Die Bundeswehr hat ein Hotel in der Kölner Altstadt aus ihrem Hotelverzeichnis gestrichen, weil es in dessen Nachbarschaft einige Schwulenbars gibt. „Die Präsenz von Angehörigen der Bundeswehr in diesem einschlägigen Viertel werde so Dritten gegenüber vermittelt“, formuliert das Verteidigungsministerium ängstlich. Und: „Negative Auswirkungen auf das Ansehen der Bundeswehr sollen so vermieden werden.“ Anscheinend gilt bei der Bundeswehr jeder als unwiderruflich schwul, der lediglich an einer Schwulenbar vorbeiläuft. Doch warum fürchtet sich die Hardthöhe: Von den homophoben Spießern, um dessen Meinung man sich sorgt, werden die stolzen Kämpfer doch gar nicht gesehen – denn die meiden diese Straßen sowieso.

Viel scheint sich bei der Bundeswehr nicht geändert zu haben seit dem Fall des General Kießling in den frühen 80ern. Den hatte CDU-Verteidigungsminister Manfred Wörner unehrenhaft in den Ruhestand versetzen lassen, nachdem Kießlings Homosexualität bekannt wurde. Die “Ermittlungenâ€? zu dem Fall hatte der Minister zeitweise sogar selbst an sich gezogen – höchstpersönlich wertete er Tonbandaufnahmen auf, die Kießlings Neigungen beweisen sollten. Erst nach vielen Protesten der Opposition ließ Wörner seinen General rehabilitieren. Doch auch danach wurden schwule Soldaten in vielen Fällen zwangsversetzt, nicht befördert oder degradiert. Besonders Ex-Obersozi Rudolf Scharping war als Verteidigungsminister fleißig dabei. So soll er gesagt haben: “Homosexualität begründet erhebliche Zweifel an der Eignung und schließt eine Verwendung in solchen Funktionen aus, die an Führung, Erziehung und Ausbildung von Soldaten gebunden ist.”

Nachdem ein Bundeswehrsprecher die Nachricht zunächst dementiert hatte, ruderte man jetzt zurück: Der Fall sei ein absoluter Einzelfall und das Hotel habe halt vor allem zu wenig Parkplätze gehabt und die sexuelle Neigung spiele bei der Bundeswehr natürlich keine Rolle. Dass das nicht stimmt, hat sie gerade eindrucksvoll bewiesen…


Links:

Artikel “Schwule Soldaten bei der Bundeswehr” (RosaRauschen)
Pressemitteilung von Volker Beck, MdB
Parlamentarische Anfrage bei der Bundesregierung von Michael Kauch (FDP), MdB

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