Wahlkampfbus Bayern:

I. Am Joschka sei Freunde

Morgens gegen 11 stehen wir auf.
Bei den Grünen hier gibt es genügend Platz, es war ein Fehler, Isomatten, Schlafsäcke und sogar ein Zelt mitzunehmen, richtig angestrengt haben sie sich, uns ein schönes Frühstück zu machen; verschiedene Müslis, Joghurt, Pfirsiche, Semmeln, Honig, viele Marmeladen und Erdnußbutter geben uns die nötige Energie für den kommenden Tag.

Eigentlich wollten wir um 11 losfahren, aber da sie Leute vom nächsten KV gesagt haben, wir sollen “ja nicht zu früh kommen�, ist es uns egal, daß wir gerade eine Stunde Verspätung haben.

Das Mittagessen fällt meistens ohnehin aus, da wir sobald wir ankommen mit der Pinguinaktion beginnen. Scheinbar haben alle bayerischen Kreisverbände den Pinguin gebucht. Sebi und Georg sind zu groß und die anderen beiden haben lange Haare, deshalb ist Karl fast durchgehen der Pinguin.

Die nächste Stadt ist nicht weit weg. Karl fährt. Georg wollte noch etwas sortieren, abschreiben und dann an einer gut sichtbaren Stelle im Bus aufhängen, damit wir immer alle den Überblick haben.
8 km vor dem Dorf fährt ein LKW nur 80, obwohl wir 100 fahren dürften. Der LKW deutet an, daß er sich überholen lassen will. Aber mit 80 braucht man für 8km 6 Minuten und mit 100 4,7 Minuten, daher rentiert sich das jetzt auch nichtmehr.

Das Dorf ist ganz klein. Uns erwarten Annalena und Florian. Annalena ist 17 und ihre Mutter war vor ein paar Jahren für die Grünen im bayerischen Landtag. Flo ist zwei Jahre älter und muß sich um die Hühner und Schafe kümmern, während seine Eltern nicht da sind. Die beiden halten den Grünen Kreisverband am Leben und kümmern sich fast alleine um den ganzen Wahlkampf.

II. Ansichten eines Pinguins

Vor einem Spielplatz, direkt neben dem Ständer für die Fahrräder bauen wir unseren Pavillon auf. Der Pinguin ist natürlich die größte Attraktion. “Das ist ein Rabe, der holt dich, wenn du nicht brav bistâ€?, erklärt eine alte Frau ihrer Enkelin. Das ist natürlich nicht richtig: Es ist ein Pinguin, der gegen das Abschmelzen der Polkappen protestiert: “Wo wohnen denn die Pinguine, am Nordpol oder am Südpol?â€? – “Im Schnee!â€? antwortet ein kleiner Junge.

“Wie schmeckt eigentlich Pinguin?�, fragt ein anderer.

In der rechten Hand hat der Pinguin ein Schild. Darauf steht: “HILFE! Mein Eis schmilzt!�. Manche Leute brauchen recht lang, um das zu lesen. Zwei Buben auf dem Fahrrad lachen den armen Pinguin aus: “Hilfe? ‘Paar auf’s Maul kannst haben!� Und sie kehren um und machen ihre Drohung war.

Aber eigentlich interessieren sich die Kinder nicht für den Klimawandel. Viel interessanter ist die Frage, ob der Pinguin echt ist. “Der ist gar nicht echt! Da ist ja ein Mann drunter, ich hab’s gesehen!� Der Pinguin schüttelt den Kopf. “Da ist ein Mann drunter, der hat eine Maske auf, mit Löchern drin und man kann die echten Augen noch sehen.� “Und echte Pinguine haben auch keine Hände!� Der Pinguin zieht die Hände unter sein Kostüm zurück. “Und echte Pinguine haben auch keine Schuhe.�

Ein kleines Mädchen feiert ihren 8ten Geburtstag auf dem Spielplatz. Der Pinguion gratuliert, aber seitdem wird das Geburtstagsfest immer aufdringlicher. Der erste Bub hebt den Umhang des Pinguins an. “Da ist ein Mann drunter, ich hab’s gesehen! Und der hat einen Reifen um!� Die anderen wollen auch nachschauen. Der Pinguin wehrt sich mit seinem Schild. Annalena kommt, dem Pinguin zu helfen: “Laßt doch den Pinguin in Ruhe!� Der Pinguin, mittlerweile in Rage, haut auch Annalena neckisch mit dem Schild auf dem Kopf. Annalena verschränkt die Arme “Ihr dürft ihn hauen!�

Der Pinguin ergreift die Flucht. Aber ein Pinguin kann immer nur ganz kleine Schritte machen, deshalb ist er nicht schnell genug und wird von den Kindern schnell eingeholt. Und die sind schlau. Sie stellen sich im Kreis um den Pinguin herum und geben sich die Hände. “Wir lassen dich hier nie wieder raus und dann stirbst du!�

Irgendwann wird das alles zu viel und die Mutter des Geburtstagskinds entscheidet, daß es jetzt Zeit für ein weiteres Eis ist. Die Kinder ziehen ab. Der Pinguin schnappt sich jetzt Stefan und geht mit ihm am Wasser entlang auf die Wiese. Da hinten sind ein paar Jugendliche und picknicken. Die kiffen bestimmt auch, deshalb müssen wir denen noch ein paar SPUNKs geben.

