
Plenarsession
Ein typischer Tagesablauf sieht ungefähr so aus: Um kurz nach sechs stehe ich auf, um es pünktlich zum Treffen der Jugendinteressengruppe YOUNGO um acht zu schaffen (ja, unser Weg zum Konferenzzentrum ist lang). Dankeswerterweise versorgt Greenpeace die Aktivisten vorher noch schnell mit Kaffee. Um neun geht es weiter mit dem nächsten Treffen, auf dem unsere Positionen in verschiedenen Bereichen abgestimmt werden. Im Anschluss daran steht die erste Plenarsession auf dem Programm, wo heute Tuvalu in einer bejubelten Rede ein rechtlich verbindliches Abkommen einforderte. Mein persönliches Highlight war jedoch der engagierte Beitrag der Jugend, von dem sich die dänische Konferenzvorsitzende sich übrigens sehr angetan zeigte.
Nach dem täglichen kurzen Update mit der Europäischen Grünen Jugend kann ich dann die erste Verschnaufpause des Tages genießen: es gibt endlich Mittagessen (leckerer und mit drei Euro vor allem günstiger als erwartet). Danach gilt es, einen ruhigen Platz zu finden, um die ersten der täglich ca. 200 Emails zu lesen, die allein über die Liste der Jugenddelegierten gehen. Mit viel Glück finde ich auch noch Zeit für einen Blogartikel, bevor der Nachmittag den europäischen Vernetzungstreffen und den zahlreichen Nebenevents gehört. Heute informierte z. B. die EU über die Emissionen durch Abholzung. Zwischendrin gucke ich immer wieder an unserem Stand vorbei, verschenke T-Shirts (die unter den Afrikanischen Länderdelegationen reißenden Absatz haben – man will seiner Familie schließlich etwas aus dem fernen Europa mitbringen) und sammel des Lobbyisten beste Waffe: Visitenkarten.
Nach einem weiteren Treffen unserer Delegation, dem Briefing der deutschen Verhandlungsführerin für die Zivilgesellschaft und schließlich dem wohlverdienten Abendessen falle ich dann müde ins Bett. Eigentlich schade, denn an abendlichen Empfängen mangelt es nicht. Vielleicht morgen ja, wenn der Leiter des UN-Klimasekretariats einlädt. Schließlich schmückt man sich hier äußerst gerne mit (Alibi?)Jugendbeteiligung.
Das “Alibi?” finde ich viel zu schüchtern formuliert.
Ich persönlich halte diese ganzen “jugendparlamente” und so nen Kram für einen fast schon zeitraubenden Aktionismus. Erstens wird damit gezeigt, dass “die Jugend” irgendwie abgesondert diskutieren soll, was sie eigentlich aus dem politischen Geschehen ausgrenzt.
Zweitens ist Jugendbeteiligung eben erst wirklich da, wo es rechtlich bindende Jugendbeteiligung (aktives/passives Wahlrecht etc.) gibt. Denn Reden und Diskutieren (abwertend: Schwätzen) kann ich an jedem x-beliebigen Ort…
Es stimmt, dass sich viele hier einfach gerne mit der Jugend schmücken, ohne die Position auch nur irgendwie in Erwägung zu ziehen. Andererseits ist der einzig formelle Beteiligungsmechanismus auf der Klimakonferenz (und auf den wolltest du mit dem Wahlrecht doch hinaus?) die Teilnahme von jungen Menschen in den Länderdelegationen, denn die UN besteht nun man aus Staaten… und wenn das die momentan einzige Möglichkeit ist, ziehe ich es vor eine eigenständige Beobachterin zu sein, die die offizielle deutsche Delegation kritisieren kann!
Wir YOUNGOs haben Treffen mit Yvo de Boer und der deutschen Delegation, dürfen aber auch im Konferenzzentrum Aktionen machen. Wir haben ein eigenes Büro (goldwert!) und ein relativ großes Budget zu Selbstverwaltung. Zudem gibt es Aktivos wie Micha und Julia, die das ganze schmeissen. Da macht es wirklich Sinn – wir sind ja dennoch kritische Aktivist_innen.