Seit der Ankündigung der Hamas den Waffenstillstand mit Israel nicht zu verlängern, ist der kleine Küstenstreifen von der Größe Bremens wieder in den Mittelpunkt der Weltpolitik gerückt. Die humanitäre Lage im Gazastreifen für die 1,5 Millionen Menschen ist aufgrund der andauernden Blockade durch die israelische Armee dramatisch: Die lokale Ökonomie ist in sich zusammengebrochen, es gibt immer wieder Engpässe bei Strom, Treibstoff, Lebensmitteln, Medikamenten und Wasser, 80 Prozent der Bevölkerung – die Hälfte davon Kinder und Jugendliche – sind abhängig von internationalen Hilfsgütern. (1) Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay kritisierte im November 2008 die Blockade als Verletzung der internationalen Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts. (2) Durch die militärische Intervention der israelischen Streitkräfte hat sich die sowieso schon katastrophale Situation noch weiter verschlechtert. Die Blockade des Gazastreifens – das ist das Bedauerliche – ist von der Hamasführung und islamistischen Terrorgruppen zum Teil selbst verursacht oder billigend in Kauf genommen worden. Die Hamas greift mit ihren Raketen immer wieder gezielt die israelische Zivilbevölkerung an. Und sie benutzt die eigene Bevölkerung als Schutzschild bzw. platziert ihre Munitionslager und Abschussrampen gezielt in zivilen Wohnblocks. (3) Beides verstößt gegen die Genfer Konventionen (insbesondere gegen Art. 28, 29, 31-33). Über die Verhältnismäßigkeit der Mittel wird dieser Tage, wie seit Jahren, viel diskutiert.
Mit dem folgenden Diskussionspapier möchten wir innerhalb der GRÜNEN JUGEND und Bündnis 90/Die Grünen zum diskursiven Denken anregen, in einem komplexen Konflikt, in dem es nicht Gut und Böse oder einfache Lösungen gibt. Als junge, grüne und emanzipatorische Linke sehen wir uns in der historischen Verantwortung gegenüber Israel. Wir sehen dieses Bekenntnis nicht im Widerspruch zu grüner und linker Friedenspolitik sondern als Teil dieser. Wer mit der israelischen Politik im kritischen Diskurs stehen und Gehör finden möchte, kann dies nur glaubwürdig und effektiv, wenn sie oder er dies als FreundIn mit einem klaren Bekenntnis zum Staat Israel tut.
Israelkritik: Häufig nichts anderes als getarnter Antisemitismus
Da man „Israel sonst nicht kritisieren darf“, ist die israelische Intervention im Gazastreifen ein willkommenes Geschenk für einige Gruppen den „kollektiven Juden“ Israel zu beschimpfen. Kein anderer Konflikt zeichnet sich so stark durch vorschnelle Solidarisierung und doppelte Standards in seiner Bewertung aus. Wir betonen die Notwendigkeit der Kritik an der aktuellen Militär- und Besatzungspolitik des Staates Israel. Allerdings muss sich diese an Kriterien halten, um sich nicht dem Vorwurf des Antisemitismus auszusetzen:
- die Anerkennung des Existenzrechts Israels und des Rechtes auf Selbstverteidigung (Festgestellt auch in der UN-Resolution Nr. 181)
- keine historischen Vergleiche der israelischen PalästinenserInnenpolitik mit der Judenverfolgung im Dritten Reich. (Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmannstudie 2007 stimmte ein Drittel aller befragten Deutschen der Aussage zu: “Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben“(4)).
- keine Beurteilung der israelischen Politik mit doppelten Standards: Bestimmte politische Maßnahmen in Israel werden verurteilt, während sie in anderen Ländern nicht kritisiert werden,
- keine Übertragung antisemitischer Stereotype auf den israelischen Staat. Israel soll so zum „kollektiven Juden“ gemacht werden. Eigenschaften, die normalerweise der Abwertung von Jüdinnen und Juden dienen, werden auf Israel projiziert und zu dessen Abwertung und Isolierung verwendet. Aus dieser Logik ergibt sich auch der umgekehrte Fall, wenn die Kritik der Politik Israels auf alle Jüdinnen und Juden, auch außerhalb Israels, übertragen und ihnen damit die Verantwortung dafür zugeschrieben wird. (5)
Es ist weder politisch, noch menschlich nachvollzieh- oder tolerierbar, dass sich Jüdinnen und Juden weltweit vor Angriffen schützen und für israelische Politik rechtfertigen müssen. Wer Jüdin oder Jude ist, muss nicht Israeli und wer Israeli ist, muss nicht Jüdin oder Jude sein. Eine einfache Erkenntnis. Doch für AntisemitInnen aller Couleur bietet Israel gerade dieser Tage die Berechtigung für Anschläge und Proteste gegen Synagogen, Jüdische Gemeinden und ihrer Mitglieder.(6)
Mit Terrorgruppen für den Frieden?
Nicht alles, was mit dem Etikett „Frieden“ versehen ist, versteht dieser Tage „Frieden im Nahen Osten“ als Gewaltverzicht. Einige scheinen tatsächlich geglaubt zu haben, Frieden herrsche, solange Israel Attentate auf die Zivilbevölkerung hinnimmt. So marschieren so genannte „Friedensbewegte“ mit blauen Friedenstauben neben „Intifada-bis-zum-Sieg“-grölenden Jugendlichen gegen das „Blutvergießen in Gaza“. Die Linkspartei schreit mit wehender Fahne nach internationaler Solidarität. Dazwischen finden sich Fahnen der radikal islamischen Hisbollah und Hamas, die Recht und Gerechtigkeit nach ihrem religiösem Gusto auslegen. Oder man schaue sich die Beteiligung der rechtsradikalen, türkisch-nationalistischen „Grauen Wölfe“ an, die einen antisemitischen Demonstrationsblock anführen, der sich scheinbar gegen FaschistInnen (Aussage: „Zionisten sind Faschisten“) zur Wehr setzen möchte.(7) Es sind absurde Bilder, die uns dieser Tage aus Berlin, Hamburg, Paris oder Andernorts erreichen. Zudem halten wir es für bedenklich, dass einige VertreterInnen der Friedensbewegung, auch innerhalb der Grünen, politische Schulterschlüsse suchen, welche die politische Ausrichtung und Bedeutung der Hamas klein reden oder sich solidarisieren. Wer neben religiösen ExtremistInnen und TerrorsympathisantInnen demonstriert, kann nicht ernsthaft am Frieden interessiert sein!
