Dass es viel zu erzählen gibt, wenn es nun endlich zur Hanfernte kommt, dachte ich mir ja schon. Dass es aber so viel sein würde, hätte ich nun doch nicht erwartet. Deshalb hier auch nur ein kleiner Auszug der Ereignisse, die auf dem Hanf-Hof kürzlich von statten gingen und bestimmt auch weiterhin gehen werden.
Als erstes ein kurzes Wort zu unserer „Höllenmaschine“, dem Hanf-Mäher…
Nachdem wir also nach dem freundlichen Besuch der lieben Experten für Arbeitssicherheit ein paar sicherheitstechnische, bauliche Änderungen wie Aufstiegsleiter, Ventilatorenschutzgitter und eine rutschsichere „Einstiegsrampe“, vorgenommen haben und natürlich auch die obligatorischen „Sicherheitsaufkleber angebracht haben, konnte einer kleinen Jungfernfahrt ja nun nichts mehr im Wege stehen.
Bis jetzt bin ich zwar nur als „Co-Pilot“ tätig, aber gut Ding will ja bekanntlich Weile haben und es lohnt sich auf jeden Fall, sich die verschieden Arbeitsschritte erst mal genau anzusehen.
Es ist schon beeindruckend, wenn auf das Betätigen mehrerer Hebel und Schalter nacheinander die 2 großen Dieselmotoren (einer für die Hydraulik, der Andere für den Antrieb), die 2 gigantischen Einzugstrommeln und schließlich die 50cm durchmessende Kreissäge und die 2 je 1,6m messenden, mit 26 scharfen Messern besetzten und mit ca. 2000 U/min rotierenden Schneidteller, eingeschaltet werden!
Sogar im Ruhezustand, angehängt an einen Traktor, sorgte dieses 9t wiegende Ungetüm letzte Woche bei einem externen Einsatz auf dem Feld eines etwa 50km entfernt wohnenden Landwirt-Kollegen, bei den Passanten in den Dörfern für Gesichter, wie man sie sonst nur bei Menschen, die gerade von Aliens entführt wurden, erwarten würde..
All diese Kraft wird aber auch benötigt, um dem an manchen Stellen über 4m hohen Hanf zumindest ansatzweise Herr zu werden. Hier zeigt sich nämlich wieder einmal sehr deutlich eine der größten Stärken des Hanfs, seine Widerstandsfähigkeit! Egal ob nun auf kultureller Ebene gegen ignorante (Drogen-)Politiker und realitätsferne Beamte, oder, zum Leidwesen der Landwirte und Verarbeiter auch gegen Hanf verarbeitende Maschinen..
Die extrem stabile und reißfeste, den Hanfstängel umschließende Faser, scheint nämlich nichts lieber zu mögen, als sich so oft wie möglich um alle erreichbaren, vorzugsweise rotierenden, Maschinenteile zu wickeln.
Das hat sogar schon soweit geführt, dass durch die Reibung, die durch die Fasern, die sich um den Antrieb der Kreissäge gewickelt haben entstand, plötzlich die gesamte linke Einzugstrommel zu rauchen begann und dann wegen der Hitze und den vielen getrockneten Hanf-Pollen auch noch Feuer fing.. Leider hatte ich an besagtem Tag meine Kamera nicht dabei.. Mit all dem Qualm und dem Feuer, hätte sie sicherlich ganz und gar „from Hell“ ausgesehen..;)!
Nicht selten müssen aber diese eigenwilligen Fasern unter Einsatz aller unserer Kräfte wieder zurück aufs Feld gezerrt werden (ein besonderer „Spass“ sind dabei die manchmal im Hanf versteckten Distelteile..) . Zumindest solange uns kein flammendes Inferno davon abhält..;) Bei so viel hartnäckigen Fasern kann einem der Hanf nach einem harten Tag auf dem Feld kommt einem der Hanf zwar normalerweise noch nicht zu den Ohren hinaus, wohl aber zu den Schuhen..;). Gut geschliffene Messer an den Schneidtellern, die einen sauberen Schnitt durch den Stängel erzeugen, können dieses Problem allerdings auf ein erträgliches Maß reduzieren.
Der Anblick und der Duft eines 70ha großen Hanffeldes, das bei strahlender Sonne im Wind wie ein Meer aus Hanf vor mir umherwogt, wenn wir mit der Maschine auf ca. 3m Höhe durch das Feld rollen, entschädigt aber wirklich auch die schlimmsten Strapazen. Auch wenn ich (neuerdings allergisch..:( )über die Tage hinweg, bei all den Pollen, so manches Päckchen Tempos verbraucht habe..
Was tut man nicht alles für den Hanf..;)
Begleitend zur Ernte war auch das Berliner Film-Team „Look-Zoom“ dabei, die gerade den Film „Vollgras Voraus“ (Trailer gibt’s hier: http://gras.look-zoom.de ) drehen und dabei nach einer Besichtigung der Hanffabrik auch noch unserem Hof einen kleinen Besuch abgestattet haben. Wird bestimmt ein interessanter Film..!!
Ach ja, wie meine treuen Leser ja bereits wussten.. „Hasen mögen Hanf“. Allerdings mögen auch Schweine Hanf! Da der Hanf so dicht wächst, wunderbar zum kratzen und scheuern geeignet ist und dank seiner großen Blattmasse und enormen Höhe ein für Schweine sehr angenehmes Mikroklima schafft, wimmelt es im Hanf geradezu von Wildschweinen die sich dort in kleinen Tümpeln suhlen und sich manchmal fast „häuslich“ einrichten. Der Schaden hält sich dank der Robustheit der Pflanze aber zum Glück in Grenzen.. Das Ganze ist übrigens auch sehr zur Freude der heimischen Jäger, die sich fast traditionell jedes Jahr bei der Hanfernte rund um das Feld postieren, und wenn das Feld immer kleiner wird und die Schweine ihre Deckung aufgeben müssen, dann gibt es am nächsten Tag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Wildschweinbraten. Arme Schweine…

Da haben es die Spinnen schon besser, die stört nämlich normalerweise keiner beim „abhängen“ im Hanffeld.
So, das war’s mal wieder. Wie’s weitergeht, und ob unsere modifizierte Ballenpresse es schafft, den ernährungsphysiologisch sehr wertvollen Hanfsamen zur Gewinnung von Speiseöl zu ernten, das erzähle ich dann beim nächsten mal..
Bis dahin sende ich an alle schöne Grüße und verbleibe mit der Hoffnung, dass die Zukunft grün wie Hanf wird und nicht schwarz wie Erdöl!
Dr. Green

sieht sehr sehr lecker aus bei dir, wann werden wir denn alle zum großen Mahl eingeladen? ;)
beste Grüße und immer standhaft bleiben! :D
[...] hier noch ein Bericht über die Ernte von Hanf – nicht gerade eine einfache [...]