Vom 19.- 26.2.2012 fand in Le Bémont in der französischsprachigen Schweiz das Wintercamp unserer europäischen Mutterorganisation FYEG (Federation of young european greens) statt. Es stand unter dem Titel “Living Together on the Net: Diversity and Intercultural Dialogue in On-Line Youth”, richtete sich also ganz klar an netzpolitische Themen. Aufgrund der aktuellen Lage spielte das ACTA Abkommen eine zentrale Rolle, weshalb ich alles zu ACTA in diesen Artikel auslagere.

Das Camp begann nach der Anreise am Sonntag am Montag mit einer Session “Internet for dummies”, in welcher wir im Rollenspiel auf sehr simple und anschauliche Weise Grundlagen des Internet erklärt bekamen, darunter zB Routing und E-Mail. Obwohl dies für mich fachlich nichts neues war, genoss ich diese Session sehr, da mir das Erklärungsmodell sehr gut gefiel.

Danach wurden wir in Gruppen eingeteilt, bekamen je Gruppe einen Internetfachbegriff (zB “CMS”, “Proxy-Server”, “HTML” etc) und sollten diesen auf Flipchartpapier bildlich erklären.

Danach stellten Terry und Jakob FYEG vor, erklärten die Struktur und Aufgabe des europäischen Dachverbandes der GRÜNEN JUGEND.

Der Abend klang aus mit den “Committee Meetings” (Verschiedene Gruppen, die sich um das Blog, die Vorbereitung einer Aktion für Samstag, die Abendgestaltung, ein Abschlusstatement, einen Bericht etc. kümmerten), den “HEGs” (Home Evalutation Group) in denen wir in kleiner Runde über die positiven und negativen Erfahrungen des Tages und über Änderungswünsche sprachen. Diese Treffen zogen sich kontinuierlich durch die ganze Woche.

Am Abend gab es den ersten „Interkulturellen Abend“, an dem jeweil die Teilnehmenden aus drei Staaten in Gruppen eingeteilt wurden und sich mit Spielen, Präsentationen und Ständen mit lokalen Naschereien vorstellten.

Der Dienstag morgen brachte zwei Sessions mit Christina Mauro mit sich, die um Datenschutz, Grundrechte im digitalen Raum und die Freiheit im Netz drehten. Die Vorträge deckten ein sehr breites Themenspektrum ab.

Am Nachmittag veranstaltete die Workinggroup Democracy einen Workshop zum Thema „E-Democracy“, an dem ich mich mit einem Exkurs zum Thema Liquid Democracy beteiligte. Nach einer halbstündigen Powerpoint Präsentation diskutierten wir im Worldcafe Stil an drei Tischen, die Debatten zur Liquid Democracy waren kontrovers. Vor allem das Konzept der Delegation war umstritten.

Den Abschluss machte ein Workshop von Julian Hauser von der Workinggroup Digital Rights, der aufteilt war in einen Teil, in dem wir in Gruppen ein Internetmem erstellen sollten, im zweiten Teil diskutierten wir zu verschiedenen Fragestellungen rund um die Urheberrechts-Debatte, unter Anderem ob wir die Idee einer Kulturflatrate unterstützen.

Am Abend gab es die „Green Geek Night“, in der es die Aufgabe war sich möglichst orginell zu verkleiden und Spaß zu haben, was sehr gut gelang :)

Der Mittwoch begann mit einer Session zum aktuell sehr präsenten Thema ACTA, darauf gehe ich im oben verlinkten Artikel ausführlich ein.

Am Mittag gab es einen Workshop zum Thema Onlinekommunikation von politischen Parteien und NGOs, der Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Unter anderem berichtete der Co-Präsident der Jungen Grünen Schweiz, Martin Neukomm wie er den Webaufauftritt der Jugendpartei in Eigenregie neu entwickelt hat, welche Tools und Werkzeuge er dafür nutzte.

Den Abschluss des „Arbeitstages“ lieferte ein Workshop zur Medienkommunikation, in dem darüber gesprochen wurde, wie man geschickt in Interviewsituationen umgeht, garniert mit übungen das Gespräch in die gewünschte Richtung zu lenken.

Der Abend brachte die zweite Interkulturelle Nacht, in der die zweite Hälfte der Teilnehmenden Ihre Organisationen vorstellten.

Am Donnerstag morgen musste leider der geplante Workshop zum Thema „green Internet“ entfallen, da der Vortragende nicht anreisen konnte. So wurde der für später geplante Workshop zu freier Software vom FYEG Webmaster Hector Sanjuan vorgezogen, in dem er anschaulich darstellte, was die Ideen, die Geschichte von freier Software sind, welche Beispiele es dafür gibt und warum das auch die Nutzer*innen angeht.

