Interview mit Sebastian Macht, Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Frankfurt
SPUNK: Sie arbeiten im AIDS-Hilfe-Projekt „AG36 – Schwules Zentrum Frankfurt“. Was machen Sie da?
Wir haben eine Vielzahl von Angeboten, die sich hauptsächlich an schwule Männer richten. Zusammenfassen kann man diese unter den Schlagworten: Beratung, Prävention, Information und Kommunikation. Gemeinsam mit meinem Kollegen und knapp 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern kümmern wir uns um den reibungslosen Ablauf aller Angebote.
Unsere Arbeit zielt darauf ab, durch Aufklärung und Information den Selbstwert des Einzelnen zu stärken, Selbsthilfestrukturen zu unterstützen und gesellschaftliche Prozesse zu beeinflussen. Das körperliche und geistige Wohlergehen schwuler Männer steht im Zentrum. Unser Anspruch ist es nicht, moralisierend und bekehrend auf schwule Männer einzuwirken. Wir wollen lieber durch vielfältige und gezielte Aufklärung das Verantwortungsgefühl des Einzelnen für sich und andere stärken, um ihm damit ein ausgewogenes und selbstbestimmtes Risikomanagement zu ermöglichen.
Mit verschiedenen Aktivitäten setzen wir uns für die Akzeptanz schwuler Lebensweisen ein, stärken das schwule soziale Netz und tragen zur Vernetzung von schwul-lesbischen Gruppen und Initiativen bei. Wir informieren über HIV und Safer Sex, über Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und was wann und wo in der Szene angesagt ist. Wir geben auch Antworten zu anderen Gesundheitsthemen wie sexuell übertragbaren Krankheiten und zu den Besonderheiten des schwulen Miteinanders. Neben der anonymen Beratung, welche telefonisch, im Chat oder per Mail stattfinden kann, bieten wir auch persönliche Beratungsgespräche an.
Darüber hinaus bieten wir seit letztem Jahr den MainTest, einen anonymen Schnelltest inklusive Beratung in unseren Räumen an. Dieses HIV-Beratungs- und Schnelltestangebot bietet Männern, die Sex mit Männern haben, die Möglichkeit, sich über Fragen zu HIV und Safer Sex zu informieren und im Anschluss den aktuellen HIV-Status testen zu lassen.
SPUNK: Mit welchen Anliegen kommen die Menschen in Ihre Beratung?
Die Sorgen und Nöte, mit denen Menschen unsere Beratung aufsuchen, sind so mannigfaltig und unterschiedlich wie die Menschen selbst. Das Spektrum erstreckt sich über Fragen zum Coming Out, über Themen von Safer Sex, über die Suche nach vertrauenswürdigen Ärzten, Therapeuten oder auch Rechtsanwälten, bis hin zu Partnerschafts-, Familien oder Arbeitsplatzkonflikten.
SPUNK: In welchen Bereichen werden HIV-positive Menschen in Deutschland Ihrer Erfahrung nach mit Diskriminierung konfrontiert?
Nach wie vor werden HIV-Positive Menschen immer noch stark in rechtlichen Dingen diskriminiert, da hier die Rechtslage noch immer nicht eindeutig geklärt ist. Des Weiteren wird uns häufig von Problemen von HIV-Positiven bei Zahnärzten berichtet. Hier werden nicht selten Patienten abgewiesen, wenn diese offen ihre Infektion thematisieren.
Sebastian Macht ist seit vier Jahren hauptamtlicher Mitarbeiter in der AG36, dem Schwulen Zentrum Frankfurt.
Lisa Bendiek
[...] „Wir wollen den Selbstwert des Einzelnen stärken“ [...]