Geschrieben von (Max Pichl) in Diskussion am 3. Dezember 2009

In den letzten sechs Wochen wurden, ausgelöst durch die Proteste an der Uni Wien, auch in vielen anderen europäischen Städten Universitäten besetzt. Gerade in Deutschland, wo die Umstellung auf Bachelor und Master besonders in der Kritik steht, gab es viele Aktionen und Besetzungen. Trotzdem herrscht unter Studierendenschaft eine große Uneinigkeit, wie man mit den Protesten umgehen soll und auch die Medien liefern kein konsistentes Bild. Deshalb möchte ich, um auch in der GRÜNEN JUGEND einen kritischen Dialog anzustoßen, anhand einiger Thesen versuchen den Bildungsstreik inhaltlich zu unterfüttern.
These 1: Es geht nicht nur ums Geld
Direkt am Anschluss an die Besetzungen der Hochschulen, gab es in den Medien eine breite Debatte über den Sinn und die Forderungen der Proteste. Viele Politiker_innen, allen voran Bildungsministerin Annette Schavan, wollten den Forderungen der Student_innen entgegenkommen. So versprach die Ministerin mehr Geld für die Hochschulen und eine Erhöhung des Bafög-Satzes. Aber es geht nicht nur ums Geld. Was bringen uns Milliarden, wenn der Inhalt in den Universitäten und die Struktur des Studiums schlecht ist. “Mehr Geld für Bildung” ist nur eine Forderung des Bildungsstreiks und sicherlich nicht die entscheidenste. Im Mittelpunkt der Debatte sollte die funktionale Umstellung des Bildungssystems stehen. Die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge heißen vor allem eins: verschultes Studium, schnelleres und stressigeres (!) Studieren, keine kritische Reflexion der Studieninhalte und Masterabschlüsse für eine kleine Elite. Zwang und Konformismus stehen hinter der Idee, dass in allen Seminaren Teilnahmelisten geführt werden und die StudentInnen schneller studieren sollen. Das ist der eigentliche Skandal. Finanzielle Mittel sichern einen organisatorischen Rahmen unter dem ein Studium durchgeführt werden kann, aber Geld alleine reicht nicht für gute Bildung aus. Es ist bezeichnend, dass während des Bildungsstreiks vielerorten Veranstaltungen und Diskussionen kostenlos von Dozent_innen gehalten wurden und auch Student_innen ihre Themen in die inhaltliche Ausgestaltung des Streiks eingebracht haben.
These 2: Wir wollen keinen Kuschelkurs
Deshalb sind auch die Vereinnahmungstaktiken durch die Politik und durch die Hochschulleitungen heuchlerisch. Viele Politiker_innen und Uni-Präsident_innen sagen immer wieder, sie stünden den Protesten prinzipiell positiv gegenüber- nur um sich im gleichen Moment gegenseitig die Verantwortung für die Bildungsmisere zuzuschieben. Man muss klar sagen: eine Annette Schavan steht den Forderungen des Bildungsstreiks sicherlich in keinster Weise positiv gegenüber. Vielmehr möchte die Politik einen Kuschelkurs gegenüber den Student_innen praktizieren, um hinterrücks die selbe Politik weiterzuführen. Die Universitäten versuchen derweil an einem Saubermann-Image zu arbeiten und zeigen sich verständnisvoll – nur um einige Stunden später Hörsäle gewaltsam räumen zu lassen. Ich will keinen Kuschelkurs mit der Politik im Bildungsstreik. Die Geschichte sozialer Bewegungen hat gezeigt, dass man emanzipative Verhältnisse nicht mit sondern im Widerstand gegen die Politik durchgesetzt hat. Deshalb müssen die Streiks und Besetzungen weitergehen.
These 3: Wir lassen uns nicht kriminalisieren
In dieses Saubermann-Image passt dann auch die Aussage eines Sprechers der Uni Frankfurt, dass die beteiligten Menschen am Bildungsstreik zum größten Teil Autonome seien, die nicht (!) an der Universität studieren. Das ist Quatsch! Auch die Vertreter_innen der linksradikalen und autonomen Szene gehören mehrheitlich zur Studierenschaft. Dieses Verhalten der Hochschulen ist Teil einer Kriminalisierungsstrategie, um die Student_innenschaft zu spalten. Natürlich kommt es im Rahmen des Bildungsstreiks zu Sachbeschädigungen und Vandalismus- ob dies ein Ausdruck von politischem Protest ist, muss jeder für sich entscheiden. Fest steht aber, dass die Studierenden keine homogene Masse sind, auch viele Student_innen lehnen Sachbeschädigungen ab, aber identifizieren sich dennoch mit dem Bildungsstreik und nehmen an Demonstrationen teil. Gerade die Medien sollten sich fragen, ob sie immer wieder unreflektiert die Stellungnahmen von Universitäten übernehmen sollen und die Studis per se als Gewaltverbrecher verurteilen. Die Institutionen, die sich in das rechtsstaatliche Aus katalpultieren, sind vielmehr die Uni-Leitungen und Polizist_innen, die mit einer unverhältnismäßigen körperlichen Gewaltanwendung die Studi-Proteste räumen.
