Hey liebe Leute,

nachdem ich vor zwei Wochen über Binnenvertriebene hier in Nepal geschrieben habe, möchte ich heute auf die zentralen Akteure des Entwicklungssektors eingehen (wiederum am Beispiel Nepals). Hierzu möchte ich in diesem Artikel die Organisationen zunächst nur umschreiben und ihre Funktion und Arbeitsweise anreißen. Diese individuelle Betrachtung ist natürlich in der Realität völliger Blödsinn, denn jede Organisation muss in ihrem Kontext betrachtet werden, doch dieses Bild wäre hier zu komplex. In meinem nächsten Artikel (nächste/übernächste Woche) werde ich dann das Zusammenspiel dieser Akteure und die Effekte auf die Entwicklungsländer und deren BewohnerInnen selbst darstellen. Daher also diese Info-Grundlage:

Zunächst ist es wichtig zwei grundsätzliche Unterscheidungen zu machen
- Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit: Mit Humanitärer Hilfe meint man im Allgemeinen die Hilfe für Menschen in/nach einer Katastrophe bzw. einer Krise. Da es in den letzten Wochen einige Überflutungen in Nepal gegeben hat versuchen Organisationen der Humanitären Hilfe nun mit Unterbringungen (shelter), Nahrung und Gesundheitsversorgung zu helfen. Entwicklungszusammenarbeit (im Folgenden nur noch „EZ“) dagegen setzt bei langfristigen Prozessen an, wie z.B. Bildung, Wasserversorgung, wirtschaftliche Erfolge und z.B. Stärkung von Gruppenprozessen. Dennoch ist diese Unterscheidung nicht immer ganz so klar, wie sie scheint. Denn es gibt viele Organisationen, die sowohl das eine als auch das andere machen und ihre Programme mit verschiedenen Konzepten dieser Ansätze mischen.
- Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) und Technische Zusammenarbeit (TZ): Finanziell bezieht sich zum einen auf staatliche, aber auch auf nichtstaatliche/private InvestorInnen. Ein sehr zentraler Akteur hier in Nepal ist die Asian Development Bank (ADB), die man als Teil der Weltbank ansehen kann, aber dennoch aufgrund ihrer Regionalität unabhängig ist. Von der TZ spricht man im Allgemeinen dann, wenn nicht einfach nur finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, sondern konkrete (technische) Mittel, praktische Konzepte und oft auch eigenes Personal eingesetzt wird z.B. für Bildungsprojekte, Gesundheitsvorsorge oder Ressourcenschutz (z.B. Wald).

Nun aber mal konkret in die Praxis hier in Nepal: bis ins Jahr 1990 gab es nur sehr wenige Entwicklungszusammenarbeit in diesem Land, denn der König wollte möglichst wenig Einfluss von außen zulassen und wer hier unbedingt tätig werden wollte, musste auf die Bedingungen des Königs eingehen und auch einiges an „Abgaben“ an ihn zahlen. Nachdem es im Jahr 1990 zu einer Demokratisierungswelle kam, wurde die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NGO) stark liberalisiert: so stieg die Zahl der nationalen NGOs von 677 im Jahr 1992 auf 1492 im Jahr 1994, also eine Verdoppelung innerhalb von 2 Jahren! Dazu kommen noch internationale NGOs: 126 sind in Nepal tätig

Wie man sieht ist das eine ganze Menge und man weiß gar nicht, wo man mit beschreiben anfangen soll. Zur Vereinfachung werde ich keine Unterscheidung zwischen Humanitärer Hilfe und EZ machen, man sollte nur beachten, dass in der Praxis diese feine Unterscheidung relevant ist (denn Organisationen berufen sich darauf!).