Hamas: „Für das Palästina-Problem gibt es keine andere Lösung als den Jihad“(8)
Die Hamas gründete sich infolge der Ersten Intifada im Jahre 1987. Ihre Ursprünge reichen aber bis zur Muslimbruderschaft, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden ist. Die Muslimbruderschaft vertrat einen aggressiven Antisemitismus und eine offene Bewunderung für den deutschen Nationalsozialismus. Die Unruhen der 1980er Jahre in Palästina führten dann zur Gründung der Hamas, die in ihrer immer noch aktuellen und gültigen Charta erklärt:
“Das jüngste Gericht wird nicht kommen, solange Moslems nicht die Juden bekämpfen und sie töten. Dann aber werden sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken, und die Steine Bäume werden rufen: ‘Oh Moslem, ein Jude versteckt sich hinter mir, komm’ und töte ihn.’”
“Israel existiert und wird weiter existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat, so wie er schon andere Länder vorher ausgelöscht hat.”
“Für das Palästina-Problem gibt es keine andere Lösung als den Jihad. Friedensinitiativen sind reine Zeitverschwendung, eine sinnlose Bemühung.“(9)
Die Hamas hat 2006 die Wahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten gewonnen. Doch diese Entscheidung fiel nicht aus Begeisterung für die Hamas, sondern aus einer Unzufriedenheit über die Fatah. Leider hat sich die Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung damit für einen gesellschaftlichen Rollback entschieden. Würde die Hamas ihre politischen Vorstellungen problemlos umsetzen können, dann hieße das Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden, ChristInnen, Homosexuellen, politischen Oppositionellen (auch der Fatah) und die Unterdrückung von Frauen. Die politische Vorstellungswelt der Hamas sieht keine Trennung von Kirche und Staat vor. Das Problem Hamas in seiner Gesamtheit wird sich nicht durch militärische Gewalt lösen lassen. Junge, fanatisierte Jugendliche und zum Teil Kinder, die zu einem nicht unerheblichen Teil die Hamas-Brigaden stützen, haben ihr gesamtes Leben lang nichts anderes als schlechte Lebensumstände kennen gelernt und Hass im Namen Gottes gelernt. So sind diese Jugendlichen insgesamt der Indoktrinierung der Hamas und anderen islamistischen Gruppen zugänglich. Dass diese jungen Menschen in ihrem Hass durch die israelische Militärintervention bestärkt werden, scheint absehbar. Israel kann mit militärischen Mitteln den Beschuss vielleicht kurzfristig beenden, das Problem Hamas kann letztendlich langfristig nur durch demokratisch-säkulare Kräfte innerhalb der palästinensischen Gesellschaft gelöst werden.
Schwieriger Weg zum Frieden
Die Meilensteine der Roadmap sind klar und doch so schwer zu erreichen. Viel zu heterogen sind die Strömungen in der israelischen Politik, viel zu sehr verfeindet ist die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen mit der Fatah im Westjordanland. Wenn sich zwei Parteien einigen, gibt es mindestens doppelt so viele, die damit nicht zufrieden sind oder sein können. Der Nahe Osten befindet sich in einem Konflikt, der aus heutiger Sicht noch lange nicht gelöst sein wird. Aber die Hoffnung auf eine weitestgehend friedliche Koexistenz zwischen Israelis und PalästinenserInnen besteht weiter. Eine Zweistaatenlösung wird von drei Viertel (74 Prozent)(10) der Israelis befürwortet, auf palästinensischer Seite mangelt es teilweise noch an der bloßen Anerkennung der Realität: die Existenz des Staates Israel. Die Zweistaatenlösung wird nur dann zur Option, wenn es den VertreterInnen palästinensischer Gebiete gelingt, mit einer Stimme zu sprechen und auf israelischer Seite der illegale Ausbau der Siedlungen gestoppt wird. Der Raketenbeschuss auf die israelische Zivilbevölkerung muss beendet, die Blockade zum Gazastreifen gelockert und letztendlich muss für beide Seiten eine zufriedenstellende Lösung für den Verbleib der palästinensischen Flüchtlinge gefunden werden. Dass durch das ägyptisch-französische Engagement erste Bewegungen erkennbar sind, die auf eine europäisch-arabische Friedensmission hindeuten, ist einmal mehr ein hoffnungsvoller Versuch.
Der Krieg bringt keinen Frieden, aber Israel wollte den Krieg nicht.
Nach der Räumung israelischer Siedlungen im Gaza-Streifen 2005 sind nach israelischer Zählung etwa 7000 Kassam-Raketen und Mörsergranaten in das israelische Grenzgebiet eingeschlagen.(11) Ziel war die israelische Zivilbevölkerung. Seit dem Ende der Waffenruhe im Dezember 2008 waren es 417 Grad-Raketen, Mörsergranaten und Kassam-Raketen.(12) In der israelischen Stadt Sderot bleiben den Menschen nach der Warnung nur 15 Sekunden, um sich in Sicherheit zu bringen. Ein Umstand, der Beachtung finden muss, wenn Kritik an der Notwendigkeit einer israelischen Militäroffensive in Gaza laut wird. Es ist jener Punkt, der daran zweifeln lässt, ob jene, die so eifrig für den Frieden der PalästinenserInnen eintreten, frei von doppelten Standards sind. Zu Recht wird Kritik daran geübt, dass die israelische Armee keinen freien Zugang für JournalistInnen zum Gaza-Streifen gewährt. Israel muss nun JournalistInnen nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes des Landes den Zugang zum Gazastreifen ermöglichen.(13) Für eine unabhängige Berichterstattung ist das unabdingbar. Gleichzeitig wird aber die Frage aufgeworfen, wo die Aufschreie blieben, als die Hamas mit Todesdrohungen ausländische JournalistInnen aus dem Gazastreifen vertrieben hat. Selbst nach der Inhaftierung des inzwischen wieder freigelassenen Kameramanns der ARD, Sawah Abu Saif, der von der Hamas unter dem Verdacht stand, der Fatah nahe zu sein, folgten nur wenige Reaktionen.(14) Das Interesse der Hamas war es, unabhängige JournalistInnen zu vertreiben um selbst die Hoheit über die Berichterstattung aus dem Gazastreifen zu halten.
