Erst einmal ein Frohes Neues Jahr an alle unsere Blog LeserInnen.
Irgendwie hatte ich gestern ein Deja Vu Erlebnis. Da sprach doch tatsächlich jemand von der CDU/CSU von der bösen Kriminalität. Ach nein, es war nicht schon wieder der griesgrämige Hesse und dieses Mal traf es nicht die Jugendlichen, sondern nun waren mal wieder die Ausländer dran. Alle Jahre wieder beschwört die Union die gestiegenen Kriminalitätszahlen und legitimiert dadurch schärfere Sicherheitsgesetze und staatliche Repression. Dieses Mal hat Peter Ramsauer von der CSU aber den Vogel abgeschossen:
Ramsauer hatte seinen Vorstoß im Handelsblatt vom Freitag damit begründet, dass die Abnahme der Ausländerkriminalität vor allem dadurch herbeigeführt worden sei, dass Ausländer durch die Zuerkennung der deutschen Staatsbürgerschaft formal Deutsche geworden seien. Dies sei aber für die CSU eine vollkommen falsche „political correctness“ (politische Korrektheit). „Wir wollen die Wurzeln aufzeigen und deswegen in der Kriminalstatistik die Herkunft der Täter deutlich benennen, egal welchen Migrationshintergrund sie haben“, betonte Ramsauer mit Blick auf ein Arbeitspapier für die Klausurtagung der Landesgruppe kommende Woche in Wildbad Kreuth.
Ario meint hierzu:
Ja, vielleicht sind es ja stellenweise Menschen mit einem Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche die statistisch gesehen (gemessen an ihrer Gesamtzahl) mehr Straftaten begehen. Aber sind es nicht genau dieselben Menschen mit Migrationshintergrund und Nicht-Deutsche an genau der selben Stelle die statistisch gesehen in höherem Maße schlechte Bildung genossen haben, am menschlichen Existenzminimum leben, arbeitslos sind? Wurden sie nicht hier sozialisiert, wurden sie nicht hier zu dem der sie sind? Soziale Probleme sind keine Frage der Hautfarbe.
Volker Beck findet ebenfalls klare Worte:
“Der 16. Landesverband der Union, die CSU, scheut sich in seinem politischen Abstiegkampf auch nicht vor der Bedienung rassistischer Vorurteile.”
Ramsauer bezieht sich auf die PKS, die Polizeiliche Kriminalstatistik. Es lohnt sich die PKS mal stärker unter die Lupe zu nehmen.
Die PKS wird jährlich vom BKA in Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern herausgegeben und gliedert sich in vier Bereiche: bekanntgewordene Fälle, Aufklärung, Tatverdächtige und ausgewählte Deliktbereiche.
Aber bevor es überhaupt zu der zahlenmäßigen Verwertbarkeit der Delikte kommt, finden im Vorfeld zahlreiche Filterprozesse statt, sodass die PKS nur unzureichend die Kriminalität widerspiegelt.
Es gibt ungefähr 6 Mio. angezeigte Straftaten jedes Jahr mit 2 Mio. Tatverdächtigen, aber am Ende wird nur ein Bruchteil dieser “Tatverdächtigen” verurteilt. In deutschen Gefängnissen befinden sich “nur 60.000 Inhaftierte” und die relative Kriminalität stagniert seit den letzten Jahrzehnten bei 2%. Lediglich die absoluten Zahlen haben zugenommen, aber dies vor allem seit 1990. Warum? Stichwort Wiedervereinigung. Ungefähr 10 Mio Menschen mehr, heißt natürlich auch in absoluten Zahlen mehr Straftaten. Zudem sind die Ermittlungsmöglichkeiten der Polizei durch die Computerisierung enorm gestiegen.
Außerdem stimmt die Behauptung nicht, dass AusländerInnen kriminell sind als Deutsche, weil sie AusländerInnen sind. Ausgeblendet wird, dass die meisten AusländerInnen in Deutschland in Großstädten lebt (dies führt natürlich zu spezifischen Regionaleffeten). Viele AusländerInnen sind in Deutschland von Prekarisierung und Armut betroffen, weil sie nie wirklich integriert wurden und die Polizei handelt bei der Strafverfolgung oft nach bestimmten Filterprozessen, die eindeutig rassistisch motiviert sind (1,2).
Wer wie Herr Ramsauer, gerade vor dem Hintergrund der drohenden Wirtschaftskrise, mit diesen in der Bevölkerung verankerten Ressentiments spielt, agiert mit rassistischer Propaganda. Die Union hat immer noch ein massives Problem mit ihrem rechten Flügel, wie auch die Fälle Hohmann und Nitzsche zeigen.
Die Union hat keine Probleme mit dem rechten Flügel. Es ist ja das Ziel, dass es diesen gibt. Das gibt dann ein paar Stimmen, die sonst an REP, NPD oder wen auch immer gingen.
Die größte Angst der Union wäre eine fähige Partei rechts von ihr, da “rechts” aber geächtet wird, ist dies unwahrscheinlich.
Und Rechte können sich mit der Union “mittig” betiteln. Das fördert alles nur Selbsttäuschung.
Wenn man die CDU schwächen wollte, sollte man seine Empörung gezielter auf Rechts-Radikalismus und -Extremismus richten in der Hoffnung, dass eine Partei rechts der CDU entsteht und diese schwächt.
Dass die CDU hier Mist redet, wurde ja auch sachlich widerlegt. Bzw war es auch in Hessen vielen Wählern klar, weshalb Koch dann so abstürzte.
Es gibt ja bereits nicht extremistische Parteien rechts von der CDU, z.B. Pro NRW, nur etabliert haben sich diese bisher noch nicht. Mir ist eine starke CDU mit einem rechten Flügel der nur selten Macht bekommt, auch lieber als eine schwache CDU und eine rechte Partei in den Parlamenten, die sich dann möglicherweise an Regierungen beteiligt.