Kiel. In der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins, dem Zentrum des deutschen Wahlkampfes mit Bundestags- und Landtagswahlen, war das Hochtourteam gefordert, effektiv mit seiner ganzen Klasse Straßenwahlkampf zu betreiben und kreativ eine Aktion für den nächsten Tag bei Westerwelles Auftritt zu planen.
Wahlkämpfer des Tages wurde heute Nils. Die drei anderen Hochtourerer brauchten im Schnitt etwa zwei bis drei Sätze pro verteiltem Wahlkampfmaterial. Nils hingegen setzte gleich nach dem Aufbau des Wahlkampfstandes nicht auf Quantität sondern auf Qualität. Julian und Grischka wollten Quantität und gingen in schwierigere Bezirke, die weder von der FDP noch von der CDU plakatiert waren. Das junggrüne politisches Auftreten kam in der Bevölkerung sehr gut an, setzte aber voraus, dass teilweise gründlich über die Wahlkampfsprüche nachgedacht werden musste..
Grischka zu zwei Jugendlichen: „Wenn ihr die Grünen wählt, dann gibt’s mehr Ausbildungsplätze für euch.“
Jugendlicher: „Okay, ich wähl die Grünen, aber wenn ich keinen Ausbildungsplatz krieg, dann such ich dich und ich find dich!“
Als sie nach über einer Stunde zum Stand zurück kamen, war Nils immer noch mit der selben Person im Gespräch. Noch eine Stunde später, der Stand war komplett fertig abgebaut, bemerkte der mittlerweile vergessene Nils gerade noch rechtzeitig, dass Selma im Begriff war loszufahren und erst jetzt beendete er das Gepräch.
Nils: „Es war ein super interessantes Gespräch. Mit dem Mann konnte ich in allen Bereichen gut über Politik reden“
Sogar über Nils politisches Vorbild Gerhard Schlick konnten sie diskutieren.
Nils: „Bis er dann die Judenkarte ausspielte. Damit hatte ich anderthalb Stunden überhaupt nicht gerechnet. Diese plötzliche Wende, dass die Juden an allen Kriegen schuld sind usw. und das nach anderthalb Stunden.“
In den fehlenden 30 Minuten stellte sich mehr und mehr heraus, dass der Gedanke sehr tief saß und auch nicht mehr beeinflussbar war.
Der Abend wurde bei Erik, unserer heutigen Übernachtungsmöglichkeit und in der Kneipe beim Kickern verbracht. Hier erwiesen sich die Nordlichter Erik, Selma und Grischka als gute Gastgeber und überließen in einem von Nils und Julian zum Nord-Süd-Gipfel hoch sterilisiertem Spiel den beiden Mannheimern den Sieg, mit der Hoffnung, dass sie damit in Bayern glücklich.
Dazu lesen Sie nun eine Gegendarstellung des freien SWR Reporters Julian Mütsch:
„Das sehr spannende Spiel zwischen den beiden konkurrierenden Teams war hochklassig, aber in keiner Sekunde war der Sieg der Strukturstarken Südler gefährdet, am Ende stand es hochverdient 7:4.“
Großes Thema im Hochtourtrupp ist weiterhin der schmerzhafte Abgang von Franza. Es scheint fast, als würde mit der wachsenden Entfernung ihres Abschiedes auch ihr Ruhm zunehmen. So wird sie mittlerweile von den vier Hochtourerern völlig zu recht als Kanzlerin in der Krampel (siehe Eintrag vom 21.9.) nach der Bundestagswahl gehandelt.

Griscka, Julian, Nils und Selma

Kommentieren ist momentan nicht möglich.