Ob und welchen Erfolg der Militäreinsatz im Gazastreifen haben wird, ist offen. Eine gute Ausgangssituation für Frieden in der Region ist er unserer Einschätzung nach nicht. Im israelischen Handeln lassen sich nur wenige Lehren aus dem Libanon-Feldzug 2006 erkennen. Israel aber war zum Handeln gezwungen. Der Waffenstillstand, der zudem von Hamas-Raketen gefährdet wurde, ist von der Hamas nicht verlängert worden. Israel hat auf die Angriffe auf seine Zivilbevölkerung reagieren müssen. Die Infrastruktur der Hamas wird seitdem konsequent zerstört. Doch dazu gehören beispielsweise auch Schulhöfe, die zum Raketenabschuss missbraucht werden, eine Universität, in deren Labore Waffen entwickelt wurden und Privathäuser, die für TerroristInnen als Schutzschilder dienen. Dieses Verhalten der Hamas verstößt gegen die Bestimmungen der Genfer Konvention und hat ganz eindeutig das Ziel, „Munition“ für eine PR-Offensive gegen Israel zu liefern. Selbst Moscheen werden nach Informationen des israelischen Militärs als Waffenlager verwendet. Da die Hamas dadurch die eigene Bevölkerung töten und Infrastruktur zerstören lässt, kann Israel nur verlieren: Entweder wird die Gefahr für die israelische Bevölkerung fortbestehen oder Israel wird beschuldigt werden, einen Krieg gegen die Zivilbevölkerung zu führen. Es fehlt allerdings an ausreichenden Schutzräumen für die Zivilbevölkerung, in denen sie nicht als „menschliche Schutzschilder“ der Hamas missbraucht werden können und tatsächliche Sicherheit vor Angriffen finden. Bei der Betrachutung der israelischen Politik stellt sich die Frage, ob die Art der Reaktion und die Wahl der Waffen insgesamt angemessen ist. Auch hier gilt es, keine Abstriche an den geltenden internationalen Standards zuzulassen. Die Hamas antwortet derweil mit der Ermordung von angeblichen Kollaborateuren (15), weiteren Raketenangriffen gegen die Menschen im Süden Israels und droht mit neuen Selbstmordanschlägen gegen die israelische Zivilbevölkerung. (16)
Frieden und Sicherheit für Israel und Gaza
Die humanitäre Lage in Gaza verschlechtert sich Tag für Tag und verlangt eine politische Lösung am Verhandlungstisch. Deshalb fordern wir:
- eine sofortige Waffenruhe; die Einstellung der Raketenangriffe auf die israelische Zivilbevölkerung durch die Hamas und den Stopp der israelischen Luftangriffe und der militärischen Bodenoffensive,
- die Freilassung des seit über 900 Tagen in den Gazastreifen entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit,
- die Berufung einer internationalen Schutz- und Polizeitruppe unter UN-Mandat in das Krisengebiet, die sowohl mit dem Schutz der dortigen Bevölkerung, als auch mit der Einsammlung und Vernichtung von Kriegswaffen betraut ist,
- die stärkere Kontrolle der Grenze zu Ägypten, um Waffenlieferungen zu verhindern,
- die kontrollierte Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen, damit humanitäre Hilfsgüter transportiert werden können und die Menschen die Möglichkeit zum Handel und Aufbau einer Ökonomie haben,
- die Unterstützung der demokratischen Opposition in den palästinensischen Autonomiegebieten durch die UN und deren Anerkennung durch Israel,
- humanitäre Hilfskorridore, um Schutzräume für die Zivilbevölkerung zu schaffen und ihnen die Möglichkeit zu geben Hilfsgüter zu empfangen,
- die Einberufung eines internationalen Krisengipfels, der berät, wie der Konflikt auf diplomatische Verhandlungen transferiert werden kann.
(1) Amnesty International, 04.07.2008, http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE15/021/2008/en.
(2) UN, 18.11.2008, http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=28983&Cr=palestin&Cr1.
(3) Die Welt, 04.01.2009, http://www.welt.de/wams_print/article2967586/Hamas-rechtfertigt-Munition-in-Wohnhaeusern.html.
(4) Heise.de, 11.02.2007, http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24628/1.html.
(5) vgl. Heyder, A., Iser, J., Schmidt, P., Israelkritik oder Antisemitismus? Meinungsbildung zwischen Öffentlichkeit, Medien und Tabus. In: Heitmeyer, W., Deutsche Zustände, Folge 3, 2005, S. 144 ff.
(6) Die Welt, 07.01.2009, http://www.welt.de/politik/article2986675/Europas-Antisemiten-leben-ihren-Judenhass-aus.html.
(7) Beobachtungen der Gaza-Demonstration am 03.01.2009 in Berlin.
(8) Hagalil, 24.08.2003, http://www.hagalil.com/archiv/2003/08/hamas.htm.
(9) Hagalil, ebd.
(10) Die Tageszeitung, 15.08.2008, https://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=au&dig=2008%2F08%2F15%2Fa0079&cHash=e043f544b2.
(11) Berliner Zeitung, 28.12.2008.
(12) Newsletter der Botschaft des Staates Israel, 04.01.2008.
(13) The Independent, 31.12.2008,http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/israel-ordered-to-allow-journalists-into-gaza-1219795.html.
(14) Tagesschau.de, 26.07.2008, http://www.tagesschau.de/ausland/gazaard100.html.
(15) Jerusalem Post, 04.01.2009, http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1230733155685&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull.
(16) Süddeutsche Zeitung, 02.01.2009, http://www.sueddeutsche.de/politik/492/453186/text/.
AutorInnen: Alexandra Blöcker (GRÜNE JUGEND Hamburg, ASF-Freiwillige in Jerusalem), Sebastian Brux (KV Bad Kissingen), Tobias Edling (Schatzmeister GRÜNE JUGEND Brandenburg), Michael Joukov (Mitglied im Landesvorstand GRÜNE JUGEND Baden-Württemberg), Sven-Christian Kindler (Sprecher GRÜNE JUGEND Niedersachsen), Max Pichl (Mitglied im Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND), Tim Rauschan (KV Friedrichshain-Kreuzberg), Paula Riester (KV Friedrichshain-Kreuzberg).
UnterstützerInnen: Jana Blöcker (GRÜNE JUGEND Hamburg, KV Berlin Mitte), Lars Brücher (KV Hamburg-Altona),Emily Büning (KV Eimsbüttel), Anna Cavazzini (KV Berlin-Mitte), Jonas Fegert (KV Steglitz-Zehlendorf), Christopher Gess (KV Gütersloh), Werner Graf (KV Bremen Mitte-östliche Vorstadt), Arndt Klocke (KV Köln, Landesvorsitzender NRW), Ferdinand Klopfer (KV Leipzig), Michael Meyer (KV Berlin-Mitte), Christoph Müller (GRÜNE JUGEND Hannover), Max Plenert (KV Bergstraße), Kevin Sanft (KV Gifhorn), Peter Schwanewilms (KV Hamburg-Altona), Julia Seeliger (KV Verden), Martin Wilk (KV Friedrichshain-Kreuzberg).