Zum Mittagessen lädt uns der örtliche Direktkandidat in ein Restaurant mit regionalen Produkten ein. Zu jedem Wildschwein steht dabei wo es geschossen wurde und es gibt Karpfen aus eigener Zucht. Der Direktkandidat bestellt Ingreisch, das sind die Samen der männlichen Karpfen. Es schmeckt neutral.

III. Wir erhöhen die Frauenquote

Annalena beschließt spontan, noch eine Woche mit uns mitzufahren. Von jetzt an sind wir also zu fünft und die Frauenquote steigt von 0 auf 20%. Wahlkampf macht Spaß und begeistert die jungen Menschen, da soll die TAZ schreiben was die TAZ schreiben will.

In die nächste Stadt fährt Sebi, Annalena sitzt daneben und neben ihr sitzt Karl mit der Landkarte, damit wir den Weg sicher finden. “An der Kreuzung da vorne müssen wir gerade aus fahren.â€? – “Da geht’s nicht gerade aus!â€? – “Das hier ist die Maximilianstraße, die geht gerade aus weiter in die Uzstraße, also fahr’ gerade aus.â€? – “Aber da ist ein Brunnen!â€?
“Dann fahren wir eben rechts und sochnell wie möglich wieder rechts.� Sebi fährt zweimal rechts, wir sind in einer winzigen Seitenstraße. “Scheiße! Das andere Rechts habe ich gemeint!�

Wir bauen unseren Stand in einer Fußgängerzone auf. Der Ortsverband hier hat uns richtig viel Eis besorgt, so daß sich der Pinguin richtig draufstellen kann. Sebi beginnt eine längere Diskussion mit einer attraktiven jungen Frau. Zumindest sieht das Wolfgang so. Wolfgang ist der Direktkandidat. Er ist Förster, hat einen Cowboyhut auf und sieht sehr Bürgernah aus. “ich hatte früher immer Probleme, eine Freundin zu finden. Wenn ich gewußt hätte, daß man in da Frauen kennenlernen kann, wäre ich auch schon früher zu den Grünen gegangen�, sagt er zu den beiden 17-Jährigen Mädchen hinter dem Infostand des Grünen Ortsverbands, und meint Sebi und diese Frau und er lacht.

Aber die beiden machen nur von weitem ein schönes Paar, inhaltlich trennen sie Welten. Eine heftige Diskussion entbrennt und kein Ende ist abzusehen. “Gerecht ist, wenn jeder gleich viele Steuern zahlt.� Karl ruft Sebi an, um ihn zu “retten�, aber der hat an der Grundsatzdiskussion gefallen gefunden. Erst am Schluß gibt die Frau zu, daß sie bei der Jungen Union ist. Sebi macht sich jetzt über sie lustig. Frauen, Homosexuelle, Drogenpolitik, Umweltpolitik, sie gibt sogar zu, daß die JU absolut lächerlich ist.

Der wahre Chameur unseres Teams ist Georg. Die beiden Mädls sind begeistert und beschließen, uns am Abend bei der Kneipentour zu helfen. Vorher müssen wir aber noch was essen. Pro Person geben uns unsere Gastgeber für das Abendessen 20€ mit. Wir zahlen also bei unseren Käsespätzle nicht drauf.
Wolfgang stößt mit dem beiden Mädls zu uns und gibt uns noch Direktkandidat-Flyer. Als Dankeschön legt er noch jedem 10€ dazu, damit wir bei der Kneipentour auch unseren Spaß haben können.

Wir gehen also von einer Kneipe zur nächsten und verteilen SPUNKs und Flyer. Die ersten beiden Kneipen sind leer. Am Schluß landen wir in einem Cluib mit dem schönen Namen “Wooloomooloo Bay Hotel�, der ganz und gar orange ist. Erst um 3.30 kommen wir wieder heraus.

Katharina will sich überlegen, ob sie noch mit auf die Hochtour kommt. Wir werden immer mehr.
Am nächsten Morgen, schon unterwegs ins nächste Dorf, bekommt Georg eine SMS von Katharina. Sie könnte am 10.9 vorbeischauen und fragt, wo wir da sind und wer alles noch dabei ist. da sind wir im Wahlkreis Miesbach/Bad Tölz/Starnberg und dabei sind noch Karl, Matthias und Sebi, schreibt Georg zurück und schließt sich selbst ungenannt mit ein.
Antwort: Ach so, du bist dann gar nicht mehr dabei. Ich weiß auch noch nicht sicher, ob ich überhaupt Zeit hab’.
Als Georg aber richtig stellt, daß er auch noch mit dabei ist, stellt sich auch die Sicherheit in Katharinas Zeitplan wieder ein und sie kommt uns am 10.9 helfen.

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