Regierungssprecher ist mit Merkel-Podcast “völlig überfordert”
Geschrieben von (Administrator) in Grüne Wiese am 8. Juni 2006
Am Mittwoch hat der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in der Bundespressekonferenz den Video-Podcast von Angela Merkel angekündigt. Bei den Fragen der Journalisten zu den technischen Hintergründen zeigte sich Steg jedoch schlecht informiert: “Wir geben dazu eine schriftliche Meldung heraus. Von Windows Media Playern ist hier die Rede; von MP3 nicht, sondern von MPEG-4-Playern. Ich bin da völlig überfordert. Ich muss einräumen, dass ich dieses Informationsangebot selbst nicht nutzen könnte.” Hier eine komplette Mitschrift der Auskünfte und Nachfragen in der Bundespressekonferenz:
Thomas Steg: Morgen ab 16 Uhr wird für Internetnutzer zum ersten Mal auf der Homepage www.bundeskanzlerin.de ein so genanntes Video-Podcast zur Verfügung gestellt, das man nutzen kann. Dieses Instrument, das Parteien nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern in Europa und weltweit bei Wahlkämpfen nutzen, hat nach unseren Recherchen bisher für Regierungskommunikation noch nicht Anwendung gefunden. Insoweit ist die Bundeskanzlerin weltweit die erste Regierungschefin, die diesen Weg der Information, dieses technische Medium, nutzen wird.
Wir wollen künftig wöchentlich zum Wochenende hin die Politik der Bundesregierung, Motive, Hintergründe der Entscheidungen sowie Zielsetzungen mit kurzen Videobotschaften erläutern, sodass sich jeder gewissermaßen aus erster Hand sehr authentisch durch eine Originalsequenz der Bundeskanzlerin informieren kann. In diesem Premierenauftritt – das wird Sie nicht überraschen -, zwei Tage vor der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft, wird sich die Bundeskanzlerin in diesem Medium mit der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland beschäftigen. Ab der nächsten Woche geht es dann um die konkreten Fragen alltäglicher Politik. Aber von Zeit zu Zeit werden dann auch andere Fragen von aktuellen Belangen thematisiert. Dieser Service wird aktuell immer samstags abrufbar sein.
Es war eben nicht ganz klar: Also in dieser Woche ist das Video morgen ab 16 Uhr aufrufbar, und ansonsten samstags?
So ist das, und dann immer samstags in acht Tagen, wenn Sie so wollen.
Und sie richten sich direkt an die Bevölkerung, nicht an uns Medien, die die Informationen dann weitergeben sollen?
So weit ist es ja mit Ihren Separierungsbemühungen noch nicht. Sie sind ja auch Teil der Bevölkerung. Es ist keine spezielle Botschaft an die Medien, sondern alle, die die entsprechenden technischen Voraussetzungen haben, um diese Videobotschaften abzurufen, können sie nutzen. Insofern ist es eine direkte Kommunikation, ein direkter Kommunikationsweg zum Endnutzer, Endverbraucher, Endrezipienten, wenn Sie so wollen.
Kann man dann auch per E-Mail Fragen an die Kanzlerin stellen?
Bei diesem Instrument geht das nicht. Das ist sozusagen ein anderer Weg der Kommunikation, also eine Botschaft an die Vielzahl von Empfängern. Aber natürlich gibt es über unsere Internetangebote die Möglichkeit, auch Fragen an die Bundesregierung und die Bundeskanzlerin zu stellen. Das wird auch jetzt schon reichlich gemacht. Darauf gibt es auch Antworten.
Sie wissen, wir haben im Kanzleramt ein Referat für Bürgeranfragen; und im Presse- und Informationsamt haben wir eine Service- und Informationsstelle in Bonn. Die Kollegen, die dort sitzen, nehmen die Fragen auf, filtern sie und geben sie entsprechend weiter. Es gibt auch genügend Anfragen an die Bundeskanzlerin selbst, die dann in Absprache mit dem Kanzleramt beantwortet werden.
Ist das, Herr Dr. Steg, ein exklusives Angebot der Kanzlerin, oder könnte sich bei Bedarf z. B. auch der Vizekanzler zu Wort melden?
Das ist ein Instrument, das zunächst ausschließlich die Bundeskanzlerin nutzen wird.
Wird dann zukünftig auf die Neujahrsansprache verzichtet, oder ist sie dann nur noch über Internet empfangbar?
Nein, auf die Neujahrsansprache werden wir nicht verzichten, zumal wir schon seit vielen Jahren immer wieder Sorge tragen können, dass die öffentlich-rechtlichen Sender auch die richtige Ansprache ausstrahlen. Das wollen wir auch weiterhin so handhaben.
Erstens zur Form: Wird es eine Rede oder ein fingiertes Frage-Antwort-Spiel sein? Zweitens. Welche Dauer ist ungefähr vorgesehen?
