… musste der Bundesvorstand auf der gerade stattfindenden BDK erfahren. Nachdem die vom Vorstand geplante Überraschung des neuen Parteilogos durch findige SPIEGEL-JournalistInnen (normalerweise nicht für investigativen Journalismus bekannt) leider ins Wasser fiel, wurde nun der Bundesvorstand von der Basis überrascht. Das neue Logo stieß nicht auf die Gegenliebe der Basis: Aus der einfachen (geplanten) Präsentation wurde eine (ungeplante) Abstimmung. Viele Delegierte waren nicht begeistert über das Vorgehen des Bundesvorstandes, ein neues Logo im stillen Kämmerlein zu entwickeln und es der Presse vor der Basis vorzustellen.
“Aufgeräumt, dynamisch, individuell, natürlich, organisch, ausführlich” soll das Logo sein, so ist im 41-seitigenLeitfaden zum “neuen” Logo zu lesen. Die Sonnenblume zeige sich zudem “durch die radikale Vereinfachung expressionistisch”. So ungefähr geht es die 40 Seiten lang. Vielleicht auch deshalb steht zu Anfang des Leitfadens “du musst in diesem Leitfaden nicht alles verstehen”. Gekostet hat der neue Expressionismus auch “nur 5000€”, so Reinhard Bütikofer. 5000€, damit hätte mensch auch die Verpflegung auf der BDK subventionieren können – die mit Preisen von mehr als 10€ pro Hauptgericht und 3€ für Bionade nicht gerade günstig ausfiel. Schließlich gibt es auch Nicht-SpitzenverdienerInnen und Nicht-AkademikerInnen in unserer (Wohlstands-)partei.
In der folgenden Abstimmung per Handzeichen war kein eindeutiges Ergebnis zu erkennen, woraufhin eine schriftliche Abstimmung vorbereitet wurde. Um der wahrscheinlichen Niederlage zu entgehen, zog die Grüne Parteispitze das Logo zurück. Eine fragwürdige “demokratische” Praxis…
Entsprechende Pressemitteilungen zur Vorstellung des neuen Logos verschwanden von der Grünen-Seite. Findige InternetbenutzerInnen werden sie aber noch über die Cache-Funktion von Google finden (nicht auf den großen Link, sondern auf “Im Cache” klicken).
In ihren Kampfkandidaturen erhielten Claudia Roth 472 (66,5%) Stimmen und Reinhard Bütikofer 517 (77,81%) Stimmen. Ihre GegenkandidatInnen “Enthaltung” und “Nein” erhielten jeweils 71 und 167 Stimmen (Claudia), sowie 61 und 142 Stimmen (Reinhard).
Ungültige Stimmen gab es dank der neuen Wählmaschinen (hier Stimmgeräte genannt), die bereits mit “neuem” Logo verziert waren nicht.
Dafür sah mensch zahlreiche Delegierte, die es beherzt wegkratzten. Ob der Antrag gegen Wahlen mit Wahlmaschinen wohl mit diesen abgestimmt wird?
Wir dürfen gespannt sein – auch ob Wahlkämpfe in Zukunft mit ökologischen Materialien bestritten werden. Entschieden wird auch, ob die Altrgünen dem guten Beispiel der Grünen Jugend folgen, und eine Friedenspolitische Kommission einrichten.
Die Grüne Jugend war auch auf der BDK vorbildlich. Der trockene BDK-Alltag (auch wegen der hohen Getränkepreise) wurde von ihr aufgefrischt. Während der Rede von Renate Künast wurde es turbulent: aus allen Ecken flogen Papierflieger um damit die Delegierten auf die Wichtigkeit des Klimaschutzes, besonders auch beim Flugverkehr, aufmerksam zu machen. Die dadurch unterbrochene Renate fühlte sich selbst angeregt mitzumachen und funktionierte den Zettel, der nur noch eine verbleibende Minute Redezeit anzeigt, zu einem leider nicht flugtauglichen Papierflieger um. Nicht nur politisch sondern auch was das Papierfliegerbasteln angeht können die Altgrünen noch viel von uns lernen.
Impressionen von der BDK. Aufgezeichnet von Daniel Schade und Arndt Leininger.





Lieber Reinhard,
über kritische LeserInnenbriefe freuen wir uns. Wir erhaben erfreut zur Kenntnis genommen, dass du dich auf der Vorstandsloge intensiv mit unserem Artikel befasst hast.
Stachelige Grüße
Arndt
Liebe Leute,
nachdem Daniel mich gestern sogar persönlichst auf eure Artikel hingewiesen hat, konnte ich natürlich nicht umhin, sie zu lesen und erst recht nicht, ein wenig zu bekritteln.
1. Was genau ist nun euer Problem mit den lustigen Abstimmungsgeräten, die in NRW bei LDKen schon vor drei Jahren eingesetzt wurden? Mangelnde Transparenz? Die alte “grüne Technikfeindlichkeit” kann ja der Grund nicht sein, wenn man bedenkt, auf welche Art und Weise ihr hier eure Impressionen publiziert.
2. Als geplagte Studentin finde ich Papierflieger bei Massenveranstaltungen auch immer sehr “vorbildlich”, zumal als politische Aussage, von der ich behaupten würde, dass sie in unserer Partei ohnehin jeder teilt.
Ansonsten: Weiter so und noch viel Spaß in high politics…
Grüne Grüße
Katharina
[...] Mitten in der Rede von Renate ging ein Raunen durch den Saal. Überall hoben Papierflieger ab und füllten den Himmel über den Delegierten. Mit dieser Aktion hat die Grüne Jugend gegen den Klimaschaden durch den Flugverkehr protestiert. [...]
[...] Gegen die Basis rebellieren rächt sich… Abgelegt unter: Grüne Wiese, Auf Achse — Arndt at 7:14 pm on Samstag, Dezember 2, 2006 [...]
Hallo,
ich möchte auch unterstreichen, dass der Auftritt der GRÜNEN JUGEND auf dieser (meiner ersten) BDK vorbildlich war! und das in mehrfacher Hinsicht:
Ich finde es schon toll, wie wir im Vorfeld der BDK mit diversen Anträgen die Debatten geprägt haben und den Grünen Buvo soweit “bewegt haben”, dass er von selbst die Friedenspolitische Kommission vorschlagen musste (auch wenn ich noch immer sehr bedenklich finde, mit welcher Antragsmauschelei er sich das nun auf die Fahnen schreibt!).
Auch auf der BDK selbst waren wir bei allen Themen präsent, sei es öffentlich bei Aktionen oder den vielen Redebeiträgen, aber auch verdeckt bei den Änderungsanträgen, die wir in den oft nächtlichen AntragstellerInnen-Treffen durchgeboxt haben.
Nicht zuletzt natürlich auch die bereits erwähnten Personal-Erfolge: herzlichen Glückwunsch Julia und Malte!
Vielen Dank an alle für die tolle Zusammenarbeit! Wenn wir so weitermachen, habe ich echt noch Hoffnung, dass die Grünen bald wieder eine ehrliche Politik machen können!
beste Grüße,
Michi
Euch z. K. das verwurstete Logo der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Erkennt jemand zu irgendeinem anderen Logo parallelen? ;-) http://www.fontblog.de/wp-content/eu_logo_reworked.jpg