Das Jahr 2007 wird heiß. Nein, gemeint ist diesmal nicht der Klimawandel, sondern Deutschland kommt vielmehr die Aufgabe zu, dem Klüngelclub der reichen Staaten, der G8 vorzustehen. Und weil das nicht genug ist, darf Frau Merkel auch noch EU-Ratspräsidentin im ersten Halbjahr spielen.

Da das Fachforum Europa und Internationales und der Arbeitskreis Europa, Frieden und Internationales der GRÜNEN JUGEND NRW Angela nicht den ganzen Spaß überlassen und selbst mitspielen wollten, fand vom 8.12. bis zum 10.12 in Bonn ein Basisseminar mit 20 Teilnehmern zu den beiden Themen in Bonn statt.

Zunächst galt es mit den üblichen Problemen umzugehen. So hatte sich die Bahn diesmal die Ausrede der „durch Sturmböen verursachten Stromausfälle“ bereitgelegt. Bis alle da waren hatten wir noch Gelegenheit, den Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Bonn kennen zu lernen, der nebenan seine Weihnachtsfeier mit alkoholfreiem Glühwein verbrachte („wir müssen ja noch Fahrrad fahren“). Eine Stunde später als geplant konnte es dann allerdings doch mit fast allen TeilnehmerInnen losgehen, wobei zunächst das Lichten des Begriffdschungels der internationalen Politik auf der Tagesordnung stand. So warfen wir wichtige Begriffe, immer von „Herrn Kömm“ geleitet an die Tafel:


Begriffsdschungel

UN, UNICEF, UNAIDS, G20, WTO, Europarat, TRIPS, MEA, GUS, Phantom, OECD, ASEAN, Pariser Club, IWF, Weltbank, GBS, OPEC, Arabische Liga, NAFTA, EU, AU und Commonwealth sind nur einige aus der langen Liste. Bald stellten wir fest, dass all diese Internationalen Organisationen, Verträge, und Abkommen wohl zusammen ähnlich chaotisch funktionieren müssen wie die Grüne Jugend.

Was ein Glück, dass Florian Butollo der globalisierungskritischen Organisation Weed uns noch am selben Abend eine tiefer gehende Einführung über die Entstehung der G8 und die dazu führenden Umstände gab, um uns somit nicht vollkommen verwirrt mit unseren Begriffen zurückzulassen. Nach so viel Arbeit ließen wir den Tag noch in einer Kneipe ausklingen, bevor wir uns alle zu unseren drei Übernachtungsmöglichkeiten begaben. Alle konnten direkt schlafen? Nein, eine Gruppe durfte noch einen Nachzügler, der kein Handy hatte, vom Bahnhof abholen, wobei wir uns auch noch um eine Stunde mit dem Termin vertan hatten. Doch welch ein Glück, bei unsere Verspätung konnte die Bahn locker miteifern, und so schaffte sie es mal wieder auch dieses Problem zu beheben. Wir waren also quasi pünktlich.

Am nächsten Tag teilten wir uns dann also in zwei Gruppen, die sich jeweils schwerpunktmäßig mit einem der beiden Themen zu beschäftigten. Die G8 Projektgruppe entwickelte ob des großen Inputs ein Art Größenwahn und entwickelte ein völlig neues Gesellschaftssystem, das es am Abend vor den anderen zu verteidigen hieß.


Schockierter Michi

Natürlich wollten wir an diesem Tag auch nicht hungern, und so unterbrachen wir unsere Arbeit mit einem Ausflug zu einem Supermarkt, der Michis Konto plünderte. Wir hatten dafür im Gegenzug den Supermarkt geplündert.

Am Abend verbanden wir zwei Dinge miteinander: so gingen wir auf eine Amnesty International Party und konnten guten Gewissens laut dem Motto für die Menschenrechte tanzen.

Dies hatte natürlich Auswirkungen auf unsere Aufnahmefähigkeit am nächsten morgen. Mit zahllosen Kaffees schafften wir es jedoch auch noch mit Michael Schmitt (Mitarbeiter von Frithjof Schmidt im Europaparlament) ins Gespräch zu kommen und über Europas Rolle und Sicht in der Welt zu diskutieren.

