Der Tag beginnt mit für schottische Verhältnisse besonders nettem Wetter – Sonnenschein und blauer Himmel. Nicht so angenehm dagegen ist die Prozedur, die wir über uns ergehen lassen muss, um das Lager zu verlassen. Wer etwa wie wir einkaufen gehen will, der muss sich erst einmal in eine lange Schlange von Menschen einreihen, die ebenfalls raus wollen. Freundlich haben wir nach dem Sinn dieser Blockadehaltung durch die Polizei gefragt. Die Antwort: “Well, that’s because we’re the police! Who cares about the reason?!“ Na gut, denkten wir uns, zum Glück gibt es im Camp nicht so viele hirnlose Menschen wie davor, bedanken uns höflich beim Polizisten und stellen uns in die Reihe. Sobald man dran ist, werden erst einmal Personalien aufgenommen, bei „besonders auffälligen“ Personen lauert der Polizeifotograph im Hintergrund immer auf seinen Einsatz.
Keine nette Atmosphäre, in Anbetracht der vielen friedlich eingestellten Menschen auf dem Camp ist diese Polizeireaktion völlig unangemessen, behindert den friedlichen Protest und fördert eher jene ganz Wenigen, die nach Gewalt gegen die Polizei schreien. Es gibt aber auch Positives zu berichten. In Glasgow fand auf der George-V.-Brücke eine Demo zum Thema Klimaschutz statt, bei der wir uns natürlich auch beteiligten. Viele Teilnehmer machen die Brücke kurzerhand zur Tanzfläche und rocken zu Trommelrhythmen gegen unfähige Regierungschefs, denen der Klimawandel wohl völlig am Arsch vorbeigeht. Nach der Demo kommen wir zurück ins Camp und sind ein bisschen überrascht, dass die Polizei beim Eingang nur noch stichprobentechnisch kontrolliert – der Gipfel ist nun eben zu Ende.
Fazit ist leider: Es wäre mehr Protest beim Gipfel möglich gewesen, aber auch die Protestbewegung steht unter dem Schatten der verheerenden Bombenanschläge von London. Auch die Wenigen, die den Gipfel mit Gewalt stören wollten, und die Blockadestrategie der Polizei machte es den vielen einheimischen und zu gereisten Demonstranten nicht leichter in ihrem Bestreben, den Gipfel friedlich mit kreativen Aktionen zu begleiten. Wir hoffen, die deutsche Polizei wird 2007 in Rostock beim nächsten G-8-Gipfel nicht in dem Maße Grundrechte einschränken, wie wir es hier erlebt haben. Bei der Wahl Schily oder Beckstein scheint es ohnehin klar zu sein, in welche Richtung dies auch in unserem Land dann gehen wird. Expect the worst! Morgen geht es für uns jedenfalls in aller Frühe nach Hause, der Grünen-Parteitag wartet ja auch schon auf uns. Eines muss hier außerdem noch klar gestellt werden: Die Schotten waren sehr nette Gastgeber, halfen wo sie konnten und begrüßten die Proteste mehrheitlich positiv – wir trafen hier viele nette Menschen. Auch einzelne Polizisten waren häufig sehr freundlich und hilfsbereit, nur ihre Gesamtstrategie war völlig unangebracht, demokratiefeindlich und schlichtweg überflüssig.
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