Das Papier als PDF

@Felix:
Wir sollten nicht vergessen, wer hier den Waffenstillstand aufgekündigt: Die Hamas. Und dann sind in den Tagen danach hunderte Rakten auf den Süden Israels geflogen. Ziel war die israelische Zivilbevölkerung. Wo waren da die “Friedensdemos”?!? Israel hat wie jeder andere Staat auch das Recht auf Selbstverteidigung. Und eine gezielte, zeitlich begrenzte Militäroffensive (vielleicht 1,2 Tage) gegen die Hamas hätte vielleicht klar machen können, dass Israel sich nicht andauernd terrorisieren lässt. Aber bei dem Punkt bin ich auch zwiegespalten, weil ich generell militärkritisch bin, aber eben auch sehe, dass der dauernde Terror der Hamas eben auch nicht ohne Folgen bleiben kann.
Trotzdem kann ich die Art der Kriegsführung und die Dauer klar kritisieren, vergesse aber auch nicht neben der Kritik an der israelischen Militärpolitik (Angriffe der israelischen Armee auf die UN, kein humanitärer Schutzkorridor, Einsatz von Streumunition, schwerer Artillerie gegen Zivilisten) auch zu betonen, dass die Hilfslieferungen teilweise von der Hamas den Zivilisten vorenthalten werden und sie gegen das humanitäre Völkerrecht verstößt, indem sie Zivilisten als menschliche Schutzschilde nimmt.
In dem Papier haben wir klar gemacht, dass wir für einen sofortigen Waffenstillstand sind, aber auch für die Entwaffnung der Hamas und wir schleunigst die Konfliktparteien aufrufen zur Road Map zurückzukommen. Wir sind für politische Verhandlungen, widersprechen einer militärischen Logik, aber sehen auch, dass Israel als Staat genauso wie andere Staaten beurteilt werden sollte und als Staat die Pflicht hat seine BürgerInnen (im Notfall auch militärisch) zu schützen. Ich denke allerdings, dass Israel in diesem Krieg nicht seine Ziele erreicht ( da gebe ich Uri Averny teilweise recht) und die Hamas gestärkt raus geht und dass leider auch die Fatah und Abbas geschwächt werden. Das ist mehr als bedauerlich: Mehr als tausend Menschen bisher in Gaza sterben, darunter viele Kämpfer der Hamas und auch viele Zivilisten, und die Hamas (noch mal: eine radikal-islamistische antisemitische Terrororganisation!) wird sich als moralischer Sieger feiern und in der arabischen Welt gefeiert werden. Der Einsatz wird Israels Position und Ansehen leider schwächen (siehe Averny)… Das ist das für Israel das Traurige an dem derzeitigen Konflikt, Israel wird moralisch den Krieg verlieren, was auch mit den zivilen Opfern zu tun hat, aber auch mit dem stark verbreiteten weltweiten Antisemitismus, der nun sich eruptionsartig wieder mal entlädt (das vergisst Uri Averny leider), das zeigen die vielen antisemitischen Äußerungen auf „Friedensdemos“, welche gerne antisemitische Klischees bedienen und NS-Israel-Vergleiche bringen (leider auch Averny, was ich auch bei ihm scharf kritisiere: Der Vergleich der Wehrmacht mit der IDF geht gar nicht!)
Hallo Sven,
ich stimme dir in der Kritik des Angriffes absolut zu, aber würde halt viel weiter gehen.
Und das hat nichts mit Antisemitismus zu tun. Weder latent, noch offen.
Im Gegenteil, du sagst ja selber, dass sich die israelische Regierung mit einem solchen Krieg einfach keinen Gefallen tun kann!
Es gibt im Gaza-Streifen keine fest installierten Abschussrampen, die man mal eben so (“in ein bis zwei Tagen”) zerstören kann. DIese bekloppten Raketen können nicht nur selber gebaut, sonder auch von jedem Häuserdach, jedem Vorgarten oder sogar vom freien Feld aus abgeschossen werden. Also lässt sich (wie man seit 20 Tagen sieht) auf militärischer Ebene rein gar nichts dagegen ausrichten. Selbst wenn noch so viele Kämpfer (oder Minister) dabei sterben, es werden neue kommen. Man darf ja nicht vergessen, dass die Hamas bei den letzten demokratischen Wahlen im Jahre 2006 (leider) über 60% der Stimmen bekommen hat. Und auch wenn die Umfragen inzwischen anders aussehen, bedeutet das, dass ein riesiger Teil der Palästinenser (aus unterschiedlichsten Gründen) dieser Ideologie anhängt. Und durch jedes getötete Kind und jede zerstörte Schule werden die Anhängerzahlen wachsen und nicht schrumpfen.
DIe Ideologie der Hamas hätte also auch einen 2-tägigen Angriff überlebt, weswegen ich ganz klar sagen muss, dass das keine Alternative zu Gesprächen (auch mit den Islamisten) darstellt!
Im übrigen muss ich anfügen, dass auch die israelische Regierung gegen das Waffenstillstandsabkommen verstoßen hat, indem sie Hilfslieferungen ausgesetzt und die Grenzen vollkommen geschlossen hat. Die Darstellung, dass es alleine an der Hamas lag, mag Frau Merkel vor gut 2 Wochen noch vertreten haben, aber sie ist einfach nicht wahr.
Es liegt also an beiden Seiten auf einen langfristigen Frieden ohne Raketen, aber auch ohne jedwede militärische Angriffe oder Blockaden hin zu arbeiten!
@zu dem “israelfreund”: ich finde es ziemlich platt, dass wirklich jeder (!) aus der “friedensbewegung” ständig uri avnery zitiert, so als ob er ein heiliger wäre. einige aspekte von avnery finde ich in ordnung, aber gerade seine wirklich unverhältnismäßigen vergleiche, wie IDF=Wehrmacht, sind unsäglich. Avnery spielt meiner Meinung nach die Bedrohung durch die Hamas immer wieder herunter.
Im Gegensatz dazu, hat Micha Brumlik in der taz ein paar interessante Sätze gesagt:
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/zur-gewalt-keine-alternative/
“Schließlich: Sogar wenn man davon absieht, dass die Hamas eine antisemitische Partei ist und man diese Passagen aus ihrer Charta wider besseres Wissen als missglückten Ausdruck von Antizionismus konzediert, wird klar: Mit dieser Partei ist kein Kompromiss im Sinne der politischen Moderne möglich. Vergleicht man etwa die Charta der Hamas mit dem längst ad acta gelegten antizionistischen Programm der Fatah, einen demokratischen Staat in Palästina bei Gleichberechtigung aller muslimischer, christlicher und jüdischer Bürger anzustreben, wird das sofort deutlich. Das inzwischen obsolete Programm der Fatah proklamierte wenigstens – glaubwürdig oder nicht – die Idee einer demokratischen Nation. Anders die Charta der Hamas: Sie kennt kein demokratisches, souveränes Staatsvolk, sondern nur Gott unterworfene Muslime hier und widerwillig geduldete Dhimmis dort. Scharia und moderner Nationalstaat aber sind, auch in seiner verspäteten Schwundform, unvereinbar. Ideen jedoch, die einander unauflösbar widersprechen, können auch in der Wirklichkeit nicht koexistieren. Hier weist keine dialektische Synthese einen Weg. Die respektablen Träume der pragmatischen Vernunft zerschellen deshalb. Denn man hat es hier mit einem der glücklicherweise eher seltenen Fälle eines genuinen Feind/Feind-Verhältnisses zu tun, das in der Sache nur durch Gewalt zu entscheiden ist.”