These 4: Für eine kritische Wissenschaft
Viele Student_innen und Politiker_innen kritisieren, dass während des Bildungsstreiks auch antikapitalistische Forderungen und Thesen diskutiert werden. Sie meinen, dass man den “Bildungsstreik” alleine auf das Thema Hochschule reduzieren solle. Man müsse eine pragmatische Politik für konkrete Veränderungen anstreben, so der allgemeine Tenor. Dabei wird jedoch vergessen, dass die Schulen und Hochschulen nicht im leeren Raum schweben, sondern natürlich eingebettet sind in gesellschaftliche Machtverhältnisse. Gerade das Bildungssystem ist der Ort, wo gesellschaftliche Bedingungen immer wieder aufs Neue reproduziert werden. Deswegen gehört ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz in die Debatten des Bildungsstreiks. Wer nicht willens ist, sich grundsätzlich mit dem bürgerlichen und kapitalistischen System auseinanderzusetzen, der verkürzt seine Analysen und verkürzt damit auch seine Forderungen. Eine Wissenschaft der Kritischen Theorie, die mittlerweile fast von allen Hochschulen verschwunden ist, muss wiedererkämpft werden. Gerade in den Krisenzeiten brauchen wir einen gesellschaftlichen Diskurs über die Zukunftsfähigkeit dieses Systems und dieser Diskurs wurde in der Vergangenheit immer wieder an den Hochschulen geführt. Der Bildungsstreik und die Besetzungen sind die konsequente Aneignung von universitären Räumlichkeiten, damit ein neuer Raum geschaffen wird, um diese Diskurse interdiszplinär zu führen. Eine bessere Lehre erreichen wir nicht dadurch, dass wir ein bisschen mehr Geld für die Hochschulen haben, wir brauchen auch grundsätzliche Debatten über die Funktion von Bildung. Adorno sagte einmal: ” Es gibt kein richtiges Leben im falschen”. Man könnte auch sagen: ” Es gibt kein richtiges Studium im falschen”.
Maximilian Pichl, Student der Uni Frankfurt am Main
Matthias am Donnerstag, 3. Dezember 2009 um 16:12 #
Das Bild passt nicht so ganz zu dem Artikel, besser wäre ein Foto eines Bildungsstreiks.
Der einzige Grund für dieses Foto könnte der zusammenhang zwischen These 4 sein.
Soweit ich weis gibt es dazu keine passende beschlusslage der Grünen Jugend. Deswegen ist das Bild nicht geeignet für diesen Blog.
Luka am Donnerstag, 3. Dezember 2009 um 16:14 #
Das Bild stammt von der Frankfurter Rundschau aus dem besetzten Hörsaal im Casino.
Mir ist keine Beschlusslage darüber bekannt, dass vorher ein Gremium beschließen muss, welche Bilder die Autoren, die ihre eigene Meinung (!!) darstellen im Blog verwenden dürfen…
Max am Donnerstag, 3. Dezember 2009 um 16:34 #
Das Foto ist doch irrelevant; das ist ein Bild von unserer gestrigen Uni-Besetzung.
Außerdem muss ich mich in dem GJ-Blog nicht an GJ-Beschlusslagen halten, das hier ist eine offene Kommunikationsplattform.
Und jetzt bitte inhaltlich debattieren!
auch Matthias am Donnerstag, 3. Dezember 2009 um 16:54 #
Zum Kommentar vorher:
Das Bild zu nem Blog-Artikel dazuzustellen gehört genauso zur Freiheit der/des Autor_in. Max hat das Bild sicherlich bewusst gewählt und nicht nur im Hinblick auf Forderung 4 ;-)
Matthias am Donnerstag, 3. Dezember 2009 um 17:52 #
An wen muss ich mich wenden, wenn ich hier auch einmal einen Kritischen Artikel veröffentlichen möchte?
Franza am Donnerstag, 3. Dezember 2009 um 18:33 #
Inhaltliche Argumente sind gewünscht…
Ich versuche mal, darauf einzugehen.
Max, ich habe den Eindruck, manches deiner Beobachtungen belaufen sich auf die Uni Frankfurt. Ich denke, das muss hier eine Rolle spielen – die Proteste sind dezentral und ich gebe ehrlich zu, tw. herzlich wenig von dem zu wissen, wie und was an anderen Unis passiert.
Vorneweg also die Bitte, nicht alles zu pauschalisieren, sondern evtl. eher auf den spezifischen Ort des Geschehens und des Beobachtens hinzuweisen.
1. “Es geht nicht nur ums Geld”
Um was geht es uns?
Ich denke, hier passt als Überschrift besser eine der Forderungen der Bildungsstreikenden: Bildung statt Ausbildung.
Damit wird umfassender erklärt (als mit deiner unklaren Thesenüberschrift), dass es sich um inhaltliche, also qualitative statt quantitative (auf Leistung und Leistungspunkte beruhende) Bildung handelt. Dass diese Geld kostet, ist inbegriffen oder kann als eine Forderung in der These enthalten sein.
