Ein Artikel von Kathrin Henneberger, Klimaaktivistin und ehemalige Sprecherin der GRÜNEN JUGEND
In Bonn sind die Klimaverhandlungen in die nächste Runde gegangen.
Werden sich die Staaten an die Kopenhagen Accords festklammern? Welche
Rolle wird Kyoto weiter spielen? Oder wird der Mut aufgebracht einen
neues Weg zu beschreiten?
Dieser April war, aus globaler Perspektive, der wärmste gemessene Monat in der Geschichte. Immer mehr und
mehr rekordklimatische Ereignisse stürmen auf uns ein. Das Zwei Grad
Ziel erreichen? Hoffnungslos, angesicht der Katastrophe von Kopenhagen.
Kann das Ruder noch herum gerissen werden? Um diese Frage, um einen
zersplitternden Strohalm der Hoffnung geht es in Bonn. Und während die
Zeit davon läuft scheint nach dem Kopenhagen- Flop Ernüchterung und
Stillstand bei den Verhandlungen eingekehrt sein. Mexico, die nächste
große UN- Klimakonferenz im Winter 2010 wird zur Farce werden, das ist
jetzt schon abzusehen. Yvo de Boer erklärte “Ein neues Abkommen wird
es in Mexiko jedoch noch nicht geben”.
Aber vielleicht kommt es doch anders. Allein das Wissen, dass wir es
uns nicht leisten könne noch länger zu warten müsste die Menschen – in
den Verhandlungen wie auf der Straße – aufrütteln. Und neue Kraft
geben weiter zu kämpfen, ihre Positionen noch einmal zu überdenken.
Sich herauszuwinden aus der Verhandlungsstarre. Über 5000
VerhandlerInnen treffen sich seit gestern in Bonn. Das Kyoto-
Protokoll ist tod. Ein Nachfolgeprotokoll ähnlichen Charakters mit den
vielen verschiedenen marktwirtschaftlich- neoliberalen Mechanismen
wird zuviel Zeit der Ratifizierung beanspruchen. Klar ist, wenn jetzt
etwas abseits der Kopenhagen Accords geben wird, muss es einfach und
klar und ohne viele Instrumentenschnickschnack auf den Säulen echter
Klimagerechtigkeit aufgebaut werden sein. Klima darf nicht länger zum
Spielball des internationalen Machtpoker zwischen Industrie-. Schwellen-,
und Entwicklungsländer sein.
Ganz klar ist: wollen wir das Klima retten müssen wir unser globales
Wirtschafts– und Produktionssystem verändern. Die fossilen Ressourcen
im Boden lassen und weltweite eine neue nachhaltige Gesellschaft
aufbauen.
Aber bis es soweit ist heißt es weiter kämpfen. Die Hoffnung nicht
verlieren. Denn besonders wir, die wir hier in dem Industrieland
Deutschland leben, tragen die Verantwortung dafür zu sorgen ordentlich
Druck aufzubauen. Zu zeigen, dass wir nicht länger zu schauen, sondern
Handeln.
Denn Deutschland muss sich endlich seiner historischen Verantwortung
als Industrieland stellen. Einhalten, was es an Finanzversprechen auf
den letzten Konferenzen gegeben hat. Merkel und Co. müssen erkennen,
dass es beim Klimaschutz nicht darauf ankommt die eigenen
Treibhausgasreduktionen abhängig von denen anderer Länder zu machen.
Selber voran gehen, zum klimafreundlichen Pionier werden und gemeinsam
mit anderen Ländern zeigen das konsequenter Klimaschutz möglich ist -
das würde am meisten den Druck auf die Bremser erhöhen.