Danach gab es zwei kleine Workshops zum Thema „Creative Commons“ Lizenzen und „Cloud Computing“ sowie einen kurzen Film zur „geplanten Obszoleszenz“.

Der Nachmittag war zur freien Gestaltung zur Verfügung. Angeboten wurden ein Besuch in La-Chaux-de-Fonds, einer Stadt die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, das Nutzen von Schneeschuhen um die Gegend zu erkunden oder ein Schwimmbad zu besuchen. Alternativ konnte die Zeit beliebig genutzt werden.

Abends gab es die „Swiss Night“ mit einer Vorstellung der Schweiz und Ihrer politischen Besonderheiten so wie der Jungen Grünen von Martin Neukomm.

Freitag war der letzte inhaltliche Tag des Camps. Zum Beginn gab es einen Workshop zum Onlinefeminismus von Sabine Hackbarth und der Workinggroup Gender. Dieser bestand aus einer Präsentation, die sich vor allem mit der Frage beschäftigten warum weniger Frauen bloggen und die politischen Blogs von Frauen deutlich weniger Aufmerksamkeit genießen als die von männlichen Autoren.

In der Workshop Phase wurde nach Gründen für diese Situation gesucht, und nach einem Projekt um Frauen ermuntern, sich in Blogs in Ihre Debatten einzumischen.

Als nächstes gab es von Øyvind Strømmen, einem norwegischen Grünen, Journalisten und Autoren einen Input zur „neuen Rechten“, die sich in verschiedenen Ländern in Europa mit erschreckendem Erfolg ausbreitet sowie zu Rassismus und „Hate Speech“ im Internet. Er gab einen historischen Überblick.

Der nächste Workshop behandelte das Thema „Digitale Nachhaltigkeit“. Norbert Bullow erzählte, wie er als „einfacher Bürger“ mit einem offenen Brief an die polnische Regierung einige Medienaufmerksamkeit erreichen konnte, und sich seit dem in verschiedenen NGOs für „Nachhaltigkeit“ im erweiterten Sinne einsetzt. Dazu gehört die Archivierung unseres digitalen Kulturerbes. Er definierte vier Kategorien der „Nachhaltigkeit“:
- Umweltbezogene Nachhaltigkeit
- Soziale Nachhaltigkeit
- Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
- Digitale Nachhaltigkeit

Den letzen inhaltlichen Workshop gab Pascal Gloor, Vice-Präsident der Piratenpartei Schweiz. Er ging in seinem Vortrag „Sharing is caring“ auf die Debatte um das Urheberrecht und sogenanntes „Geistiges Eigentum“ ein. Darin führte er aus, warum es seiner Meinung nach keine „neuen“ Ideen gibt, da alles was wir denken und erschaffen auf unseren Erfahrungen und Einflüssen beruht, oder kurz „Alles ist ein Remix“. Genau diesem Remix Gedanken (bestehende Ideen stehen relativ frei zur Verfügung) wiederspricht das momentane Urheberrechts- und Patentsystem fundamental, und der politische Druck (wie es vor allem im Fall ACTA deutlich wird) geht in die Richtung dieses System noch zu verschärfen und stärker durchzusezten.

Abends veranstaltete das „Social Committee“ einen Wettbewerb im Tischfußball und Tischtennis.

Am Samstag morgen wurde ein Schlussstatement des Wintercamps diskutiert und beschlossen. Des weiteren wurde über die Vorgehensweise für neue Projekte diskutiert und die „European Youth Foundation“ und „Youth in Action“ wurden vorgestellt, die für die Finanzierung des Wintercamps maßgeblich gesorgt haben.

Danach kam das “Actioncommittee” zum Zug. Wir formten im Schnee zuerst das Wort “ACTA”, dann kamen grün gekleidete Leute dazu, formten ein “NO”. Danach umkreisten wir das “C” zum Copyright Zeichen, welches dann unter heftigem Beschuss von Schneebällen durch die grüne Gruppe durchkreuzt wurde.

(c) Simon Mogren

Am Ende wurde das Camp noch evaluiert, die Stimmung der Teilnehmer*innen auf verschiedene Methoden abgefragt.

Es folgte eine Abschiedsparty, am Sonntag nach dem Frühstück fuhr der Bus uns nach Basel zurück, von wo aus die Teilnehmenden die Heimreise antraten.

Das Foto von der ACTA Aktion ist von Simon Mogren, die anderen sind von mir. Meine Bilder so wie der Text stehen unter der Lizenz CC-BY.

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