Einen Tag nach dem Ende der Sommerakademie ist die Tramptour in Wolfsburg angekommen. Auf dem Weg von Hannover in die “Autostadt” sind uns beim Trampen schon ausreichend interessante Figuren begegnet. Am schnellsten war heute Dani, der gut zwei Stunden vor den anderen vier TrampterInnen angekommen ist.

Dani stand mit einem Schild an einer Autobahneinfahrt am Nordrand von Hannover und wurde von einem VW-Arbeiter mitgenommen. Es ergaben sich interessante Gespräche, weil der Arbeiter gut politisiert, aber auch etwas frustriert war. Und richtig schön links. Durch kluge Kommentare auf Veranstaltungen fiel er dereinst einer Partei auf, die dann wollte, daß er bei ihnen mitmacht. Da fragt der Arbeiter den Funktionär: Was kann ich denn da machen, wenn ich meine eigene Meinung behalten will? Und bekommt als Antwort: Auf dem Klo kannst du sagen, was du willst, aber ab einer bestimmten Position mußt du halt aufpassen, was du in der Öffentlichkeit sagst. Seitdem hat er auf Parteien keine Lust mehr. Und ihr wundert euch, daß es euch schlecht geht?

Simon und Magda waren am längsten unterwegs. Eineinhalb Stunden standen sie an der Raststätte Garbsen im Nordwesten von Hannover. Irgendwann verlegten sie sich vom Anquatschen an der Tanke aufs Warten mit Schild und kamen ebenfalls direkt nach Wolfsburg – mit einem langhaarigen aus der ehemaligen DDR, der von frühen Erfahrungen mit der dortigen Diktatur erzählen konnte. Weil er seine eigene Meinung hatte und die sogar sagte, holte ihn die Stasi mit 14 spontan aus dem Unterricht in der Schule zu einem zwölfstündigen Verhör.

Sina und Karl fuhren die selbe Strecke in drei verschiedenen Autos. Zuerst ein Pärchen aus den Niederlanden, die um die beiden mitzunehmen ihr ohnehin schon gut gefülltes Auto komplett umräumten. Wie scheinheilig mutet es da an, wenn andere sagen, sie könnten niemanden mitnehmen, weil auf dem Rücksitz drei Hemden liegen! Das nächste Teilstück fuhren sie mit einer Nonne der erzkonservativen Pius-Bruderschaft. Die Frau hatte 1968 in Berlin studiert und die Studentenrevolte voll mitbekommen. Aber sie war schon damals “reaktionär” und ging lieber weg aus der großen Stadt. Und die letzten 16km mit einem Mann aus Kenia mit wunderschönen Wursthaaren, der seit 11 Jahren in Deutschland lebt. Er arbeitet deutschlandweit in Edekas. Um Fair-Trade-Ananas zu promoten, stellt er sich hinter einen Stand in den Supermärkten, verteilt Ananasstückchen und erzählt den Leuten von Kooperativen-Projekten in Kenia.

Eine der guten Sachen am Trampen ist, daß man sehr viele verschiedene Leute trifft, völlig wahllos aus allen Klassen, mit allen möglichen Geschichten und Einstellungen und man kann sich mit ihnen unterhalten und sieht sie dann nie wieder.

Nachdem wir in Wolfsburg angekommen sind, melden wir und bei Nils von der GJ Wolfsburg. Während wir auf ihn warten, packen wir ein Banner mit der Aufschrift “Freie Liebe. Freie Menschen. Freie Drogen.” aus. Auf dem Weg vom Phaeno zum Naturzentrum, in dem wir schlafen sollen, machen wir eine kleine Spontandemo mit dem Banner. Einfach so.

Und was wir beim Bundeslager der PfadfinderInnen erlebt haben und wie wir aus dem Naturzentrum rausgeflogen sind, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

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