So, jetzt sitz ich also nach zwei Wochen Heimaturlaub wieder in meinem kleinen, idyllischen Häuschen, gelegen in der momentan leider ziemlich verregneten und kalten Uckermark und trinke eine Tasse von meinem selbstgesammelten Kamillentee. Der ist aber nach diesem Wochenende, an dem die Hanfparade in Berlin stattfand, auch bitter nötig.

Auch wenn das Wetter – wie so oft in letzter Zeit – anfangs der Hanfparade noch einen Strich durch die Rechnung zu machen schien: Die Parade, die am Roten Rathaus um 12 Uhr noch aus einer Handvoll unausgeschlafenen, vom Regen geplagten, hanfinteressierten Mitmenschen bestand (Foto: Hans-Christian Ströbele bei seiner Rede auf dem Grüne-Jugend-Wagen), verwandelte sich glücklicherweise in den nächsten Stunden in eine gleichsam entspannte wie energiegeladene Menschenmasse, die sich auf den Weg zum Mauerpark aufmachte – natürlich unterlegt von Housebeats und Reggaevibez, die vor allem aus den Wägen des Hanfjournals und der Grünen Jugend schallten!

hanfsamen Ich war auf jeden Fall sehr glücklich, dass aus der Parade – die dieses Jahr dank anfänglichem Regen, übereifrigen Polizisten, unheimlichen Aliens (oder hatte sich da jemand als Hanfsamen verkleidet?) und einem leider sehr niedrigen Budget im dreistelligen Bereich unter einem ungünstigen Stern zu stehen schien – doch noch eine fröhliche Party mit ernstem Hintergrund wurde und schließlich zumindest für mich mit der anschließenden vom Deutschen Hanfverband und dem Hanfjournal organisierten After-Reggaeparty in einer spaßigen und (psycho-)aktiven Nacht endete..;) Vibez to legalize..!!

Die vorher genannte Menschenmasse bezieht sich übrigens nicht nur auf die anwesenden Demonstranten, deren Anzahl (ca. 2.000?) eine solche Bezeichnung dieses Jahr eher nicht verdient hätte. Aber zum Glück hatten unsere grünen Freunde und Helfer die Hanfparade nicht vergessen und sorgten dank ihrer unverhältnismäßig hohen Präsenz und der gelungenen Blaulicht-Dekoration für ein weit spektakuläreres Erscheinen der Parade, das die Bezeichnung Menschenmasse schon eher verdient hat. Danke, liebe Polizei!

Gar nicht so witzig war allerdings, dass die traditionelle Abschlusskundgebung, die im Mauerpark mit Live-Musik und kleinem Markt stattfinden sollte, von der Stadt Berlin verhindert wurde (näheres unter www.hanfparade.de). Und das, obwohl es in keinen der vergangenen Jahren je zu irgendwelchen nennenswerten Ausschreitungen oder Sachschäden kam. Friedlichere und angenehmere Demonstranten kann sich eine Stadt doch eigentlich gar nicht wünschen, oder?

Das bestätigten mir auf jeden Fall auch ein paar Anti-Konflikt Polizisten, die ich bei einem kleinen Plausch nach dem Grund ihrer Anwesenheit befragte. Darauf erklärten sie mir, dass sie hier zwar in der Tat in den letzten Jahren noch nie irgendwelche Konfliktsituationen hatten und eigentlich nur deshalb mitlaufen würden, weil die eigentlich friedliche Demo von radikalen Gruppen zum Randalieren missbraucht werden könnte und es hier scheinbar auch besser wäre, als zu Hause bei ihren Ehefrauen zu sitzen. Hmm, Polizisten scheinen sich zum Teil von sehr merkwürdigen Motiven leiten zu lassen…!?

Jedenfalls ist es unter solchen Umständen sehr unverständlich, dass eine Stadt so wenig Kooperationsbereitschaft zeigt und es trotz dieser bisher eindeutig positiven und friedlichen Bilanz immer noch ein paar hyperaktive, mit Minderwertigkeitskomplexen behaftete Möchtegern-Sheriffs gibt, die scheinbar wahllos jeden durchsuchen, der unachtsamerweise in ihre Nähe kommt. Man müsste als Polizist doch eigentlich erkennen, dass hier keine schwerbewaffneten, wahnsinnigen Terroristen, Vergewaltiger und Massenmörder unterwegs sind, vor denen die Gesellschaft beschützt werden müsste, sondern ganz normale Menschen, die sich hauptsächlich dadurch von anderen unterscheiden, dass sie nach Feierabend zum Beispiel lieber ein bischen Medizinalhanf konsumieren, anstatt an einem Bierglas zu nippen und Kippen zu rauchen. Wie war das noch mit der freien Entfaltung der Persönlichkeit?

