Wie der Umgang mit Krankheiten aussehen kann

Jährlich laufen Millionen Deutsche wegen geringfügigen Krankheiten zum Arzt. Daraufhin folgt in der Regel die Verschreibung irgendeines passenden Medikaments. Um die Deutschen davon abzuhalten, ständig wegen jedem Schnupfen zum Arzt zu eilen, wurde 2004 von der Bundesregierung die Praxiseingebühr eingeführt, zynisch auch als Arztflatrate bezeichnet. Gebracht hat das wenig.

Der Gedanke, dass es für die alljährliche Krankheitswelle kein Wundermittel in Tablettenform braucht, geht in unserer Gesellschaft allmählich verloren. Zur Behandlung der 08/15-Krankheiten, die uns alle immer wieder heimsuchen, sind jedoch nur selten Medikamente wirklich notwendig – ein wenig Ruhe tut es auch. Krankheit als Alarmsignal des Körpers passt jedoch nicht in unsere Gesellschaft. Wer um seine Arbeit fürchten muss, sobald er*sie mehr als zwei Tage im Jahr krank ist, hat keine Möglichkeit, Krankheiten angemessen auszukurieren. Die Unwägbarkeit und Unplanbarkeit tragen ihr Übriges zum schlechten Ruf von Krankheiten bei. Sie sollen eliminiert werden und uns nicht mehr in unserem Alltag stören.

Doch wenn mensch einmal akzeptiert hat, dass Krankheiten zu unserem Leben dazu gehören, und nicht versucht, sie mit Chemiesmarties zu bekämpfen, bieten sich neben Hausmittelchen und Ruhe noch mehr Möglichkeiten, die Zeit zu überstehen. Wie das jedoch abseits der Schulmedizin aussehen kann, darüber scheiden sich die Geister. Klar ist, dass auch der Placeboeffekt sehr vorteilhaft für den Krankheitsverlauf ist, doch wer schluckt schon Bonbons, von denen mensch weiß, dass sie nur wirken, wenn mensch daran glaubt? Eine interessante Möglichkeit bietet da die Homöopathie. Ganz unabhängig davon, ob sie nun so wirkt, wie es die Hersteller*innen behaupten oder nicht: Die, die an Homöopathie glauben, können zumindest vom Placeboeffekt profitieren. Diese Chance hätten sie nicht, wenn ihnen nur richtige Placebos angeboten würden – niemand kann sich davon überzeugen, an etwas zu glauben, das nur wirkt, wenn mensch daran glaubt.

Weitere Alternativen bieten beispielsweise Akupunktur oder TCM (= traditionell chinesische Medizin). Vor allem erstere findet auch immer mehr Befürworter*innen in Deutschland. Deren Lehren mögen zwar von denen der westlichen Schulmedizin abweichen, doch ist es auch ein Zeichen der interkulturellen Toleranz, die eigenen Glaubenswerte, nämlich die von der Überlegenheit der westlichen Schulmedizin, anderen nicht überstülpen zu wollen. Andere Kulturen funktionieren anders als unsere, in der „wissenschaftliche Studien“ eine große Rolle spielen.

Eine wieder andere und theoretisch simple Möglichkeit bietet die persönliche Vorsorge. Die Leier von gesunder Ernährung, geringem Drogenkonsum, Bewegung und Draußensein kennen wir alle. Ein Drittel der Krebserkrankungen ließe sich nach Schätzungen durch Veränderung des Lebensstils vermeiden. Das Brustkrebsrisiko kann durch mehrjähriges Stillen des eigenes Kindes (besser noch: der Kinder) deutlich gesenkt werden. Ein harmloseres Beispiel liefert eine Scheidenpilzinfektion. Die lässt sich am besten durch Verzicht auf Synthetikwäsche sowie Tampons und Synthetikbinden/ –slipeinlagen vermeiden. Weitere Risikofaktoren sind zuckerreiche Ernährung und Stress.

Auch aus ökologischen Gründen ist ein Verzicht auf Tabletten, Pillen und Co. anzuraten. 70-90% der Wirkstoffe gelangen durch den Urin wieder in den Wasserkreislauf und reichern sich dort an. Die Auswirkungen sind wenig erforscht. Bekannt ist, dass Fische davon betroffen sind – vor allem durch Hormone, aber auch durch andere Substanzen werden sie verweiblicht.

Die nächste Grippe kann mensch auch im Bett mit dem Buch verbringen, das er*sie schon immer mal lesen wollte.

Denise Melchin

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