Die offizielle Konferenz ist nun gestern zu Ende gegangen. Die
Dekleration wurde verabschiedet und in Tianjin gab es noch ein
Abschlussprogramm.

Meine Anmerkungen zur Dekleration, die als Vorlage für das nächste
ASEM-Meeting in Finnland 2006 dienen soll, wurden dabei leider nicht
übernommen. Die Forderung zur Klarstellung der Menschenrechte hat fast
noch zum Eklat geführt. Für mich und etlichen anderen TeilnehmerInnen
war es nicht hinnehmbar das wir die aktuelle Situation der
Menschenrechte in China hinnehmen, indem wir eingestehen, dass es momentan
verschiedene Verständnisse im Punkt der Menschenrechte geben kann. Ich
hatte mich dann beim formellen Abschluss noch einmal zu Wort gemeldet,
da das European Youth Forum als auch der Vorsitzende von ECOSY mit dem
Kompromiss leben konnten, meine Einwände hatten aber keinen Erfolg. Die
Aufregung darum war aber zwischenzeitlich schon sehr lustig, da einige
natürlich nicht das gastgebende Land China angreifen wollten. Die
anwesenden Mitglieder der kommunistischen Partei und der Landesminister
haben mich dann auch mit bösen Blicken gestraft. Ich bin mal gespannt, ob
ich jetzt auf die Black-Liste für Einreisevisa komme.

Nach dem Ende der Konferenz ging es noch zum Abschlussbankett. Der 150
Meter lange Weg wurde per Bus zurückgelegt, was einmal wieder bewies, wie
China mit der Umweltproblematik umgeht.

Am Abend wurden wir dann zu einem Vor Ort Besuch in das Tianjin Youth
Center eingeladen. Begrüßt von ca. 100 Kindern, die uns glücklich um den
Hals bzw. die Beine fielen und uns unbedingt berühren bzw. mit uns spielen
wollten, war die Atmosphäre doch sehr aufgesetzt. Hinzu kam, das der
gesamte Raum mit Hunderten McDonalds-Luftballons geschmückt war.
Anschließend ging es in Delegationsgruppen durch das Youth Center. Wir
konnten bewundern, wie hart im jüngsten Alter Ballett trainiert wird oder
wie Fünfjährige schon Bilder malen, die ich selbst heute nicht
hinbekommen könnte. Lustig war, wie im Handwerksraum achtjährige Jungs
Flugzeugträger aus Holz im Maßstab 1:150 bauen, von Militarismus ist
hier nicht zu sprechen. Zum Abschluss gab es dann noch ein klassisches
Konzert des Nationalorchesters, uns wurde das gleiche Programm
vorgespielt, das das Orchester erst vor einigen Wochen in Wien
vorgetragen hatte.

Das war ein Propaganda-Abend erster Klasse. Begleitet von Fernsehteams
und Journalisten durften wir uns das abendliche Vergnügen antun. Falls
man mit einem Kind dort sprechen wollte, etliche sprechen schon extrem
gut Englisch, war spätestens nach dem zweiten Satz ein älterer Chinese
(wohl Parteimitglied) da, um die Unterhaltung zu überwachen.

Das ganze Tam-Tam ging am heutigen Tage weiter. Bei dem Ausflug in den
Tianjin New District wurden wir wie auch am gesamten restlichen Tag von
einer riesigen Polizeieskorte begleitet. Kreuzungen wurden für uns
gesperrt und sogar Autobahnauffahrten wurden kurzzeitig geschlossen
damit wir reibungslos durchkommen – ob soetwas nötig ist bleibt in Frage
gestellt. Die Propaganda ging heute weiter. Besuch des
Informationscenters des New Districts, der innerhalb von 15 Jahren
gebaut wurde und als Trabantenstadt nun über einer Million Menschen
Unterkunft gewährt. Anschließend ging es noch zur neuen Bücherei, zu
einer Logistikfirma und dann zum Stolz der Stadt, dem Hafen.

Ich muss sagen das ich lieber weiter drei Stunden über die Dekleration
gestritten hätte, als mir ein Staatsbesuchsprogramm anzutun, was eh kaum
etwas gebracht hat, da für Nachfragen nie Zeit war.

Nun geht es gerade zurück nach Beijing, wo heute das letzte gemeinsame
Abendessen eingenommen wird und ich dann am Sonntag wieder nach
Deutschland aufbreche.

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