Mittlerweile sind wir schon in der Halbzeit der Konferenz angekommen. Die Arbeitsgruppen haben ihre Vorschlaege verschriftlicht und bei unserer Gruppe steht nun die Forderung nach gender-balanced Austaeuschen drin. Ansonsten ging es gestern zum ersten kulturellen Highlight, die Besichtigung der Chinesischen Mauer. Begeistert bin ich nicht, denn der von Touris und Chinesen voellig ueberrante Ort war eigentlich nichts besonderes, irgendwo zwischen den Bergen ca. eine Stunde von Beijing entfernt. Den Smog aus der Stadt konnte man aber immer noch sehen. Die Mauer sieht uebrigens wie jede grosse mittelalterliche Festungsmauer in Europa aus. Das beeindruckende ist lediglich ihre Laenge und das es wirklich Kreuz und Quer durch die Berge geht, eine Logik steckte nicht dahinter, sonst haette man sich einige Umwege wohl sparen koennen.
Gestern ging es zudem noch ins nahegelegende Kaufhaus und ich habe mir einen Anzug gegoennt, gerade mal 100 Euro und massgeschneidert. Der Aanzug wurde vor Ort erstellt, musste also keine Bedenken bezueglich Kinder-Sweatshops im Hinterland haben. Ansonsten gibt es natuerlich auch eine Menge Ramsch, vom pinken Klodeckel bis zu China-Laempchen.
Heute war ein weiteren Highlight dran. Es ging zum ZK. Die Parteizentrale der kommunistischen Partei ist alles andere als ein Stalinbau wie wir ihn aus Moskau oder Berlin kennen. Ein schlankes modernes Hochhaus mit Plasmafernsehern von Samsung gesponsert im Eingangsbereich. Das Treffen mit einem Mitglied des Zentralkommitee war natuerlich extrem formell. Grosser Saal mit riesigen Landschaftsbildern und einem flusenden Teppich, ich zupfe jetzt noch an meinen Schuhen herum. Neben dem Geplaenkel das man sich freut den anderen zu sehen, wurden auch Fragen gestellt. Neben einer extrem peinlichen Frage aus Portugal, gab es aber auch eine abgesprochene kritische Frage aus der europaeischen Delegation zum Thema Menschenrechte und eine Frage zur Situation von Jugendlichen die keinen Zugang zu Schulbildung haben. Bei der ersten Frage liess sich dann dass ZK Mitglied dazu hinreissen zu sagen das Menschenrechte natuerlich weltweit andere Standards und Definition hat, auch wenn er die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen als Grundlage nannte. Ansonsten halt das uebliche Gerede vom weltweiten Kampf fuer Frieden und das China schon grosse Erfolge in den Freiheitsrechten vorzuweisen hat.
Mal sehen wie es jetzt wird, wenn wir Beijing verlassen und in Richtung Meer fahren, die ersten Eindruecke davon bekommt ihr morgen.
