Die letzte Woche gab es in Paris ziemlich viele Veranstaltungen und Aktionen insbesondere Proteste gegen die französische Einwanderungspolitik, die Streiks der Bahngewerkschaften aber auch der internationale Aktionstag gegen Armut. Zudem habe ich mich auch mit den Jeunes Verts (jungen Grünen) Frankreichs getroffen und mit ihnen bereits die ersten Aktionen gemacht. Hier also mal ein paar Impressionen aus der Vielzahl der politischen Veranstaltungen letzte Woche.
Letzte Woche Sonntag veranstaltete die Kampagne „Touche pas mon ADN“ eine große und dennoch kostenlose Abendveranstaltung im Konzertsaal Zenith (restlos gefüllter Saal mit über 6000 Leuten). Dabei traten viele (sog.) prominente Persönlichkeiten Frankreichs auf und äußerten ihren Unmut über die neue Einwanderungspolitik Frankreichs. Hauptkritikpunkt war v.a. eine Gesetzesänderung, wonach der Familiennachzug in fraglichen Fällen mittels eines DNA-Testes nachgewiesen werden muss. Dementsprechend heißt die Kampagne auch „Finger weg von meiner DNA“. Neben vielen politischen Rednern (leider nur Männer wie Francois Hollande und Francois Bayrou) und einigen SchauspielerInnen und KünstlerInnen gabs auch gute Musik von einigen Bands.
Die Jeunes Verts Science Po hatten dann am Mo. Abend zu einem ersten Treffen im Semester eingeladen – nachdem ich vorher schon bei einer Diskussionsveranstaltung der entwicklungspolitischen NGO CFSI war zum Thema „Milch und Entwicklung“. Leider kamen zu dem Treffen der Hochschulgruppe nur 2 Leute, so dass wir unser Treffen direkt in eine Bar verlegten.
Der Mittwoch war vom Internationalen Aktionstag gegen die Armut geprägt. An mehreren Stellen in der Stadt konnte man Aktionsstände sehen, doch die Hauptveranstaltung fand auf dem Trocadéro Platz statt. Dort gab es viele kleine Foren zu unterschiedlichen Diskussionsthemen – jedoch leider nicht gerade barrierefrei mit den vielen Stufen –, eine symbolische Brücke zum Motto “Sie können auf mich zählen� im Kampf gegen weltweite Armut und ein umfassendes Kulturprogramm mit Lesungen und Aktionsstände. Am Abend gab es dann auch die Möglichkeit sich am Global Stand Up zu beteiligen.
Am Donnerstag fielen dann vorsorglich meine Kurse an der Uni aus, da die Bahngewerkschaften wie schon länger angekündigt, ihre Arbeit niederlegten. Dabei protestierten die Mitglieder der Gewerkschaften gegen die Kürzung ihrer Privilegien der Frühverrentung und aber auch gegen die Forderung nach längeren Arbeitszeiten. Statt zu arbeiten gingen daher in Paris ca. 24.000 GewerkschaftlerInnen auf die Strasse und demonstrierten zum Place de la Nation (in anderen Städten Frankreichs gingen insg. auch über 100.000 Menschen auf die Straße). Auch die HedonistInnen demonstrierten mit und forderten bei hämmernden Techno-Bässen „die Rente für alle ab 35 Jahren“.
Für den Samstag riefen dann 3 größere NROs zum „Nationalen Tag der Solidarität mit AusländerInnen“ auf, um gegen die Pläne des Ministers Hortefeux zu der Reform der Einwanderungspraxis zu protestieren (wie schon im ersten Abschnitt beschrieben). In Paris gab es dabei eine Demonstration von Belleville zum Palais Royal, bei der sich auch die Jeunes Verts und Les Verts (die Grünen) beteiligten. Insgesamt nahmen bei der Demo nach Angabe der Zeitung Le Monde rund 4000 DemonstrantInnen teil. Es gab aber auch in vielen anderen Städten Frankreichs Proteste. Danach fand eine Art Bundesausschuss statt, aber bei leider nur 150 Mitgliedern in Frankreich war das nicht ganz so formell.
Zuletzt kann ich noch kurz von der gestrigen Aktion der Jeunes Verts berichten: am Mittag versammelten wir uns vor einem McDonalds um kostenlose Bio-Äpfel zu verteilen und die PassantInnen und FastFood-KonsumentInnen auf die Wichtigkeit von Slow Food und biologischer Ernährung aufmerksam zu machen. Dafür konnte ich – wie ihr vielleicht erkennen könnt – auch einen altbekannten BUNDJugend Aktivisten mobilisieren.