Wenn Vergleiche meiner Meinung nach unangebracht sind, dann sind es Vergleiche zwischen Israel und der Hamas, denn Israel hat einen Anspruch auf Respekt, Anerkennung und deutliche Kritik, während der Islamismus der Hamas ablehnenswert ist und bleibt. Bei einer ganz unerträglichen Situation der Zivilbevölkerung wie der jetzigen im Gazastreifen sind die zu befragen, die eine Veränderung und eine Verbesserung der Situation bewirken könnten, es sind also die Tötenden. Meine Empörung gegenüber den Kriegsverbrechen, Phosphorbomben usw. lasse ich mir nicht verbieten. Das hat nichts mit einer Sympathie für die Hamas zu tun. Ich lasse mich nicht als Antisemit beleidigen oder eine Diskussion mit dem Hinweis ‘das ist Antisemitismus’ verbieten, wenn man wie ich seit Jahrzehnten jeden Krieg ablehnt. Da gibt es auch kein Sonderrecht für Phosphorbomben, Bomben auf Schulen,UN, Kriegsverbrechen. Laut der hier per Link und Presseartikel zitierten Israelis am Hill of Shame ist es so, dass sie vor der internationalen Presse Beifall bei jedem Bombeneinschlag in Gaza zeigen. Freude an den Toten oder der Gedanke an die Qualen der Verletzten, die zum Beifall führen? Ich weiß es nicht. Es bleibt nur das Gröhlen.
Ich denke, dass Micha Brumlik in Teilen recht hat: Teile der Hamas sind im völligen Gegensatz zur “Moderne”, zur Definition und Begründung des Staates in der Aufklärung. Säkularität kennt sie tatsächlich nicht.
Interessant ist eine Analyse eines früheren franz. Botzschafters, die ich in “Le Monde” lesen konnte: der geht davon aus, dass über Umwege irgendwann mit der Hamas geredet wird, weil sie eine der Kriegsparteien ist. Und hierbei vor allem die “Militanten”, welche keienn Frieden wollen, zur Ruhe gestellt werden müssen. In Analysen taucht auch auf, dass die damalige Charta der Hamas von den meisten ihrer “führenden Leuten” als historisches Dokument bewertet wird, welches kein Gegenwartsbezug mehr habe. Jedoch hätten sie es bisher auch nicht außer Kraft gesetzt.
Beide Analysen haben ihre Berechtigung. Die Mehrheit der Hamas, wie auch der Muslimbrüderschaft(en) lehnt die Säkularität ab. Sie begründen ihre Ideologie auf eine “Islamische Wiederauferstehung” und der Präsenz des Glaubens in allen Bereichen des Lebens. Andererseits: sie sind nunmal “da”, und nur mit Gewalt werde ich die Hamas auch nicht los. Die Erfahrungen in anderen Konflikten zeigt, dass solche Kräfte (a) entweder im Untergrund gehen und weiter tätig sind oder (b) sich Stück für Stück in einen bestimmten legalen Rahmen bewegen.
„Israel ist ein Land mit viel Sonne. Und wo es viel Sonne gibt, da gibt es auch viel Schatten.“ (Jehuda Bacon)
Als der Krieg begann befand ich mich gerade im SOS-Kinderdorf in Betlechem und lies mir die Nachrichten übersetzen, bevor ich dann auch noch zufällig und ungewollt auf dem Weg zum Bus in eine Demonstration der Fatah hinein geriet. Ich fuhr schnell mit dem Bus weg und nun sitze ich in Ein Karem, einem ehemals arabischen Stadtteil Jerusalems, welcher heutzutage an Shabbat zum lebendigen Anziehungspunkt vieler Jerusalemer_innen wird und lese die Blog-Beiträge sowie andere Reaktionen.
Ich lebe seit September in Israel als Freiwillige in Yad Vashem und ein wenig auch als solche möchte ich nun auch auf die Beiträge reagieren (nicht abgesprochen mit den Mitautor_innen des Papiers!):
Das obige Zitat ist, seitdem ich es an meinem vierten Tag in Israel gehört habe, zu einem meiner häufigsten in Gesprächen und Mails geworden und fasst, wie ich denke, Svens Anmerkungen zum israelischen Staat, denen ich gänzlich zustimme, zusammen.
So gestattet mir bitte einen kurzen Erfahrungsbericht, der eine weitere Anregung darstellen soll, es entspricht nicht alles meiner Meinung, sondern meiner Wahrnehmung.
Ich stehe mit vielen Menschen in Kontakt, die diesen Krieg wollten und das auch, nachdem die Todeszahlen und „die humanitäre Katastrophe“ immer größer wurden und meine eigene Verzweiflung wuchs. Obgleich das Leid in Gaza sehr bedauert wird, scheint mir, dass wer am Anfang den Krieg befürwortete, es zumeist noch heute tut. Und die Überlebenden, die selbst ganz offen von ihrem Trauma sprechen, begründen es stets gleich: Die Raketen, acht Jahre lang, nein, das ließe sich nicht aushalten. Sie sagen es nicht hasserfüllt, ich habe manchmal das Gefühl, für sie existiere „die andere Seite“, von der die Raketen kommen, nicht. Es existieren nur die Raketen.
Aber, so wird mir gesagt, Israel sorge für seine Bürger_innen. Ich solle doch nicht glauben, dass so wenig Verletzte und Tote bei so vielen Raketen Zufall sei. Jede Wohnung muss einen „Schutzraum“ enthalten, Bunker seien gebaut worden, die Raketenalarme warnen. Und sie warnten oft. Es gibt Kinder, die damit aufgewachsen sind. Die, wenn die Sirenen wieder täglich ertönten, über den Shabbat Urlaub in Jerusalem machen, um sie zwei Tage nicht hören zu müssen. Das solle ich doch bitte meinen deutschen Freund_innen sagen. Der Krieg sei notwendig gewesen und mit den geringen Opferzahlen auf israelischer Seite ließe sich nicht argumentieren, denn der Leidensdruck sei groß gewesen und höre nicht auf.
