Wie das Geld im Gesundheitssystem verteilt wird – und was vielleicht sinnvoller wäre

Dass das Gesundheitssystem furchtbar teuer ist, und trotzdem noch teurer wird: Das weiß quasi jedeR. Wohin dieses Geld aber fließt, bleibt irgendwie schemenhaft. Mensch weiß ja nicht einmal, wie viel Geld der eigene ZahnärztInnenbesuch die Krankenversicherung kostet. Oder wofür da eigentlich bezahlt wird.

Ganz grob gesehen werden Krankenhäuser und niedergelassene ÄrztInnen dafür vergütet, wie viel sie auf dem Papier machen (Dieser Text bezieht sich lediglich auf die Vergütungssysteme im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung.) Kliniken bekommen eine bestimmte Pauschale für jeden „Fall“. Egal wie lang sie die oder den PatientIn behandeln, egal wie gut sie operieren, egal wie gut oder schlecht es ihr/ihm anschließend geht: Sie bekommen immer die gleiche Pauschale.

Bei Niedergelassenen ist es nicht anders: Für jede Leistung bekommen sie gemäß Katalog eine bestimmte Anzahl Punkte, die sie abrechnen können. Beispielsweise bekommt eine Radiologin eine festgelegte Pauschale, wenn sie die MRT-Aufnahme von einem Kind mit epileptischen Anfällen anfertigt und befundet. Es ist bekannt, dass mensch dafür Bilder in sehr guter Qualität benötigt. Trotzdem bekommt eine Kollegin, die mit einem Uralt-MRT schlechte, unbrauchbare Aufnahmen anfertigen lässt, genauso viel Geld. Doch wer weiß schon als PatientIn, zu welcheR RadiologIn mensch gehen sollte? Eben. Genau aus diesem Grund wird die gute Radiologin im derzeitigen Gesundheitssystem für bessere Qualität bestraft – denn sie hat zwar mehr Geld für ein besseres Gerät ausgegeben, ihre Kollegin bekommt aber die gleiche Vergütung.

Das hat vor allem zu einer Entwicklung geführt: Die Fallzahlen steigen seit Jahren kontinuierlich an, weil sich nur so mehr Gewinn erzielen lässt. Kliniken und Praxen setzen darauf, viele PatientInnen anzuziehen. Das wäre an sich noch kein Problem, wenn bekannt wäre, wo es eine besonders gute Behandlung gäbe, und die Menschen dorthin strömten. Leider aber ist es für Laien (und in den meisten Fällen sogar auch für Beschäftigte im Gesundheitswesen) extrem schwer zu erkennen, was ein gutes oder schlechtes Krankenhaus ist, und welcheR Niedergelassene wirklich gute Medizin praktiziert. Stattdessen müssen sie auf Pseudo-Parameter vertrauen: Ein Beispiel: Im Uniklinikum Eppendorf in Hamburg liegt jetzt Parkett in jedem Zimmer, selbst wenn es sich schlechter reinigen lässt, und das Essen wird von einer Hotelkette geliefert. So versucht mensch, in einer medizinisch stark überversorgten Stadt wie Hamburg, PatientInnen mit Service statt guter Medizin anzuziehen. Wenn wir aber vor allem hohe Fallzahlen, auf Kosten der Qualität entlohnen, entspricht das nicht unbedingt dem, was wir als Gesellschaft eigentlich von unserem Gesundheitswesen erwarten können: Wie könnte mensch das ändern?

Eine Möglichkeit wäre es, rigoros Qualitätszahlen aller Klinken und Praxen in allgemeinverständlicher Form zu veröffentlichen, sodass PatientInnen mit den Füßen entscheiden können, und gute Medizin zu hohen PatientInnenzahlen führt. Das ist jedoch teilweise problematisch, da schlechte Behandlungsergebnisse in der Regel vertuscht werden. Viele WissenschaftlerInnen warnen daher, sich einzig darauf zu verlassen.

Eine andere Möglichkeit ist es, die Vergütung an Qualitätskriterien auszurichten. Beispielsweise würden ÄrztInnen für hohe Komplikationsraten Abschläge bei der Vergütung hinnehmen müssen, und nur für das Erreichen definierter Behandlungsziele vergütet werden. Auch das wäre natürlich kein perfektes System, wie Pilotprojekte im UK gezeigt haben. Aber es würde Qualität endlich stärker in den Mittelpunkt stellen

Paula Piechotta

1 Kommentar zu „Für was bezahlen wir eigentlich?“

Kommentieren