Klar ist dabei, dass BaFÖG-Erhöhungen grundsätzlich nicht schlecht sind, aber in diesem Kontext mE (meines Erachtens) absolut fehl am Platze, weil die Selektion im Bildungssystem ja nicht erst mit den finanziellen Mitteln im Studium beginnt und derzeit mE das Augenmerk woanders hingelegt werden muss, wenn man die soziale Selektion eindämmen will (Kitas, Eine Schule für alle etc).
2. “Wir wollen keinen Kuschelkurs”
Ich denke nicht, dass immer und überall Widerstand gut ist. Im richtigen Moment muss man eben auch verhandeln können. Vielleicht bin ich da pragmatischer als du, aber ich denke, auch so kann im Zweifelsfall einiges erreicht werden. Genau hier kommt die Frage des Ortes ins Spiel. An der HU wurden die Fachschaften zu einem gemeinsamen lockeren Gespräch zum Unipräsidenten eingeladen. Ich muss das nicht per se toll finden, muss es aber mE auch nicht gleich ablehnen. Es kann was Gutes dabei rauskommen. Nur weil jemand verhandelt, ist er/sie mE nicht schwach.
Zudem muss der Widerstand genügend Unterstützung haben. Und obwohl der Protest, wie Philip in seiner Mail schrieb, anscheinend auf offene (wenngleich nicht unkritische) Ohren stößt, so unterstützen ziemlich wenige aktiv den Streik – jedenfalls ist das meine Erfahrung an der HU Berlin.
Demnach ist der Druck nicht ausreichend, wenn nur ein paar Hänsel_innen im Audimax schlafen – und der ganze “Widerstand” ist kein wirklicher. Verhandlungen könnten hier nützlicher sein.
3. “Wir lassen uns nicht kriminalisieren”
Zwei Dinge sehe ich hier kritisch:
a) Deine Legitimation von Sachbeschädigung
Ich sehe das anders. An der HU hat es meines Wissens nach gut geklappt – eigens aufgehängte Plakate à la “Bei Beschädigung folgt Räumung” um beteiligte Studis zu bitten, Sachbeschädigung zu unterlassen, haben gewirkt (soweit ich weiß).
Meine Erfahrungen bei der Demo vom 12.11.08 haben mir dagegen gezeigt, wie sinnlos und verachtenswert ich Sachbeschädigungen halte. Davon abgesehen, dass diese aus Aggression entstehen (mE negative Emotionen), sind sie absolut destruktiv: Was bringt es, Klopapier in Bäume zu schmeißen? Damit also Umwelt zu verschmutzen und der Uni Geld zu rauben? Warum müssen Antragsformulare auf den Boden geschmissen und warum Ausstellungen zerstört werden (dabei gehe ich davon aus, was unklar ist, dass die Zerstörenden dies nicht aus antisemitischen Motiven taten)?
Besetzung und Streik gehen mE ohne Sachbeschädigung.
Das heißt aber nicht, dass ich für die Räumung der Frankfurter Uni oder sonstweder gewalttätiger Folgen von Sachbeschädigung bin/war.
b) Die Medien als Sündenbock
Was für Medien hast du gelesen, wo einzig die Studis als gewaltbereite und destruktive Meute verteufelt waren? Gut, ich lese vielleicht etwas einseitig und zumeist nur die Süddeutsche, jedenfalls habe ich nicht mitbekommen, dass es dahingehende Kritik an den Studierenden gab. Ich würde die Medien nicht als Sündenbock für zu wenig Widerstand oder nicht ausreichende Erfolge darstellen.
4. “Für eine kritische Wissenschaft”
Das ist genau die Frage, die mE die Studierenden an der HU spaltet – einige wollen eben nicht alles gleich kritisieren und den Kapitalismus in Frage stellen und wollen trotzdem bessere Studienbedingungen. Wenn du ihre Forderungen deshalb für illegitim hälst, verlierst du sehr viele Unterstützende.
Kannst du sie nicht lieber durch Diskussionen überzeugen davon, dass es einer grundelegenden Gesellschaftskritik bedarf anstatt sie von vornherein zu exkluyieren?
Alles Liebe,
Franza
Angela Dorn am Donnerstag, 3. Dezember 2009 um 19:38 #
zu: “Natürlich kommt es im Rahmen des Bildungsstreiks zu Sachbeschädigungen und Vandalismus- ob dies ein Ausdruck von politischem Protest ist, muss jeder für sich entscheiden. Fest steht aber, dass die Studierenden keine homogene Masse sind, auch viele Student_innen lehnen Sachbeschädigungen ab, aber identifizieren sich dennoch mit dem Bildungsstreik und nehmen an Demonstrationen teil. Gerade die Medien sollten sich fragen, ob sie immer wieder unreflektiert die Stellungnahmen von Universitäten übernehmen sollen und die Studis per se als Gewaltverbrecher verurteilen. ”
Nein, es ist nicht natürlich, dass es im Rahmen von Bildungsstreiks zu Vandalismus kommt. Überhaupt nicht! Die besten Bestzungen waren die, bei denen Vandalierer keine Möglichkeit hatten, sich auszubreiten, weil eine große Masse basisdemokratisch klar gemacht hat, dass Zerstörrung von öffentlichem Eigentum dem Gedanken völlig kontraproduktiv und nicht akzeptabel ist.