Dann wiederum spreche ich mit einem Freund, der einer jener Anrufe erhielt, welcher ihn am kommenden Tag nach Tel Aviv beorderte. Er ist in der „Intelligence“-Einheit. Ich bin verwundert, dass er dem Krieg zustimmt, so hätte ich ihn nicht eingeschätzt. Aber da war ich einmal mehr naiv, zu geprägt von meinen 19 Lebensjahren in Deutschland: Nein, natürlich stimme er nicht zu. Aber verweigern? Schatten in Israel.
Zwei Generationen – die Überlebenden, ein junger Reservist. Beide in gewissem Sinne kriegsinvolviert, nicht nur aufgrund der kommenden Wahlen. Und beide wehren sich nicht dagegen, waren nicht auf den Anti-Kriegs-Demos, die es ja auch hier gab. Denn irgendwie sei es ja falsch, gegen „die Reaktion auf die Raketen“ zu demonstrieren. Eine Reaktion sei notwendig gewesen. Die einen meinen, ein Krieg auch. Die anderen lehnen ihn vehement ab. Und die anderen meinen, der Krieg sei ja auch vorher dagewesen, in Südisrael.
Es ist ein Teufelskreis und dieser trägt den Namen Gewaltspirale. Ich hoffe mit Felix, dass die kommenden Politiker_innengenerationen auf beiden Seiten eine Linie des Friedens finden können. Wie, das weiß ich nicht. Der Krieg, so schreiben wir ja auch im Diskussionspapier, ist der Linie des Friedens nicht gerade dienlich und ist daher selbstverständlich nicht gut zu heißen. Wenn Waffenruhen nur Waffenpausen mit unterschiedlicher Länge sind, dann wird das Leid auf beiden Seiten nicht sinken. Der Konflikt wird ohnehin noch viele Jahre bestehen. Und ich kann mich gerade nicht entscheiden, was ich für mein primäres Ziel halten soll: Ursachenbekämpfung, d.h. die Lösung des Konflikts (was allein zu schreiben schon unrealistisch scheint), oder Symptombekämpfung, d.h. die Konzentration auf die Forderung immer neuer, so genannter Waffenruhen.
Ich bin froh, dass diese Diskussion geführt wurde und, wie ich hoffe, auch weiter geführt werden wird.
Mit lieben Grüßen aus Jerusalem
Alexandra
Eigentlich gibt es der Meinung von Gregor, “Israelfreund” u.a. in ähnlicher Richtung kaum noch etwas hinzuzufügen, viell noch Folgendes:
1.Auch Noam Chomsky (85) hat sich kürzlich im Interview des ‘Rheinischen Merkur’ u.a. auch hierzu ähnlich geäußert.
2.Ein Historiker hat durchaus das Recht (mit gebotener Vorsicht) zum historischen Vgl! Man könnte noch hinzufügen, wenn man das Alles dialektisch betrachten will, dass die diversen Arten des Faschismus, der Zionismus u.a. mehr oder weniger extreme Manifestationen (klein)bürgerlichen Nationalismus sind. Und der ist auf europäisch-nordamerikanischem Boden entstanden und sonst nirgends auf der Welt (dazu gehören natürlich noch die entsprechenden “Ablegerstaaten”). Das NS-Regime war dabei seine bisher entsetzlichste Ausprägung, kein Rückfall in mittelalterliche Barbarei (das träfe eher auf den Stalinismus mit seinem pseudofeudalen Touch zu).
3.Einem Araber zu unterstellen, er sei ein Antisemit, ist wissenschaftlich gesehen absoluter Blödsinn (ebenso wie Broders Unterstellung Frau Galinski-Hecht sei “antisemitisch”), dümmer als einem Deutschen zu sagen, er sei “antigermanisch”. Die Zionisten haben hier einen wissenschaftlichen Begriff in unwissenschaftlicher Weise für sich reklamiert, ähnlich wie die Nazis das “Germanisch” oder gar “Arisch”. Außerdem haben sich die orientalischen Juden in die moslemische Bevölkerung integrieren können (ebenso wie die Christen), weil ihre Religion toleriert wurde. Die angeblich antijüdische Haltung des Propheten Mohammed ist dahingg ein Missverständnis – er hatte nichts mit Juden, wohl aber mit reichen, judaisierten Araberstämmen zu tun, die seine neue Religion ablehnten. In Europa dagg wurden die Juden verfolgt (außer später in Preußen), weil die christliche Kirche sie (bis heute!) zu Schuldigen an der Kreuzigung Christi stempelte, obwohl das nicht den historischen Tatsachen entsprach, sondern nur der Abgrenzung der neuen Religion von den im Römischen Reich auf Grund ihrer “Aufmüpfigkeit” mit Misstrauen betrachteten Juden dienen sollte. Man könnte also sagen, sie hat – wie weiland Petrus Jesus – ihre Herkunft verleugnet. Das hat die Juden in Europa zu billigen Sündenböcken jeder Art von Katastrophe gemacht.
4.Ausgerechnet die, die jahrhundertelang die Juden in ihrer Mitte tolerierten, wurden nun zu Opfern des zionistischen Staatsgründungswillens und entsprechenden Terrors. Das war auch mit der Staatsgründung von UNOs Gnaden nicht vorbei. Zum 2.Mal wurden die Palästinenser von Europa betrogen, nachdem schon die Versprechungen des “Lawrence of Arabia” nicht erfüllt wurden.
5.Hohe Mossad-Offiziere sollen der Regierung damals eine Föderation mit Palästina empfohlen haben, aber die Regierung wollte das mit der typischen Arroganz “überlegener” europäischer Zivilisation nicht, wobei möglicherweise auch orthodox-jüdische Überlegungen eine Rolle spielten. Israel blieb so ein Fremdkörper in seiner levantinisch-arabischen Umgebung wie einst die Philister (Seevölker!) und viel später der Kreuzfahrerstaat. Wir wissen alle wie das endete! Wenigstens die Philister (nach denen bekanntlich Palästina heute noch heißt) gingen allmählich in ihrer Umgebung auf.
6.Aber das ist nichts Neues in der judäisch-israelischen Geschichte. Schon altjudäische bzw -israelische Könige neigten gelegentlich zu Größenwahn, obwohl sie gar nicht die militärische Stärke hatten, Ägypten, Assyrien oder Babylonien dauerhaft zu widerstehen. Ein Befreiungskampf wie bspw gg die Römer war gerecht, aber vielleicht auch nicht besonders klug – die Opfer aber waren Märtyrer der Freiheit und ihres Glaubens (wie das heute u.a. Hamas beansprucht). Nun aber sieht es zum 1.Mal anders aus. Israel ist zwar immer noch klein, aber militärisch ungleich stärker als seine Nachbarn, naja Kleinigkeit mit ca 200 illegal produzierten A-Bomben… Und genau da liegt auch die Gefahr für den Weltfrieden, wenn es eines Tages zu einer Übernahme der Nachbarländer durch radikalere Parteien kommen sollte.
