Über die Leiden der jungen Bewerber hatte ich schon vor ein paar Wochen hier im Blog geschrieben. Am Samstag hat die sich die Grüne Jugend jetzt entschieden, die Ausbeutung von Praktikantinnen und Praktikanten zu einem der Schwerpunkte im Wahlkampf zu machen. Zwei Tage später verschickt www.simplifybusines.de (“Der persönliche Beratungsdienst für Chefs”) seinen neuesten Newsletter, der sich an Unternehmer richtet und deshalb auch “Chefletter” heißt:

Betreff: Praktikanten lohnen sich auch für Ihr Unternehmen
Datum: Mon, 27 Jun 2005 10:25:00 +0200
Von: chefletter [at] vnr-ag.de

Liebe Leserin, lieber Leser,

in allen Unternehmen gibt es gelegentlich Projekte oder Aufgaben, für die Sie selbst als Unternehmer oder Ihre Mitarbeiter zu wenig Zeit haben. Andererseits lohnt es sich für Sie nicht, dann sofort einen neuen Mitarbeiter einzustellen.

Die Lösung: Sie stellen einen Praktikanten ein. Kandidaten gibt es genügend. Gerade Studenten haben ein großes Interesse an betrieblichen Praktika, da sie so nach Studienende leichter einen Arbeitsplatz finden. Die Vorteile für Ihr Unternehmen:

Sie bekommen einen preisgünstigen Mitarbeiter. Studentische Praktikanten haben oft ein großes theoretisches Wissen und sind damit auf dem neuesten Stand. Praktikantenverträge können zeitlich und inhaltlich weitgehend auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens angepasst werden. Praktikanten sind hochmotiviert, möchten gerne eigenständig arbeiten und können deshalb die ideale Unterstützung auf Zeit sein.

Das zeigt wieder einmal: Praktika dienen den Unternehmen nicht mehr dazu, Menschen kennenzulernen, die sie später fest einstellen wollen. Sondern es geht darum, billige und hochmotivierte Arbeitskräfte für einzelne, vorübergehende Projekte suchen. Als Praktikanten sind wir für die Unternehmen gerade noch gut genug – die Grüne-Jugend-Kampagne kommt genau zur rechten Zeit.

1 Kommentar zu „Billig und willig“

  • Julia:

    Mit dem großen Unterschied, dass in dieser Mail sehr wohl von einer Bezahlung (sprich “einen preisgünstigen Mitarbeiter”) die Rede ist, was leider nur noch sehr wenige Unternehmen machen.

    Natürlich ist es wichtig auf die Probleme der “Generation Pratikum” einzugehen, aber ein Pratikumsplatz der bezahlt wird, und bei dem die Praktikanten sehr realistisch als “hochmotiviert” eingeschätzt werden die “gerne eigenständig arbeiten” sind nicht das größere Problem. Denn ja, PraktikantInnen waren schon immer und heute erst Recht, “können deshalb die ideale Unterstützung auf Zeit sein”.

    Der Arbeitsmarkt verändert sich und natürlich auch für PratikantInnen. Das Problem sind dabei nicht gute, interessante, bezahlte Pratikas auf Zeit (die dem Unternehmen in den Kram passen) sondern das viel größere Problem sind die zahlreichen unbezahlten, dauerhaften und unbefriedigenden Beschäftigungen der “Generation Pratikum”.