Mai
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Ein Bericht über die Gegenaktion zum JN-Stand am Samstagvormittag.

Von Christoph Müller

„Die NPD hat einen Infostand für morgen früh angemeldet“ kündigte Sebastian Brux bei seiner politischen Begrüßung der Kongress-Mitglieder am Freitagabend an. Sofort bewies die GRÜNE JUGEND wie wichtig ihr der antifaschistische Widerstand ist: Über ein Drittel der anwesenden Mitglieder erklärte sich bereit an einer Protestaktion teilzunehmen, auch wenn das für sie bedeutete, dass sie die Workshops und das Mittagessen am Samstag verpassen sollten. Viele waren vielleicht auch gespannt darauf, ob das Klischee von Nazis im Osten haltbar sei.

So starten am Samstag morgen über 80 Junggrüne eine Spontandemo und zogen singend in einer Art „grünem Block“ in Richtung Innenstadt. Nach einer halben Stunde, kurz bevor wir den Marktplatz erreichten, stellten sich uns die ersten PolizistInnen in den Weg. Dennoch schafften wir es auf den Marktplatz, wo uns ein massives Polizeiaufkommen endgültig stoppte. Wir nutzten die Pause, meldeten die Versammlung an, und erklärten den vorbeigehenden PassantInnen, was wir mit unserer pazifistischen Aktion aussagen wollten. Die StaatsbeamtInnen konnten oder wollten uns auch nach längerer Diskussion keine Demoroute oder alternativen Versammlungsort in der Nähe der Nazis genehmigen. Deshalb zogen die Bezugsgruppen von je fünf DemonstrantInnen nach und nach von der Versammlung am Marktplatz ab und machten sich auf den Weg Richtung Leipziger Turm, an dem die Jungen NationalistInnen bereits ihre menschenverachtende Propaganda verteilten.

Die Polizei duldete, dass wir uns zusammen mit einigen Mitgliedern der IGM-Jugend und einigen wenigen Antifas gegenüber dem braunen Pack positionierten und diesen lauthals unsere Meinung entgegen schrien. Gemeinsam mit den Engagierten aus Halle forderten wir alle Vorbeigehenden, die sich einen NPD-, JN-Flyer oder die Fascho-Schulhof-CD andrehen lassen hatten auf, diese sofort in unsere Mülltüten zu werfen. Fast alle taten dies auch. Was von uns frenetisch bejubelt wurde und den Nazis deutlich die Stimmung versaute. Auch auf andere kreative Ideen reagierte die hallender Bevölkerung sehr zu unserer Freude: So bewirkte ein „Hupen gegen Nazis“ Schild kurzzeitig, dass viele vorbeifahrende UmweltsünderInnen ordentlich auf die Hupen traten. Soviel zum Klischee. Wenn erst mal einige Menschen sich den aktiven pazifistischen, antifaschistischen Widerstand annehmen, solidarisiert sich die Bevölkerung deutlich mit Ihnen. Es lohnt sich also zu kämpfen. Natürlich gab es vereinzelnd auch andere Reaktion, eine ältere Dame beschimpfte uns ein vorbeigehender Mann machte den Hitlergruß. Die Polizei wollte dies ignorieren, doch wir drängten solange, bis man schließlich eine Anzeige von uns aufnahm. Die Faschos hatten mit so viel Widerstand wohl nicht gerechnet und gaben nach vier Stunden entnervt auf. Begleitet von „Haut ab!“ und „Nazis? Raus!“ Gesängen traten die RassistInnen ihren Heimweg an.

Christoph Müller, 20, schreibt für den Igel, und ist in der GJ Göttingen aktiv.

Kommentare:

nevada kid am Sonntag, 20. Mai 2007 um 2:48 #

Was wäre denn dieses Klischee der Nazis im Osten? (schön das ihr immer noch in Ost-West-Mustern denkt). Und in einem Text, bei dem es um Nazis, Antifaschismus und die positiven Reaktionen von Vorbeifahrenden geht, diese hupenden Autofahrer unter dem Label “Umweltsünder” zu subsumieren und zu diffamieren, ist ja mehr als plumb und dreist.
Und die Nazis haben auch nicht aufgegeben, sondern ihre Veranstaltung war nur bis 14 Uhr angemeldet!
UND trefft die selben Personen, die bei euch vor dem Volkspark standen mal allein oder nachts, dann helfen euch eure Klischees und euer Pazifismus auch nicht weiter! Sich hinter Transpi und Polizei “verstecken” ist das eine. Wir haben hier nunmal das Problem und da helfen halt lustige, bunte Aktionen nicht, wenn es heißt: Halle – Innenstadt – Wir zu dritt gegen 15 Nazis und Hools. Na klar im Volkspark und mit Polizei lässt sich’s leicht zu Abend essen und über die Nazis feixen.
(Dies ist kein Nazikommentar!)

Studi23 am Sonntag, 20. Mai 2007 um 3:37 #

@nevada kid

bin voll deiner meinung und mal gespannt ob sich hier jemand dazu äussert…..