Was macht es denn bitte für einen Sinn, für einen Erhalt von Bildung als öffentliches Gut zu demonstrieren und zu betonen wie wichtig Wissensallmend eistr, wenn man sich nicht von denen distanziert, die das kaputt machen?
Ja die Studierendenbewegung ist nicht homogen, aber man muss sich auf Minimalkonsesn einigen, wenn man etwas gemeinsam bestzt. Und wenn die einen, die anderen durch sinnlose Sachbeschädigung gefährden, dann ist das unfair, unsolidarisch und sicher nicht politisch.
Keiner hat die Studierenden als Gewaltverbrecher aktuell tituliert, alle reden von einer Minderheit, die dafür verantwortlich ist – sogar CDU und FDP interessanterweise. Das klang vor einem halbenm Jahr noch ganz anders.
Bis jetzt ist die gesellschaftliche mehrheit noch hinter den Protesten, das darf man nicht verspielen durch den falschen Glauben von “man lässt sich spalten”, “entsolidarisieren”…
Emanuel am Donnerstag, 3. Dezember 2009 um 20:56 #
zu These 1:
ähnlich wie bei Franza würde ich mehr den Fokus auf die soziale Selektion im momentanen Bildungswesen richten.
Sonst brauch ich da nicht viel zu sagen. Wir bewegen uns momentan in Deutschland vom Humboldtschen Bildungsgedanken weg. Sehr schade.
zu These 2:
Die Schuldzuschieberei von Bund, Ländern und Hochschulen ist echt unerträglich.
Bei der Sache mit dem Widerstand und der Kooperation mit der Politik finde ich nicht, dass sich diese beiden Formen ausschließen sollten.
Es ist doch kein Problem mit Demos usw. Druck auf die Politik aufzubauen, aber auch mit der Politik zu verhandeln. Natürlich werden dann konkrete Zusagen gebraucht die dann auch umgesetzt werden. Aber meiner Meinung nach schließen sich die beiden Methoden nicht aus.
Da beide Fortschritte erzielen können stelle ich eher die Frage. Warum sollte auf eine verzichtet werden?
zu These 3:
nur zum Punkt Vandalismus:
Ob jetzt sich jmd pol. Gedanken macht bevor er/sie etwas in die Richtung macht ist mir eig ziemlich Schnuppe.
Ich verstehe den Sinn dahinter nicht.
De facto wird keine Verbesserung erreicht. Es wird irgendwas kaputt gemacht und damit Leuten Futter gegeben die die pol. Forderungen des Bildungsstreikes ablehnen und denen es dann leichter fällt Gegenstimmung aufzubauen. Was soll also mit Vandalismus erreicht werden? Wie gesagt unmittelbar hat es keinen allgemeinen Nutzen, also wofür dann?
zu These 4:
Ich finde es sehr schwierig in das Programm des “Bildungsstreik” gesamtgesellschaftliche Systemkritik aufzunehmen.
In einem Workshop oder ähnlichem spricht ja nichts dagegen das mal zu thematisieren, aber es sollte meiner Meinung nach nicht im Mittelpunkt stehen, sonst hätte das ganze Ding nicht “Bildungsstreik” sondern eher einen revolutionäreren Namen bekommen müssen. Im jetzigen Bildungsstreik sind aber viele Leute aktiv die sonst eher unpolitisch sind und die erstmal auf die greifbareren Schritte aus sind. Das kann kritisiert werden, das kann aber auch gut gefunden werden. Das ist ne persönliche Sache. Diesen Leuten jetzt aber ein neues Thema vor die Nase zu setzen halte ich für falsch. Das passt einfach nicht in den Rahmen.
MfG Emanuel
[...] mal bringt die GJ (diesmal in Person von Max Pichel) viele wichtige Aspekte auf den Punkt. Die 4 Thesen zum Bildungsstreik beinhalten glaube ich ganz wichtige [...]
Luka am Freitag, 4. Dezember 2009 um 0:54 #
(auch ich schreibe – wie Max – ein bisschen aus Frankfurter Perspektive)
bezieht sich irgendwie auf These 3:
Ein weiteres Problem in Frankfurt war eben auch, dass im Plenum immer
wieder dieselben Leute beim Ansprechen des Problems der
Sachbeschädigungen ziemlich schnell darin waren, gegen eine
“Anbiederung” an andere (die medien, die “gemäßigten”, etc.) zu reden
und sehr schnell gegen Argumente geredet hatten, die im Plenum noch
nicht einmal ausgesprochen waren. Das hatte sich dann auch schnell in
die Länge gezogen, sodass man sich am Ende einig war, dass man sich
nicht einig ist (u.A. auch, weil man ja (angeblich?) überhaupt nichts
gegen die Sachbeschädigungen tun könnte).