Nun, beginnen möchte ich mal bei den Betroffenen selbst, nach dem bottom up Prinzip, wie EZ eigentlich passieren sollte: hierbei findet mensch auf lokaler Ebene drei zentrale Akteure. Zum einen gibt es lokale NGOs, oft Community Based Organisations (CBOs), wie z.B. Frauen-Gruppen oder Forst-Gemeinschaften. Zum zweiten gibt es den lokalen Staat, z.B. wie hier in Nepal das Dorf-Entwicklungs-Komitee (village development committe VDC), das den nationalen Staat, bzw. seine Regionen auf der Dorfebene vertritt. Der dritte und mindestens genauso entscheidende Akteur ist die lokale Privatwirtschaft, die sich auch oft in Interessensgemeinschaften (z.B. Handelskammern) zusammenschließt. Diese drei Akteure sind besonders relevant für die Umsetzung von Entwicklungsprojekten oder bei der Humanitären Hilfe, denn sie bieten gewisse lokale Strukturen um möglichst viele Menschen zu erreichen. In die Entwicklung von neuen Projekten werden diese Ebenen jedoch nur teilweise einbezogen. Sofern dies jedoch geschieht haben die Entwicklungsorganisationen bereits ausgearbeitete Methoden, um verschiedene Bedürfnisse der Lokalität zu erfassen (z.B. Participatory Rural Appraisal).

Auf überregionaler Ebene, sei es auf regionaler (also Distrikt) oder nationaler Ebene wiederholt sich diese Dreiteilung in gewisser Hinsicht, wobei die privatwirtschaftlichen Netzwerke für die EZ selbst weniger relevant werden. Beginnen wir am besten mit dem nepalesischen Staat : Nun, bei dem weiß man nur im Moment nicht so recht woran man ist. Auf der einen Seite gibt’s Druck von den maoistischen Rebellen, dazu beschwert sich noch die Zivilgesellschaft; der König sichert seine Einflüsse zur Armee und die eigenen ParteianhängerInnen stehen im Moment auch nicht so recht hinter ihren eigenen Regierungsmitgliedern. Ist also nicht ganz so einfach mit so einer Regierung die Entwicklung des Landes voranzubringen, wenn sie mit sich selbst genügend zu tun hat. Dennoch hat der Staat formal das Mandat die Entwicklung (und die dabei relevanten Akteure) zu koordinieren.

Dadurch, dass der Staat diese Rolle nur bedingt wahrnimmt, entstehen teilweise parallele Strukturen wie z.B. der maoistischen Rebellen, die ein eigenes Steuersystem entwickelt haben und in den von ihnen besetzten Gebieten die Entwicklungsorganisationen kontrolliert und steuert.

Die grobe und oft auch feine Ausrichtung der Entwicklungsstrategien und –konzepte geht jedoch von den Geberorganisationen aus („top-down“ im Gegensatz zu „bottom up“). Zu diesen gehören:
- Internationale NGOs (z.B. Brot für die Welt, Care International)
- Regierungsorganisationen (die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ oder das britische DFID)
- Multilaterale GeberInnen wie zum Bsp. die Asiatische Entwicklungsbank, die Weltbank oder die Europäische Union
- UN-Agenturen wie z.B. UNDP (zuständig für Entwicklung), UNHCR (Flüchtlinge), WHO (Gesundheit), WFP (Ernährung), und auch so was wie OHCHR (Menschenrechte), OCHA (Koordinierung für Humanitäre Hilfe) und natürlich noch einige mehr.
Diese Akteure sind jedoch selten nur einfache Geberorganisationen, sondern versuchen teilweise sogar selbst Projekte zu planen und umzusetzen. Dabei haben sie oft viele westliche MitarbeiterInnen eingestellt, die Unmengen an Lohnkosten verursachen (was von Entwicklungsgeldern abgezogen wird). Natürlich gibt’s auch einige Jobs für lokale ExpertInnen, doch das werde ich in meinem nächsten Artikel genauer betrachten. Dabei wird es mir darum gehen, welche positiven wie negativen Effekte die EZ auf ein Land wie Nepal hat.

Bis dahin, beste Grüße
Michi

PS. Sorry, dass es so organisations-lastig war, ist aber nur als Überblick gedacht, um im nächsten Beitrag ein komplexeres Bild der EZ zu beschreiben.

Literatur:
Dhakal, Tek Nath (2006): NGOs in Livelihood Improvement
Hossain, Fahrhad (2001): Administration of Development Initiatives by NGOs.

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