Johannes am Sonntag, 20. Mai 2007 um 11:30 #

Wir waren doch eher 80 Leute.
Und die Veranstaltung war bis 16:00 Uhr für sie freigegeben.
Und dieses Ost-West-Muster-Denken regt mich auch auf.

daniel am Sonntag, 20. Mai 2007 um 12:25 #

ich gebe dir bedingt-begrenzt recht, nevada kid.

Natürlich haben wir uns ein bischen auf unserer Präsenz von 260 junggrünen Menschen im Volkspark ausgeruht.
Es wäre auch arg naiv gewesen, von diesen ~6 gestern abend tätliche Angriffe zu befürchten.
ABER: Es ist nun mal so das wir, die GRÜNE JUGEND, zum größten Teil überzeugte Antifaschisten sind die auch “gerne” demonstrieren gehen.

Wie du lesen kannst haben wir in unserer inneren Überzeugung “keine andere Möglichkeit” gehabt als diese Chance zu nutzen.

Wir haben gewaltfrei die Veranstaltung der Nazi’s MASSIV gestört, 98% der Flyer sind in den Müll gewandert.

Das ihr hier keine größere Antifa habt ist schade.
In meiner Heimatstadt Hamburg sieht das anders aus.
Die “Front deutscher Äpfel” könnte euch hier vielleicht helfen.

Und, ja, ich denke das keiner von uns viel Interesse daran gehabt hätte diesen Menschen (den Hallenser Nazis) nachts zu begegnen.

Aber die kommen hier (am Volkspark) auch schon mit Sandhandschuhen und vermummt an, um zu provozieren.
Wie ich oben schrieb, ist durch uns, für uns ein gewisser Selbstschutz gegeben.

Ich wünsche der regionalen Antifa viel Erfolg

Daniel

Studi23 am Sonntag, 20. Mai 2007 um 13:03 #

höre ich da richtig???

die Nazis waren 6-10 Mann und ihr 260? und ihr ruft die Polizei anstatt das selbst in die Hand zu nehmen. Man Man Man was läuft hier den nur verkehrt…..

daniel am Sonntag, 20. Mai 2007 um 14:52 #

nein du hast etwas falsch gehört!

Auf dem 28. Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND 2007 in Halle an der Saale befinden sich ~260 junggrüne Menschen.
Zum Zeitpunkt unserer Demonstration hatte ein großer Teil diese Workshops und Seminare im Volkspark.

Dies ist der Grund warum wir “nur” mit 80 Leuten zur Demonstration gingen, was für unserer Ziele jedoch primär eine ausreichende und aktzeptable Lösung war.
Ich denke das es uU auch die Hallenser Polizei hätte überfordern können.

Die Veranstaltung der NPD/JN wurde von uns relativ erfolgreich gestört.
Dies wurde mit ~80 Leuten gewaltfrei realisiert.

Der “Gegenbesuch” einer Auswahl von lokalen NPD’lern und NJ’lern schien primär kaum ein Ziel gehabt zu haben.

Mit einem zur Situation unpassenden Banner wurde an dem falschen Zaun, unserem Zaun gegen Globalisierung bzw. G8 demonstriert..
Wir (hier: ~260) haben zu diesem Zeitpunkt gegessen.
Dies verlagerte sich durch die Gegebenheiten an den Zaun.
Im Gegensatz zu einigen Nazis verfolgten wir zu keiner Zeit Interesse an einer gewalttätigen Auseinandersetzung.

Die Polizei kam nur um eine mögliche Eskalation bzw. ein Überprovozieren zu verhindern.

junggrüne grüße

daniel

[...] Als die Polizei kam, sind die ganz schnell gerannt und unseren Kongress konnten sie nicht stören – wir dafür ihren Infostand! Mann konnte bei ihnen auch schon erkennen, wie Nazis zum G8-Gipfel auftreten werden. Auf [...]

[...] “Man erkennt sie an den grünen Bändchen, aber sie sind friedlich.” Polizist über die grünjugendlichen Antifaschistinnen in Halle. [...]

nevada kid am Mittwoch, 23. Mai 2007 um 13:51 #

@johannes: nein die veranstaltung war nur bis 14 uhr angemeldet. also nix damit, das die nasen aufgegeben haben, auch wenn der nachmittag für die eher unter “desaster” zu verbuchen ist.

realo kid am Sonntag, 8. Juli 2007 um 14:01 #

Ist mal wieder typisch… 80 von 260 engagierten Junggrünen gehen lieber gegen Nazis vor als inhaltlich über Klimawandel zu debattieren… merkt ihr eigentlich noch wie dämlich das ist?

Morw am Sonntag, 4. Mai 2008 um 15:56 #

nicht wahr realo kid, es ist schon scheiße gegen die nazis vorzugehen…
das sollte nicht tun, nein nein nein

tz -.-
also ich kann schon verstehen, dass man auch mal was tun will, was einen sichtbaren effekt hat, was man von einer debatte über den klimawandel nicht sagen kann (nicht, dass man über den klimawandel schweigen sollte)

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