Andererseits… ein bisschen ist es wie die Gewaltfrage all over again,
die man vielleicht wirklich mal wieder groß diskutieren könnte…
Denn man könnte auch sagen, dass viele derjenigen, die sich gegen die
Sachbeschädigungen aussprechen von den Argumenten und der Wortwahl ein
wenig in die Reihe derer einreihen, die (lächerlich unkritisch) Protest
illegitimieren, wenn er gegen “R[rrrr]echt und Ordnung” verstößt.
Max am Freitag, 4. Dezember 2009 um 1:24 #
@Angela: Ich finde es um ehrlich zu sein seltsam, dass gerade du so den Presseberichten kritiklos hinterher hechelst. Du hast doch selbst noch vor 2 Jahren aktiv an den Protesten gegen Studiengebühren mitgemacht und weisst, wie schnell man in Studentenprotesten kriminalisiert wird. Es ist einfach peinlich, dass die Sachbeschädigungen von wenigen (!) Leuten allen Protestierern angelastet werden.
Im Übrigen glaube ich nicht, dass die gesellschaftliche Mehrheit hinter uns steht, wie du es schreibst, dass habe ich schon versucht in den Thesen klar zu machen, dass ich auf Vereinnahmungsversuche keine Lust habe. Frau Schavan und die FDP wollen nicht die Bildung, die ich und andere Bildungsstreikende wollen.
Max am Freitag, 4. Dezember 2009 um 1:26 #
Und hier ein offener Brief eines amerikanischen Professors an unseren Uni-Präsidenten:
Offener Brief
Prof. Dr. Werner Müller-Esterl
Präsident
Goethe-Universität Frankfurt am. Main.
Sehr geehrter Kollege Müller-Esterl,
ich habe aus der Presse entnommen, dass Sie als Präsident der Goethe-Universität einen Polizeieinsatz gegen die protestierenden studentischen Subjekte einer vehementen Kritik der absurden bundesdeutschen Bildungspolitik vorgezogen haben.
Sie geben damit nicht nur ein klares Zeichen an die studentischen Subjekte, in dem Sinn, dass die begrenzte Regelverletzung keinerlei Aussicht auf politische Antworten der kritisierten Entscheidungsträger hat, sondern Sie treten damit einen Schritt in die Richtung der Zerstörung der Universität als Raum der kritischen Auseinadersetzung, in der die Kraft des Begriffs, und nicht die des Festnahmegriffs, die innerinstitutionelle Praxis bestimmt.
In der Konsequenz verwandeln Sie so die Universität in ein Feld, in dem, statt der inneruniversitären rationalen Auseinadersetzung, eine dem akademischen Leben völlig äußerliche, geradezu entgegengesetzte Instanz, eine polizeiliche Hundertschaft, einen objektiv bestehenden Konflikt “lösen” soll.
Auch erschreckt Ihre von der Presse wiedergegebene Wortwahl vom “Hausfriedensbruch” bezüglich der studentischen Subjekte, womit diese als der Universität äußerliche “Fremde” definiert werden, denn nur solchen kann dieses Delikt vorgeworfen werden. Die Wortwahl ist nicht nur juristisch unbedarft, sondern drückt ganz offen eine geringschätzende Haltung gegenüber allen Studierenden der Universität aus, die einem Universitätspräsidenten schlicht nicht zusteht.
In beiden Fällen drückt Ihr Handeln und das beigegebenen Reden im besten Fall ein frappantes Unverständnis universitärer Verhältnisse, oder auch ein anti-aufklärerisches Wissenschaftsverständnis aus.
Als ehemaliger Student, Asta-Vorsitzender und Lehrender der Goethe-Universität sehe ich mich verpflichtet, meinen energischen Protest gegen Ihre falsche und voraussichtlich folgenschwere Positionierung hin zur der Radikalisierung der autoritären Verhältnisse an der von Ihnen heute geleiteten Institution zum Ausdruck zu bringen.
Abschließend möchte ich Sie daran erinnern, dass selbst klar rechtslastige Präsidialabteilungen der Universität Frankfurt Ende der achtziger Jahren von einen Polizeieinsatz gegen streikenden Studierende absahen, und der damalige Streik, welcher in der Folge auf das ganze Bundesgebiet sich ausweitete, nicht unerhebliche finanzielle Vorteile für die Goethe-Universität zur Folge hatte (die insgesamt den von Ihnen dramatisierten Nachbestellungspreis für Holzleisten etc. im, auch wegen seiner Macht-Aesthetik nicht umumstrittenen, Poelzigbau um ein tausendfaches überstiegen). Man mag das Kalkül des damaligen Universitätspräsidenten beurteilen wie man will, zumindest hatte er ein instrumentelles Verhältnis zu den Streikenden, gewissen Vorteile für die Institution mit einkalkulierend, anstatt sich zum direkten Handlanger Anderer zu machen. Wer aber sind diese Anderen? Es sind diejenigen gesellschaftlichen Funktionäre, die entgegen aller Empfehlungen solch unverdächtiger Einrichtungen wie der UNESCO, die Bildungsausgaben auf einen historischen Tiefsstand bringen und zugleich, ohne jede reale Kenntnis des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses, stromlinienförmige Bildungs- und Forschungsprozesse zur Norm machen wollen, was, selbst von einer System-imanenten Position aus gesehen, notorisch autodestruktiv ist.
