Mir ist etwas aufgefallen: Über die Innenpolitik anderer Länder erfährt man nur etwas, wenn dort komische Menschen regieren. Seit in Polen die Kaczinsky-Twins an der Macht sind und pünktlich jeden Mittag dummes Zeug von sich geben, wird Polens Politik von den deutschen Medien sehr aufmerksam beäugt. Was zur Folge hat, dass ich die Fraktionen im polnischen Parlament, einige Minister und die wichtigsten Zeitungen im Land aufzählen kann. Über Irland kann ich das nicht behaupten – ich glaube, ich kenne keinen einzigen irischen Politiker. Genauso geht es mir bei Finnland. Als Pim Fortuyn noch lebte, wusste ich gut Bescheid über die Sorgen der niederländischen Rentner und die Situation in Rotterdams Problemvierteln. Seit er tot ist, weiß ich nicht einmal, ob Holland links oder rechts regiert wird. Und weiß zufällig jemand, was Romano Prodis Regierung in Italien gerade macht? Nein? Als Silvio I. dort herrschte, war das anders. Damals wusste ich, was Italien so umtreibt. Marode Eisenbahn, korrupte Justiz und eine nicht wirklich unabhängige Presselandschaft. Ob sich daran was geändert hat – keine Ahnung… Heute regieren in Italien relativ linke, relativ seriöse und relativ vertrauenserweckende Personen leise und sachlich vor sich hin – und wir kriegen nichts mit. Wenn in unseren Nachbarländern mal keine Rassisten, Kriminelle oder Antisemiten an der Macht sind, erfährt man so gut wie nichts darüber. Ich muss sagen: Mir sind alle Länder, über die ich mich inzwischen auskenne, erst näher gekommen, als dort irgendwelche Gauner regierten. Irgendwie schade, aber so funktionieren die Massenmedien nun mal. Wo kein Skandal ist, ist auch keine Meldung. Aber eigentlich bin ich auch selber schuld – die irische und finnische Innenpolitik interessiert mich jetzt in diesem Moment – ganz ehrlich gesagt – herzlich wenig. Den Wahlkampf der FPÖ in Österreich verfolge ich dagegen höchst interessiert. Hoffentlich schaffen es diese elenden Faschos dort nicht wieder ins Parlament!

4 Kommentare zu „Über die Innenpolitik anderer Länder erfährt man nur etwas, wenn dort komische Menschen regieren.“

  • Sebastian:

    > ich glaube, ich kenne keinen einzigen
    > irischen Politiker.

    hm. Ich glaube ich auch nicht. Oder zählt Sinn Féin?

  • Sebastian:

    Ich nochmal. Ich habe das gerade gegoogelt. Sinn Féin ist doch keine Person, sondern eine Partei. Könnte aber auch der Name einer Person sein, finde ich.

  • Sebastian:

    Sehr schöne These übrigens.

  • Sebastian:

    Hallo,

    sagte ich schon, dass mir die These übrigens nicht aus dem Kopf geht? Jetzt ist mir auch ein Gegenbeispiel eingefallen: Über die USA erfährt man immer etwas, selbst wenn dort nicht einer der Bushs regiert und auch bei Gore oder Nader wäre es nicht anders geworden. Wir kennen die Namen vieler Minister und sogar von Mehrheitsführern im Parlament. Die Leute in Deutschland wissen, wie der US-Präsident gewählt wird, kennen aber nicht den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme bei der Bundestagswahl. Irgendwie erfährt man immer etwas über die USA. Musst Du Deine These wohl etwas modifizieren, oder?

    Schöne Grüße
    Sebastian