Wenn man also am Ende des Seminars eines sagen kann, so darf sich Angela Merkel während „ihrer“ Ratspräsidentschaft und dem G8 Vorsitz auf die GRÜNE JUGEND als engagierten Mitspieler freuen.

5 Kommentare zu „G8 und Ratspräsidentschaft? Wir spielen mit!“

  • Michael:

    Lieber Daniel,

    vielen Dank, dass du meine Arbeit nicht allzu verpeilt beschrieben hast (obwohl ich das zeitweise an diesem Wochenende mit Sicherheit verdient gehabt hätte).

    Den Artikel finde ich recht gut beschrieben, vielleicht gibts ja noch aktive Leute von der EU-RatspräsidentInnenschaftsgruppe? Was ich noch kurz anmerken wollte: wir haben zwar ein mögliches Global Governance System beschrieben, zu einem alternativen Gesellschaftssystem bräuchte es aber noch ein wenig mehr (wir haben uns ja nur über die politische Struktur unterhalten).

    Besonders beeindruckt (und das möchte ich hier hinzufügen) hat mich Meves! Wie der am Samstag nacht nach Hause gekommen ist – ohne Handy, ohne Straßenname, ohne Hausnr. und ohne den richtigen Namen an der Haustür (“irgendwas mit Solaranlage…” (?)) und das in seinem Zustand – grenzt fast schon übernatürliche Kräfte. War auf jeden Fall schön am Sonntag morgen neben dir aufzuwachen!

    Schade, dass wir nicht öfter so ein tolles Wochenende machen können, hat mir sehr viel Spaß gemacht! Vielen Dank an alle!

  • Laura:

    Dann meldet sich hier auch mal die Europa-Gruppe zu Wort. Wir verbrachten den Samstagvormittag mit einem -anfangs eher unstrukturierten- Vortrag von Seiten der Bonner Vertretung der EU-Kommission, bald wurde jedoch ein nettes Infogespräch draus.
    Schwerpunkt war natürlich die EU-Ratspräsidentschaft, also sahen wir uns gleich darauf von Silke mit der Aufgabe konfrontiert uns in einem Blätterwust zurechtzufinden: Von den Positionen der BDK, der grünen Bundestagsfraktion und der Grünen Jugend bis zum Programm der Bundesregierung und den Vorschlägen der Heinrich-Böll-Stiftung. Nach einem intensiven Einlesen und Diskutieren wurde dann kurzfristig beschlossen, doch mal die praktischen EU-Kenntnisse zu verbessern: Stadt, Land, Fluss auf EU-Ebene. Irgendwann wurde uns aber die Zeit zu lange, und da die pseudo-offenen Klüngel-Internationalos/as uns ausschließen wollten (wohl zuviel mit G8 beschäftigt!!!) starteten wir eine spontane Aktion und sprengten die Versammlung. oder so ähnlich.

  • Es war einmal das Land der Ideen.
    Es ist jetzt das Land des Domainrechts.

    http://www.praesidentin.de

  • Manuel:

    Ich bin zwar noch nicht sehr lange Mitglied der Grünen Jugend und habe dementsprechend öfters Schwierigkeiten gehabt, der Informationsflut zu folgen, bzw. diese auch zu verstehen, aber dennoch möchte ich mich für das Wochenende bedanken.

    Es hat großen Spaß gemacht und war die Anreise und alle Unannehmlichkeiten der nächtlichen Couch mehr als Wert.

    Danke!

  • Roteo:

    Liebe Mitstreiter,
    eventuell hilft uns auch mal ein Blick bei den anderen: einen ganz prima Überblick was die Sozen so zu Europa denken scheint mir diese Seite zu sein http://www.fes.de/aktuell/focus nur schade, dass die erst tröpfchenweise erscheint oder schlau… hm letzteres traut man denen ja doch eher nicht so zu, oder? Na ja alle lernen eben dazu…. :-)
    Roteo