Mit freundlichen Grüssen,
Prof. Dr. Stefan Gandler
University of California, Santa Cruz, CA, 3. Dezember 2009
Max am Freitag, 4. Dezember 2009 um 1:35 #
@Matthias: schreib mir doch einfach eine Mail mit deinem Artikel und ich versuch ihn schnell online zu stellen. Oder schreib an unseren Webmaster
Philipp am Freitag, 4. Dezember 2009 um 3:06 #
“Im Übrigen glaube ich nicht, dass die gesellschaftliche Mehrheit hinter uns steht, wie du es schreibst, dass habe ich schon versucht in den Thesen klar zu machen, dass ich auf Vereinnahmungsversuche keine Lust habe. Frau Schavan und die FDP wollen nicht die Bildung, die ich und andere Bildungsstreikende wollen.” (schreibt Max)
@max du definierst demnach Frau Schavan und die FDP als gesellschaftliche Mehrheit?? und glaubst nicht, dass die Mehrheit der Gesellschaft hinter den Forderungen nach Verbesserungen IM Bildungssystem steht. Knapp gesagt: Das sehe ich anders.
Ich glaube allerdings auch, dass sie es (wie auch ich) kritisch sehen wenn man sich, wie oben im Bild zu sehen, direkt wieder an “Marx’ Kapital” festhält und die konkreten Probleme als systemimmanent abkanzelt.
–
die Verallgemeinerung, die du bemängelst (hier im Bezug auf Vandalismus) ist häufig das Problem des öffentlichen Diskurses. Wie jedoch Luka in seinem Beitrag schreibt, gab es unter den Studierenden keine gehaltvolle Debatte über die Vandalismusauswüchse in der Goethe.
Meiner Meinung nach hätten sich aber die Studierenden deutlich davon distanzieren können und wie Franzas Beispiel von der HU zeigt, auch aktiv weiteres verhindern können.
Zusammenfassend muss gesagt werden, dass die Situation an der Goethe-Uni, dem Protest geschadet hat. Waren es am Montag nicht noch über 1000 DemonstrantInnen die auf der Straße waren und jetzt nur noch 600…..(auch wenn ich eigentlich diese Zahlenvergleiche nicht mag)
Ich empfehle allen Interessierten den Protest in Gießen – bunt, kreativ, inhaltsschwer. Dort wurden zum Beispiel die unsäglichen Anwesenheitslisten bereits abgeschafft……
Max am Freitag, 4. Dezember 2009 um 9:13 #
@Philipp:
aber es ist doch schon wieder einmal sehr schade mit anzusehen, dass fast alle Politiker sagen der Streik sei berechtigt- und dann eben doch nichts passiert, zumindestens von Seiten der schwarz-gelben Regierungen.
Es stimmt auch nicht, dass gar nichts gegen Sachbeschädigungen gemacht wurde. Vor wichtigen Gemälden haben wir Tische aufgestellt, damit mit denen nichts passiert. Ich glaube die Sachbeschädigungen sind an der Goethe Uni deswegen so stark ausgefallen, weil wir es bei uns mit einer besonderen Situation zu tun haben; denn wir kritisieren vor allem grundlegend die neue Architektur und die Funktionalität des neuen Campus. Der Protest richtet sich also auch gegen die Gebäude. Sachbeschädigungen sind falsch, aber ich glaube, dass ist der Grund warum da viele ausgetickt sind.
“Waren es am Montag nicht noch über 1000 DemonstrantInnen die auf der Straße waren und jetzt nur noch 600…..(auch wenn ich eigentlich diese Zahlenvergleiche nicht mag)”
Die Demo gestern war innerhalb von 12 Stunden organisiert und war eine Reaktion auf die gewaltsame Räumung. Von daher sind 600 Leute super! Und die Demo blieb die ganze Zeit friedlich, obwohl die Polizei massiv provoziert hat. Das war eine der besten Demos meines Lebens, alle waren super solidarisch. Das hat unserem Protest sehr geholfen und das Medienbild hat sich bei uns auch wieder gedreht und ist zum Teil auf unserer Seite.
Luka am Freitag, 4. Dezember 2009 um 11:25 #
@Franza:
zu These 4:
Wo verläuft denn deiner Einschätzung nach an der HU Berlin die Grenze (die dann zur Spaltung führt?) zwischen “Systemkritik” und bildungspolitischen Forderungen?
Philipp Hinrichsmeyer am Freitag, 4. Dezember 2009 um 17:58 #
Meine 5cent zum Bildungsstreik
In meinem kurzen Abriss geht es weniger um die Ziele des Bildungsstreiks. Vielmehr soll eine Debatte darüber angeregt werden, welche Situation wir nach acht Wochen intensivem Streik vorfinden, welche Probleme auf die Studierendenbewegung zukommen und was beachtet werden muss um die Belange von Studierenden durchzusetzen und nachhaltig Einflussnahme zu garantieren.
