Warum Tierversuche notwendig sind
Niemensch macht gerne Tierversuche. Auch ich nicht. Als ich vor vier Jahren zum ersten Mal mit Fröschen und Mäusen arbeiten musste, habe ich so schnell wie möglich alles wegdelegiert, sodass ich am Ende nur noch kleine, anonyme Zellen vor mir hatte. So wie mir ging es allen meinen KollegInnen im Labor, und allen anderen Forschenden, mit denen ich seitdem gesprochen habe. Die ForscherInnen, die ohne jegliche Emotion ein Tier nach dem anderen in ihrem Labor töten, sind mir in der Realität nie begegnet. Warum aber machen wir trotz aller Skrupel Tierversuche?
Es gibt nur eine Argumentation, mit deren Hilfe mensch Tierversuche überhaupt begründen kann: Indem man die Interessen von Menschen höher bewertet als die von Tieren. Oder anders ausgedrückt: Indem man das Recht der Menschen auf bessere Therapien für tödliche und nichttödliche Krankheiten höher bewertet als das Recht von Tieren, selbstbestimmt und ohne künstlich verursachtes Leiden zu leben. Das ist eine extrem schwierige Abwägung, denn oft führen Tierversuche nicht direkt zu wirklichen Verbesserungen in der Behandlung von PatientInnen. Auch sind an Tieren gewonnene Erkenntnisse niemals 1:1 auf den Menschen übertragbar, und natürlich gibt es auch eine ganze Reihe schlechter Forschung, die Tiere experimentell einsetzt, ohne jemals wirklich Erkenntnisse liefern zu können. Alles Argumente gegen Tierversuche.
Aber wer einmal erlebt hat, wie ein vertrauter Mensch an einer schweren Krankheit sehr leidvoll verstorben ist, und möchte, dass so etwas nie wieder passiert, die/der akzeptiert in den meisten Fällen diese nicht perfekte Abwägung zugunsten von Tierversuchen. Denn letztendlich beruhen nahezu alle erfolgreichen Therapien, egal ob für HIV, Nierentransplantationen oder Diabetes auf Tierversuchen, und diese Therapiemöglichkeiten erlauben es Millionen von Menschen, selbstbestimmter zu leben.
Gleichzeitig setzen sich die forschenden Biowissenschaften aber auch dafür ein, dass die Zahl der Tierversuche immer weiter reduziert wird, dass Alternativen zum Tierversuch etabliert werden, und dass die nötigen Versuche immer weniger leidvoll für das Tier durchgeführt werden.
anonym
Ja, diese Therapien basieren auf Tierversuchen, aber nicht unbedingt, weil es nötig wäre, sondern weil es gängige Praxis ist! Ok, vor einiger Zeit gab es weniger gute Alternativen, aber das ist doch keine Rechtfertigung für die heutige Anwendung von Tierversuchen.
Für mich wird aus diesem Artikel die Notwendigkeit von Tierversuchen nicht deutlich, er versucht eher emotional zu überzeugen. Überspitzt gesagt: Uns armen Forschern, uns bleibt doch auch keine andere Möglichkeit, wir finden das ja auch alles skrupellos, aber machen’s für euch trotzdem!
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