Wir haben das Video gestern aufgezeichnet, um das entsprechend vorzubereiten. Ich vermute einmal: Das sind Texte von etwa zwei oder drei Minuten, um sie mit den Endgeräten vernünftig nutzen zu können. Ich glaube nicht, dass das Video wesentlich länger als drei Minuten sein wird. Aber das ist jetzt eher ein gefühlter Wert. Insofern: Ich habe nicht gestoppt. Aber gehen Sie einmal davon aus, dass ich wahrscheinlich mit drei Minuten sehr gut liege. Und wenn es zwei Minuten und dreißig Sekunden sind, dann ist es auch gut. Es ist kein fingiertes Interview. Es ist sozusagen ein Text, der gesprochen wird, eine direkte Anrede an die Bürgerinnen und Bürger.
Es gibt noch Bevölkerungsschichten, die keinen Internetzugang haben. Wie steht es denn für solche Personen? Wie können sie Zugang zu der Botschaft haben?
Das ist in der Tat richtig. Dieser Feststellung kann ich nicht widersprechen. Es gibt Menschen, die keinen Internetzugang haben. Es gibt Menschen, die keinen Internetzugang wollen; und es gibt Menschen, die Internetzugang haben und ihn nicht nutzen wollen.
Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Wir können nicht allen gerecht werden und individuell passgenaue Lösungen schaffen, sondern da ist es wie in der Kommunikation überhaupt. Wir wollen über möglichst viele Wege versuchen, möglichst viele zu erreichen, und dem urdemokratischen Prinzip gerecht werden, die Menschen so gut wie möglich zu informieren, damit sie sich ihre eigene Meinung bilden können.
Eine technische Frage: Sie sprachen eingangs von Video-Podcasts. Wie habe ich mir das technisch vorzustellen? Ist das ein einfaches Windows Media-Fenster, das ich dann anklicken kann? Oder lade ich das auf meinen MP-3-Player, der dann videotauglich ist, herunter und kann mir das irgendwann ansehen, in der U-Bahn oder so?
Ich war mit dem bisherigen Verlauf der Fragestunde sehr zufrieden. Aber ich habe immer Sorge gehabt, dass es in technische Details geht. Jetzt kann ich Ihnen nur sagen: Wir geben dazu eine schriftliche Meldung heraus. Von Windows Media Playern ist hier die Rede; von MP3 nicht, sondern von MPEG-4-Playern. Ich bin da völlig überfordert. Ich muss einräumen, dass ich dieses Informationsangebot selbst nicht nutzen könnte. Insofern wäre ich dann auf Ihre Mithilfe angewiesen. Schauen Sie sich das bitte in der Pressemitteilung an. Ich kann es nicht erklären.
Meine Frage wäre auch eher technisch gewesen. Gibt es das auch als reinen Ton? Denn es gibt ja wesentlich mehr Menschen, die Podcasts nutzen können – auch weil das einfacher ist -, z. B. auf dem Handy.
Also hier stand “Video- und Audiobotschaft”. Jetzt schlussfolgere ich einmal: Ja.
Wird die Sendung mit der deutschen Nationalhymne eingeleitet? Welche Musik wird dann gespielt? Ist schon ein Auftrag vergeben worden?
Wir wollen uns einmal überraschen lassen, wie das mit Bildern und gegebenenfalls mit Musik unterlegt wird. Darüber liegen mir keine Informationen vor. Aber die Nationalhymne, vermute ich einmal, wird es nicht sein.
Herr Dr. Steg, gedenkt die Bundeskanzlerin, sich in ihrer Funktion als Bundeskanzlerin wieder einmal der Presse zu stellen, z. B. zum Abschluss dieses Halbjahres vor der Sommerpause? Oder soll das nicht mehr stattfinden?
Sie wissen ja, dass für die Bundeskanzlerin Begegnungen mit der Presse, insbesondere Begegnungen mit der Bundespressekonferenz, nicht nur eine ganz wichtige Funktion haben, sondern sie ihr eine besondere Freude sind. Deswegen finden sie auch regelmäßig statt. Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass für den Sommer etwas geplant sei. Ich kann Ihnen sagen: Es gibt noch keine Festlegung. Es gibt die übliche Regel, entweder zum Ende der Beratungszeit vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause oder nach der parlamentarischen Sommerpause, wenn die politischen Gremien hier ihre Arbeit wieder aufnehmen. Es gibt da noch keine Festlegung. Aber es deutet einiges darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das eine oder andere stattfindet.
Herr Steg, können Sie mir sagen, an welche Pressekonferenzen, die der Bundeskanzlerin hier viel Spaß gemacht haben, Sie sich erinnern? Ich erinnere mich eigentlich nur an eine.
Sehen Sie, da sind wir doch schon einmal einer Meinung.











