Ganz Deutschland redet über den Überfall auf einen Deutschen äthiopischer Abstammung in Potsdam mit offenbar rechtsradikalem Hintergrund. Es ist erfreulich, dass die alltägliche Gewalt in Deutschland gegen Menschen, die anders aussehen, zum Thema wird. Gleichzeitig bleibt rätselhaft, nach welchen Kriterien sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf diesen Fall richtet. Und warum die Aufmerksamkeit so selektiv ist. Beispiel Essen. Wie die Polizei am Dienstag meldete, hat dort eine bereits polizeibekannte Truppe von offenbar Rechtsradikalen erneut zugeschlagen:

Drei Männer (17,18, 31) beleidigten und beschimpften gestern Abend (17.04.06 gegen 23.15 Uhr) in der U-Bahnstation einen Ausländer (31) indischer Herkunft. Um weitere Provokationen auszuschließen, wollte sich der 31-Jährige
entfernen. Das Trio lief hinterher und stellte ihm ein Bein. Daraufhin stürzte der Mann zu Boden. Anschließend traten und schlugen sie auf ihn ein und beschimpften ihn abermals. Nach der Tat flüchteten die Schläger. Während der polizeilichen Fahndung konnten sie festgenommen werden. Alle standen unter Alkoholeinfluss. Auf der Wache mussten sie sich einer Blutprobe unterziehen. Der 18- und 31-jährige kamen in die Ausnüchterungszelle. Der Jüngste (17) wurde seiner Betreuerin übergeben. Der Geschädigte erlitt leichte Verletzungen, die ambulant behandelt wurden. Zwei der Schläger waren bereits vor vier Wochen im Hauptbahnhof aufgefallen. Dort hatten sie einen Schwarzafrikaner geschlagen. Der Sachverhalt wird von der dortigen Bundespolizei bearbeitet.

Eine vergleichbare Aufmerksamkeit hat dieser Fall dagegen nicht bekommen. Überregional wurde kaum darüber berichtet. Vielleicht weil der Fall aus Potsdam besser ins gängige Medien-Klischee passt: Neonazis sind ein Problem in Ostdeutschland. Die Gefahr, in der Ausländer in ganz Deutschland sind, wird dadurch verschwiegen.

8 Kommentare zu „Potsdam ist kein Einzelfall“

  • Was hinzukommt ist, dass der Mann in Potsdam in Lebensgefahr schwebt.

    Soetwas wird erst zu einem medialen Ereignis, wenn es (fast) zu spät ist.

    Ich gehe davon aus, dass (neben dem genannten Problem des Augenmerkrichtens nur auf den Osten) der alltägliche Rechtsradikalismus nicht sensationell genug ist.

  • Karlchen:

    Es gibt in meinem Bekanntenkreis kaum einen Deutschen, der nicht schon einmal von Ausländern zusammengeschlagen wurde, allein deshalb, weil er Deutscher ist. Anstatt mit “Nigger” wird man dann eben mit “Kartoffel” beschimpft. Mediale Aufmerksamkeit für diese Form des Rassismus gibt es keine, man muss schon froh sein wenn eine kurze Meldung im Polizeibericht steht. Als vor kurzem ein junger Deutscher in Essen ermordet wurde, weil einem Afghanen seine langen Haare nicht passten, hat das gerade mal die Lokalzeitung gemeldet.

    Wenn Schäuble darauf aufmerksam macht, dass Rassismus viele Facetten hat, dann spricht er damit vielen Opfern von Ausländergewalt aus der Seele. Dadurch wird die Tat in Potsdam nicht relativiert, ob das Opfer Deutscher oder Afrikaner, weiss oder schwarz ist, spielt keine Rolle. Rassistische Gewalt ist gleich schlimm, egal gegen wen sie sich richtet. Die Grünen sind dagegen selbst rassistisch, für sie sind Deutsche Opfer zweiter Klasse.

  • Einstein:

    “Die Gefahr, in der Ausländer in ganz Deutschland sind, wird dadurch verschwiegen.”

    Hm, wo denn? Steht doch groß in allen Medien. Die Gefahr in der Deutsche schweben, die das Problem haben zur falschen Zeit am falschen Ort auf gewaltbereite – und genauso rassistische – Immigranten stoßen, wird dagegen tabuisiert. Und wenn einer doch den Mund aufmacht ist er gleich ein “Rassist” – siehe Schäuble.

    Doppelmoral und Heuchelei – so nennt sich dieses ganze Schauspiel. Und um die Opfer, egal ob Deutsche oder Ausländer, interessiert sich keiner wirklich.

  • dieter:

    Nch Information des “FOcus” , des “Tagesspiegels” und der “Maerkischen Allgemeinen” gibt es erhebliche Schweifel an den geschilderten Tatablauf . So soll das Opfer alkoholisiert gewesen sein ( 2,08 Promille) , die Angreifer beschimpft und attackiert haben !

  • copacabarnabas:

    Ihr habt Recht, die öffentliche Wahrnehmung ist wirklich selektiv. So ein Verbrechen geschieht jeden tag hundertfach. Aber dann sind die Opfer halt nicht schwarz oder türkisch sondern deutsch. Aber das interessiert die Grüne Jugend halt nicht, denn das lässt sich ja nicht für einen Kampagne gegen Rechtsextremismus verwerten. Wirklich schade.

  • dieter:

    ICh finde es echt erschütternd , dass es anscheinend nur jemanden interessiert ,wenn eine ASchwarzer oder Türke zusammengeschlagen wird . Das brauchen die Grünen um ihr Szenario des Rassimus propagandistisch ausmalen zu können. Ansonsten macht es nichts . Wäre das Opfer keine Schwarzer gewesen , hätte das niemanden von den Grünen interessiert . Warum auch?? Das kann man ja nicht gut verwenden um politische Kampangen zu starten …

  • Klaus:

    Ich kann mich den anderen hier nur anschließen:
    Genau am 17.04.06 wurde in Potsdam ein 20jähriger Deutscher bei einer Massenschlägerei zwischen orientalischen Ausländern und Deutschen von einem Afghanen vorsätzlich und bewusst mit einem Messer ins Herz gestochen und damit getötet.
    KEIN AUFSCHREI von irgendjemand. Kein Herr Nehm ermittelt. Keine Mahnwache (außer Eltern und Freunden), keine Demonstration, keine Lichterkette, kein gar nichts!
    Die Moral und die sittliche Empßörung der GRÜNEN sind selektiv und damit a-moralisch.
    Sie sind nichts anderes als Ideologen, die nur IHR Süppchen kochen wollen.
    Ich wünsche ihnen von ganzem Herzen eigene tolle Erfahrungen.

  • Klaus:

    Genau an dem 17.04.06 wurde in Potsdam ein 20jähriger Deutscher von einem Afghanen mit einem gezielten Stich ins Herz bei einer nächtlichen Schlägerei zwischen orientalischen Jungmännern und Deutschen ermordet.
    Niemand interessiert es!
    Weder die “objektiven Medien” noch die ganzen Gutmenschen und Obermoralischen.
    Die “Grüne Jugend” schon erst recht nicht. Logo.
    Ich wünsche allen Grünen Erkenntnis fördernde Erfahrungen mit ihren geliebten Musels aus dem Orient!