Wir saßen gerade auf dem Marktplatz in Halle – es gab Pizza und Eis. Während wir mit den riesigen Portionen kämpften, sorgte der italienische Fußballkommentator im Fernseher und das sommerliche Wetter für Urlaubsstimmung a la Mittelmeer. Doch schon bald wurden wir misstrauisch: Hoch über unseren Köpfen entdeckten wir eine Kamera, die uns beim Essen beobachtete. Doch es gab noch weitere Hinweise, dass wir beobachtet werden. Als der Autoschlüssel heute morgen mit dem Boden Kontakt aufgenommen hatte, zerfiel er in zwei Teile. Wieso war da ein Hohlraum in unserem Schlüssel? Eine Wanze, welche herausgefallen war? Beschattet uns der GJ-Schatzmeister, um zu erfahren, was wir mit seinem Geld machen? Unwahrscheinlich, da dieser ja nach eigenen Angaben einen Spitzel in jedem Team hat. Verfolgt uns die große Koalition, die Angst vor dem Wahlergebnis hat? Oder die MLPD, die bekanntlich der Meinung ist, dass Vertrauen zwar gut, Kontrolle jedoch besser ist? Wer weiß… Wer auch immer es sein mag, wir wissen Bescheid!

Uns ist noch etwas anderes aufgefallen: Auf jedem der 6 Parkzettel, die wir heute gelöst haben (wozu immer diese Höchstparkzeiten???), verwunderte uns das Stadtwappen. Der erste Blick erinnert an eine Mischung aus türkischem Halbmond und Davidstern. Leider konnte uns der örtliche Italiener den historischen Ursprung des Wappens nicht erklären. Wie kam es zu diesem Wappen, diesem Zeichen einer ungewöhnlichen Koalition? Wir werden versuchen es herausfinden!

Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass die anderen Teams viele schöne Bilder hochladen. Auch wir haben schon unzählige lustige Bilder geschossen und Videos gedreht. Leider ist der grüne Blog der Meinung, dass unsere Bilder nicht den Sicherheitsrichtlinien entsprechen. Bis dahin werden wir dazu gezwungen sein, auf die Ausdruckskraft unserer Texte und die Phantasie des Lesers zu setzen. Ein weiteres Manko unserer Onlinepräsenz ist natürlich auch das Problem, dass wir nicht jeden Tag bloggen können. Zwar schreiben wir (fast) jeden Tag Texte, doch eine Möglichkeit diese übers Internet zu publizieren haben wir nicht jeden Tag. Wir geben unser Bestes und nutzen jedes offene W-LAN, welches wir entdecken können.

Auch heute gab es natürlich wieder viele interessante Sprüche, Aktionen und Erkenntnisse. Hier ein kleiner Überblick:

- Alex entdeckt entsetzt ein Plakat im Schaufenster einer New-Yorker-Filiale. Zu sehen sind ein alter Playboy und zwei junge aufgetakelte Mädels in einem Auto. Zitat: „Ey, was ist denn das für eine Werbung?!? [Pause] Ich will Nutte werden, rein da.“

- „Wahlen ändern nichts, sonst wären sie schon lange verboten.“ Wer kann da noch widersprechen?

- Die heutige Übernachtung ist politisch sehr interessant. Eigentlich wollten wir in Paulas Zimmer schlafen. Paula ist zur Zeit verreist und in der Grünen Jugend, aber leider belegt gerade eine Freundin ihr Zimmer. Doch einer ihrer Mitbewohner ist zur Zeit auch nicht da, also schlafen wir bei Lukas. Was man dazu sagen sollte: Lukas ist FDPler. Man munkelt, dass er sein Zimmer mit folgenden Worten verließ: „Warnt die Jungs vor meinem Bett. Eine Nacht da drin und man wird liberal.“ Carsten hat es darauf angelegt und sich in die liberalen Daunen gestürzt.

- Heute Abend gehen wir ins Theater. In dem Stück geht es um einen Flirtkurs für die Altersgruppe 55+. Einfach genial, wie viele verschiedene Dinge man auf so einer Hochtour erlebt!

- Nachdem in den letzten Tagen Kai hinter dem Steuer klemmte, hat heute Abend Dominik die Kontrolle über unseren Bus übernommen. Sein erster Kommentar war: „Kai, wie kannst du das Ding eigentlich abwürgen???“ Und prompt entdeckte auch er die Mutter aller Fahrfehler.

Zum Schluss möchte ich noch von einem so bedrückendem, wie interessanten Gespräch berichten. Wir standen heute Mittag vor dem Hauptbahnhof in Halle. Zunächst lief alles wie erwartet, doch schon bald bekamen wir Besuch von einer äußerst interessanten Frau. Lasst sie uns doch einfach mal Christine nennen. Christine ist seit über 20 Jahren obdachlos und erzählte uns von ihren Erfahrungen auf der Straße. Was wir zu hören bekamen, schockierte und entsetzte uns! Die Heime für Obdachlose scheinen zum Beispiel jede Vorstellung von menschlicher Würde zu verletzten. Sie berichtete von Schimmel in den Betten, von Zimmern die man nicht abschließen kann und von aggressiven Leuten auf Drogen. Von Hunden und bis zu 15 Leuten in einem Zimmer, von Gewalt und einer Benachteiligung von Frauen. Sie berichtete von Unterkünften für obdachlose Menschen, in denen Frauen und Hunde verboten waren. Aus Christine sprudelte es nur so heraus. Auch von ihren Schwierigkeiten mit der Bürokratie haben wir erfahren. Es kostete Sie zum Beispiel ein halbes Jahr und viel Kraft, bis sie von der AOK eine neue Krankenkarte erhielt – um dann festzustellen, dass diese nur einen Monat gilt. Also begann der Kampf um eine Karte wieder von vorne. Apropos Arzt: Auch die Praxisgebühr von 10€ ist viel Geld für jemanden, der pro Tag von 10€ bis 12€ leben muss. Dazu kommt noch das Problem, dass viele Unterkünfte von Obdachlosen pro Kopf und Nacht bis zu neun Euro kassieren. Wer etwas essen möchte, muss hierfür noch einmal mehrere Euros einrechnen. Man muss kein guter Mathematiker sein, um zu merken, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Nach fast zwei Stunden Gespräch fühlten wir uns hilflos und tauschten mit Christine Kontaktdaten aus. Es kann doch nicht sein, dass die Würde und die Rechte der Schwächsten in unserer Gesellschaft jeden Tag aufs Neue mit Füßen getreten werden! Christines Geschichte wird uns jedenfalls so schnell nicht wieder loslassen…

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