7.Ein Befreiungskampf hat nichts mit religiös-fundamentalistischem oder nationalistischem Terror zu tun, sonst wären auch die Partisanen aller Befreiungskriege stets schon per sé Terroristen gewesen und nicht nur in den Augen der Eroberer… Auch die Russen sind, nachdem die SU zusammengebrochen und ihre Lage unter Jelzin immer prekärer geworden ist, fromm geworden. Wen wundert es da also, dass das auch die Palästinenser tun? Ihnen allen fehlt doch der Abstand vom MA, den wir nur durch die Aufklärung und den darauf basierenden säkularisierten bürgerlichen Staat erreicht haben. Allerdings gibt’s da auch Ausnahmen wie bspw die USA, wo jeder 2. zu christlichem Fundamentalismus neigen soll…
Fazit: Die Fronten wdn sich weiter verhärten!
Und das alles nur, um Wahlen zu gewinnen und Obama auszutesten, der ja auch bisher brav geschwiegen hat. Kein Wunder bei seiner proisraelischen Mannschaft…
Übrigens, schaut doch mal bei Gaby Weber (http://www.gabyweber.com) rein. Da wird auch noch mit einigen anderen Mythen aufgeräumt, die ich hier nicht kommentieren will…
Gruß Lucius
:-?
Von wegen “Israel hat den den Krieg gegen Gaza nicht gewollt”. Laut der großen israelischen Zeitung HAARETZ und der BBC hat Israel kurz vor Ablauf des 6-monatigen Waffenstillstands diesen in gravierender Weise verletzt. Und sogar in deutschen Medien wurde darauf hingewiesen, dass der Verteidigungsminister General Barak mit dem Angriff im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen Wähler für seine ARBEITSPARTEI, die sehr an Zustimmung verloren hat, zurückzugewinnen. Seit dem Angriff sind in der Tat, gemäß Umfragen in Israel, die Chancen der Arbeitspartei stark angestiegen. Der Krieg, den Israel angeblich nicht wollte, war offenbar sehr populär. Laut Spiegel wurde er sogar von den Linken unterstützt. Deutschen Medien war auch die Vermutung zu entnehmen, dass der Zeitpunkt des Krieges von Israel so gewählt wurde, dass er noch in die Regierungszeit des US-Präsidenten Bush fiel, dessen uneingeschränkter Unterstützung es sich sicher sein konnte.
ntv artikel über den grauenhaften einsatz von phosphorbomben http://www.n-tv.de/1089616.html
Die Zahl von über 1000 Toten muss genannt werden, auch die Zahl von an die 500 Kindern.
Kein Selbstverteidigungsrecht kann das rechtfertigen. Es ist zynisch, weit über 1000 Tote Zivilisten mit der Hamas-Charta zu rechtfertigen. Man darf keine doppelten Standards anlegen. Kriegsverbrechen sind Kriegsverbrechen, egal wer sie begeht. Wo soll man denn die Grenze zu den erlaubten Methoden der “Selbstverteidigung” ziehen? Der Einsatz welcher Waffen ist denn gerechtfertigt? Sind die Grenze Phosphorbomben und Uranmunition oder darf man auch noch andere Waffen einsetzen?
Wäre es also auch gerechtfertigt, ein Haus in Deutschland samt seiner Einwohner in die Luft zu sprengen, weil ein Terrorist sich vielleicht darin verschanzt hat und die Bewohner als Schutzschild benutzt? Oder muss man da doppelte Standards anlegen?
Sind pälästinensiche Zivilisten weniger Wert?
Das wäre dann aber Rassismus. Solcher Rassismus wäre dann gerechtfertigt?
Wer die israelischen Maßnahmen unter
zumindest billigender Inkaufnahme hunderter toter Zivilisten kritisiert, der rückt in die Nähe von Antisemiten?
Ist Rassismus nur abzulehnen, wenn er sich als Antisemitismus äußert?
UNO-Beschlüsse zitiert Ihr nur, wenn das Selbstverteidigungs- und Existenzrecht Israels gestützt wird. Die von Israel bewusst ignorierten Resolutionen, die den Abzug aus den besetzten Gebieten und das Ende der Siedlungspolitik fordern, ignoriert Ihr aber.
Soviel möchte ich zu den “doppelten Standards” sagen.
Die Lehre aus den Verbrechen des deutschen Faschismus muss sein, gegen jeden Rassismus überall und gegen jede Menschenrechtsverletzungen überall, einschließlich aller Gewalt gegen Zivilisten, einzutreten.
Linke können nicht hinter die UN-Charte und die Prinzipien den Völkerrechts zurückgehen und nach Rechtfertigungen von Verbrechen suchen.
Lieber Harald,
ja, wenn sich ein Terrorist in meinem Wohnhaus befindet und von diesem Haus aus Raketen auf Belgien feuert, um damit zu sorgen, dass sein Wunsch zur Vernichtung aller Belgier, inklusive der Kinder, etwas mehr Wirklichkeit wird, dann gebe ich der belgischen Regierung das moralische Recht, mein Wohnhaus in Grund und Boden zu bomben.
alles Liebe,
gerd buurmann
Grünes Mitglied aus Köln
weitere Gedanken zu eben demselben Thema hier:
http://www.tapferimnirgendwo.blogspot.com
Vielen Dank für dieses wohldurchdachte Thesenpapier. Viel zu oft schob habe ich unter der Grünen Jugend abscheuliche Tendenzen zum Antisemitismus erkennen müssen, auch und gerade in Köln.
Vielen Dank für Euer Papier, das ich schon auf der BDK gelesen hatte. Da ich es heute jemandem schicken wollte, habe ich die Kommentarseite gefunden und wollte nicht versäumen mitzuteilen, daß ich das Papier jederzeit unterschreiben würde. Den einen oder anderen Gedankengang hat man schon lange nicht mehr so prägnant zugespitzt aus grüner Feder lesen können. Danekschön hierfür.
Grüne Grüße
Josef
Vielen Dank für Euer Papier, das ich schon auf der BDK gelesen hatte. Da ich es heute jemandem schicken wollte, habe ich die Kommentarseite gefunden und wollte nicht versäumen mitzuteilen, daß ich das Papier jederzeit unterschreiben würde. Den einen oder anderen Gedankengang hat man schon lange nicht mehr so prägnant zugespitzt aus grüner Feder lesen können. Dankeschön hierfür.