Bildung im Fokus der gesellschaftlichen Debatte
Der Bildungsstreik im Herbst 2009 ist aus studentischer Sicht der erste Streik seit langem, der sich nicht nur auf einzelne Bundesländer beschränkt. Ganz im Gegenteil. Es solidarisieren und beteiligen sich seit Ende Oktober immer mehr Hochschulen in Deutschland, Österreich, Europa, aber auch in den USA oder Australien. Mit diesen Aktivitäten haben es die Studierenden geschafft Schlagworte wie Bachelor, Master, Bolognareform oder Studierbarkeit in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Bildung ist damit nicht mehr ein Thema in Wahlauseinandersetzungen, sondern findet seit Wochen den Widerhall in jeder gesellschaftlichen, parlamentarischen, aber auch medialen Debatte.
Durch diese mediale und parlamentarische Aufmerksamkeit sind von Anfang an die Sympathien und die Offenheit für Argumente gegeben. Das ist gut und auch die Landesregierungen und die Bundesregierung haben diesen Protest, anders als bei vorherigen Protesten, nicht mehr als Protest der ewig Gestrigen titulieren können, sondern haben erkannt, dass es in Deutschland eine nachhaltige Diskussion und auch elementare Veränderungen im Bildungsbereich geben muss.
Da ist es kein Ausdruck eines „Kuschelkurses“ den die verantwortliche Politik bemüht, sondern die reine Feststellung dass sich die Studierenden Deutungshoheit und durch eine inhaltliche Kritik Hegemonie in diesem gesellschaftliche Feld erarbeitet haben. Dies äußert sich nicht nur durch die Thematisierung der betroffenen Gruppe. Sympathiebekundungen für die konkreten Ziele der Studierenden kommen von SchülerInnen, Auszubildenden, Eltern, Gewerkschaften, VertreterInnen der freien Wirtschaft und setzt sich über alle Parteien hinweg fort.
Es ist ein Erfolg des „heißen Herbst“, dass sich Bildung zum Thema Nr.1 entwickelt hat und bei den dezentralen Demonstrationen am 17.November mitunter über 80.000 Menschen auf die Straße gegangen sind.
Wie kommt es zum Bildungsstreik
Zum einen ist die Initiative des Bildungsstreiks die Kapitulation der Studierenden vor den eigenen studentischen VertreterInnen. Die unabhängige Bewegung ist dadurch entstanden, dass die Studierenden sich – durch die ihnen zur Verfügung stehenden Institutionen – nicht mehr vertreten fühlen. Als Paradebeispiel dafür ist der Niedergang des fzs (freier Zusammenschluss der Studierendenschaften) zu verstehen. Seit Jahren verliert dieses Gremium der bundesweiten Vernetzung an Zustimmung und gibt die Debatten innerhalb der Studierenden nicht mehr wirksam an die Politik und Gesellschaft weiter. Nicht die Organe der Studierenden, die Asten, Landesastenkonferenzen oder eben der fzs haben den Protest zum Ausdruck gebracht, sondern eine am Anfang unabhängige Initiative.
Nicht nur die Veränderungen von Studieninhalten, -strukturen und der Bildungsbegriff müssen daher diskutiert werden, auch Formen der Ausgestaltung politischer Interessen und die politische Einflussnahme müssen überdacht werden.
Wie geht es weiter? Proteste am Scheideweg
Zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, wie sich Bewegungen verlaufen oder überflüssig werden. In der Regel hat dies dazu geführt, dass nicht Ziele erreicht wurden, sondern ein „weiter so“ den Raum ergriffen hat. Um die Probleme im Bildungssystem nachhaltig zu einem Besseren zu verändern, bedarf es der Weiterentwicklung der politischen Kommunikation von Studierenden. Aus meiner Sicht, heißt dies: Dialog mit den Handelnden in Universität (das bezieht sich nicht nur auf die Uni-PräsidentInnen, sondern auch auf die ProfessorInnen, den akademischen Mittelbau und die Studierenden, die in den Akkreditierungskommissionen und anderen Hochschulgremien, selbst verantwortlich sind), der jeweiligen Landesregierung und der Bundesregierung.
Probleme
In den nächsten drei Thesen sollen Probleme aufgezeigt werden, die andere „Bewegungen“ haben versanden lassen.
1.Die Schwierigkeiten von Bewegungen beruhen oft nicht auf einer Überzeugungskrise ihrer AnhängerInnen, sondern auf einer Demotivation. Diese ist besonders stark bei der Gruppe der Bewegten und SympathisantInnen, während die vornehmlich politisch motivierten Aktiven ihre Arbeit fortsetzen.
2.Sehr viele TeilnehmerInnen sind nicht grundsätzlich gegen die Regierungspolitik eingestellt, also nicht Oppositionelle aus weitreichenden Motiven. Sie ist nur bezogen auf die konkrete Ausgestaltung ihrer persönlichen Situation. Dafür lassen sie sich auf eine meist ganz fremde Rolle ein, nämlich öffentlich als Oppositionelle aufzutreten. Dies bringt ein hohes Maß an Verunsicherung mit sich.