Ich hoffe auf jeden Fall, dass die vorgezogenen Neuwahlen keine Erfolge für CDU/CSU bereithalten werden, damit vielleicht doch endlich einmal wieder (nach mehr als einem halben Jahrhundert der organisierten Volksverdummung) mit Vernunft und Verstand an das Thema Hanf herangegangen werden kann und eine Hanfblüte nicht mehr ein Ticket in einen grauen Knast, sondern in eine grüne Zukunft darstellt (wenn schon nicht mit den alten Grünen, dann doch hoffentlich auch weiterhin mit den jungen Grünen, auf die es hoffentlich bald mehr ankommen wird, als auf ihre/n in letzter Zeit etwas sehr passiven großen Brüder/Schwestern…)!

Wo wir gerade schon beim Thema Hanf sind und ich gerade den herrlich grauen, düsteren August-Himmel betrachte, fällt mir ein, dass sich manchmal nicht nur die Polizei, sondern leider auch die Naturgewalten gegen den Hanf verschworen zu haben scheinen. So geschehen auf der Party im Schwabenland, von der ich beim letzten Mal kurz berichtet habe. Quasi direkt nachdem alle Zelte, die Anlage, Theken und natürlich mein kleines Hanf-Info-Ständchen aufgebaut waren, braute sich über uns ein Unwetter zusammen, wie ich es glücklicherweise bisher noch nie erleben musste.

Irgendwo bei Köln fiel an diesem Abend scheinbar bis zu 50 Zentimeter Hagel und bei uns wurde innerhalb von wenigen Stunden die halbe Party entweder weggeweht oder weggeschwemmt. Darunter war leider auch mein eigenes 2-Mann Zelt, das dem Sturm nicht standhielt und zersplitterte, und der Hanfstand, der leider nach diesem Inferno nur noch aus einem zerfetzten Schirm und einem zerbrochenen Tisch bestand..

Da Aufgeben natürlich nicht in Frage kam, musste ich mit dem Schrott, der vom Schirm und Tisch übrig blieb, am nächsten (zum Glück sonnigeren) Tag eben ein bischen improvisieren. Das fragwürdige Ergebnis wurde vielleicht gerade durch seine vom Sturm erzwungene Einmaligkeit interessant und so für viele anwesenden Hobbyfotographen zum Objekt der Begierde. Außerdem erweckte die interessante Optik auch bei Leuten Interesse, die ansonsten vielleicht gar nicht wegen den Infos über Hanf zum Stand gekommen wären. Glück im Unglück :-) Und die Moral von der Geschicht: Aufgeben gibt’s nicht!

Und somit verabschiede ich mich für heute wieder mit diesem optimistischen Schlusswort und hoffe, dass viele freiheitsliebende Menschen den gleichen Gedanken haben und nicht nur den Hanf, sondern vor allem die Demokratie und die Meinungsfreiheit stärker denn je unterstützen und sich weder von einem verregneten Sommer noch von einem zur Zeit sehr machtgierigen und kontrollsüchtigen Staatsapparat den Tag versauen lassen!!

In diesem Sinne also bis nächste Woche oder so, denn dann gibt’s wieder aktuelle Infos zum Stand der Dinge auf der Hanffarm. Bin schon mal gespannt, wie viel der Hanf in den letzten zwei Wochen gewachsen ist! Vor zwei Wochen (auf dem Foto mit Regenbogen) sah er noch so aus. Außerdem rückt langsam die Ernte und die Fertigstellung der kombinierten Faser/Samen-Erntemaschine in immer greifbarere Nähe!

Mit extra hanfigem Gruß
Dr. Green

2 Kommentare zu „Hanfstand vom Sturm zerfetzt“

  • krawallow:

    ich war dabei und es war eine mega geile demo. ich hoffe wir haben mit dieder demo die leute wachgerüttelt das hanf eigentlich eine gute nutzpflanze ist und nicht nur schaden bietet.

  • ich finde auch, dass die nutzpflanze immer noch etwas stiefmütterlich behandelt wird.

    PH