Nicht nur Schattenmann, auch Mister Inhaltsleer
Geschrieben von (Max Pichl) in Auf Achse am 11. Juni 2009

(Bild via)
von Maximilian Pichl, Bundesvorstandsmitglied GRÜNE JUGEND
Der Bundesvorsitzende der Jungen Union Philipp Mißfelder ist ja schon öfter mit negativer PR aufgefallen. 2003 forderte er noch “Keine Hüftgelengke für Alte” und erst vor kurzem gelang er mit populistischen Angriffen auf Hartz IV BezieherInnen ins Gespräch. Insgesamt ist Mißfelder also nicht unbedingt eine gute Vorzeigefigur für einen politischen Jugendverband. Doch was er sich jetzt geleistet hat, dürfte wohl den Tiefpunkt seiner medialen Selbstdarstellung markieren.
In der Ausgabe 22/2009 des Spiegel erschien ein Artikel von Dirk Kurbjuweit unter dem Titel “Der Schattenmann”. Der Artikel stellt eine Art Langzeitstudie über einen neuen Typ Politiker dar, welcher in Philipp Mißfelder seine fleischgewordene Inkarnation gefunden hat. Politiker sind, so die These, nicht mehr idealistisch, kämpfen für keine Inhalte, sondern sind lediglich machtgeil und heuchlerisch im politischen Umgang. Mißfelder gilt Kurbjuweit als Paradebeispiel.
Eröffnet wird die wahre Hasstirade gegen Mißfelder mit Spekulationen darüber, ob ein solcher Politikertypus jemals Kanzler werden könnte.
Mißfelder könnte eines Tages Bundeskanzler sein, sagen die einen. Andere lachen darüber.
Mißfelder selbst sagt dazu, er könnte ja “Bundeskanzler des Legolands werden”. Ob dazu seine Kompetenzen ausreichen ist wahrlich fraglich. Denn als Bundeskanzler muss man auch mal seine eigene Meinung sagen, eine Position vertreten und engagiert dafür eintreten. Aber wie ist das möglich, wenn Mißfelder eine solche politische Haltung an den Tag legt:
Mißfelder hat das so gelöst, dass er gegen Merkels verkorkste Gesundheitsreform gestimmt hat, sich jedoch
sonst still verhält, kein Lob, aber auch keine Kritik.
Die „Bild“-Zeitung habe ihn angerufen, sie brauchten was Reißerisches. Hat er nicht gemacht. Mißfelder weiß, dass gesagt
wird, die Junge Union sei zahmer geworden unter ihm. „Es stimmt ja auch“,sagt er. „Soll ich mir die Zugänge versperren?“
Oder auch Mißfelders absonderliches Verständnis von einem guten politischen Gespräch. Während andere JungpolitikerInnen sich darüber freuen, wenn sie einen Gesetzesvorschlag durchbekommen oder eine Veranstaltung gut gelaufen ist, ist es das Höchste für Mißfelder, wenn er ein Gespräch mit Merkel über die Einschätzung von Leuten führen kann:
Es gab lange keinen Termin mehr bei Merkel, und er würde sich so gern mit ihr hinsetzen und
reden. Über was? „Über die Einschätzung von Leuten“, sagt er. „Sie erzählt mir, was sie von jemandem denkt, ich erzähle ihr, was ich denke.“ Dies ist Mißfelders Vorstellung von einem guten politischen Gespräch.
Der Artikel macht einen Zeitensprung und greift die Tage vor der Bundespräsidiumswahl der CDU auf, die Wahl, wo Philipp Mißfelder ins CDU-Präsidium gewählt werden sollte. Ihm wurde damals kein gutes Ergebnis prognostiziert, auch wegen seiner taktlosen Äußerungen in der Öffentlichkeit. Mißfelders Taktik vor der Wahl: bloß nicht unangenehm auffallen, am besten nichts kritisches mehr sagen. Oder wie es in dem Artikel wörtlich steht:
Er denkt, dass seine Wahlchancen besser sind, wenn er als kanzlertreu dasteht. Also lobt er jetzt Merkel, wo er nur kann.
Noch mehr Opportunismus geht wohl wirklich nicht mehr.
Mißfelders Leben ist geprägt durch Fleiß, nichts anderes scheint ihn in seiner Karriere nach vorne gebracht zu haben. Jedenfalls bekennt er sich schamlos zu seiner absoluten Inhaltsleere.
„Ich habe kein Programm, keine Visionen“, hat er einmal gesagt. Ein andermal: „Ich habe nie gesagt, dass ich
die Welt verbessern will.“ Vor den Rentnern in Langen: „Ich schließe nicht aus, dass sich irgendwann mein Aufgabenspektrum deutlich erweitert.“ Bei einem Abendessen: „Ich bin Machtpolitiker.“
Solche Antworten mögen ehrlich sein, Mißfelder ist wohl wirklich ein profilloser, inhaltsleerer Politiker, aber besser macht es diese Reportage sicherlich nicht. Kubjuweits These ist demnach auch: “Die Leere des Menschen könnte bald zu einer Voraussetzung für den Erfolg in der Politik werden.” Diese These mag auf die Junge Union zutreffen, genauso auf die ganze CDU. Die plant ja sogar gar keinen Parteitag abzuhalten, um ein Bundestagswahlprogramm zu verabschieden, sondern will einen reinen Personenwahlkampf mit Merkel machen. Eben Personen statt Inhalte bei der Union.
Verallgemeinern wir die Spiegel These also nicht auf alle politischen Jugendorganisationen. Bei den Europawahlen hat die GRÜNE JUGEND bspw. mit Jan Philipp Albrecht (26), Ska Keller (27) und Franziska Brantner (29) drei junge Leute ins Europaparlament geschickt, die alle mit Inhalten im Wahlkampf überzeugt haben, wie auch dieser Bericht zeigt.
Alle Leute, die diesen Artikel gelesen habe und mit denen ich darüber geredet haben, meinten: dieser Artikel ist politischer Selbstmord. Das glaube ich nicht, dafür ist die JU zu angepasst und zu promigeil, die würden niemals ihren Bundesvoristzenden, der Bundestagsabgeordneter ist, fallen lassen. Aber ob Mißfelder überhaupt noch Respekt in der CDU hat- das ist fraglich.
Wer sich die gesamte Reportage über Mister Inhaltsleer mal durchlesen will, der kann hier den ganzen Spiegel Artikel sich angucken: http://www.spiegel.de/media/0,4906,20798,00.pdf
Weitere Blogs, die berichtet haben:
* Der Umblätterer
* Begleitschreiben











