vergleichbar mit der Linkspartei in Deutschland jedoch einflussreicher und deren franz. Akronym NPD ist) und der Rednerin Liberalen (diese sind politisch eher mit der SPD und nicht mit der FDP zu vergleichen) sowie einigen anderen RednerInnen von Organisationen und Initiativen dran.

Die RednerInnen kritisierten vor allem die kanadische Regierung, deren Delegation angeblich mit dem Ziel in Bali sei, die Verhandlungen zu sabotieren. “We go there with a directive to sabotage these talks, and that is coming straight out of the Prime Minister’s Office and that is being carried out by (Environment Minister) John Baird.” sagte Bruce Cox von Greenpeace Canada - Greenpeace wurde übrigens in Kanada gegründet. VertreterInnen der Opposition wurden von der kanadischen Regierung nicht zu der Klima-Konferenz in Bali mitgenommen.

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Jen Hassum ruft Premierminister Stephen Harper an

Die kreativste Rednerin war sicherlich die Vorsitzende der Canadian Federation of Students-Ontario Jen Hassum, die mit ihrem Handy das Büro von Premierminister Stephen Harper anrief und mit Hilfe der Stimmgewalt der versammelten Menge ihm die Botschaft “What do we want? Kyoto! When do we want it? Now!” auf der Mailbox hinterließ. Am meisten Begeisterung verursachte jedoch der 9-Jährige Micha, der für den WWF sprach.

Bei den Reden trat auch eine kanadische Demo-Eigenart zu Tage, die darin besteht, dass die Menge auf die Anprangerung von Missetaten/Missständen durch den bzw. die RednerIn mit einem lauten “Shame” antwortet.

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Julian schiebt das Petition Car

Nach dem scheinbar ewig andauernden Redemarathon – mein Zeitempfinden wurde durch die Kälteeinwirkung gestört – machte sich die Menge auf dem Weg zum Provinzparlament im Queen’s Park. Um uns aufzuwärmen, halfen Julian und ich, das “Petition Car” von Streets are for People zu schieben. Diese Organisation setzt sich für eine fußgängerInnen- und fahrradfahrerInnenfreundlichere Stadt ein. Ihre kurze Petition fordert:

We, the undersigned, do hereby demand that not one more dollar go to promote, support, or perpetuate car culture. We want bike lanes, public transit & a train system. We want our public space back. We want local food, clean air, sustainable industry, a livable future for our children & and end to oil wars. We want to dance in the street. We want a government that values life over money.

Nach der Abschlusskundgebung machten sich die verbliebenen DemonstrantInnen zu einer Eco-Fair im StudentInnenhaus der University of Toronto auf. Dort präsentierten sich verschiedene NGOs und zivilgesellschaftliche Initiativen, unter anderem die Toronto Vegetarian Association und die Toronto Animal Rights Society, die über den Zusammenhang von Konsum von Tierprodukten und Klimaerwärmung sowie die Vorteile vegetarischer und veganer Ernährung aufklärten. Außerdem gab es leckeres kostenloses veganes Essen.

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