Grüne Grüße
Josef
Liebe Autoren,
Ich habe soeben Euren Artikel gelesen und stimme mit Euch in vielen Punkten überein. Allerdings- und so habe ich auch in einem anderen Kommentar eben gelesen- überrascht und erschreckt mich Eure kühle “Aufrechnungslogik”, die dieser Artikel suggeriert. Auf mich wirkt der Artikel nicht wie eine nüchterne Analyse der Tatsachen, sondern vielmehr wie eine parteiische Stellungnahme und Rechtfertigung der Isrealischen Greueltaten. Dieser Krieg ist ein schmutziger Krieg, an dem jeder, der daran beteiligt ist auch eine gewisse Mitschuld trägt, das steht außer Frage. Aber es haben mir trotzdem viele wichtige Tatsachen in Eurem Artikel gefehlt, die zu einem besseren Verständnis der Lage im Gaza notwendig gewesen wären (teilweise waren da sogar falsche Behauptungen). Beispielsweise die irrtümliche Behauptung “Isreal wollte den Krieg nicht”. Es wird hier leider übersehen, dass Israel nach Auskunft des Verteidigungsministers Ehud Barak die Operation “Gegossenes Blei” bereits sechs Monate im voraus geplant hatte und nur auf den richtigen Moment des Angriffs auf den Gaza streifen gewartet hat. Dass andererseits die islamistischen Kämpfer bis Ende Oktober den Waffenstillstand einhielten steht sogar auf der Internetseite des isrealischen Ministeriums. Auch wird von Euch übersehen, dass die palästinensischen Angriffe auch einen politischen Anlass hatten, nämlich das Kommandounternehmen der israelischen Armee, bei dem am 4. November in Gaza sechs Hamas-Kämpfer getötet wurden (siehe Le Monde diplomatique Februar Ausgabe). Von daher finde ich eure Analyse in diesem Punkt völlig unzureichend und irreführend.
Auch empört mich Eure Behauptung “da die Hamas dadurch die eigene Bevölkerung töten und Infrastruktur zerstören lässt”. Isreal hat unendlich viele andere Möglichkeiten als auf die militante Taktik eines gezielten Luftangriffs zu setzen und Nahkämpfe auf dem Boden zu vermeiden. Wir sind im 21 Jahrhundert angelangt- meint Ihr nicht, dass es heute auch andere Wege gibt sein Land ohne militärische Mittel und Krieg zu verteidigen? Allein durch Nahkämpfe am Boden wäre die Zahl der zivilen Opfer in dem am dichtesten besiedelten Gebiet der Erde (1,5 Mio Menschen auf 370 Quadratkilometer) weitaus geringer ausgefallen. Ein Drittel der Opfer des israelischen Angriffs waren keine Kombattanten und ein Drittel war jünger als 18 Jahre. Was bringt uns allen dann die Behauptung das “Isreal den Krieg nicht wollte”? Isreal war sich der Konsequenzen dieses Angriffs bewusst und hat das Leben von hunderten Zivilisten im Gazastreifen Menschen trotz alle dem in Kauf genommen. Jeder mag gute Intentionen haben, aber allein die Intention reicht nicht. Es ist das Handeln, dass einen Menschen, ein Land definiert. Bereits der damalige Generalstabchef General Mosche Jaalon sagte 2002 “Man muss den Palästinensern bis in den letzten Winkel ihres Bewusstseins klarmachen, dass sie ein besiegtes Volk sind”. Wenn ich mir dann die Angriffe und Handlungen Isreals anschaue, fällt es mir manchmal schwer das Gegenteil zu glauben. Wie Mandela Nelson einst in seinen Memoiren schreibt, dass “es stets der Unterdrücker, nicht der Unterdrückte ist, der die Form des Kampfes bestimmt”.
Eure fast schon sarkastisch wirkende Erkenntnis es fehle “allerdings an ausreichenden Schutzräumen für die Zivilbevölkerung” wirkt im Hinblick auf die seit Januar 2006 verhängte Abriegelung des Gazastreifens schon fast naiv. Seit die Hamas die Parlamentswahlen im Januar 2006 gewonnen hat, boykottierte Isreal die Palästinenserregierung mit einer “Politik der Blockade”. Ich möchte Euch Autoren allen Ernstes Fragen: Flucht wohin denn??? Niemand kann den Gazastreifen verlassen, weder über Land noch übers Meer.
Wie gesagt ich finde dieser Krieg ist ein schrecklicher Krieg und jede Partei die darin involviert ist, ist Mitschuld an all den Greueltaten. Ich verteidige mit meinen Argumenten keineswegs die Politik der Hamas, sondern möchte, dass wir ohne jegliches parteiisches Denken uns ganz nüchtern die Fakten und vor allem die Opfer und Verlierer dieses Krieges anschauen. Die Opfer sind vor allem palästinesische Zivilisten, die im Gaza gefangen gehalten werden und seit Januar 2006 systematisch ihrer Lebensgrundlage entzogen werden.
Mich hat Euer Artikel in der Hinsicht berührt, dass ich es unfassbar finde, mit welch einer erschreckend kühlen Logik in vorangeht und versucht auf eine doch so gefühlslose Art beide Parteien zu analysieren. Es gibt kein Richtig oder Falsch, kein Ja oder Nein, aber manche Dinge kann man nicht relativieren. Man kann es beispielsweise nicht relativieren, dass hunderte von Zivilisten mit ihrem Leben für diesen blutigen Krieg zahlen müssen. Egal ob diese Zivilisten Palästinenser oder Isrealis sind, es ist egal wie man es biegt und wendet- es ist und bleibt unmenschlich. Isreal hat in diesem Krieg viel Schaden angerichtet, auf menschlicher, aber auch politischer Ebene. Auch die Hamas hat ihre Fehler gemacht und darf keineswegs verharmlost werden.
Korrigiert mich wenn ich falsch liege, aber ich habe das Gefühl, dass gerade Ihr, die tunlichst eine Verbindung zu der Judenverfolgung des Dritten Reichs zu vermeiden versucht, Euch durch die historische Schuld und Solidarität zu Isreal selbst zum Komplizen dieser grausamen Politik Israels macht. Dieser Krieg im Gaza hat nichs mit dem Dritten Reich zu tun und Israel sollte wie jedes andere Land auf dieser Welt auch für seine Greueltaten kritisiert werden dürfen.
Danke ML, du hast aus meiner Sicht sehr viel Richtiges gesagt.
Ich will meine und die andere Kritik nicht damit rechtfertigen, aber viele Untersuchungen haben immer deutlich herausgefunden, dass Israel wiederholt gegen gültiges Völkerrecht verstoßen hat.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,615128,00.html
Ich wünsche mir, dass die UN endlich “offiziell” das Kriegsgeschehen analysiert und anschließend auch mal Israel mit Konsequenzen zu rechnen hat.
Wer diesen Konflikt mit Waffen lösen will, muss endlich einsehen, dass er zum Scheitern verdammt ist!