3.Wenn sich Protest anders äußert, als es dem eigenen Empfinden entspricht oder die konkrete Veränderung in den Hintergrund rückt, führt dies zu einer augenblicklichen Abkehr von der aktiven Teilnahme an der Umsetzung der Ziele und impliziert das Ende des Engagements.
Diese Tatsachen müssen auch im Sinne des Bildungsstreiks, gerade von den politisch motivierten Akteuren, beachtet werden. Um die Ziele des bundesweiten Bildungsstreiks zu erreichen, müssen Aktionen und Protestformen auch immer vor dem Hintergrund dieser, für Bewegungen typischen, Heterogenität der Teilnehmenden berücksichtigt werden.
Studierende brauchen weiterhin breite mediale Öffentlichkeit, um ihren Zielen und Forderungen Ausdruck zu verleihen. Dies bedeutet nicht, dass man sich anbiedern muss oder weitreichende Forderungen glätten soll.
Der Bildungsstreik ist kein „herkömmlicher“ Streik des korporatistischen Modells, der Auseinandersetzung zwischen ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen. Diese Art der Auseinandersetzung lässt sich nicht übertragen. Die Schwierigkeit des Bildungsstreiks besteht darin, dass es keine Schwarz-Weiß Sicht und keine explizite Polarisierung gibt. Das ist jedoch auch die Chance. Es setzen sich diejenigen durch, die die besten Konzepte für die Zukunft vorweisen können. Jetzt geht es für die Studierenden darum, die jeweiligen Akteure von ihren Konzepten von besserer Bildung zu überzeugen und Veränderungen in der Ausgestaltung durchzuführen und zu begleiten. Wir müssen jetzt konstruktiven Lobbyismus in eigener Sache betreiben um weiterhin viele mitzunehmen, anstatt Veränderungen abzuwarten und mit dem Finger auf andere zu zeigen. Das war in der Vergangenheit nämlich schon zu häufig das Problem/Ende….
So weit zu meinen 5cent.
PS: Meine Ausführungen sind bewußt auf die Studis reduziert und ich ignoriere absichtlich andere Akteure wie z.B. die SchülerInnen.
Luka am Sonntag, 6. Dezember 2009 um 22:40 #
zu These 4 nochmal:
Warum muss denn eigentlich diese Grenze zwischen Systemkritik und Bildungspolitik immer zur Spaltung führen?
Wenn diese riesengroße Mehrheit sich von der Tatsache abschrecken lässt, dass “böse Antifas” “ihre” Protestbewegung “vereinnahmen” (anscheinend durch ihre bloße Existenz), empfinde ich das eigentlich schon fast eher als ein Bestrafen nach Gesinnung.
Warum ist da keine “friedliche Koexistenz” möglich?
Angela Dorn am Montag, 7. Dezember 2009 um 23:41 #
also ich finde nicht, dass ich den Presseberichte “hinterher hechel”
ich schreibe aus meiner persönlichen Erafrungen mit Bildungsprotesten und ich war schon damals diejenige, die bei allen Besetzungen darauf geachtet hat, dass nichts kaputt geht
und ich habe meine eigenen, negativen wie erstaunenlichen Erfahrungen mit der Polizei gemacht: Das härteste für mich damals war, dass ein Mitstreiter von einem Polizeihund gebissen wurde, als er schon festgenommen war!
Aber ich habe auch selbst mitbekommen wie ein Polizist sich in der Nacht der Wahl, als lauter Studis in der Wache für mehrere Stunden waren, öffentlich vor seinen KollegInnen gesagt hat, “ich schäme mich heute Polizist zu sein”. Da waren ca 100 friedliche Demonstrierende festgehalten, nur weil ein paar durch eine Polizeimauer gekommen waren und v.a. weil es der Wahlvorabend war.
Viele Polizisten finden die Einsätze persönlich selbst unglaublich schwierig und dann gibt es wieder welche, die sich eindeutig eskalierend und verletzend verhalten.
Und die Berichte, die man vom Polizeieinsatz hört, machen einem große Sorgen und in meiner PM steht auch die Forderung nach Bericht.
Aber in den Presseartikeln und auch teilweise
in den Orginal-PMs stehen selten die Unterscheidung des Polizeiverhaltens während der Räumung und dann danach auf der Strasse. Da gab es nach Berichten ja deutliche Unterschiede. Das fände ich wichtig von Studiseite und Präsidentenseite auseinanderzu halten und klar zu betiteln.
Ich hätte es für die Proteste wichtig empfunden, wenn man sich von den Sachbeschädigungen, die von wenigen ausgingen, klar distanziert und das haben dann ja einige Studierendengruppen dann auch getan.
Ich finde es gleichzeitig skandalös, wenn die Studierenden als Gewalttätige bezeichnet werden.
Und ich finde es richtig, dass man die Polizei für Gewalteinsatz kritisiert und dem nach geht.
so weit…
wow toller blog. werde ab jetzt hier definitv öfter vorbeischaun. es ist schön zu sehen dass hier mal wirklich ausführlich diskutiert wird. In diversen Foren die ich kenne herrscht stammtischnivau.
samuel am Mittwoch, 16. Dezember 2009 um 17:30 #