Gestern haben wir Beijing verlassen, um nach Tianjin aufzubrechen. Mir hat die Stadt, bevor ich nach China gekommen bin, noch nichts gesagt. Tianjin hat aber ueber zehn Millionen EinwohnerInnen und ist eine der wichtigsten Hafenstaedte Chinas und quasi der Hafen von Beijing. Die Konferenz geht hier weiter und soll einen Einblick in das chinesische Alltagsleben ausserhalb von Beijing geben. Betreut von einem ca. 50 koepfigen Korp von Freiwilligen und mit Geschenken ueberhaeuft, geht es aber mit dem dichtgepackten Programm weiter. Nach einem Bankett auf Einladung des Ministerpraesidenten ging es in einen Nachtclub. Von aussen wie ein Bordell aussehend, war der Kellerclub von innen aber sehr westlich gehalten. Die wichtigste Erkenntnis aus dem chinesischen Nachtleben ist, das Chinesen fast nur Hochprozentigen in ganzen Flaschen kaufen. Besonders beliebt ist Jack Daniels, Finlandia Wodka oder Chivas Regal Whisky. Wenn man die Flasche am Abend einmal nicht aufbekommt, kann man sie in einem Schrank mit seinem Namen drauf fuer den naechsten Besuch stehen lassen. Die zweite wichtige Erkenntnis ist, dass das Nachtleben von der Polizei stark ueberwacht wird. Es geht soweit, das in dem Club in Tianjin permanent zwei Polizisten im Raum waren, spaeter sich aber dazu ueberreden liessen mitzufeiern und die ueberdimensionalen kommunistischen Polizeimuetzen abzulegen.
Am Konferenztag in Tianjin ging es um die Verabschiedung der gemeinsamen Dekleration. Die Diskussion wurde dabei zum ersten Mal wirklich lebendig. Neben der eher sehr oberflaechlichen Dekleration, die leider nur wenige Punkte aus den Arbeitsgruppen uebernommen hatte, ging es vor allem auch um eine generelle Aussprache. Eine gemeinsame Kritik wurde dabei von den AsiatInnen vorgetragen. Sie fuehlten sich nur wenig repraesentiert und verstanden waehrend der Konferenz. Als Kritik wurde dagegengehalten, das die Mehrheit der asiatischen Delegierten aus der administrativen Ebene kommen und in Aussen- oder Wirtschaftsministerien arbeiten und, wenn ueberhaupt, nur entfernt mit Jugendpolitik etwas zu tun haben. Ausnahmen gab es aber natuerlich auch, wie Steven, Praesident des phillipinischen Jugendparlaments.
Die Verabschiedung der Dekleration ist noch nicht gelaufen, es standen aber Grundsaetze wie das Recht der sexuellen Freiheit und der demokratischen Jugendarbeit in Frage. Ob meine Aenderungswuensche uebernommen werden ist eher unwahrscheinlich, ging es doch um eine staerkere Verankerung der Menschenrechts-Charta der Vereinten Nationen und das Ziel einer staerkeren Bildungszusammenarbeit zwischen Asien und Europa. Sobald die Dekleration fertig und digital verfuegbar ist, werde ich sie online stellen.

an dieser Stelle Grüße an dich, lieben Malte und alle anderen dort!
Wir hoffen du wirst uns dann in persona mal ausführlich alles erzählen… Viel Spaß noch!
Georg
i.V. der Rest der Community
werde mich jetzt ins Bett aufmachen, nachdem gerade noch unser Delegierter aus Singapore eine Flasche irischen Whiskey (nicht schottischen!) geschmissen hat. Werde wenn ich wieder in Deutschland bin auch eine große Bildergalerie anlegen.
Dank für den Gruß und bis bald,
Malte